Pilze Pilze Forum
Erweitert

Nachtrag zum Volksbegehren

Dominic, (vor 8000 Tagen)

Servus!

Da ich zur Zeit nur von Freitag bis Sonntag das Pilzforum lesen kann hab ich auch erst heute die Beiträge zum Volksbegehren gelesen. Und auch da ist mir aufgefallen wie wenige sich an dem Thema beteiligt haben. Dieses Thema hätte wirklich mehr Beiträge verdient. Darum schreibe ich auch hier meine Meinung dazu. Ich denke das Begehren ist vor allem gescheitert weil wirklich zu wenige den Arsch hoch kriegen wie es auch Interhias formulierte. Hätten die Organisatoren von Haus zu Haus gehen dürfen wären sicherlich mind. 70-80 Prozent Unterschriften zusammen gekommen. Aber bei vielen Leuten hört wohl die Liebe zur Natur schon dann auf wenn sie ins nächste Rathaus fahren und dort eine Unterschrift ableisten müssen. Natürlich hab ich auch Meinungen in meinem Bekanntenkreis gehört die sagten es wäre zu wenig Werbung für das Begehren gemacht worden. Aber das denke ich war wohl nicht der Hauptgrund für das Scheitern. Viele Leute beschweren sich zwar immer es gäbe zu wenig Mitspracherechte für das Volk in der Politik, doch wenn sich dann mal die Gelegenheit bietet in Gesetze einzugreifen nützt dies leider kaum jemand. Das ist mal meine meine Meinung zu dem Thema. Vielleicht äußern sich ja doch ein paar noch zu dem Thema hier im Forum.

MfG

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

Werner, (vor 7999 Tagen) @ Dominic

Hallo,

auch wenn ich Dir recht geben muß, daß 9,3 % einfach zu wenig ist - ich habe auch einige Unterschriften in der Familie dafür organisiert - so denke ich schon, daß es halt auch viele Leute einfach zu wenig interessiert oder daß es viele Leute gibt, die über die Problematik nicht genug informiert sind. Und ich gebe ehrlich zu, daß ich auch nicht auf jedes Volksbegehren bisher gegangen bin.

Z.B. gab es hier in München gleichzeitig ein Volksbegehren für oder gegen Hochhäuser über 99m (Höhe der Frauentürme) und ich habe da eigentlich nur abgestimmt, weil ich eh schon wegen dem Wald dort war. Aber ehrlich gesagt interessierte es mich nur am Rande oder eigentlich gar nicht. Denn wenn am Münchner Marienplatz der grauenhafte Kaufhof schon seit vielen Jahren stehen darf, ist es keine Verschandelung mehr, ob nun ein paar Wolkenkratzer außerhalb des Mittleren Rings stehen. Trotzdem habe ich gegen die Wolkenkratzer gestimmt, weil ich nicht in unmittelbarer Nachbarschaft von sowas gerne wohnen würde. Aber das Beispiel verdeutlicht halt, daß ich meinen "Arsch" normalerweiser nicht dafür hochbekommen hätte.

Um nun den Bogen zum Wald-Volksbegehren zu kriegen: für mich ist es schon verständlich - wenn auch traurig - daß sehr viele Leute keinen Bezug zur Natur mehr haben. Und wenn z.B. eine 20-jährige Sekretärin in der Stadt mit ausschließlichem Interesse an BMWs, Fernreisen und Kosmetik da nicht hingeht, ist das verständlich. Ebenso der Fließbandarbeiter, der bestenfalls 2x im Jahr am See liegt und sonst nicht mit der Natur in Berührung kommt - es sei denn, man hält "Ballermann" für Natur.

Ich stimme natürlich mit Dir überein, daß das eine traurige Gesellschaftsentwicklung darstellt. Aber man muß natürlich sehen, daß andere Leute ein anderes Leben führen und für viele das Thema Wald so "unwichtig" ist, wie für uns vielleicht "Hochhäuser in der Großstadt" oder manches andere.

