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Rote Liste, Pfifferling, Böhmische Verpel

Christoph ⌂, (vor 8231 Tagen)

Die Verpeldiskussion aufgreifend, dachte ich, es sei ne gute Idee, das Problem Rote Liste vs. Küche aufzugreifen.

Es gibt in der Tat gefährdete Arten, die lokal noch (zum Glück) richtig häufig sein können. So z.B. das Schweinsohr, Gomphus clavatus. In den Allgäuer und Ammergauer Alpen ist es richtig häufig, lässt sich theoretisch kiloweise sammeln und schmeckt ausgezeichnet. Findte man hingegen außerhalb der Kalkalpen Schweinsohren wäre es fast ein Verbrechen, diese zu verspeisen.

Klar, wegen Sammelns ist noch keine Art ausgerottet worden. Wenn eine Art aber sehr selten ist, sollte man nicht zusätzlich die Sporenverbeitung behindern. Es gibt leider genug (Idioten), die z.B. Königsrhrlinge sammeln und essen, obwohl die Art bundesweit fast ausgestorben ist. Klar wächst sie an manchen Stellen jedes Jahr. Trotzdem - wenn das Mycel mal stirbt ist er ganz weg... und er wird erst recht spät wirklich reif.

Was ich damit sagen möchte? Ganz einfach... bitte dem Pilzschutz zuliebe nur sammeln, was man kennt - und nicht z.B. alle Röhrlinge, die kein Satanspilz sind und auch nicht bitter sind, mitnehmen und spachtln.

Zu ajuga und der Böhmischen Verpel. Es ist klar, in vielen Gegenden ist sie eine absolute Rarität. ich habe sie z.B. erst einmal in natura gesehen. war ein großer Bestand, aber vermutlich nur ein (?!) Mycel. Dort kommt sie jedes jahr (ich wurde hingeführt). Vielen tut es zurecht in der Seele weh, wenn jemand angibt, dass er davon 30 Stück gesammelt hat und sie nun verzehren will. Auch hier gilt: bitte nicht alles morchelartige Sammeln, nach dem Motto, es ist keine Lorchel...
Wenn aber Verpa bohemica großflächig in Massen auftritt, tut es ihr sicher nicht weh, wenn einer mal davon knabbert. Aber leider ist es dann oft nicht nur einer. Daher ist auch klar, dass hier im Forum (ich finde berechtigt) Gegenwind kommt. Man hätte es ja auch diplomatischer ausdrücken können (war heuer so häufig bei mir, dass ich mal ein paar wenige zum Probieren mitnahm - gut, dass es sich eh nicht lohnt).

Zum Pfifferling...
Der ist auch RL 3. Die Aussage, dass egal wo man ihn findet er in der Pfanne landen muss finde ich ehrlich gesagt auch nicht so toll. Man muss vielleicht anfügen, dass es mehrere Pfifferlingsarten gibt. So z.B. ab Juni in Buchenwäldern Cantharellus subpruinosus, oder montan vor allem Cantharellus amethysteus (meist als C. cibarius gesammelt). Der "echte" Cantharelus cibarius im engen Sinne (Flachlandpfifferling ohne dunkleren Hut, ohne angedeutete Schupen, auf Druck nicht sofort rostig fleckend, jung nicht weiß bereift etc.) geht wirklich seit längerem deutlich zurück. es wird der Stickstoffeintrag in die Wälder als Auslöser vermutet. Und Pfiffelringe werden von skrupellosen Sammlern oft schon als Babys aus dem Boden gerissen. Die Art ist in Großstadtnähe zudem einfach übersammelt. Schade, dass man hier keine Rücksicht nehmen kann und ihn immer und überall verputzen muss. Wenn er in größeren mengen vorkommt, warum nicht. Aber immer, überall?

