Täublinge in Kiefernwäldern - Teil 2 *PIC*

Ingo, (vor 7225 Tagen)

Hallo Leute,

Zeit für neue Täublinge. Nachdem wir uns nach einer Woche zähen Ringens gütlich darauf einigen konnten,
dass es sich bei der in der Vorwoche vorgestellten Kollektion um eine Art mit vorwiegend grünlichen
Hutfarben handeln könnte, möchte ich heuer Täublinge mit ganz anderem Aussehen präsentieren.
Vor allem zeichneten sie sich durchweg durch ein Aroma aus, welches die Schmerzrezeptoren meiner
Zunge für einige Zeit in Erregung brachte.

Die erste Kollektion sollte eigentlich vom Foto her bestimmbar sein - zumindest nach den
Angaben in Dähnckes 1200 Pilzen und im Bon. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Band 5
von MHK unterwegs zu mir ist?! Vielleicht hätte ich besser warten sollen, aber...

...hier sind die beiden Bilder:

[image]

[image]

Diese Art ist nicht sehr häufig im Kiefernwald anzutreffen. Möglicherweise könnte es sich auch um
eine kalkholde Art handeln, da ich einige Pilze am Rand von geschotterten Waldwegen gefunden
hatte. Leider habe ich mir dieses Detail zur Fundzeit, im September 2006, nicht notiert.

Hier einige Zusatzangaben:
Wie man gut erkennen kann, ist die Hutoberfläche mattglänzend, schwach feinkörnig und von einer
kräftig roten Farbe. Stellenweise erscheint die Hutfarbe auch etwas ausgeblasst.
Die Stiele waren zartrosa überhaucht, was auf dem Bild ganz rüber kommt.
Lamellenfarbe siehe Bild zwei. Der Geruch der Pilze war deutlich angenehm – pilzig aromatisch.
Roh probiert waren die Pilze deutlich scharf, wobei sich das Brennen nach ca. 30 Sekunden einstellte.

Die Farbreaktion mit FeSO4 erbrachte ein deutliches Rosa, wobei sich die Verfärbung erst nach
etwa 30 Sekunden einstellte.

Nach der mir zur Verfügung stehenden Literatur sollte es sich hier um Russula sanguinaria, den
Bluttäubling handeln.

Die zweite Kollektion dürfte eher unbestimmbar sein, weil ich, wie ich im Nachhinein leider feststellen
musste, keine allzu brauchbaren Bilder erzielen konnte. Nur diese beiden hier, auf denen man außer
der Hutfarbe nichts weiter erkennen kann.

[image]

[image]

Ich will es dennoch mit ergänzenden Merkmalen versuchen, so dass man die Pilze vielleicht
“in eine Ecke drängen“ kann, wo nur noch 2-3 Arten übrig bleiben.

Hutoberfläche rel. glatt, Farbe purpur, zur Mitte hin nahezu fast schwarz. Der Stiel war reinweiß und
leicht rot überhaucht. Die Lamellenfarbe habe ich leider nicht notiert. Der Hutdurchmesser der
gezeigten Exemplare lag so bei 6 cm, wobei die aufgeschirmten Exemplare im Wald Durchmesser von
deutlich über 10 cm erreichten. Diese Art ist sehr häufig und auch inmitten der armen Kiefernbestände
anzutreffen. Daher dürfte es sich hierbei um einen Kiefernfreund mit Vorliebe für saure Böden handeln.

Den Geruch kann man eigentlich auch als ganz angenehm beschreiben. Leicht pilzig, wie ich das
nenne. Der Geruch war aber weitaus weniger ausgeprägt als beim vorherigen Vertreter.

Der Geschmack hatte es allerdings in sich. Noch nie hatte ich einen vergleichbar scharfen Täubling probiert.
Nahezu unmittelbar nach dem Kauen eines Stückes Hutfleisch stellte sich ein grauenhaftes Brennen ein.
Das taube Gefühl auf meiner Zunge hielt sich trotz reichlichen Nachspülens mit Wasser noch mindestens eine
Stunde lang.

