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Über 2 kl. Haarbecherchen (Trichopeziza) v. Kazuya *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 7885 Tagen)

hallo,

in diesem Beitrag möchte ich euch zwei Vertreter der Gattung Trichopeziza (Haarbecherchen) vorstellen:

TRICHOPEZIZA MOLLISSIMA (Lasch) Fuckel, Goldgelbes Haarbecherchen

Makroskopische Beschreibung:

[image]

[image]
Fruchtkörper (ca. x15)

Fruchtkörper 0,5-2,5 mm breit, anfangs kugelig, dann flach ausgebreitet teller- bis schüsselförmig, mit aufgebogenem Rand, stiellos dem Substrat aufsitzend; Hymenium graubraun bis hellgrau, glatt; Rand mit blassgeblichen bis gelblich-weißen und Außenseite mit struppigen, hellbräunlichen Härchen dicht besetzt.

Mikroskopische Beschreibung:

[image]
Sporen (x1000)

Sporen 15-22x1,5-2(2,5) µm, elliptisch bis langelliptisch, manchmal etwas verbogen, meist aber gerade, glatt, hyalin, an beiden Enden abgerundet oder etwas verjüngt, wenige, winzige Tropfen enthaltend.

[image]
Asci und Paraphysen (x1000)

Asci 50-60(70)x3-5 µm, achtsporig, hyalin, dünnwandig, apikal abgerundet, +/- langstielig, Haken keine beobachtet; Sporen unregelmäßig biseriat.

[image]
Paraphyse (x1000)

Paraphysen 65-80x3,5-4,2 µm, die Asci überragend, lanzettlich, mit 1-3 Septen, diese meist im unteren Drittel, apikal zugespitzt, hyalin, oberster Abschnitt mit Tropfen gefüllt, gegen die Basis etwas verjüngt.

[image]
Haare (x400)

[image]
Haare, mit Ablagerungen (x1000)

Haare 90-180(200)x3-4 µm, zylindrisch, an der Spitze nicht verdickt, manchmal aber etwas verschmälert, dickwandig, septiert, mit stark unebener Oberfläche, auf der sich unförmige, kristallartige Ablagerungen befinden, hellgelblich bis etwas gelbbräunlich.

Phänologie: März bis Mai (Juni)

Vorkommen: an toten, vorjährigen Stängeln sämtlicher Kräuter, vor allem von diversen Doldenblütlern (Umbelliferen), an Goldrute (Solidago), Distel (Cirsium), Herkulesstaude (Heracleum), Weißwurz (Polygonatum) sowie an Klette (Arctium). Bislang sind mir keine Funde von Brennnesselstängeln (Urtica dioica) bekannt, gesellig bis dicht rasig wachsend.

Verwechslung: Eine sehr ähnliche, äußerlich praktisch identische Art ist das Schwefelgelbe Haarbecherchen (Trichopeziza sulfurea), welches im Herbst abgestorbene Stängel von Brennnessel besiedelt und höchstens durch mehr schwefelgelbe Haare auffällt. Mikroskopisch unterscheidet sich diese Art durch längere Sporen (meist > 23 µm). Es scheint so, als ob T. sulfurea auf Brennnesselstängel spezialisiert ist (dazu vielleicht mehr im Herbst).

TRICHOPEZIZA LEUCOPHAEA (Pers.) Rehm

Makroskopische Beschreibung:

[image]
Fruchtkörper (ca. x15)

Fruchtkörper 0,5-1(1,3) mm breit, anfangs kugelig, dann becher- bis tellerförmig ausgebreitet, mit aufgebogenem Rand, stiellos dem Substrat aufsitzend; Hymenium weiß bis grauweißlich, mit etwas dunklerer Mitte, glatt; Rand und Außenseite mit filzig-wolligen, weißen, abgestehenden Haaren dicht bedeckt.

Mikroskopische Beschreibung:

[image]
Sporen (x1000)

Sporen 10,5-15,2x1,5-2,1 µm, elliptisch bis langelliptisch, glatt, hyalin, an beiden Enden abgerundet oder etwas zugespitzt, manchmal verbogen oder wellig, fast ohne oder mit einzelnen, winzigen Tropfen, einige Sporen mittig einfach septiert.