Die Roten Listen sind keine Rechtsnorm. manche Arten wurden auch subjektiv dort eingestuft (und manches ist sicher nicht richtig). Aber sie sind besser als nichts. Übrigens werden sie demnächst überarbeitet werden. Bundesweit läuft das Vorhaben mit Ziel 2008. leider gibt der Staat keinen cent dafür aus und hofft auf rein ehrenamtliche Arbeit. Wäre doch schade, wenn sich viele kostenlos und mit viel Enthisiasmus die Mühe machen - und dennoch ignoriert werden...

Um dem Posting eine Frage anzuschließen...:
Wie sehen es die Teilnehmer hier im Forum - egal ob Mykophage (Pilzesser) oder Pilzinteressierter allgemein. Ist Seltenheit und Schutz egal? Hauptsache es schmeckt? Sollte man regional differenzieren (was mit den Ländelristen eh schon geschieht)?! So kann man dem Bayerwäldler den samtpfiffelring Canth. friesii essen lassen, den Allgäuer seine Schweinsohren lassen und der Starnberger-See-Anwohner kann auch mal ne Schleiereule essen (den Pilz!). oder sollte man streng auf eine Art Etiquette achten, dass RL-Arten für den Kochtopf generell tabu sein sollten und gegengesetzte praktiken geächtet werden müssten?

Vielleicht ergibt sich so eine Diskussion... ich hoffe zumindest (und möglichst kontrovers)

Grüße
Christoph

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Re: Rote Liste, Pfifferling, Böhmische Verpel

fungopracticus, (vor 8231 Tagen) @ Christoph

Die Verpeldiskussion aufgreifend, dachte ich, es sei ne gute Idee, das
Problem Rote Liste vs. Küche aufzugreifen.
Es gibt in der Tat gefährdete Arten, die lokal noch (zum Glück) richtig
häufig sein können. So z.B. das Schweinsohr, Gomphus clavatus. In den
Allgäuer und Ammergauer Alpen ist es richtig häufig, lässt sich
theoretisch kiloweise sammeln und schmeckt ausgezeichnet. Findte man
hingegen außerhalb der Kalkalpen Schweinsohren wäre es fast ein
Verbrechen, diese zu verspeisen.
Klar, wegen Sammelns ist noch keine Art ausgerottet worden. Wenn eine Art
aber sehr selten ist, sollte man nicht zusätzlich die Sporenverbeitung
behindern. Es gibt leider genug (Idioten), die z.B. Königsrhrlinge sammeln
und essen, obwohl die Art bundesweit fast ausgestorben ist. Klar wächst
sie an manchen Stellen jedes Jahr. Trotzdem - wenn das Mycel mal stirbt
ist er ganz weg... und er wird erst recht spät wirklich reif.
Was ich damit sagen möchte? Ganz einfach... bitte dem Pilzschutz zuliebe nur
sammeln, was man kennt - und nicht z.B. alle Röhrlinge, die kein
Satanspilz sind und auch nicht bitter sind, mitnehmen und spachtln.
Zu ajuga und der Böhmischen Verpel. Es ist klar, in vielen Gegenden ist sie
eine absolute Rarität. ich habe sie z.B. erst einmal in natura gesehen.
war ein großer Bestand, aber vermutlich nur ein (?!) Mycel. Dort kommt sie
jedes jahr (ich wurde hingeführt). Vielen tut es zurecht in der Seele weh,
wenn jemand angibt, dass er davon 30 Stück gesammelt hat und sie nun
verzehren will. Auch hier gilt: bitte nicht alles morchelartige Sammeln,
nach dem Motto, es ist keine Lorchel...
Wenn aber Verpa bohemica großflächig in Massen auftritt, tut es ihr sicher
nicht weh, wenn einer mal davon knabbert. Aber leider ist es dann oft
nicht nur einer. Daher ist auch klar, dass hier im Forum (ich finde
berechtigt) Gegenwind kommt. Man hätte es ja auch diplomatischer
ausdrücken können (war heuer so häufig bei mir, dass ich mal ein paar
wenige zum Probieren mitnahm - gut, dass es sich eh nicht lohnt).
Zum Pfifferling...
Der ist auch RL 3. Die Aussage, dass egal wo man ihn findet er in der Pfanne
landen muss finde ich ehrlich gesagt auch nicht so toll. Man muss
vielleicht anfügen, dass es mehrere Pfifferlingsarten gibt. So z.B. ab
Juni in Buchenwäldern Cantharellus subpruinosus, oder montan vor allem
Cantharellus amethysteus (meist als C. cibarius gesammelt). Der
"echte" Cantharelus cibarius im engen Sinne
(Flachlandpfifferling ohne dunkleren Hut, ohne angedeutete Schupen, auf
Druck nicht sofort rostig fleckend, jung nicht weiß bereift etc.) geht
wirklich seit längerem deutlich zurück. es wird der Stickstoffeintrag in
die Wälder als Auslöser vermutet. Und Pfiffelringe werden von skrupellosen
Sammlern oft schon als Babys aus dem Boden gerissen. Die Art ist in
Großstadtnähe zudem einfach übersammelt. Schade, dass man hier keine
Rücksicht nehmen kann und ihn immer und überall verputzen muss. Wenn er in
größeren mengen vorkommt, warum nicht. Aber immer, überall?
Die Roten Listen sind keine Rechtsnorm. manche Arten wurden auch subjektiv
dort eingestuft (und manches ist sicher nicht richtig). Aber sie sind
besser als nichts. Übrigens werden sie demnächst überarbeitet werden.
Bundesweit läuft das Vorhaben mit Ziel 2008. leider gibt der Staat keinen
cent dafür aus und hofft auf rein ehrenamtliche Arbeit. Wäre doch schade,
wenn sich viele kostenlos und mit viel Enthisiasmus die Mühe machen - und
dennoch ignoriert werden...
Um dem Posting eine Frage anzuschließen...: Wie sehen es die Teilnehmer hier
im Forum - egal ob Mykophage (Pilzesser) oder Pilzinteressierter
allgemein. Ist Seltenheit und Schutz egal? Hauptsache es schmeckt? Sollte
man regional differenzieren (was mit den Ländelristen eh schon
geschieht)?! So kann man dem Bayerwäldler den samtpfiffelring Canth.
friesii essen lassen, den Allgäuer seine Schweinsohren lassen und der
Starnberger-See-Anwohner kann auch mal ne Schleiereule essen (den Pilz!).
oder sollte man streng auf eine Art Etiquette achten, dass RL-Arten für
den Kochtopf generell tabu sein sollten und gegengesetzte praktiken
geächtet werden müssten?
Vielleicht ergibt sich so eine Diskussion... ich hoffe zumindest (und
möglichst kontrovers)
Grüße
Christoph