Trotzdem ist das Hochhausbegehren durchgegangen - d.h. es werden keine mehr gebaut. Das liegt an der professionelleren Organisation und der Unterstützung durch den Ex-OB Kronawitter. Und dann war es nur ein Volksbegehren mit Begrenzung auf München - und Stadtmenschen sind von der Anzahl her meist doch politisch etwas aktiver - ist zumindest mein Eindruck. Im CSU-Land kommt dann noch der Effekt dazu, daß die lokalen CSU-Größen auch mehr Einfluß ausüben und mit Sicherheit den einen oder anderen potentiellen Befürworter des Volksbegehrens am Stammtisch umgestimmt haben.

Zu guter Letzt noch einmal: ich bin natürlich Deiner Meinung, daß es doch für deutlich mehr als 10% der Leute ein Thema sein müßte und wohl auch war. Aber die Anzahl der "Nicht-den-Arsch-Hochkrieger" halte ich doch nicht für so enorm groß. Ich denke, daß eine breite Mehrheit sich in die Abteilungen "Desinteresse" (große Mehrheit), gegen das Volksbegehren (kleinere Minderheit) oder "Weiß-nicht-recht-weil-ich-nicht-informiert-bin" (erhebliche Anzahl) aufteilt.

Traurig ist das allemal. Andererseits stelle ich mir nur mal so rein fiktiv vor, wie ein D-weites Volksbegehren zum Thema "Todesstrafe wieder einführen" ausginge. Wenn man da dann noch annähme, daß mit Sicherheit Käseblätter wie die Bild-Zeitung wieder ein paar Kindermörder breit und blutig aufkochen würde, könnte ich mir ein deutliches Ergebnis sehr wohl vorstellen. Klar ist mir bewußt, daß so etwas gottseidank nicht möglich ist, ich will damit nur verdeutlichen, daß ein Volksbegehren a) nicht immer etwas Positives sein muß und b) die dahinterstehenden Lobbies und vor allem die dahinterstehende Medienmacht entscheidend ist.

Ich will niemanden verteidigen, der zwar für das Volksbegehren war und nur zu faul war, zum Rathaus zu gehen. Aber ich denke, daß man zumindest verstehen kann, daß z.B. die alleinerziehende Mutter in der Großstadt oder der in der Woche 80 Stunden arbeitende Kleinbauer daran kein Interesse hat. Schade bleibt es allemal.

Gruß,

Werner

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

interhias ⌂, (vor 7999 Tagen) @ Werner

Hallo Werner und Dominic!

Ich denke, Werner hat Recht, dass die Hauptursache für das Scheitern des Volksbegehrens Desinteresse bei den meisten Bürgern war. Tatsächlich gibt es in meinem gesamten Bekannten- und Freundeskreis nur wenig Leute, die es länger als eine halbe Stunde im Wald aushalten, ohne dass ihnen stinklangweilig wird, deswegen gehen sie ja auch gar nicht erst hin und bauen also keinen realen sondern allenfalls sehr abstrakten Bezug zum Wald auf.

Und mal ehrlich gesagt: Die meisten hier im Forum dürften von diesem Umstand profitieren, denn nur deswegen hat man im Wald die Möglichkeit, mehr oder weniger allein zu sein. Wenn sich die meisten Leute so für den Wald begeistern würden wie wir, dürfte man die Stille der Natur vergeblich im Wald suchen, es würde eher zugehen wie am Viktualienmarkt, oder wie auf einem Alpengipfel an einem sonnigen Herbstsonntag. Ein Bild davon konnte ich mir heuer im Urlaub in der Toskana machen. Unser Haus lag praktisch mitten im Wald in einer ziemlich entlegenen Gebirgsregion. Aber es war Pilzsaison und ab 8 Uhr morgens war die Straße mit zig Autos zugeparkt und der Wald wurde von ganzen Familienclans in italienischer Lautstärke durchkämmt. Da musste man schon ganz schön weit laufen, um ein wenig die Stille des Waldes zu geniesen.

Es ist ein schwacher Trost für das versemmelte Volksbegehren, aber manchmal haben auch bedauerliche Umstände ihre guten Seiten.

Gruß aus München
Hias

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

Dominic, (vor 7998 Tagen) @ Werner

Hallo!

