Pilze Pilze Forum
Erweitert

Schön hast Du das geschrieben!heul heul...........

Hans hurter, (vor 7792 Tagen) @ EricS

bestimmt bist Du Professor weil der Beitrag einer Univorlesung gleichkommt .Gruss Hans

Hallo zusammen,
da haben wir es mal wieder, in schöner Regelmäßigkeit auftauchend aber immer
wieder heiß diskutiert. Der eine findet mehr oder weniger gut erhaltene,
mehr oder weniger seltene Pilze und verbindet dies mit einem Hinweis auf
seine Pfanne, der andere gibt sein ABER (zu alt, zu jung, zu selten, zu
nah an der Autobahn....) ab, was den Finder wiederum veranlaßt, sich als
Rupfer, Allesschlucker oderwasweißichwas verunglimpft, im Mindesten aber
moralisiert oder oberlehrerhaft behandelt zu sehen.
Das war jetzt schön plakativ und polemisch und würde sicher auch Wogen
schlagen, wenn ich denn so ernst gemeint hätte. Und dennoch bleibt mir ein
fader Beigeschmack bei der Sache und hier folgt meine Meinung, unabhängig
vom vorhergehenden Abschnitt: .
.
Fragt man nach dem Stellenwert, den die Pilze bei uns Menschen einnehmen, so
kommen wir in überwiegendem Maße bei kulinarischen Aspekten an. Allenfalls
ein paar Pflanzen und die Fische können sich einer ähnlichen Begehrtheit
bei den Besuchern unserer Natur rühmen.
Wollen wir doch einmal Äpfel mit Birnen vergleichen: Angler, Fischer,
Reusensteller etc. gibt es viele - zweifellos. Was unterscheidet also das
Mittagessen "Hecht" vom Mittagessen "Steinpilz"? Klar,
Pilze sammeln darf jeder und (theoretisch) überall, fischen dürfen nur
diejenigen, die dafür geprüft und lizensiert sind. Und das auch nicht
immer und überall, denn da gibt es Schonzeiten, Mindestmaße und auch
separat zu erwerbende Lizenzen für andere Gewässer. Kontrolliert wird das
Ganze doch recht streng, da können die Angler unter uns bestimmt von
berichten. Wie steht es da mit den Pilzen? In Deutschland gibt es
neckische Paragraphen, die das regeln sollen. Das sieht dann so aus, daß
eine Handvoll Arten als "besonders geschützt" deklariert werden,
verbunden mit einem Sammel-, Abrupf- oder Verwüstungs(!)-Verbot.
"Geringe Mengen" einiger dieser Arten (z.B. Steinpilz,
Pfifferling oder auch das Schweinsohr) dürfen aber für den Eigengebrauch
entnommen werden. Dazu heißt es in der Regel, daß sich "In der
Verwaltungspraxis [...] hierbei etabliert (hat), dass von einem Kilogramm
pro Person und Tag ausgegangen wird." Verstöße werden mit Bußgeldern
geahndet. Siehe dazu z.B. dieses hier . Die Frage, ob das tatsächlich
kontrolliert wird, stellt sich meines Wissens in Deutschland nicht. Soweit
zum juristischen Teil, kommen wir zum biologischen...
Fische mit Pilzen zu vergleichen mutet im ersten Augenblick abenteuerlich an.
Und vorweg, das bleibt es auch. Dennoch ein paar Zeilen dazu: was wir zu
uns nehmen ist hier grundverschieden. Einmal ist es ein komplettes
Individuum, welches wir somit aus der Natur "entfernt" haben,
das andere Mal ist es "bloß" ein Fruchtkörper, eine Art in der
Erde steckende Banane - ißt man diese lebt das Individuum weiter, es hat
nur seine Ausbreitungsorgane verloren (auch dieser Vergleich hinkt und ist
biologisch nicht ganz korrekt, das soll uns aber jetzt nicht weiter
belasten). Es wird sogar von Einigen vermutet, daß solcher Streß, dem das
Individuum ausgesetzt wird, einen positiven Einfluß auf die Vitalität des
Myzels hat. Das, sollte man meinen, gibt den Mycophagen recht. Sicherlich
gehört das Absammeln von Pilzfruchtkörpern im normalen Rahmen, nicht zu
den ernstesten Bedrohungen unserer Pilze - im Gegensatz zu den Fischen, wo
übermäßiger Fang sehr schnell ernste Konsequenzen für ganze Populationen