hallo, christoph,
es tut richtig gut, deine nicht nur (natürlich!) fundierten gedanken zur "pilzernte" zu lesen, sondern einmal verstand und ethos derjenigen, die pilze für speisezwecke sammeln ( ich gehöre ja auch dazu) vereint vorgetragen zu sehen.
ich weisheite in binsen, wenn ich in diesem zusammenhang die pilzfotografie jedem pilzfreund ans herz legen möchte.viele bestimmungsmerkmale sind für den "normalverbraucher" auch an ort und stelle am lebenden exemplar festzustellen. wer's genauer wissen will, kann auch, zu allermeist, einige (wenige!) exemplare mitnehmen. und fotos sind ja nicht nur einigernmaßen aussagekräftig, sondern auch etwas für ein langlebiges archiv prädestiniert.
ich persönlich kann "massenernten" akzeptieren, wenn es a) es das vorkommen, die häufigkeit und die ökologie (mykorrhiza!) wirklich erlaubt und b) eine vernünftige (?) verwendung des sammelgutes gewährleistet ist.
immer sollte für den "mykophagen" oder auch für den gelegentlichen pilzverzehrer gelten: hauptsache, es schmeckt mit gutem gewissen.aber dazu sind andere fähigkeiten als ausschließlich mykologische gefragt. schade wäre es jedenfalls um jedes "schwammerl", wenn es geerntet wird, ohne dass ein vernünftiger grund dahinterstünde. der genussvolle verzehr der objekte unseres interesses ist davon eh auch einer.
adi