Schade zwar dass sich nur noch 2 Leute nochmal zum Volksbgehren geäußert haben aber dafür durchaus mit intressanten Aspekten. Vielleicht ist der Anteil derer die sich nicht eintragen haben lassen weil sie zu faul waren doch nicht so hoch wie ich zuerst gemeint habe. Ich denke mittlerweile dass Werner wohl schon recht hatte dass ein großer Anteil der Bevölkerung einfach an dem Thema kein Intresse fand. Auch wenn das für mich nicht ganz nachvollziehbar ist und bleiben wird. Es bleibt jetzt abzuwarten wie sich der Wald in Bayern entwickeln wird. Vielleicht bekommt ja unsere Staatsregierung doch nochmal den Bogen und sieht ein dass eine ökologisch sinnvolle Nutzung des Waldes wichtiger ist als eine rein kommerzielle.

MfG

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

elfi ⌂, (vor 7997 Tagen) @ Dominic

Hallo Dominic,
es gibt dazu schon noch was zu sagen:
Meine Schwester wohnt in Kempten. Sie hat das Volksbegehren
unterschrieben. Das war nicht ganz einfach, denn in dieser
Stadt mit einem CSU-OB war der Eintagungsort nicht im
Rathaus, sondern in einem Wohnblock, man musste klingeln und
einen Stock hoch gehen, ohne Hinweiß! Sie fand das Haus erst
nach längerem Suchen!
Sie erzählte mir das leider erst nachdem der Termin
abgelaufen war...!
Grüße
elfi

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

Parasol-Lover, (vor 7996 Tagen) @ Dominic

Servus!
Da ich zur Zeit nur von Freitag bis Sonntag das Pilzforum lesen kann hab ich
auch erst heute die Beiträge zum Volksbegehren gelesen. Und auch da ist
mir aufgefallen wie wenige sich an dem Thema beteiligt haben. Dieses Thema
hätte wirklich mehr Beiträge verdient. Darum schreibe ich auch hier meine
Meinung dazu. Ich denke das Begehren ist vor allem gescheitert weil
wirklich zu wenige den Arsch hoch kriegen wie es auch Interhias
formulierte. Hätten die Organisatoren von Haus zu Haus gehen dürfen wären
sicherlich mind. 70-80 Prozent Unterschriften zusammen gekommen. Aber bei
vielen Leuten hört wohl die Liebe zur Natur schon dann auf wenn sie ins
nächste Rathaus fahren und dort eine Unterschrift ableisten müssen.
Natürlich hab ich auch Meinungen in meinem Bekanntenkreis gehört die
sagten es wäre zu wenig Werbung für das Begehren gemacht worden. Aber das
denke ich war wohl nicht der Hauptgrund für das Scheitern. Viele Leute
beschweren sich zwar immer es gäbe zu wenig Mitspracherechte für das Volk
in der Politik, doch wenn sich dann mal die Gelegenheit bietet in Gesetze
einzugreifen nützt dies leider kaum jemand. Das ist mal meine meine
Meinung zu dem Thema. Vielleicht äußern sich ja doch ein paar noch zu dem
Thema hier im Forum.
MfG

Hallo,

Solange die allermeisten Menschen ins "Grüne" fahren (selbstredend mit dem eigenen KFZ) und damit selbst dazu beitragen das zu zerstören, was sie dort suchen, nämlich Flora und Fauna, Ruhe und Erholung, solange ist die Diskussion, um den ach so armen Wald, reine Heuchelei. Wer steigt nicht gedankenlos in den Flieger und sucht in der Ferne noch intakte Natur (solange bis die Massen von
Menschen diese demoliert haben und sich ein anderes Paradies suchen usw.)
Klimakatastrophe ? Ach herje, was kann ich schon ändern ? Ich lebe ja jetzt.
Unsere armen Kinder, was werden wir ihnen für einen Planeten hinterlassen ?
Reine Heuchelei der jetzigen Generation. Nach mir die Sintflut ! So schaut´s aus. Der Egoismus ist viel stärker. Beispiele gefällig ?
Jeder möchte gerne mobil telefonieren, stellt man aber einen Handymasten in ihrer Nähe auf, dann gibt es Proteste. Jeder möchte Autofahren, aber wehe eine Straße muß an Ihrem Haus vorbeigeführt werden. Fliegen ? Tolle Sache ! Aber
Flughafen bitte möglichst in der Nachbargemeinde.
Natur (was immer das auch sein mag) interessiert die Mehrheit nicht wirklich. "Natur" ist auch ein subjektiver Begriff. Der "Natur" ist es vollkommen gleichgültig, in welcher Form sie existiert. Dem Menschen müßte daran gelegen sein, das was er (der Mensch) als Natur begreift, zu erhalten.
Es ist seine Lebensgrundlage !!!

