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Re: Pilzvergiftung - Erbrechen provozieren?

Gerd-A, (vor 7610 Tagen)

Hallo Werner,

Zitat:

... Zum Beispiel im Buch
„Pilzgifte Giftpilze „wird bei einer Intoxikation mit Amatoxinen
(Knollenblätterpilzvergiftung)folgendes empfohlen: Erste Hilfe:
Kohle-Pulver trinken lassen, Erbrechen auslösen
Klinik:Sofort Magenspülung, Kohle Pulver Natriumsulfat, Hämoperfusion,
Penicillin,Lactulose

Ich habe diese Stelle im

"FLAMMER, HORAK (2003): Giftpilze - Pilzgifte, Schwabe Verlag"

nicht gefunden und wäre an dem Erscheinungsjahr Deiner Ausgabe und der Seitenzahl des Zitats interessiert.
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In der von mir zitierten Ausgabe findet man auf S. 33 eine Zusammenfassung und auf den Folgeseiten Details zu der Therapie, die m.E. die Behandlung im Krankenhaus betrifft:

Therapie des Phalloides-Syndroms (Kurzübersicht)

1. Magenspülung, Aktivkohle und Laxantien in der Latenzphase.
2. Flüssigkeits- und Elektrolytersatz.
3. Aktivkohle.
4. Forcierte Diurese unter Kontrolle des ZVD.
5. Silibinin i.v. Falls nicht verfügbar: Penizillin*.
6. N-Acetylcystein**.
7. Behandlung der Komplikationen siehe Spezialliteratur.
- Hämodialyse bei toxischem Nierenversagen, Multiorganversagen, hepatorenalern Syndrom.
- Lebertransplantation bei irreversiblem Ouick-Abfall unter 10%, Blutungen, Enzephalopathie, Hirnödem.
8. Schwangerschaft. Eine therapeutische Interruptio drängt sich nicht auf. Wahrscheinlich bildet die Plazentabarriere einen gewissen Schutz. Siehe S. 18.
9. Laktation: Stillverbot für 14 Tage, da Amanitine auch mit der Muttermilch ausgeschieden werden.

* Bei Penizillin-Allergie können Cephalosporine in hohen Dosen versucht werden [107].
** N-Acetylcystein als «life-saving antidote» zu bezeichnen [102], ist noch verfrüht.

Die Therapievorschläge basieren auf den Empfehlungen des International Programme on Chemical Safety (WHO, ILO, UNEP) 2000 [77] und der «20-year retrospective analysis» von ENJALBERT et al. [40].

... Bei schwereren Vergiftungen erreicht die Toxinmenge in den Leberzellen schon nach wenigen Stunden die kritische Grenze, daher empfiehlt sich der Einsatz von Silibinin-Infusionen neben den üblichen Massnahmen (Magenspülung, Aktivkohle, Laxantien, forcierte Diurese).

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- Die von dir zitierte "Frühe Hämoperfusion" wird übrigens auf S. 36 unter "Kontrovers beurteilte Massnahmen" behandelt.

- Der Einsatz von Penizillin wird auf S. 35 unter "Alternative Massnahmen" angesprochen. Ich zitiere: "- Penizillin wird nur empfohlen, wenn kein Silibinin verfügbar ist. Grund: Nebenwirkungen wie Allergien, zentralnervöse Krämpfe, Gefahr der Überdosis bei eingeschränkter Nierenfunktion."

Grüße
Gerd

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Re: Pilzvergiftung - Erbrechen provozieren?

Winerius, (vor 7610 Tagen) @ Gerd-A

Hallo Werner,
Zitat: Ich habe diese Stelle im
"FLAMMER, HORAK (2003): Giftpilze - Pilzgifte, Schwabe Verlag"
nicht gefunden und wäre an dem Erscheinungsjahr Deiner Ausgabe und der
Seitenzahl des Zitats interessiert.
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Hallo, Gerd,

Du konntest die Stelle in Deinem Buch gar nicht finden. Es gibt sinniger weise zwei Bücher mit dem Titel „Giftpilze-Pilzgifte. Deines von Flammer und Horak und dann noch eines von Roth,, Frank und Kormann. Ich habe nur das zu letzt erwähnte. Das Erscheinungsjahr des Buches ist 1990, also nicht mehr Top aktuell aber auch noch nicht hoffnungslos veraltet. Neben der Kurzübersicht gibt es im Medizinischen Teil des Buches auch noch eine ausführliche Abhandlung zur Knollenblätterpilzvergiftung, mit Toxikologie, Pathophysiologie, Diagnose, klinischen Verlauf und biochemischen Befunden. Wenn Interesse besteht kann ich das ganze abscannen und zuschicken.

