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Viele kleine Pilze - Helmlinge (Mycena) von Kazuya *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 8432 Tagen)

hallo,
Bemerkung im voraus: Mir kam zu Ohren, dass einige hier im Forum Probleme mit den lateinischen Pilzbezeichnungen haben. Da ich die Probleme nicht vergrößern möchte, werden die lat. Bezeichnungen jeweils hinter den deutschen Namen gesetzt (immer in Klammern!). Meine Beiträge sollen stets das Ziel haben, verständlich zu sein, auch für Nichtexperten. In diesem Beitrag sollen die Helmlinge, eine größere Gattung innerhalb der Lamellenpilze, besprochen und abgebildet werden.

1) Die Gattung

Die Helmlinge (Mycena) sind in ME mit gut 120 Arten gut vertreten. Sie bilden meist kleinere Fruchtkörper mit Lamellen und überwiegend zentralen Stielen aus. Mit diesen Merkmalen zählen sie zu den Lamellenpilzen, die im lat. "Agaricales" ergeben (mehr dazu bei den Worterläuterungen). Wer sich mit der Gattung beschäftigt, wird an bestimmten Stellen größere Probleme mit der Artbestimmung erkennen. Trotzdem sind viele der Arten leicht bestimmbar, wenn sie die arttypischen Merkmale haben (z.B. Rillstieliger Helmling, rilliger Stiel, der aber nicht immer deutlich ist). Mit bis zu 80 mm Hutbreite erreichen die Helmlingsarten ihr Maximum, während die kleinsten Arten unter 2 mm kaum noch zu entdecken sind. Es sei denn, sie werden gezielt gesucht (z.B. Ölzystiden-Helmling, auf Binsen). Der Hut ist anfangs oft glockig oder kegelig, später aber breitkegelig bis konvex oder ausgebreitet. Ein Buckel kann vorhanden sein, fehlt aber häufig. Helmlinge mit nabelig vertieften Hüten sind selten (oder gibts gar nicht, da müsste ich jetzt nachschauen :-)). Aufgrund der typischen Hutform (kegelig, glockig, dünnfleischig) können kleine, noch unbestimmte Pilze mit kegeliger Hutform und dünnem Hutfleisch provisorisch als "helmlingsartig" bezeichnet werden. D.h., man nimmt die Gattung Helmling (Mycena) als Vergleich, damit man sich den Habitus besser vorstellen kann. Ähnliches gilt für rüblingsartig "collybioid" oder ritterlingsartig "tricholomatoid". Eine solche Einteilung macht einen Überblick über die Lamellenpilze um die Familie "Ritterlingsartige" (Tricholomataceae) um einiges einfacher.