[image]
Asci und Paraphysen (x1000)

Asci (45)50-56,3(60)x3-4,5 µm, achtsporig, zylindrisch, apikal abgerundet, mit kurzem Stiel, ohne Haken; Sporen meist regelmäßig biseriat (im Bild kaum erkennbar).

[image]
Paraphyse (x1100)

Paraphysen 60-70x2-4(5) µm, lanzettlich, apikal zugespitzt, gegen die Basis verjüngt, hyalin, glatt, an der breitesten Stelle mit 1-3 großen, manchmal auch zusätzlich mit einigen kleinen Tropfen versehen, nicht septiert.

[image]
Haare (x1100)

Haare 180-230x3-4 µm, zylindrisch, an der Spitze nicht oder nur undeutlich und schwach verdickt, stark uneben und mit kristallartigen Ablageurngen überzogen, ziemlich dickwandig, septiert, hellgelblich.

Phänologie: März bis Mai (Juni)

Vorkommen: An abgestorbenen, vorjährigen Stängeln von Spierstaude (Filipendula), Brennnessel (Urtica dioica) und wahrscheinlich auch an Stängeln anderer Kräuter, gesellig bis rasig wachsend.

Verwechslungen: Sehr ähnlich ist ein kleiner Basidiomycet, Lachnella villosa. Hierbei handelt es sich um einen sog. cyphelloiden Pilz, der äußerlich becherförmig und auch behaart ist, jedoch mikroskopisch Basidien vorweisen kann.

Bemerkungen zu beiden Arten:
T. mollissima und T. leucophaea sind sich in ihren Merkmalen, makro- wie mikroskopisch, sehr ähnlich, wobei letztere in die Synonymie von T. mollissima gestellt wird. Hin und wieder sollen beide Formen am gleichen Standort vorkommen, was von mir trotz vieler T. leucophaea-Funde noch nicht belegt werden kann. Ohne Mikro hatte ich die kleinen weißen Becherchen lange Zeit für Lachnella villosa gehalaten, bis sich vor kurzem ergab, dass es tatsächlich ein Ascomycet ist. Die trennenden Merkmale meiner beiden "Kollektionen" sind folgende:

Fruchtkörper (T.mollissima: gelbbraun; T.leucophaea: weiß, grauweiß)
Sporen (T.mollissima: 15-22 µm lang; T.leucophaea: 10-15 µm lang)
Paraphysen (T.mollissima: mehrere, winzige Tropfen; T.leucophaea: 1-3 große Tropfen)

Literatur:
Beihefte zur Zeitschrift für Mykologie 6:1-226, 1985: BARAL, H.O. & G.J. KRIEGLSTEINER: Bausteine zu einer Ascomyzeten-Flora der BR Deutschland: In Süddeutschland gefundene Inoperculate Discomyzeten mit taxonomischen, ökologischen und chorologischen Hinweisen, S. 1-160.
Breitenbach, J. & F. Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 1 (1984): Ascomycetes, S. 190-191
H.O. & O. Baral, G. Marson (2003): IN VIVO VERITAS, 2 CDs: Ascomycota, Ascomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Hyaloscyphaceae, Trichopeziza - Trichopezizella.

Beste Grüße,
Kazuya

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Re: Über 2 kl. Haarbecherchen (Trichopeziza) v. Ka *PIC*

Andreas ⌂, (vor 7885 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya,

schöner Beitrag!
Ich habe die beiden Formen von weißhaarig bis gelbhaarig schon mehrfach an demselben Kräuterstängel gefunden und halte sie für dieselbe Art. BARAL kennt noch eine provisorisch beschriebene Art, die sich u.a. durch fehlende Haken an der Ascusbasis unterscheiden soll. Er ist aber nicht von der Konstanz überzeugt und hat sie bisher nicht beschrieben und wird es wohl auch kaum tun, was auch meiner bescheideneren Erfahrung entspricht.
Ein weiteres Bild von Belonidium mollissimum, das Tanja/Huperzia aufgenommen hat:
[image]