So nun werde ich feiern gehen und wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und das dieses Thema für alle nur rein theoretisch bleibt.

Mit freundlichen Grüssen
Werner

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Re: Pilzvergiftung - Erbrechen provozieren?

Gerd-A, (vor 7609 Tagen) @ Winerius

Danke Werner für die schnelle Aufklärung.

Hatte mich schon über Dein Zitat gewundert und deshalb (immer misstrauisch, wenn's um Pilze geht) im "FLAMMER, HORAK" (auch in der älteren Ausgabe von 1983, Franckh'sche Verlagsbuchhandlung) erfolglos versucht dein Zitat zu finden.

---> Kein Wunder, wenn wir über zwei unterschiedliche Bücher mit gleichem Titel reden.

Grüße
Gerd

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Re: Pilzvergiftung - Erbrechen provozieren? *oT*

Birgit, (vor 7610 Tagen) @ Gerd-A

- kein Text -

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Re: Pilzvergiftung - Erbrechen provozieren?

Birgit, (vor 7609 Tagen) @ Gerd-A

Hallo,

Erbrechen provozieren, das ist für mich eine zwiespältige Geschichte:

Wem es nicht - bei einer Knollenblätterpilzvergiftung - schlecht wird, wenn die ersten Symptome auftreten - wohlgemerkt bei einer Knollivergiftung relativ spät, aber vorher kann man doch meist eh nix tun, weil ohne Symptome - der gehört m.E. zu einer relativ seltenen Gruppe......soll heißen, erbrechen müssen sich wohl die meisten bei einer akuten Knollivergiftung ( ein Hauptsymptom sind ja heftigste Brechdurchfälle). Erbrechen mit Kochsalzlösung kommt wohl - akademisch - nur in Betracht, wenn sich jemand auf Grund einer drohenden Vergiftung - seis nun eingebildet oder echt - nicht den Finger in den Hals stecken kann, sowas solls geben... das kann ich auch gut verstehen, obwohl ich selber da keinerlei Probleme habe. Bei dem meisten harmloseren gastrointestinalen Vergiftungen wird sich die Frage nach dem Erbrechen lassen nicht stellen, weil nicht nur ein Tigerritterling, sondern die überwiegende Mehrzahl der in Frage kommenden Pilze ganz freiwillig ;-) den Weg ins Freie findet, brutal ausgedrückt: das Erbrechen muß nicht extra ausgelöst werden. Das erzwungene Erbrechen durch Kochsalzlösung spielt also nur eine Rolle bei vermuteten lebensbedrohlichen Verrgiftungen (mit potentiell tödlich giftigen Pilzen) vor Ablauf der längstmöglichen Inkubationszeit, also der typische Fall eines Menschen, der weiße Pilze mit weißen Lamellen gegessen hat, die sich im nachhinein im günstigen Fal als Leucoagaricus leucothites herausstellen ;-)...

Birgit

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Re: Pilzvergiftung - Erbrechen provozieren?

Gerd-A, (vor 7609 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

(1) ich habe nur aus der gängigen "Giftpilzliteratur" zitiert.

(2) Mich wundert auch, dass in der Klinik (beachte die Latenzzeit von 8 - 12 + Stunden bis zum Auftreten erster Symptome) eine Magenspülung überhaupt noch einen therapeutischen Wert haben soll, zumal sich die Knolli-Symptome durch choleraartige Brechdurchfälle äußern und die toxischen Amanitine nach Literatur eh nur über den Darmtrakt resorpiert werden.

(3) Mich wundert deshalb auch, dass bei der Therapie nicht ausdrücklich auf eine Darmspülung hingewiesen wird.

Grüße
Gerd

PS.:
- Ich hoffe, dass ich Dich am kommenden Montag auf unserer Ausschusssitzung sehe.