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Entoloma clypeatum vs. s(a)epium *PIC*

Thomas, (vor 8204 Tagen)

Hallo Pilzexperten!
Jedes Jahr zu dieser Zeit taucht sie auf, die berühmte Rötlingsfrage:
Schild- oder Schlehenrötling; clypeatum oder s(a)epium?
Mikroskopisch scheint da ja (laut Pilze der Schweiz) nicht viel Unterschied zu sein, um nicht zu sagen keiner.
Beim lesen anderer Literatur macht sich da auch nur Verdruss breit.

Was alle gemeinsam beschreiben ist, dass sepium der blassere von beiden ist. Aha! Dazu hier ein paar Bilder:
Bild 1. Die Rötlinge wuchsen unter einem Pflaumenbaum nach längerer Trockenheit.(sepium?)
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Bild 2. Hier hab ich am gleichen Tag, aus dem gleichen Mycel, bei der gleichen Trockenheit zwei Hüte dazu gelegt (clypeatum?)
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Bild 3. Immer noch Pilze aus dem gleichen Mycel, nur nach 2 Tagen Regen
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Kurz gesagt, aus diesem einen Mycel gehen Fruchtkörper hervor mit denen man die ganze Bandbreite an Beschreibungen der beiden Arten aller Pilzbücher die ich habe abdecken kann.
Hier noch ein paar Eindrücke, wie gesagt alle aus dem gleichen Mycel:
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Nun wäre ich dankbar wenn mir jemand von euch etwas dazu sagen könnte das nicht schon in einem meiner Bücher steht, nämlich ein echtes Trennungsmerkmal.

Gruß Thomas

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Re: Entoloma clypeatum vs. s(a)epium

Andreas ⌂, (vor 8204 Tagen) @ Thomas

Hallo Thomas,

Deine Pilze dürften wohl E. clypeatum sein.
Wir hatten letzte Woche E. clypeatum grauhütig + 1x weißhütig und E. aprile. Daher haben Hupi und ich uns die mal näher angeguckt, und zwar vorrangig mit Hilfe von NOORDELOOS (1992) - Fungi Europaei, vol. 5. Entoloma.
NOORDELOOS gibt folgenden Schlüssel (bezogen auf die Frühjahrsrötlinge):
1. Hut mäßig bis ziemlich dunkel grau oder sepia, manchmal mit gelben oder ockerfarbenen Tönen .............. 2
1* Hut weiß, creme, gelblich- bis blassgrau ...............4
2. Fruchtkörper relativ schlank mit brüchigem Fleisch; Stiel schnell hohl werdend; Hutoberfläche stark hygrophan, tief durchscheinend gerieft, glatt; Fleisch mit Guajak blaugrün werdend; unter Ulmus ............. E. aprile[/i]
2* Fruchtkörper relativ fest und kompakt, Stiel fest; Hutoberfläche zwar hygrophan, aber nicht oder kaum durchscheinend gerieft (nur in älteren Exemplaren öfters stärker), anfangs radial-faserig und/oder mit unregelmäßigen "Pockennarben" [wohl Wasserflecken gemeint, Anm. von mir], Zentrum manchmal etwas runzelig; Fleisch gewöhnlich nicht mit Guajak reagierend; unter Rosaceae ........................ 3
3. Stiel weiß oder im mittleren Bereich grau überlaufen, anfangs längsfaserig oder mit einigen lose aufgelagerten Fasern; Basidien mit Schnallen ...... E. clypeatum var. clypeatum[/i]
3* Stiel graulich, stark längsfaserig-rillig; Basidien ohne Schnallen ....... E. clypeatum var. defibulatum[/i]
4. Hut glänzend/leuchtend ["brilliantly" im orig.] weiß, schwach hygrophan ........ E. niphoides[/i]
4* Hut blaß creme, grau oder ocker gefleckt ............ 5
5. Hut deutlich hygrophan, gewöhnlich am Rand kurz durchscheinend gerieft; Stiel- und Hutoberfläche bei Verletzung/Berührung niemals gelb bis ornage verfärbend/fleckend; Fleisch ohne Reaktion mit Guajak ........ E. clypeatum var. pallidogriseum[/i]
5* Hut nicht hygrophan, nicht durchscheinend gerieft ............ 6
6. Hut jung mit faserigem Velum, alt abwechselnd gefleckt mit glimmrigen und grauen, polierten Stellen; Sporen 10,5-12,5(14) x 10-12 µm, abgerundet-eckig [= isodiametrisch, Anm. von mir]; unter Ulmus vorzugsweise auf Lehmboden, Hut oft bereits unter der Erdoberfläche aufschirmend und daher Hutoberfläche oft mit Erdpartikeln behaftet ................. E. saundersii[/i]
6* Hut ohne Velum, +/- glatt, creme bis blass gelbbraun; Fleisch und Hut- und Stieloberfläche oft ocker bis rotorange verfärbend im Alter oder auf Druck; Sporen (7,5)8-10,5 x (6,5)8-10 µm, leicht heterodiametrisch; unter diversen Rosaceae ............ E. sepium[/i]