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Re: Rote Liste, Pfifferling, Böhmische Verpel

Dedimyk, (vor 8231 Tagen) @ Christoph

Hallo Christoph,

mit Deinem Beitrag sprichst Du mir aus der Seele.Wenn ich die Beiträge der letzten Wochen betrachte, entsteht bei mir der Eindruck, daß es sich um eine Morchel/ Verpelmanie handelt.
Jeder will hier den anderen übertreffen in Bezug auf Menge und terminlichem Vorkommen von Morcheln und Verpeln unter Außerachtlassung des Artenschutzes.
Bei der böhmischen Verpel Verpula bohemica wird sogar geschmacksabwertend gegenüber den Morcheln gepostet.
Da muß Einhalt geboten werden. Ich war begeistert, als es mir vor 2 Jahren gelang im Rahmen meiner Kartierungsarbeiten in einem Auenwald mit lehmig/tonigem Boden und diversen Frühblühern einige böhmische Verpeln zu finden
und den Nachweis für den Kreis Gifhorn / Wolfsburg damit zu dokumentieren.
Lediglich 1 Exemplar wurde mitgenommen zur Untersuchung und als Exsikkat für mein Herbar.
Nachsuchen letztes Jahr erbrachten Wiederholungsfunde am gleichen Standort, doch
es fiel mir nicht im Traume ein, diese Fruchtkörper mitzunehmen, ganz im Gegenteil habe ich sie entsprechend noch zugedeckt, um sie vor zufälligem Finden
zu schützen.
Verpa bohemica gehört in Niedersachsen zu den stark gefährdeten Arten und wird
mit RL 2 in der Roten Liste ausgewiesen.
Ich kann abschließend nur wie Christoph an die Vernunft apellieren mit den geschützten Arten pfleglich umzugehen und Artenschutz auch mal vor Gaumenschmaus zu stellen.

Dedimyk

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Rote-Liste-Pilze im SuperMarkt!

ajuga, (vor 8231 Tagen) @ Christoph

Als aufmerksamer Pilzfreund sollte man auch in Deutschlands Supermärkten den Pilzbestand unter die Lupe nehmen! Da entdeckt man dann den wahren "Frevel", der in keiner Weise geahndet wird!

Zum Beispiel vertreibt die Firma "Wagner - Pilze und Gewürze" getrocknete Waldpilze mit veränderlichen Anteilen. Auch einzeln gibt es beispielsweise den Pfifferling - Rote Liste 3!
Nun ist sicher unklar, wo die Pilze herstammen, aber es kann gut sein, dass sie aus Deutschlands Wäldern kommen. Rote-Liste-Pilze im großen Stil zu vertreiben -das ist wirklich das Letzte!

Meine Handvoll mitgenommener Verpeln - die meisten habe ich an Ort und Stelle zurückgelassen (die Aufregung könnte sich also mal wieder legen!) - haben den Bestand vermutlich in keiner Weise gefährdet!
Außerdem sammle ich Pilze nicht, um mir den Magen damit vollzuschlagen. Dafür reicht es eh meist nicht und allzu gesund und verträglich sind große Mengen Pilze sowieso nicht. Mir war so, als hätte ich herrliche Bilder reingestellt, die ich natürlich archiviert habe und deren Anblick mich in Zukunft regelmäßig erfreuen wird!

ajuga

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Re: Rote-Liste-Pilze im SuperMarkt!

Christoph ⌂, (vor 8231 Tagen) @ ajuga

Hi ajuga,

du schreibst:

Als aufmerksamer Pilzfreund sollte man auch in Deutschlands Supermärkten den
Pilzbestand unter die Lupe nehmen! Da entdeckt man dann den wahren
"Frevel", der in keiner Weise geahndet wird!