Dieses komische Volksbegehren hab ich nicht unterschrieben, weil ich den
Arsch nicht hochgekriegt habe. (Begründung siehe oben). Stattdessen fahr ich lieber mit dem Rad in mein Revier. Damit hab ich effektiv was für den Wald getan.

PL

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

interhias ⌂, (vor 7996 Tagen) @ Parasol-Lover

Hallo Parasol-Lover!

Hast sicher recht, dass um den Natur-Begriff herum ziemlich viel Heuchelei im Spiel ist. Das rechtfertigt meiner Meinung nach aber nicht, den Arsch nicht hochzukriegen für ein Volksbegehren, das eine gut funktionierende und im weitesten Sinne naturnahe Form der Waldbewirtschaftung erhalten wollte.

Ein bisserl lügt sich doch jeder in die eigene Tasche. Wie in einem vorausgehenden Beitrag schon angedeutet versuche ich einerseits meine Begeisterung für den Wald anderen Leuten zu vermitteln, würde mich aber andererseits bestimmt nicht darüber freuen, sie dann plötzlich alle dortselbst zu treffen.

Jamei. Jedenfalls sind wir uns drüber einig, dass es nicht besonders geistreich ist, zig Kilometer mit dem Auto in den Wald zu fahren, um dann dort die gute Luft zu genießen.

Gruß aus München
Hias

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

Dominic, (vor 7993 Tagen) @ Parasol-Lover

Hallo Parasol-Lover,

auch ich gebe dir recht dass mit der Natur auch immer ein wenig Heuchelei verbunden ist. Welche Wälder sind heute denn schon noch wirklich naturgetreu? Und was ist denn überhaupt noch Natur? In fast jeder noch so naturbelassenen Gegend gibt es doch irgendwo eine asphaltierte Strasse oder einen Fußgängerweg. Und natürlich will heute jeder möglichst schnell und sicher sein Urlaubsziel erreichen. Und was braucht man dazu? Ein Auto oder ein Flugzeug. Wenn dann aber mal ein Flugzeug einen über den Kopf schwirrt beschweren sich die Leute über die Lautstärke. Dass gleiche ist es mit deinem Beispiel für die Strassen und Telefonmasten. Also wie gesagt gebe ich dir sicher in ein paar Punkten recht. Aber dass du es für effektiver hältst mit dem Fahrrad in den Wald zu fahren als dass Volksbegehren zu unterschreiben ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Wenn kein geeigeter Wald mehr da ist für deine Pilztouren und Spaziergänge hilft dir dein Rad relativ wenig. Außerdem möchte ich dir mal meine Situation schildern. Ich wohne in einer Stadt und meine "Schwammerlwälder" sind 20-40 km entfernt. Ganz ehrlich, ich bin noch nie dort hin mit dem Rad gefahren. Wie sollte ich auch? Da fehlt mir allein schon die Zeit dazu. Was ich damit sagen will, jeder schadet irgendwo der Natur. Doch sollte man versuchen den Schaden möglichst klein zu halten.

MfG

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Nachtrag zum Volksbegehren

Dominic, (vor 7993 Tagen) @ elfi

Hallo Elfi,

das ist wirklich ne kleine Sauerei. Aber ganz ehrlich gesagt überrascht mich deine Geschichte nícht wirklich. Nicht unter dieser Regierung. In Aschaffenburg soll unser Innenminister ja sogar persönlich verboten haben dass das Rathaus am Sonntag für das Volksbegehren öffnet.
Naja wirklich schade so ein Verhalten.
MfG