Die Farbreaktion mit FeSO4 erbrachte ein deutliches Rosa, kräftiger und schneller als bei der oben
vorgestellten Art.

Nach meiner Ansicht kommen hier eigentlich nur zwei Arten in Betracht:
Der Schwarzrote Speitäubling – Russula atrorubens, der nach Dähncke eher kalkreiche Böden
bevorzugen soll, und der Zedernholztäubling – Russula badia, auf den eigentlich alle beobachteten
Merkmale zutreffen.

Ich hoffe, dass der Eine oder Andere von euch eine der gezeigten Arten gut kennt und dazu einen
Tipp geben kann. Mitunter hilft es ja bereits weiter, wenn man in der richtigen Gruppe landet.
Dann hätte ich es beim nächsten Fund etwas leichter und wüsste, worauf ich zu achten hätte.

Wie schon bei meinem ersten Täublingsbeitrag aus der Vorwoche angemerkt, habe ich keinen
Sporenabdruck angefertigt (sorry), und auch kein Exsikkat aufgehoben.
Es handelt sich durchweg um Kiefern- oder Birkenbegleiter, wobei bei der ersten Kollektion eine
kalkholde Art nicht ganz auszuschließen ist.

Über eure Meinungen dazu würde ich mich wie immer sehr freuen.

Viele Grüße und kommt alle heil durch den Sturm
Ingo

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Täublinge in Kiefernwäldern - Teil 2

Andreas ⌂, (vor 7224 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

ich bin beim Betrachten der Bilder gleich auf dieselben Arten gekommen wie Du, und das Lesen des Textes hat mich jeweils darin bestärkt. Vor allem beim ersten bin ich mir sehr sicher, die gelben Flecken, die irgendwie charakteristisch rote Hutfarbe (es ist ein ganz spezielles Rot, dass kaum eine andere Art in der Nuance hat, kaum zu glauben aber ist so) und vor allem die abwärts gerichtet angewachsenen Lamellen, die fast wie herablaufend aussehen sind doch ganz typisch.
Auch badia sieht typischerweise so aus, und der beschriebene Geschmack dazu, der meistens (aber nicht immer) mit einer 20 sekündigen Verspätung auftritt und der nur etwas rötlich überflammte Stiel (kann auch mal rein weiß sein -> Verwechslungsgefahr mit der milden R. integra!) - das würde ich dann doch auch als 99% sicher ansehen.

beste Grüße,
Andreas

Hallo Leute,
Zeit für neue Täublinge. Nachdem wir uns nach einer Woche zähen Ringens
gütlich darauf einigen konnten,
dass es sich bei der in der Vorwoche vorgestellten Kollektion um eine Art mit
vorwiegend grünlichen
Hutfarben handeln könnte, möchte ich heuer Täublinge mit ganz anderem
Aussehen präsentieren.
Vor allem zeichneten sie sich durchweg durch ein Aroma aus, welches die
Schmerzrezeptoren meiner
Zunge für einige Zeit in Erregung brachte.
Die erste Kollektion sollte eigentlich vom Foto her bestimmbar sein -
zumindest nach den
Angaben in Dähnckes 1200 Pilzen und im Bon. Habe ich eigentlich schon
erwähnt, dass Band 5
von MHK unterwegs zu mir ist?! Vielleicht hätte ich besser warten sollen,
aber...
...hier sind die beiden Bilder:

Diese Art ist nicht sehr häufig im Kiefernwald anzutreffen. Möglicherweise
könnte es sich auch um
eine kalkholde Art handeln, da ich einige Pilze am Rand von geschotterten
Waldwegen gefunden
hatte. Leider habe ich mir dieses Detail zur Fundzeit, im September 2006,
nicht notiert.
Hier einige Zusatzangaben: Wie man gut erkennen kann, ist die Hutoberfläche
mattglänzend, schwach feinkörnig und von einer
kräftig roten Farbe. Stellenweise erscheint die Hutfarbe auch etwas
ausgeblasst.
Die Stiele waren zartrosa überhaucht, was auf dem Bild ganz rüber kommt.
Lamellenfarbe siehe Bild zwei. Der Geruch der Pilze war deutlich angenehm –
pilzig aromatisch.
Roh probiert waren die Pilze deutlich scharf, wobei sich das Brennen nach ca.
30 Sekunden einstellte.
Die Farbreaktion mit FeSO4 erbrachte ein deutliches Rosa, wobei sich die
Verfärbung erst nach
etwa 30 Sekunden einstellte.
Nach der mir zur Verfügung stehenden Literatur sollte es sich hier um Russula
sanguinaria, den
Bluttäubling handeln.
Die zweite Kollektion dürfte eher unbestimmbar sein, weil ich, wie ich im
Nachhinein leider feststellen
musste, keine allzu brauchbaren Bilder erzielen konnte. Nur diese beiden
hier, auf denen man außer
der Hutfarbe nichts weiter erkennen kann.


