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Viele Neuerungen bei den Raufüssen ???

Christoph G, (vor 7605 Tagen)

Ein frohes neues Jahr allerseits,

in der neuesten Ausgabe der Südwestdeutschen Pilzrundschau, stellt Achim Bollmann die Übersetzung eines neuen Leccinumschlüssels vor, der nach molekulargenetischen Untersuchungen von Bakker und Noordeloos in der Zeitschrift PERSOONIA 2005 publiziert wurde.

Jetzt gibt es noch 14 versch. Leccinumarten, wobei mir folgende Änderungen besonders aufgefallen sind:

- die Eichen und Espenrotkappe sind eine Art(L.aurantiacum)
- der von Jürgen Schreiner hier oft bestätigte L. bruneogriseolum heißt jetzt L. cyaneobasileucum auf deutsch "blaufüßiger Rauhfuß"
- L. nucatum und L.holopus sind eine Art und heißt Moor-Birkenpilz
- der Hainbuchenraufuß heißt jetzt L. pseudoscabrum
- L. melaneum ist eine eigenständige Art und heißt Dunkler Raufuß
- es gibt ein hellstielige Rotkappe (L. albostipitatum)

Interressant, aber auch ziemlich verwirrend, zumindest für mich ;-))

LG Christoph

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Ja peinlich.....

Christoph G, (vor 7605 Tagen) @ Jürgen

.. irgendwie ist mir da einiges entgangen, ich hatte jedenfalls so in Erinnerung, das Du zumindest L. melaneum nicht so ganz als eigenständig akzeptieren wolltest. Das mit Eiche und Espe hab ich wohl wirklich völlig verschlafen... sorry! Aber warum heißt der Hainbuchenraufuß jetzt pseudoscabrum??

Auch Dir alles gute für 2006 und mega viel Röhrlinge ;-))

LG Christoph

Hallo Christoph,
die Problematik wurde hier schon früher erörtert.
aurantiacum : Beitrag 84261
holopus : Beitrag 88066
cyaneobasileucum
Beitrag 88159
Leccinum allgemein:
Beitrag 88101
Mit besten Grüßen und Wünschen für 2006
Jürgen

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Re: Ja peinlich.....

Jürgen, (vor 7605 Tagen) @ Christoph G

Hallo Christoph,

Aber warum heißt der Hainbuchenraufuß jetzt pseudoscabrum?? :

Aus - etwas komplizierten - Prioritätsgründen. Boletus pseudoscaber wurde als Art 1935 von KALLENBACH publiziert. Das konkurrierende Epithet carpini wurde zwar schon 1924 von R. SCHULZ geschaffen, aber nur auf Varietätenrang von Boletus scaber; erst 1946 hat PEARSON es auf Artrang (als Boletus scaber) gehoben. Von daher hat pseudoscaber eindeutig Vorrang vor carpini.

Boletus pseudoscaber Kallenb. ist als Basionym für den Hainbuchenraufuß erst verwendbar, seit das ältere Homonym Boletus pseudoscaber Secretan (für den Porphyrröhrling) für ungültig erklärt wurde. Demzufolge wurde die Art auch erst spät (Sutara 1989) als Leccinum pseudoscabrum kombiniert.

Zu diesem Zeitpunkt waren mit Leccinum carpini und Leccinum griseum bereits zwei konkurrierende Namen eingeführt. Das Epithet griseum kann nicht verwendet werden, da das Basionym Gyroporus griseus ungültig ist (Synonym von Boletus scaber).

Eine Nomenklaturkommission um REDEUILH und SIMONINI hatte 1995 vorgeschlagen, den Namen Leccinum carpini (Schulz) Reid 1965 mit einem Neotypus zu konservieren, um dem jahrzehntelangen Gebrauch eine solide Basis zu verschaffen. Dem wollen DEN BAKKER und NOORDELOOS nicht folgen (was - vom rein nomenklatorischen Standpunkt her betrachtet - ihr gutes Recht ist).

Die Kernfrage hier und in vielen anderen Fällen betrifft die Festlegung, wann ein jüngerer Name soweit eingeführt ist, dass er gegenüber einem älteren, gültigen, prioritätsberechtigten konservierbar ist.

Grüße, Jürgen

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Fehler im Leccinum-Schlüssel

Jürgen, (vor 7603 Tagen) @ Jürgen

Unter Ziffer 9 ist das Merkmal "Cylindrocysten" beim Verweis auf Nr. 10 (L. variicolor; L. cyaneobasileucum) falsch ausgeschlüsselt.

Statt
"Cylindrocysten fehlen in der Huthaut"

muss es richtig heißen:
"Cylindrocysten in der Huthaut vorhanden"!!

P.S.: Cylindrocysten sehen so aus.

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Korrektur

Jürgen, (vor 7603 Tagen) @ Jürgen

statt "erst 1946 hat PEARSON es auf Artrang (als Boletus scaber) gehoben."

muss natürlich richtig heißen:

"erst 1946 hat PEARSON es auf Artrang (als Boletus carpini) gehoben."

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Aber das ist eh so eine Sache ...

ThomasHofheim, (vor 7602 Tagen) @ Jürgen

... mit Leccinum melaneum. Bei einem ansonsten ja doch sehr weiten Artkonzept ist es erstaunlich, dass zwei so eng beieinander stehende Arten wie melaneum und scabrum gar auf Artrang getrennt werden (ist denn die Kategorie der "var." bei den Röhrlingen völlig verschwunden??). Im wesentlichen: Nicht kontrastierende Stielschuppen versus kontrastierende Stielschuppen, na ich weiss nicht. Da fragt sich wirklich, ob hier nicht dem dna-Befund zu viel Gewicht beigemessen wird. Und wenn dann vielleicht tatsächlich nochmal ein variicolor unter falschem Namen mitsequenziert wurde ...
Nachdenkliche Grüße
Thomas