Pfifferlinge im Supermarkt kommen alle aus dem Ausland, da sie, wie z.B. auch Steinpilze bei uns nicht kommerziell gesammelt werden dürfen. Rote Listen spielen hier aber keine Rolle (juristisch). Und wer sagt, dass der Pfifferling im Baltikum oder in Polen zurück geht?
Warum "wahrer Frevel"? Heißt das, dass z.B. Königsröhrlinge Futtern kein "wahrer Frevel" ist?

Meine Handvoll mitgenommener Verpeln - die meisten habe ich an Ort und Stelle
zurückgelassen (die Aufregung könnte sich also mal wieder legen!) - haben
den Bestand vermutlich in keiner Weise gefährdet!

Es sagt ja auch keiner, dass der Bestand gefährdet wurde. Und warum sollte sich eine Aufregung legen? Ich habe absichtlich einen neunen Thread geöffnet, um das Thema allgemein zu fassen. Wenn du es aber so direkt ansprichst, so finde ich, dass eine gewisse "Aufregung" nicht schlecht ist/war. Es kommt einfach etwas seltsam rüber, wenn man in der Form, wie es geschah, vom Verpelschmaus berichtet. Wie es gemeint war ist natürlich was anderes. Aber wie es aufgefasst werden könnte, das ist ein Problem. Wenn du inhaltlich hinter Naturschutz und auch Artenschutz bei Pilzen stehst, solltest du eigentlich kein Problem an der Kritik deines Beitrages (der Form wegen) haben. Denn du hast sicher keine Verpel ausgerottet und auch sonst kein "Verbrechen" begangen. Wenn es aber allgemein üblich wäre, alles morchelartige zu verspeisen, wäre das sehr traurig. Ich esse selber sehr gerne Pilze. Aber ich muss nicht alles in den Kochtopf schmeißen (obwohl mir das oft wegen meiner Experimentierfreude oft nachgesagt wird *grins*). Und wenn mal doch aus Neugierde, dann halt mal ein oder zwei Fruchtkörper des Geschmacks wegen, aber keine großen Mengen und auch kein Geprahle damit. Aber vermutlich reden wir aneinander vorbei. Mein neuer Thread war nicht auf dich gemünzt, sondern ist allgemein gehalten. Drum brauchst du dich nicht zu verteidigen oder angreifen zu lassen ;-).

Mir war so, als hätte ich herrliche Bilder

reingestellt, die ich natürlich archiviert habe und deren Anblick mich in
Zukunft regelmäßig erfreuen wird!

Und mich als Wissenschaftler würde insbesondere freuen, wenn statt nur in den magen auch ein oder zwei Fruchtkörper als Beleg getrocknet aufbewahrt werden (und ner Sammlung mal gegeben werden). Wer weiß, ob in 10 Jahren da noch Verpeln wachsen, oder in 50 Jahren. So hat man einen sicheren Beweis, dass sie mal vorkamen (besser als Photos). Sowas ist wichtig für Verbreitungsangaben und auch spätere Roten Listen.

Grüße
Christoph

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gewerbliches Sammeln

Birgit, (vor 8231 Tagen) @ Christoph

Hallo Christoph

du schreibst: Pfifferlinge im Supermarkt kommen alle aus dem Ausland, da sie,
wie z.B. auch Steinpilze bei uns nicht kommerziell gesammelt werden
dürfen.