Es ist nicht B. sulphureum, trotz wuchs im Sommer und an Brennnessel.

beste Grüße,
Andreas

hallo,
in diesem Beitrag möchte ich euch zwei Vertreter der Gattung Trichopeziza
(Haarbecherchen) vorstellen: TRICHOPEZIZA MOLLISSIMA (Lasch) Fuckel,
Goldgelbes Haarbecherchen
Makroskopische Beschreibung:

Fruchtkörper (ca. x15)
Fruchtkörper 0,5-2,5 mm breit, anfangs kugelig, dann flach ausgebreitet
teller- bis schüsselförmig, mit aufgebogenem Rand, stiellos dem Substrat
aufsitzend; Hymenium graubraun bis hellgrau, glatt; Rand mit
blassgeblichen bis gelblich-weißen und Außenseite mit struppigen,
hellbräunlichen Härchen dicht besetzt.
Mikroskopische Beschreibung:
Sporen (x1000)
Sporen 15-22x1,5-2(2,5) µm, elliptisch bis langelliptisch, manchmal etwas
verbogen, meist aber gerade, glatt, hyalin, an beiden Enden abgerundet
oder etwas verjüngt, wenige, winzige Tropfen enthaltend.

Asci und Paraphysen (x1000)
Asci 50-60(70)x3-5 µm, achtsporig, hyalin, dünnwandig, apikal abgerundet, +/-
langstielig, Haken keine beobachtet; Sporen unregelmäßig biseriat.

Paraphyse (x1000)
Paraphysen 65-80x3,5-4,2 µm, die Asci überragend, lanzettlich, mit 1-3
Septen, diese meist im unteren Drittel, apikal zugespitzt, hyalin,
oberster Abschnitt mit Tropfen gefüllt, gegen die Basis etwas verjüngt.

Haare (x400)

Haare, mit Ablagerungen (x1000)
Haare 90-180(200)x3-4 µm, zylindrisch, an der Spitze nicht verdickt, manchmal
aber etwas verschmälert, dickwandig, septiert, mit stark unebener
Oberfläche, auf der sich unförmige, kristallartige Ablagerungen befinden,
hellgelblich bis etwas gelbbräunlich.
Phänologie: März bis Mai (Juni)
Vorkommen: an toten, vorjährigen Stängeln sämtlicher Kräuter, vor allem von
diversen Doldenblütlern (Umbelliferen), an Goldrute (Solidago), Distel
(Cirsium), Herkulesstaude (Heracleum), Weißwurz (Polygonatum) sowie an
Klette (Arctium). Bislang sind mir keine Funde von Brennnesselstängeln
(Urtica dioica) bekannt, gesellig bis dicht rasig wachsend.
Verwechslung: Eine sehr ähnliche, äußerlich praktisch identische Art ist das
Schwefelgelbe Haarbecherchen (Trichopeziza sulfurea), welches im Herbst
abgestorbene Stängel von Brennnessel besiedelt und höchstens durch mehr
schwefelgelbe Haare auffällt. Mikroskopisch unterscheidet sich diese Art
durch längere Sporen (meist > 23 µm). Es scheint so, als ob T. sulfurea
auf Brennnesselstängel spezialisiert ist (dazu vielleicht mehr im Herbst).
TRICHOPEZIZA LEUCOPHAEA (Pers.) Rehm
Makroskopische Beschreibung:
Fruchtkörper (ca. x15)
Fruchtkörper 0,5-1(1,3) mm breit, anfangs kugelig, dann becher- bis
tellerförmig ausgebreitet, mit aufgebogenem Rand, stiellos dem Substrat
aufsitzend; Hymenium weiß bis grauweißlich, mit etwas dunklerer Mitte,
glatt; Rand und Außenseite mit filzig-wolligen, weißen, abgestehenden
Haaren dicht bedeckt.
Mikroskopische Beschreibung:
Sporen (x1000)
Sporen 10,5-15,2x1,5-2,1 µm, elliptisch bis langelliptisch, glatt, hyalin, an
beiden Enden abgerundet oder etwas zugespitzt, manchmal verbogen oder
wellig, fast ohne oder mit einzelnen, winzigen Tropfen, einige Sporen
mittig einfach septiert.