Ich will es dennoch mit ergänzenden Merkmalen versuchen, so dass man die
Pilze vielleicht
“in eine Ecke drängen“ kann, wo nur noch 2-3 Arten übrig bleiben.
Hutoberfläche rel. glatt, Farbe purpur, zur Mitte hin nahezu fast schwarz.
Der Stiel war reinweiß und
leicht rot überhaucht. Die Lamellenfarbe habe ich leider nicht notiert. Der
Hutdurchmesser der
gezeigten Exemplare lag so bei 6 cm, wobei die aufgeschirmten Exemplare im
Wald Durchmesser von
deutlich über 10 cm erreichten. Diese Art ist sehr häufig und auch inmitten
der armen Kiefernbestände
anzutreffen. Daher dürfte es sich hierbei um einen Kiefernfreund mit Vorliebe
für saure Böden handeln.
Den Geruch kann man eigentlich auch als ganz angenehm beschreiben. Leicht
pilzig, wie ich das
nenne. Der Geruch war aber weitaus weniger ausgeprägt als beim vorherigen
Vertreter.
Der Geschmack hatte es allerdings in sich. Noch nie hatte ich einen
vergleichbar scharfen Täubling probiert.
Nahezu unmittelbar nach dem Kauen eines Stückes Hutfleisch stellte sich ein
grauenhaftes Brennen ein.
Das taube Gefühl auf meiner Zunge hielt sich trotz reichlichen Nachspülens
mit Wasser noch mindestens eine
Stunde lang.
Die Farbreaktion mit FeSO4 erbrachte ein deutliches Rosa, kräftiger und
schneller als bei der oben
vorgestellten Art.
Nach meiner Ansicht kommen hier eigentlich nur zwei Arten in Betracht: Der
Schwarzrote Speitäubling – Russula atrorubens, der nach Dähncke eher
kalkreiche Böden
bevorzugen soll, und der Zedernholztäubling – Russula badia, auf den
eigentlich alle beobachteten
Merkmale zutreffen.
Ich hoffe, dass der Eine oder Andere von euch eine der gezeigten Arten gut
kennt und dazu einen
Tipp geben kann. Mitunter hilft es ja bereits weiter, wenn man in der
richtigen Gruppe landet.
Dann hätte ich es beim nächsten Fund etwas leichter und wüsste, worauf ich zu
achten hätte.
Wie schon bei meinem ersten Täublingsbeitrag aus der Vorwoche angemerkt, habe
ich keinen
Sporenabdruck angefertigt (sorry), und auch kein Exsikkat aufgehoben.
Es handelt sich durchweg um Kiefern- oder Birkenbegleiter, wobei bei der
ersten Kollektion eine
kalkholde Art nicht ganz auszuschließen ist.
Über eure Meinungen dazu würde ich mich wie immer sehr freuen.
Viele Grüße und kommt alle heil durch den Sturm
Ingo

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Täublinge in Kiefernwäldern - Teil 2

DirkW, (vor 7224 Tagen) @ Andreas

hallo zusammen, ich möchte mich anschließen und würde auch auf die beiden arten tippen. ein bisschen stutzig macht mich allerdings der etwas gebuckelte hut bei täubling 1, der mich sehr an sardonia (in der hutfarbe ja ziemlich variabel, obwohl doch immer? mit violettönen) erinnert.
viele grüße
dirk

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

interessant ...