Das ist so nicht richtig. Es ist ein hartnäckiges Gerücht, daß gewerbliches Sammeln von teilweise geschützten Pilzen (aus dem ANhang des Artenschutzgesetzes) in Deutschland verboten ist. Es gibt Ausnahmegenehmigungen, die die mittlere Natuurschutzbehörde erteilt. Diese Ausnahmegenehmigungen sind überhaupt nicht schwer zu bekommen: Ich weiß z.B., daß es nördlich von Augsburg im Raum Fischach/Zusmarshausen, zwei gewerbliche, genehmigte Ankaufstellen für Steinpilze gibt. Die Genehmigung wird für ein Jahr für eine vom Antragssteller angegebene Menge in kg in einem genau umgrenzten Gebiet erteilt. Die Kosten der Genehmigung werden nach dieser Menge berechnet. Ich hab interessehalber mal beim Regierungsbezirk Schwaben unter genauer Gebietsumgrenzung nach einer Sammelgenehmigung für Steinpilze, Spitz- und Speisemorcheln und Trompetenpfifferlingen in einer jährlichen Menge von max. 70 kg nachgefragt. Ich hätte diese Genehmigung laut Behörde ohne Probleme bekommen. Besitzt man eine solche Genehmigung kann man auch andere Leute für sich zum Sammeln schicken. Von den teilweise geschützten Pilze (u.a. Pfifferling, Steinpilz, Trompetenpfifferling, Speise-/Spitzmorchel, Schweinsohr....) dürfen auch Privatpersonen max. 1 kg sammeln, da halten sich viele von uns auch nicht dran ... ;-) (ich auch nicht immer z.B. bei Spitzmorcheln auf RIndenmulch). Alle anderen Pilze, die nicht teilweise geschützt sind, dürfen ohne jede Beschränkung auch gewerblich vermarktet werden. Mir wurde von Amts wegen mitgeteilt, daß ich für Totentrompeten keine Genehmigung brauchen würde, da sie ja nicht geschützt sind.

Rote Listen spielen hier aber keine Rolle (juristisch).

Eben, weil die Pilze auf der roten Liste bei weitem nicht alle gesetzlich geschützt sind. Da die Schutzwürdigkeit einiger Pilze mit gesetzlichem Schutz ziemlich fragwürdig ist (z.B. beim Trompetenpfifferling) und einige wirklich schützenswerte keinen gesetzlichen Schutz genießen, sind wir auf unsere Eigenverantwortung angewiesen. Da ist die rote Liste aber eigentlich ein guter Fingerzeig, obwohl auch bei ihr Abstriche wegen der Regionalität gemacht werden können.

Bei Röhrlingen und auch bei Pfifferlingen sehe ich möglicherweise ein echtes Problem mit der Sammelei, es könnte schon sein, daß da jeder noch so seltene Röhrling mitgenommen und gefuttert wird, weil man sich ja kaum vergiften kann. Und wenn man den Satansröhrling noch ausschließen kann, dann wandern die Rotporer auch noch in den Korb. Bei allen morchelartigen Pilzen bin ich dagegen eher skeptisch, ich habe den Eindruck, daß sie hier nicht von so vielen Leuten gesammelt werden, daß jedes Exemplar im Korb landet (auch wenn sich das hier im Forum im Moment anders anhört, wir sind doch nur ne ganz kleine Minderheit). Wenn sie wirklich so bekannt und beliebt wären, würden doch alle Rindenmulchmorcheln schleunigst aus den Vorgärten verschwinden.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: gewerbliches Sammeln

Christoph ⌂, (vor 8231 Tagen) @ Birgit

Hi Birgit,

danke für die Infos. Ich vermute nur dennoch, dass es sich hierzulande kaum lohnen dürfte, gewerblich zu sammeln, da z.B. in Osteuropa die Sammler billiger entlohnt werden dürften. Wenn, dann macht es wohl im kleinen rahmen, also direkt zwischen Sammler und z.B. einem Restaurant Sinn. Hierbei denke ich aber, dass vieles schwarz abläuft.

Grüße
Christoph

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Bundesartenschutzverordnung

Matthias, (vor 8231 Tagen) @ Birgit

Hallo Zusammen,
wenn ich das richtig mitbekommen habe ist die Bundesartenschutzverordnung 2002 geändert worden und seitdem sind dort keine Pilze mehr enthalten, hat da jemand nähere Informationen zu?
viele Grüsse
Matthias

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Re: Bundesartenschutzverordnung

Birgit, (vor 8231 Tagen) @ Matthias

Hallo Matthias,

wenn ich das richtig mitbekommen habe ist die Bundesartenschutzverordnung
2002 geändert worden und seitdem sind dort keine Pilze mehr enthalten, hat
da jemand nähere Informationen zu?