Soweit als NOORDELOOS.
Was man da auf jedenfall an Unterschieden rauslesen kann zwischen E. sepium und E. clypeatum ist folgendes:
Hut: hygrophan (clypeatum) - nicht hygrophan (sepium)
Verfärbung von Fleisch etc.: nein (clypeatum) - ockergelb bis orangerot (sepium)
Hutfarbe: hell bis dunkel, jedoch immer mit Grauton (clypeatum) - creme bis hell gelbbraun (sepium). Überschneidung gibt es also nur bei den sehr hellhütigen Formen.

Noch die Übersetzung der Anmerkung zu Entoloma sepium bei NOORDELOOS:
"Entoloma sepium [...] ist einfach zu unterscheiden anhand der orangegelben Verfärbung des Fleisches bei Bruch und dem blassen, nicht hygrophanen Hut, der für gewöhnlich sehr regelmäßig geformt ist. Er ist eßbar, kann aber mit Entoloma niphoides und blassen Formen von Entoloma clypeatum verwechselt werden, die in vergleichbaren Biotopen vorkommen, und oft findet man diese Arten dicht beieinander wachsend. Es ist daher empfohlen nur typische und frische Exemplare zum Essen zu sammeln."

Für mich sind also demnach Deine Pilze eindeutig Entolooma clypeatum, von mir aus inkl. der forma pallidogriseum wenn man sowas unterscheiden will.

Beste Grüße,
Andreas

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Re: Entoloma clypeatum vs. s(a)epium - Nachtrag

Andreas ⌂, (vor 8204 Tagen) @ Andreas

Noch vergessen:

Die Schreibweise "sepium" ist korrekt, "saeoium" ist falsch.

Die Bindung an Rosaceae bzw. Ulmus ist vermutlich nicht 100% trennend, also deuten fehlende Ulmen nicht unbedingt darauf hin, dass es sich nicht doch um die (angeblichen) Ulmenbegleiter handeln könnte.

Beste Grüße,
Andreas

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Danke Andreas...

Thomas, (vor 8204 Tagen) @ Andreas

...für die prompte und wirklich präzise Antwort.
Das bringt doch ein bisschen Licht ins Dunkel.
Ich bewundere wie du immer wieder in kürzester Zeit solche Antworten verfasst!

Gruß Thomas

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Re: Entoloma clypeatum vs. s(a)epium

KlausB, (vor 8204 Tagen) @ Thomas

Hallo Thomas

habe mich am Wochenende auch mit entoloma clypeatum beschäftigt.

Diesen zuerst falsch bestimmt und dann aufgrund der Sporenform
korrigiert.
Ich hoffe ich liege damit richtig, bin noch Anfänger, und sorry
für die relativ schlechten Aufnahmen durchs Mikroskop.

Siehe:
http://mitglied.lycos.de/hunter105/Pilze/Pilze.html

Grüße Klaus

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Re: Entoloma clypeatum vs. s(a)epium

Wolfgang P., (vor 8201 Tagen) @ KlausB

Hallo Thomas
habe mich am Wochenende auch mit entoloma clypeatum beschäftigt.
Diesen zuerst falsch bestimmt und dann aufgrund der Sporenform
korrigiert.
Ich hoffe ich liege damit richtig, bin noch Anfänger, und sorry
für die relativ schlechten Aufnahmen durchs Mikroskop.
Siehe: http://mitglied.lycos.de/hunter105/Pilze/Pilze.html
Grüße Klaus

Hallo Klaus,

Wenn Dein Pilz E. clypeatum sein sollte, dann zumindest kein typischer. Der Hut ist zu braun. Mitte Mai darf man auch nicht mehr nur die wenigen Frühlingsarten im Blick haben, auch die unzähligen Sommerarten können jetzt kommen.

Mein erster Versuch wäre sordidulum, aber ohne eine saubere Mikroskopie der Huthaut sind Rötlinge nur selten zu bestimmen.

Wolfgang