DirkW, (vor 7224 Tagen) @ DirkW

... einzig im guten alten handbuch für pilzfreunde ist auch beim bluttäubling eine gelegentlich gebuckelte hutmitte erwähnt!
in diesem zusammenhang möchte ich die heutzutage vielleicht etwas überholt scheinende reihe wirklich mal loben. ich habe in den sehr guten beschreibungen (insbesondere im sprödblätter-band!) schon oft entscheidende merkmale gefunden, die nirgendwo anders erwähnt waren ...
viele grüße
dirk

die ausgeprägt dunkle, purpurne hutmitte finde ich allerdings immer noch komisch ...

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Täublinge in Kiefernwäldern - Teil 2

phragmobasidie, (vor 7224 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

...nein, ich widerspreche bestimmt nicht. Ich werd mich hüten.

Auch die feinkörnelige Oberfläche, die Du ja bereits erwähnt hast, ist ein weiteres typisches
Erkennungsmerkmal für sanguinaria. Die HH ist überhaupt nicht abziehbar. Die Art hat also einige
gute Erkennungsmerkmale. Sie kann allerdings auch fast weiss (!) sein.

Beitrag 105080

Aber wenn das bekannt ist, erkennt man ihn immer noch an der HH und allermeistens an der Lamellenhaltung.
Die Art war in einem Kalkgebiet im Schwarzwald letztes Jahr zu tausenden vertreten.

Badia kenn ich nicht so gut, außer, dass ich auch schon 2mal reingebissen habe :(( und es ganz
sicher keine 20 Sek. ausgehalten habe. Ich hatte ihn für paludosa gehalten.

schöne Grüße
Robin

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Täublinge in Kiefernwäldern - Teil 2 *PIC*

Max, (vor 7224 Tagen) @ Andreas

Hallo Ingo und Andreas

Ich finde russula sanguinaria regelmässig am selben und einzigen mir bekannten Fundort im Jura auf Kalk unter Kiefern.
Im letzten September habe ich eine Kollektion angetroffen mit fast unwirklichen Farben. Zumindest was das von Andreas angesprochene einmalige "Rot" anbetrifft.

Gruss Max

[image]

Hallo Ingo,
ich bin beim Betrachten der Bilder gleich auf dieselben Arten gekommen wie
Du, und das Lesen des Textes hat mich jeweils darin bestärkt. Vor allem
beim ersten bin ich mir sehr sicher, die gelben Flecken, die irgendwie
charakteristisch rote Hutfarbe (es ist ein ganz spezielles Rot, dass kaum
eine andere Art in der Nuance hat, kaum zu glauben aber ist so) und vor
allem die abwärts gerichtet angewachsenen Lamellen, die fast wie
herablaufend aussehen sind doch ganz typisch.
Auch badia sieht typischerweise so aus, und der beschriebene Geschmack dazu,
der meistens (aber nicht immer) mit einer 20 sekündigen Verspätung
auftritt und der nur etwas rötlich überflammte Stiel (kann auch mal rein
weiß sein -> Verwechslungsgefahr mit der milden R. integra!) - das
würde ich dann doch auch als 99% sicher ansehen.
beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Täublinge in Kiefernwäldern - Teil 2

Ingo, (vor 7224 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas, Dirk, Max und Robin!

Vielen Dank erstmal für eure schnellen Antworten.
Das ist schon irgendwie seltsam. Da stellt man einen Pilz rein, von dem
man glaubt, er wäre einfach zu erkennen - denkste!

Dann kommt man mit welchen daher, wo man sich fast sicher ist, dass sie
aus der Ferne nicht zu bestimmen seien, und dann so etwas.

Das werte ich auch mal als Beleg dafür, dass man mit den besseren Bilderbüchern
und Schlüsselwerken wie den Bon doch einige Täublingsarten einwandfrei anhand
der makroskopischen Merkmale bestimmen kann.

Bei einigen Herbstpostings hatte ich schon den Eindruck gewonnen, dass
Täublinge makroskopisch unbestimmbar seien - vor allem solche mit roten
Farbtönen am Hut.

Einen schönen Abend wünscht
Ingo