Asci und Paraphysen (x1000)
Asci (45)50-56,3(60)x3-4,5 µm, achtsporig, zylindrisch, apikal abgerundet,
mit kurzem Stiel, ohne Haken; Sporen meist regelmäßig biseriat (im Bild
kaum erkennbar).

Paraphyse (x1100)
Paraphysen 60-70x2-4(5) µm, lanzettlich, apikal zugespitzt, gegen die Basis
verjüngt, hyalin, glatt, an der breitesten Stelle mit 1-3 großen, manchmal
auch zusätzlich mit einigen kleinen Tropfen versehen, nicht septiert.

Haare (x1100)
Haare 180-230x3-4 µm, zylindrisch, an der Spitze nicht oder nur undeutlich
und schwach verdickt, stark uneben und mit kristallartigen Ablageurngen
überzogen, ziemlich dickwandig, septiert, hellgelblich.
Phänologie: März bis Mai (Juni)
Vorkommen: An abgestorbenen, vorjährigen Stängeln von Spierstaude
(Filipendula), Brennnessel (Urtica dioica) und wahrscheinlich auch an
Stängeln anderer Kräuter, gesellig bis rasig wachsend.
Verwechslungen: Sehr ähnlich ist ein kleiner Basidiomycet, Lachnella villosa.
Hierbei handelt es sich um einen sog. cyphelloiden Pilz, der äußerlich
becherförmig und auch behaart ist, jedoch mikroskopisch Basidien vorweisen
kann.
Bemerkungen zu beiden Arten: T. mollissima und T. leucophaea sind sich in
ihren Merkmalen, makro- wie mikroskopisch, sehr ähnlich, wobei letztere in
die Synonymie von T. mollissima gestellt wird. Hin und wieder sollen beide
Formen am gleichen Standort vorkommen, was von mir trotz vieler T.
leucophaea-Funde noch nicht belegt werden kann. Ohne Mikro hatte ich die
kleinen weißen Becherchen lange Zeit für Lachnella villosa gehalaten, bis
sich vor kurzem ergab, dass es tatsächlich ein Ascomycet ist. Die
trennenden Merkmale meiner beiden "Kollektionen" sind folgende:
Fruchtkörper (T.mollissima: gelbbraun; T.leucophaea: weiß, grauweiß)
Sporen (T.mollissima: 15-22 µm lang; T.leucophaea: 10-15 µm lang)
Paraphysen (T.mollissima: mehrere, winzige Tropfen; T.leucophaea: 1-3 große
Tropfen)
Literatur: Beihefte zur Zeitschrift für Mykologie 6:1-226, 1985: BARAL, H.O.
& G.J. KRIEGLSTEINER: Bausteine zu einer Ascomyzeten-Flora der BR
Deutschland: In Süddeutschland gefundene Inoperculate Discomyzeten mit
taxonomischen, ökologischen und chorologischen Hinweisen, S. 1-160.
Breitenbach, J. & F. Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 1 (1984):
Ascomycetes, S. 190-191
H.O. & O. Baral, G. Marson (2003): IN VIVO VERITAS, 2 CDs: Ascomycota,
Ascomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Hyaloscyphaceae, Trichopeziza -
Trichopezizella.
Beste Grüße,
Kazuya

Eintrag gesperrt

Re: Über 2 kl. Haarbecherchen (Trichopeziza) v. Ka

Kazuya, (vor 7884 Tagen) @ Andreas

hallo Andreas,

schön, dass dir der Beitrag gefällt. Danke auch für die Information, dass T. mollissima auch an Brennnesseln vorkommen kann. Funde von Haarbecherchen werden von mir ohnehin immer mikroskopiert, und wenn mir auch ein Urtica-Fund dieser Art unterlaufen soll, dann werd ich diesen hier nochmal kurz präsentieren.

Wie heißt die Gattung denn nun? Trichopeziza oder Belonidium? Auf den CDs von Baral heißt es ja Trichopeziza.

Beste Grüße,
Kazuya