haben kann. Fische reproduzieren sich in kleiner Zahl, während ein Pilz
auf einen Schlag Abermillionen potentieller Nachkommen als Sporen in die
Luft bläst, die auch noch eine sehr lange Zeit überdauern können, ohne zu
keimen. Die Fischeier wären dann schon längst vergammelt.
Alles in allem kann man also durchaus behaupten, daß eine Schutzwürdigkeit
bei den Fischen viel schneller ins Auge springt als bei den Pilzen. Doch:
während man über die Bedürftnisse unserer Fische allgemein schon sehr gut
Bescheid weiß und auch effektive Schutzmaßnahmen treffen kann, die
durchaus erfolgsversprechend sind (Aufzuchtstationen, Renaturierung von
Flußsystemen, Fischtreppen etc.), steht man diesbezüglich bei den Pilzen
noch am Anfang. Pilze reagieren auf dermaßen viele Einflüsse, daß ein
effektiver Schutz wie bei den Fischen kaum möglich ist. Temperatur,
Feuchtigkeit von Luft und Boden, geeignetes Substrat (Art, Alter,
Zersetzungsgrad etc.), Konkurrenz durch andere Pilze, Lichtverhältnisse,
chemische Einflüsse (Kalk im Boden, Basenversorgung und Boden-pH,
Stickstoffmenge, Düngemittel, Schadstoffe in Luft, Boden und Wasser (z.B.
Schwefeldioxid aus Abgasen, welches Schweflige Säure mit Wasser bildet und
als "Saurer Regen" wieder auf die Erde fällt), Vorhandensein
geeigneter Pflanzenpartner bei Mykorrhizapilzen bzw. geeigneter Wirte bei
Parasiten und Parasitoiden und so weiter und so fort.
Wenn man sich all das vor Augen führt, sollte man schon ein wenig ins Staunen
geraten, daß "dieser Pilz jetzt gerade da wächst". Und damit
gebe ich Bert, Harald, Piwo, Karlheinz etc. recht. Gegen einen maßvollen
Gebrauch unserer Pilze gibt es sicherlich nichts einzuwenden, speziell
nicht bei den häufigeren, anspruchslosen Arten. Doch sollte man das ganze
nicht als selbstverständlich hinnehmen und Arten, von denen man weiß, das
sie bestimmte Ansprüche haben und nicht überall häufig vorkommen bzw.
vielerorts zurückgehen auch mal dort lassen wo sie sind. In der Regel gibt
es genug für die Pfanne, auch ohne Eichhasen, Märzschnecklinge oder
Böhmische Verpeln - der zeitweilige Massenpilz Schopftintling ist jedem
der zuvor genannten Pilze bestimmt ebenbürtig bis überlegen. Im Grunde
muten wird unserer Pilzflora schon einiges zu, ohne es zu wollen. Da
sollten wir - auch wenn das vielleicht idiologisch verbrämt sein mag -
nicht auch noch ständig an unser leibliches Wohl denken, sobald wir an
Pilze denken. Und schließlich kann ich auch nicht einfach an den Schönberg
(bei Freiburg i. Br.) gehen und mir einen Orchideenstrauß pflücken, weil
die dort "sowieso so häufig" sind (ja, ich weiß: Polemik!!). Die
dort aktiven "Ranger" hätten mir schon längst das Fell über die
Ohren gezogen - es wird Zeit, daß sie es mit den unverbesserlichen
Sammlern von den dort ebenfalls wachsenden Königsröhrlingen auch tun.
Im übrigen finde ich keineswegs, daß hier im Forum viel gemaßregelt wird -
von einem rauhen Umgangston ganz zu schweigen. Ein Forum ist zum
Diskutieren da, da kann es auch schon mal lauter werden. Auf den Urahnen
aller Web-Diskussionsforen, z.B. dem Forum Romanum, wird wahrscheinlich
auch die ein oder andere hitzige Debatte geführt worden sein, vielleicht
ist auch am Tag eine Tomate geflogen, doch hinterher saß man doch wieder
zusammen und hat miteinander ein Gläschen getrunken. Und wirklich unfaire
Beiträge muß man hier schon mit dem Mikroskop suchen. :)
In diesem Sinne allen viele Grüße und eine gute Nacht,
Eric
PS: wenn ich bei den Fischen was Falsches geschrieben haben sollte, so
verbessert mich bitte. Das ist nicht wirklich mein Metier. ;)

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