es sind immer noch Pilze "drin". Wir hatten hier schon mal einen Thread dazu, da hatte ich die Liste auch mal irgendwo im Internet gefunden. Vielleicht suuch ich nochmal nach dem Thread.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: Bundesartenschutzverordnung

Matthias, (vor 8214 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,
du hast recht, es stehen noch ein paar Pilze drin, ich hatte beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit nachgefragt.
Hier der entscheidenende Teil der Mail:

"Sehr geehrter Herr Fischer,
in der geltenden Fassung der Bundesartenschutzverordnung (April 2002)
heißt es in § 2 (Ausnahmen von einzelnen Verboten):
(1) Die Verbote des § 201 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 des
Bundesnaturschutzgesetzes gelten nicht für Pilze der nachstehend
aufgeführten Arten, soweit sie in geringen Mengen für den eigenen Bedarf der
Natur entnommen werden:
Steinpilz, Pfifferling - alle heimischen Arten - Schweinsohr, Brätling,
Birkenpilz und Rotkappe - alle heimischen Arten -
Morchel - alle heimischen Arten -.
(2) Die nach Landesrecht zuständige Behörde kann im Einzelfall für die in
Absatz 1 genannten Pilze weitergehende Ausnahmen von den dort genannten
Verboten zulassen, solange und soweit die Erhaltung der betreffenden Arten
landesweit oder in bestimmten Landsteilen nicht gefährdet ist.

Mit freundlichen Grüßen"

liebe Grüsse
Matthias

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Re: Rote Liste, Pfifferling, Böhmische Verpel

matt, (vor 8231 Tagen) @ Christoph

Die Verpeldiskussion aufgreifend, dachte ich, es sei ne gute Idee, das
Problem Rote Liste vs. Küche aufzugreifen.

Ich denke, das z.T. äusserst unterschiedlich starke Vorkommen bestimmter Pilze in Abhängigkeit von Höhenlage, Bodenbeschaffenheit u.ä. kann m.E. nicht unberücksichtigt bleiben. Im Grunde genommen reichen Beschränkungen auf Länderebene nicht aus, um den starken regionalen Unterschieden gerecht zu werden. Da die roten Listen ohnehin keinen verbindlichen Charakter haben, sollte über einen Schutz der jeweils seltenen Arten durch entsprechende Satzung auf Gemeinde- oder Kreisebene nachgedacht werden. Am wirkungsvollsten und effektivsten dürfte es sein, jeweils eine Liste mit zum Sammeln freigegebenen Pilzen zu erstellen (sicher eine dankbare und verantwortungsvolle Aufgabe für alle PSV).

Gruss, Matt

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Re: Rote Liste, Pfifferling, Böhmische Verpel

Matthias, (vor 8231 Tagen) @ matt

Ich denke, das z.T. äusserst unterschiedlich starke Vorkommen bestimmter
Pilze in Abhängigkeit von Höhenlage, Bodenbeschaffenheit u.ä. kann m.E.
nicht unberücksichtigt bleiben. Im Grunde genommen reichen Beschränkungen
auf Länderebene nicht aus, um den starken regionalen Unterschieden gerecht
zu werden. Da die roten Listen ohnehin keinen verbindlichen Charakter
haben, sollte über einen Schutz der jeweils seltenen Arten durch
entsprechende Satzung auf Gemeinde- oder Kreisebene nachgedacht werden. Am
wirkungsvollsten und effektivsten dürfte es sein, jeweils eine Liste mit
zum Sammeln freigegebenen Pilzen zu erstellen (sicher eine dankbare und
verantwortungsvolle Aufgabe für alle PSV).
Gruss, Matt

Hallo Matthias,
ich denke es wäre zu einfach die Arbeit nur auf die PSV abzuwälzen, es kann ja jeder bei der Kartierung mitarbeiten, natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten. Es geht ja Online hier: http://pilzkartierung.synopwin.de .
Wenn man sein Sammelgebiet recht gut kennt weis man ja auch welche Arten häufig sind und welche man besser im Wald lässt,
viele Grüsse
Matthias