Die Gattung selbst ist jedoch vor allem für Nichtexperten ein absolutes Durcheinander. Hier finden sich die verschiedensten Pilzarten, die dazu noch häufig sehr klein sind und daher oft unbestimmt bleiben. Zudem befinden sich anderso ähnliche Arten (z.B. Scheinhelmlinge "Hemimycena" oder Samthelmlinge "Mycenella"). Der Hut der meisten Helmlinge ist wie erwähnt meist kegelig, im Alter dann ausgebreitet, selten oder nicht genabelt. Die Oberfläche ist meist glatt oder etwas überfasert, seltener auch bereift, meist matt (ohne Glanz). Typisch ist eine Riefung des Hutrandes, die nicht selten bis zum Zentrum hinaufreicht. Diese Hutrandriefung ist für die Bestimmung sehr wichtig, so kann ein Hut "durchscheinend gerieft" oder bis 1/3 des Hutradius gerieft sein. Durchscheinend gerieft bedeutet, dass die Riefung meist feucht auftritt und dann sich irgendwie unter der Hutoberfläche befindet. Die Hutriefung ist eigentlich nur ein Lamellenabdruck, d.h. die Lamellen scheinen durch den Hut. Darum kann ein dickfleischiger Champignon auch nicht gerieft sein, weil die Lamellen nicht durch das dicke Hutfleisch scheinen können. Die Farbe der Hüte reicht von weiß über grün, gelb, rot, blaugrau bishin zu schwarzbraun. Es können auch mehrere Farben vorhanden sein, z.B. in der Hutmitte rotbraun und am Rand grauweißlich (meist heller). Die Farbe des Hutes ist meines Erachtens nur wenig ausschlaggebend für die Bestimmung, es sei denn, sie ist arttypisch [man denke an den Orangegelben Helmling (Mycena acicula)]. Die Lamellen sind immer weiß oder etwas cremefarben. Mit einer Ausnahme: der Rosablättrige Helmling (Mycena galericulata) hat im Alter eindeutig rosafarbene (wenn auch hell) Lamellen. Sie sind entweder aufsteigend oder etwas ausgebuchtet angewachsen, seltener auch +/- stark herablaufend [Bogenblättriger Helmling (Mycena speira)]. Wichtig ist, bei einem Helmling auf die Lamellenschneiden zu achten. Die können nämlich anders gefärbt sein als die Lamellenflächen. So enstanden lat. Namen wie Mycena rubromarginata (rotschneidig) oder Mycena viridimarginata (grünschneidig). Besonders gut sieht man die andersfarbigen Lamellenschneiden beim Farnhelmling (Mycena pterigena), vor allem unter der Lupe (6-Fach).
Der Stiel ist immer unberingt und immer unbescheidet. Helmlinge weisen keinerlei Velumspuren auf, es kann also kein Ring und keine Scheide entstehen. Der Stiel kann stattdessen aber überfasert oder bereift sein [vgl. Großer Bluthelmling (Mycena haematopus)]. Die Stielbasis kann etwas knollig oder auch zylindrisch sein. Auffallend ist die Stielbasis des Postamenthelmlings (Mycena stylobates), der eine kleine Scheibe um die Basis herum aufweist. Dies ist aber kein Einzelfall.
Wo findet man Helmlinge? Auf diese Frage könnte man wahrscheinlich alle Standorte aufzählen. Einen Orangegelben Helmling findet man recht häufig in Brennnesselbeständen, einen Postamenthelmling regelmäßig in Nadelwäldern. Viele Helmlinge wie der Rosablättrige oder der Rillstielige Helmling findenn sich an abgestorbenen Ästen und Stämmen wieder, vor allem von Laubholz. Einige wenige besiedeln aber auch Nadelholzstämme. Seltener findet man Helmlinge in Farnbeständen (Farnhelmling) oder auf abgestorbenen Binsen (Juncus effusus u.a.). Wer genau hinschaut, der wird im Herbst und Frühling auf faulenden, feuchtliegenden Blättern Helmlinge finden. Diese sind meist recht klein und z.T. schwer bestimmbar.
Der Speisewert der Helmlinge könnte im Mittelwert ungenießbar sein. Es gibt sowohl einige leicht giftige als auch einige "leicht" essbare, z.B. der Rettchhelmling (Mycena pura und Mycena rosea), der leicht giftig ist und Verdauungsstörungen hervorruft, und der Rosablättrige Helmling (Mycena galericulata), der in gewissen Bestimmungsbüchern als genießbar angesehen wird. Im Allgemeinen wird man als Sachverständiger alle vorgelegten Helmlinge als ungenießbar bezeichnen, da sie einfach zu klein (bzw. zu dünnfleischig) sind.

2) Die Arten

Ein etwas weniger bekannter Helmling ist der Frühling-Helmling (Mycena abramsii). Seine Fruchtkörper werden mit einer Hutbreite von ca 20 - 50 mm etwa mittelgroß. Die Oberfläche ist fein faserig bis etwas bereift, später aber kahl, die Farbe liegt meist zwischen blaugrau und violettgrau, im Alter auch graubraun. Im jungen Zustand ist die Hutfarbe meist etwas dunkler. Anfangs ist der Hut fast walzenförmig, dann kegelig bis glockig und im Alter ausgebreitet und breit gebuckelt. Der Rand ist gerieft (bisweilen undeutlich) und etwas gezähnelt, später glatt. Die Lamellen sind reinweiß und ausgebuchtet angewachsen sowie etwas bauchig. Der Stiel ist zylindrisch und basal bisweilen etwas knollig, dort meist auch weißfilzig. Die Oberfläche ist fein bereift und etwas rillig. Gegen die Spitze ist der Stiel grauweißlich, abwärts aber graublau (dunkler). Der Frühlingshelmling erscheint seinem Namen entsprechend zwischen März und Mai an abgestorbenen Ästen und Stämmen diverser Laubhölzer, meist gesellig, aber nicht unbedingt büschelig. Die Art dürfte recht häufig sein, ist aber leicht zu verwechseln mit dem Winterhelmling (Mycena niveipes) oder dem Rillstieligen Helmling (Mycena polygramma), der aber im Herbst erscheint.
Frühlings-Helmling - MYCENA ABRAMSII
[image]

Gut bekannt, aber wahrscheinlich häufig übersehen ist der Orangegelbe Helmling (Mycena acicula). Die Fruchtkörper sind mit ihrer Hutbreite von 50 mm) einer der größeren Helmlingsarten. Die Hutoberfläche ist glatt und graubraun, der Rand bis fast zur Hutmitte deutlich gerieft. Die Hutform ist anfangs kegelig bis glockig, später aber ausgebreitet und bisweilen breitbuckelig. Die anfangs weißen, später hell rosafarbenen Lamellen sind bauchig und ausgebuchtet angewachsen. Der zylindrische Stiel ist oberflächlich glatt und graubraun, gegen die Spitze meist aber heller. Die Art kommt vor allem im Herbst an abgestorbenen, meist größeren Stämmen und Strünken diverser Laubhölzer vor. Sie kann gesellig oder auch büschelig erscheinen.
Rosablättriger Helmling - MYCENA GALERICULATA
[image]

