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Ein Pilzchen von Außen und Innen *PIC*

Gelbfieber, (vor 7568 Tagen)

Hallo und guten Tag liebe Pilzfreunde,

da es zur Zeit recht wenig Frischpilze gibt möchte ich euch heute einen leichten Vorgeschmack auf die bevorstehende Saison mit einem Milchling machen.
Nicht das ihr gleich wieder sagt ….. Milchling …. kann sie nicht Morcheln oder Steinpilze zeigen……
Nein - heute nicht, denn heute „gibt“ es den Flügelsporigen Milchling Lactarius pterosporus.
Dieser Pilz wurde hier im Forum selten erwähnt/gezeigt, ist rel. schlicht und hat sehr bemerkenswerte Sporen.

Makroskopische Merkmale:
Hut: 4-10cm, ockerfarben – E. GERHARD sagt wildlerfarben, matt/samig
Fleisch: Weißlich
Lamellen: Dicht stehend, cremefarben, an verletzten Stellen rosa, Milch weiß.
Stiel: Weißlich bis hellbeige
Fundort/Datum: Unter Buchen, über/auf kalk, mitte August 2005
Beleg: Vorhanden

Mikroskopische Merkmale:
Sporen: Rundlich, 7 - 8,5µm, mit bis zu 2,5µm hohen Graten
Basidien: Keulig, 60-80 x 10-13µm, 4 Sterigmen,

Nach den makro/mikro Merkmalen kommt auch heute wieder, wie immer an dieser Stelle, der Bildteil.

Eine gute Zeit euch allen
Gelbfieber

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Vorsicht....

Birgit, (vor 7568 Tagen) @ Gelbfieber

Hi Uschi,

leider gibt es in dieser Sektion (Plinthogali) der Milchlinge noch einige andere ziemlich ähnliche Kandidaten mit flügeligen Sporen (L. ruginosus, L. romagnesii, evtl. L. subruginosus....) und die sind nicht einfach zu trennen, empfehlenswert dazu die Lactarius MOnografie von Heilmann-Clausen et al.. Charakteristisch für den flügelsporigen Milchling wären die entfernten Lamellen UND die runzelige Hutmitte, das kann ich leider auf deinen Bildern nicht so recht erkennen. Das letzte Bild hat auch keine so entfernten Lamellen. Allerdings maße ich mir kein Urteil zu, was deine abgebildeten Pilze genau sind. Ich habe mir dieses Jahr wiederholt die Zähne an einigen flügelsporigen Kollektionen ausgebissen.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Vorsicht....

Gelbfieber, (vor 7567 Tagen) @ Birgit

Hallo und guten Morgen Birgit,

nun verwirrst du mich aber mit deiner Aussage …..“Charakteristisch für den flügelsporigen Milchling wären die entfernten Lamellen …..“. In meiner Literatur steht das L. pterosporus dicht, gedrängt bis sehr gedrängt stehende Lamellen hat. Auch die rosa Lamellenfärbung nach Verletzung spricht m. E. für Lactarius pterosporus.
L. romagnesii scheidet wegen seiner doch sehr dunkelbraunen Hutfärbung aus. L. ruginosus hat entfernt stehende Lamellen und weicht somit stark von meinem Fund ab. Bleibt noch L. subruginosus, den ich aber leider nicht kenne.
L. pterosporus, L. romagnesii und L. ruginosus haben flügelige Sporen mit Graten, da muß ich dir recht geben, aber L. pterosporus „ragt“ doch mit seinen bis 2,5µm langen Graten heraus und entspricht meinem Fund.

Birgit, danke für deine kritische Anmerkung, so können wir alle in diesem Forum etwas dazu lernen.

Liebe Grüße
Uschi

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Re: Vorsicht....

Andreas ⌂, (vor 7567 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo und guten Morgen Birgit,
nun verwirrst du mich aber mit deiner Aussage …..“Charakteristisch für den
flügelsporigen Milchling wären die entfernten Lamellen …..“. In meiner
Literatur steht das L. pterosporus dicht, gedrängt bis sehr gedrängt
stehende Lamellen hat. Auch die rosa Lamellenfärbung nach Verletzung
spricht m. E. für Lactarius pterosporus.
L. romagnesii scheidet wegen seiner doch sehr dunkelbraunen Hutfärbung aus.
L. ruginosus hat entfernt stehende Lamellen und weicht somit stark von
meinem Fund ab. Bleibt noch L. subruginosus, den ich aber leider nicht
kenne.
L. pterosporus, L. romagnesii und L. ruginosus haben flügelige Sporen mit
Graten, da muß ich dir recht geben, aber L. pterosporus „ragt“ doch mit
seinen bis 2,5µm langen Graten heraus und entspricht meinem Fund.
Birgit, danke für deine kritische Anmerkung, so können wir alle in diesem
Forum etwas dazu lernen.
Liebe Grüße
Uschi

