nochmal zum tintling: hier die "glosse" *PIC*
hallo allerseits,
karin montag, die herausgeberin des stets lesenswerten tintling ( www.tintling.com ) ist einverstanden, den im forum nicht so recht auf begeisterung gestossenen artikel im aktuellen heft hier für die nichtleser wiederzugeben:
![[image]](http://mitglied.lycos.de/abachino/temp/pilze/zehfuss.jpg)
Manche sagen, das Internet sei der Müllhaufen der Informationsgesellschaft. Dem könnte man rasch zustimmen wenn man so liest, was da aus dem Reich der Pilze so alles an Postings abgesetzt wird. Bei tiefergehender Sichtweise und längerem Surfen, auf „Rosinensuche" sozusagen, wird jedoch klar, dass manche das World Wide Web durchaus im Sinne seiner Erfinder nutzen, nämlich dem Austausch von Erkenntnissen und Wissen über Ländergrenzen und Kontinente hinweg zu dienen. Das alles vor der größten Öffentlichkeit, die vorstellbar ist.
Der Austausch kann aber nur dann gelingen, wenn man sich dazu des Kulturgutes Nr. 1, der Sprache nämlich, zu bedienen weiß! Eine Kultursprache hat festgelegte Wörter für feststehende Dinge. Es ist zwar in allen Bereichen des täglichen Lebens unübersehbar, dass Manien zur Verkürzung und Beschneidung, scheinbar auch zur Verniedlichung von Wörtern immer weiter um sich greifen, doch keiner ist gezwungen dieses Spiel mitzumachen. Es sei denn, man möchte die Leser in die Irre führen.
So habe ich mich bei der Erstbegegnung mit der Wortschöpfung Flocki (zu Zeiten als die Zwergpudel große Mode waren, hat man dieses Wort öfter gehört) gefragt, was denn wohl ein Pudel mit den Pilzen zu tun habe? Man weiß ja immerhin, dass manche Hunde manche Pilze finden und ausgraben, aber dies war hier offensichtlich nicht gemeint. Auch zu glauben, in Oberbayern flögen die Täuberin durch die Luft ist offensichtlich ein Trugschluss. Maronen sind Samen, die in den Früchten südländischer Kastanienbäume heranreifen und der Maronenröhrling ist ein Pilz, welcher auf dem Erdboden wächst. Die oft gelesene Begriffs-Verstümmelung ist hier keinesfalls eine Vereinfachung des Sprachgebrauchs, sie stellt Tatsachen faktisch aufden Kopf.
Sinn wird zu Unsinn, Vernunft wird Plage.....fällt mir da nur ein. Es fällt offensichtlich manchen „Postern" sichtlich schwer, sich bei der Verbreitung ihrer Erkenntnisse eines sachlich fundierten und begrifflich festgelegten Wortschatzes zu bedienen. Auch eine postulierte „höhere Aufgabe", in der Verbreitung dialektbezogener Begriffe über den Kulturraum hinaus, welchem sie entstammen, bietet keine befriedigende Erklärung für die Missachtung der Hochsprache.
Nein, das Internet ist gewiss nicht der Müllhaufen der Informationsgesellschaft - aber es wird von manchen dazu gemacht.
Herzlichst,
Ihr Hans D. Zehfuß
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quelle: der tintling 3/2004, seite 5.
v.i.s.d.p.: k. montag
issn: 1430-595 X
bezug und leserbriefe: www.tintling.com
gruss
coco

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