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Positivlisten (Sammellisten)

Werner, (vor 8231 Tagen) @ matt

Ich denke, das z.T. äusserst unterschiedlich starke Vorkommen bestimmter
Pilze in Abhängigkeit von Höhenlage, Bodenbeschaffenheit u.ä. kann m.E.
nicht unberücksichtigt bleiben. Im Grunde genommen reichen Beschränkungen
auf Länderebene nicht aus, um den starken regionalen Unterschieden gerecht
zu werden. Da die roten Listen ohnehin keinen verbindlichen Charakter
haben, sollte über einen Schutz der jeweils seltenen Arten durch
entsprechende Satzung auf Gemeinde- oder Kreisebene nachgedacht werden. Am
wirkungsvollsten und effektivsten dürfte es sein, jeweils eine Liste mit
zum Sammeln freigegebenen Pilzen zu erstellen (sicher eine dankbare und
verantwortungsvolle Aufgabe für alle PSV).

Im Prinzip hättest Du recht. Nur befürchte ich, daß eine Positivliste sehr schnell arg negative Folgen hätte, was im Endeffekt so weit wie in Südtirol (komplizierte, landkreisabhängige Sammellizenzen) oder gar NL (generelles Sammelverbot) gehen kann. Denn wenn der deutsche Beamte eine Positivliste bekommt, wird er sehr schnell den umgekehrten Weg gehen und Verbote erlassen. Und dann ist für uns Mykologen aus mit lustig.

Deswegen halte ich das bisherige System für besser. Auflagen und Verbote haben wir eh schon genug in D.

Gruß,

Werner

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Re: Positivlisten (Sammellisten)

Christoph ⌂, (vor 8230 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

ganz meine Meinung. Warum sollt eman eine Positivliste erstellen? Pilze Sammeln und Essen macht Spaß. Wenn es sich nicht um seltene Arten handelt - warum nicht. Wer den Wolligen Milchling essen will, oder Waldfreundrübling etc., der hätte mit einer Positivliste wohl arge Probleme. Da kämen dann nur die - sagen wir mal 20 oder 40 - wichtigsten Speisepilzarten vor. Warum sollte sich dann ein Pilzsammler um eine Erweiterung seiner Artenkenntnis sorgen oder sich dort bemühen - und vielleicht auch vom Pilzvirus gepackt werden wie manch anderer, der heute Fachartikel schreibt?!
Ich würde mich bevormundet fühlen, wenn ich nur noch bestimmte Arten sammeln dürfte. Wenn ich die schützenswerten nicht sammeln dürfte, dann habe ich immer noch einen Riesenanteil an interessanten Schwammerln, um die man sich "kümmern" könnte.

Nein, für mich wäre diese Form des Bürokratismus nix. Es würde m.E. nur lähmen.
Negativlisten zu erstellen ist auch sehr zeitaufwändig. Ich habe das ja im DGfM-Forum angestoßen. Diese auch regional zu bearbeiten geht womöglich (auf Landesebene. Aber wer hat die Kompetenz, für jede Gemeinse eine eigene Liste zu erstellen. und woher weiß ich, zu welchem Gemeindegebiet der Wald gehört. Ich dürfte auch bei einer längeren Autofahrt nicht mal eben so in den Wald springen. Es fehlen die Mykologen, die für jede Gemeinde die Arbeit (wohl unbezahlt?) übernehmen würden - und es wäre für die Sammler ein Graus.

Ich finde es gar nicht so schwierig - schützenswerte Arten nicht in den Kochtopf schmeißen - oder nur wenige Exemplare, aber dann dort, wo sie noch stabile Populationen haben (denn auch da gilt - wenn das jeder täte...).

Grüße
Christoph

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waidgerecht mit den Funden umgehen *oT*

Karl-Heinz ⌂, (vor 8230 Tagen) @ Christoph

- kein Text -