Hallo Uschi und Birgit,

ich bin auch der Meinung, dass der Flügelsporige Milchling die eher gedrängten Lamellen in dieser Gruppe hat.
Allerdings erscheint mir Dein Fund makroskopisch doch ziemlich untypisch für pterosporus, der eben eine runzelige Hutmitte haben müßte und den ich auch nie so graubraun sondern immer mehr lehmbraun ("warm" braun) gesehen habe. Aber subruginosus kenne ich selbst nicht, vielleicht meldet sich ja Markus Wilhelm noch.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Vorsicht....

Birgit, (vor 7567 Tagen) @ Gelbfieber

Liebe Uschi,

nun verwirrst du mich aber mit deiner Aussage …..“Charakteristisch für den
flügelsporigen Milchling wären die entfernten Lamellen …..“. In meiner
Literatur steht das L. pterosporus dicht, gedrängt bis sehr gedrängt
stehende Lamellen hat. Auch die rosa Lamellenfärbung nach Verletzung
spricht m. E. für Lactarius pterosporus

na klar, das war mein Fehler, sorry....die Lamellen sollen dicht gedrängt sein, obwohl da auch im Heilmann-Clausen ein Bild drin ist, wo die Lamellen nicht sonderlich dicht sind, dafür aber die Hutmitte stark runzelig. Die Milchverfärbung ist bei allen angesprochenen Milchlingen dieser Sektion rosa.

L. romagnesii scheidet wegen seiner doch sehr dunkelbraunen Hutfärbung aus.

mein ich auch, im Normalfall wenigstens, außerdem zieht die Milch da Fäden.

L. ruginosus hat entfernt stehende Lamellen und weicht somit stark von
meinem Fund ab. Bleibt noch L. subruginosus, den ich aber leider nicht
kenne.

jein, so extrem entfernt sind die Lamellen bei L. ruginosus auch nicht (bei L. romagnesii hingegen schon, aber den hab ich noch nie selbst gefunden). Und ob die Grate nun -2 µm oder -2,5 µm hoch sind, ist auch nicht das riesige Unterscheidungsmerkmal für mich wenigstens....ich bin mir da immer nicht sicher, ob ich wirklich genug Sporen angeschaut habe. Einfacher wirds, wenn L. pterosporus eine runzelige Hutmitte hat und sehr enge Lamellen und L. ruginosus den typischen gekerbten Hutrand hat. Aber wie ich leidvoll erfahren mußte, gibt es auch Exemplare, die weder eine runzelige Hutmitte noch einen gekerbten Hutrand haben. Und da käme dann evtl. noch L. subruginosus ins Spiel, der eine Art ist, die M. Basso wohl in Ihrer Monografie aufführt, über die ich aber auch eigentlich nichts weiß.

Birgit

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Re: Vorsicht....

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7567 Tagen) @ Andreas

Hallo zusammen,

ja, da bin ich ja schon! Das stimmt schon: L. pterosporus hat doch meist dicht stehende Lamellen, und die Milch ist wirklich sehr scharf. Die Runzeln der Hutmitte sind nicht immer deutlich ausgeprägt, fehlen sogar oft (und in den letzten Jahren immer mehr!). Man kann bei den Flügelsporigen etwa so Schlüsseln:
Hut hellbraun, St. ähnlich bis blass, L. dicht und eher gelb, M. sehr scharf= L. pterosporus
Hut nicht durgefärbt hellbraun, sondern fleckig, St. blass L. mässig dicht und blass, M. schärflich= L. subruginosus
Hut dunkelbraun samtig, kräftig, St. ähnlich, L. entfernt und blass, M. spärlich kratzend-schärflich, zieht Fäden(!)= L. romagnesii / ruginosus.
Hier ist die Taxonomie aus den Fugen geraten, denn eignetlich dürfte nach Bon L. romagnesi keine gefügelten Sporen haben! Das Bild in Pilze d. Schweiz zeigt auch nicht typisch diese Art, Bon schlüsselt aber noch eine Art: L. terenopus, und diese ist gänzlich aus der Literatur verschwunden. Nun habe ich den Verdacht, dass eventuell L. subruginosus und L. terenopus dasselbe sein könnte! Das Bild bei Krieglsteiner (Die Gr.Pilzfl.Bd.2) zeigt sehr schön und eindeutig L. romagnesii/ ruginosus---aber unter dem Namen L. fuliginosus, der ja auch kein Flügelsporer ist. Auch das Bild bei Pilze der Schweiz (Nr. 23) könnte mit den hellen, entfernten Lamellen durchaus auch L. romagnesii/ ruginosus sein: Es ist sogar das Synonym L. romagnesii angeben, dabei ist dieser Art schon erwähnt (Nr.56). Wer also da nicht mehr mitkommt, steht nicht alleine da! Es ist schon ärgerlich, wenn man die Pilze eigentlich gut erkennen kann, aber keinen guten Namen dasfür findet!