3) Statistiken

Artenzahl der Gattung: > 120 Arten
davon giftig: ca. 4 (Mycena pura, M. pelianthina, M. rosea, M. diosma)
Größe der Arten (in Hutbreite): 0,5 - 80 mm.
Taxonomie: Ständerpilze (Basidiomycetes), Lamellenpilze (Agaricales), Ritterlingsartige (Tricholomataceae)

4) Worterläuterung

Agaricales = lat. Bezeichnung für Pilzarten mit Lamellen auf der Hutunterseite, dazu gehören aber nicht die Täublinge und Milchlinge (Russulales) und die Kremplingsartigen (Paxillaceae). Meist teilt sich ein Lamellenpilz in Hut, Lamellen und Stiel ein. Stiellose Lamellenpilze findet man jedoch in den Gattungen Stummelfüßchen (Crepidotus) und Zwergseitling (Resupinatus).

dünnfleischig = hierbei befindet sich relativ wenig Masse ("Fleisch") zwischen Hut und Lamellen. Manche Pilzarten sind so dünn, dass sie nach einem warmen Windstoß austrocknen [z.B. Dungtintling (Coprinus stercoreus]. Dagegen kann der Maipilz schon als dickfleischig bezeichnet werden.

collybioid = im Habitus einer Art der Gattung Rübling (Collybia) ähnlich, d.h. mittelgroße Fruchtkörper mit konvexen Hüten und gerade angewachsenen Lamellen, oft auch zähen, mitteldicken (zylindrischen bis keuligen) Stielen.

tricholomatoid = im Habitus einem Ritterling (Tricholoma) ähnlich, d.h. mikt mittelgroßen bis großen Fruchtkörpern und augebuchtet angewachsenen Lamellen sowie ringlosen, mitteldicken bis dicken (zylindrischen) Stielen [Beispiel: Weichritterling (Melanoleuca), sind als tricholomatoid zu bezeichnen].

Hemimycena = "halbhelmling", kleinere Gattung mit überwiegend weißen Arten, die im Habitus den Helmlingen nahe kommen.

Lamellenschneide = Vergleichbar mit einer Schneide eines Messers, praktisch die "Kante" einer Lamelle. Bei einigen Lamellenpilzen (vor allem Helmlingen) kann diese eine andere Farbe als die Lamellenfläche haben (z.B. rot oder grün).

5) ...Fortsetzung folgt...

Beste Grüße,
Kazuya

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Re: Viele kleine Pilze - Helmlinge (Mycena) von Ka

KlausB, (vor 8431 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Danke Kazuya
ich finde deine Ausarbeitung Klasse, und kann mir vorstellen
dass du dir damit ziemlich viel Arbeit gemacht hast.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Klaus

hallo,
Bemerkung im voraus: Mir kam zu Ohren, dass einige hier im Forum Probleme mit
den lateinischen Pilzbezeichnungen haben. Da ich die Probleme nicht
vergrößern möchte, werden die lat. Bezeichnungen jeweils hinter den

.......

Beste Grüße,
Kazuya

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Endlich ... ;-)

Rainer_aus_AC, (vor 8431 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya,

ich hab leider noch keine Zeit gehabt, Deine Ausarbeitung richtig zu lesen
(mach ich natürlich noch), deshalb erstmal nur Gratulation zu den - wieder
mal - sehr schönen Bildern.

Und - ich finde es super, dass eine der letzten Bastionen des "Wir schreiben
alle Pilznamen konsequent nur lateinisch" im Forum endlich gefallen ist ;-).

Da macht das Lesen - zumindest mir - doppelt soviel Spass. Sonst musste
ich immer parallel ein zweites Buch zur Hand nehmen, um die deutschen
Namen nachzuschlagen.

Viele Grüße,
Rainer.

hallo,
Bemerkung im voraus: Mir kam zu Ohren, dass einige hier im Forum Probleme mit
den lateinischen Pilzbezeichnungen haben. Da ich die Probleme nicht
vergrößern möchte, werden die lat. Bezeichnungen jeweils hinter den
deutschen Namen gesetzt (immer in Klammern!). Meine Beiträge sollen stets
das Ziel haben, verständlich zu sein, auch für Nichtexperten. In diesem
Beitrag sollen die Helmlinge, eine größere Gattung innerhalb der
Lamellenpilze, besprochen und abgebildet werden.

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Hallo Kazuya, interessanter Beitrag. Danke *oT*

Rene, (vor 8430 Tagen) @ Notizbrettbildservice

- kein Text -

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Re: Viele kleine Pilze - Helmlinge (Mycena) von Ka

Kazuya, (vor 8430 Tagen) @ Notizbrettbildservice

hallo,

danke, dass ihr die Bilder toll findet, aber auch, dass euch die Art des Beitrags gefällt. Ich habe nicht vor, dieses zu ändern. Ich möchte weiterhin auf eine gute Verständlichkeit der Texte hinaus. Es sollte schließlich nicht zuweit ins "Fach-Hintermongolisch" geraten.

Gruß,
Kazuya