Hallo,
zunächst mal ist es doch ein Riesen-Fortschritt in unserer Artenkenntnis, dass es bei diesem Einzelfund (und dann noch alt, unvollständig) "nur" noch um die Frage geht: legaliae oder rubrosanguineus? Dass also keiner mehr an rhodoxanthus, rhodopurpureus, satanas oder gar luridus denkt. Das hätte vor ein paar Jahren sichr noch anders ausgesehen.
Aber was von beiden jetzt tatsächlich zutrifft, ist schwierig zu entscheiden - genau solche Kollektionen sind es ja, die einen auch wieder etwas an der Trennung beider Arten zweifeln lassen.
Boletus legaliae kann alt durchaus schorfig-rissig werden, aber bei rubrosanguineus ist der Kontrast zwischen den dunklen Feldern und den roten Rissen meist viel auffälliger. Auch sollte rubrosanguineus an Hut, Poren und Stiel tiefer rot gefärbt sein (das Exemplar kann natürlich durchs Liegen ausgeblasst sein). Fazit: eher Tendenz zu legaliae (auch wegen des Geruchs), aber ohne endgültige Sicherheit . Eine Standortangabe wäre noch ganz hilfreich gewesen.
Übrigens ist gerade legaliae die weniger kalkholde (aber wärmeliebendere) Art (Eiche), während rubrosanguineus montane Lagen auf Kalk zu bevorzugen scheint (Fichte, Buche). Die Funde aus dem Schönbuch zeigen aber, dass sie auch ins Hügelland einstrahlt (vgl Boletus calopus) und dort vielleicht sogar mal ausnahmsweise an ähnlichen Stellen wie B. legaliae wachsen kann.
@Birgit: NUR auf den Geruch würde ich mich nicht verlassen, die Wahrnehmung kann doch individuell stark variieren.
Anmerkung zu Boletus rhodopurpureus: Wichtig ist, auf die starke Druckempfindlichkeit und das starke Blauen zu achten.. Die Art wirkt viel bunter und variabler als die "grauen Mäuse" um satanas, legaliae u. a.
Ganz jung sind satanas, legaliae , rubrosanguineus und rhodoxanthus sehr ähnlich. Es ist also sehr von Vorteil, die Art am Fundort im Auge zu behalten und auch mal reifende Exemplare zu beurteilen.
Grüße Jürgen