Alles in allem eher ein grosses Durcheinander!
Dein Pilz würde ich aber mit gutem Gewissen als L. pterosporus bestimmen, die etwas hellen Farben liegen durchaus drin.

Mit vielen Grüssen, Markus

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Re: Vorsicht....

Birgit, (vor 7567 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,

ja, da bin ich ja schon! Das stimmt schon: L. pterosporus hat doch meist
dicht stehende Lamellen, und die Milch ist wirklich sehr scharf. Die
Runzeln der Hutmitte sind nicht immer deutlich ausgeprägt, fehlen sogar
oft (und in den letzten Jahren immer mehr!). Man kann bei den
Flügelsporigen etwa so Schlüsseln: Hut hellbraun, St. ähnlich bis blass,
L. dicht und eher gelb, M. sehr scharf= L. pterosporus
Hut nicht durgefärbt hellbraun, sondern fleckig, St. blass L. mässig dicht
und blass, M. schärflich= L. subruginosus
Hut dunkelbraun samtig, kräftig, St. ähnlich, L. entfernt und blass, M.
spärlich kratzend-schärflich, zieht Fäden(!)= L. romagnesii / ruginosus.
Hier ist die Taxonomie aus den Fugen geraten, denn eignetlich dürfte nach Bon
L. romagnesi keine gefügelten Sporen haben! Das Bild in Pilze d. Schweiz
zeigt auch nicht typisch diese Art, Bon schlüsselt aber noch eine Art: L.
terenopus, und diese ist gänzlich aus der Literatur verschwunden. Nun habe
ich den Verdacht, dass eventuell L. subruginosus und L. terenopus dasselbe
sein könnte! Das Bild bei Krieglsteiner (Die Gr.Pilzfl.Bd.2) zeigt sehr
schön und eindeutig L. romagnesii/ ruginosus---aber unter dem Namen L.
fuliginosus, der ja auch kein Flügelsporer ist. Auch das Bild bei Pilze
der Schweiz (Nr. 23) könnte mit den hellen, entfernten Lamellen durchaus
auch L. romagnesii/ ruginosus sein: Es ist sogar das Synonym L. romagnesii
angeben, dabei ist dieser Art schon erwähnt (Nr.56). Wer also da nicht
mehr mitkommt, steht nicht alleine da! Es ist schon ärgerlich, wenn man
die Pilze eigentlich gut erkennen kann, aber keinen guten Namen dasfür
findet!

Danke für deine AUsführungen.

Jetzt bin ich verwirrt, mir ist schon klar, daß man nicht von einer alleinseligmachenden, allgemeingültigen Monografie ausgehen kann. Ich sprach, obwohl ich es wieder vergessen hatte zu erwähnen von Lactarius ruginosus ss. Heilmann-Clausen, Verbeken, Vesterholt und der unterscheidet sich nach dieser Auffassung deutlich von Lactarius romagnesii (ebenfalls so wie dort beschrieben). Eigenartiger Weise taucht L. subruginosus bei den Skandinaviern überhaupt nicht auf, während bei den anderen Autoren scheints teilweise L. ruginosus mit L. romagnesii gleichgesetzt wird???? Ich kenne L. ruginosus ss. Heilman-Clausen et al. eben genau auch oft wolkig/fleckig und heller graubraun und so wurde er mir von Peter Reil auch bestimmt. Bei dem Schlüssel oben würde ich da aber eher bei L. subruginosus landen. Also ist vielleicht L. subruginosus (nach wessen AUffassung?) so etwas wie L. ruginosus ss. Heilmann-Clausen et al.??????

herzliche Grüße

Birgit