Psathyrella-Punk zum Haareraufen (10 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7216 Tagen)

Servus!

Diese punkig-unfrisierten Faserlinge haben mir Ende Oktober vergangenen Jahres auf einem morschen Buchenstamm entgegengeleuchtet:

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Im Wald hatte ich noch gedacht, dass sich diese Velummonster bestimmt leicht bestimmen lassen (mit Horak) - naja, träumen wird man ja noch dürfen. Über Psathyrella artemisiae und P. spintrigeroides habe ich nachgedacht, aber bei Ersterer sind Standort und Sporengröße etwas aus dem Lot und Zweiterer bescheinigt Horak einen glatten Stiel, was meine Punks aber nicht haben.
Wer weiß Rat?

Beschreibung und Mikros:
Funddaten: 28.10.2006; MTB 7934/4/1/3, 600 m Oberdill, vorne am Herbsttrompetenhang auf morschem Buchenholz (Stammstücke); gesellig (ca. 10 Fk); Hut: 2,5-4 cm breit, glatt bis etwas runzelig, schmierig, jung mit +/- konzentrisch angeordneten weißen Velumflocken bedeckt, die am Hutrand auffallend fransig-zackig abstehen, später verkahlend, hygrophan, feucht schokoladenbraun, am Scheitel auch rötlichbraun, später milchkaffeebraun bis blass ockerbraun ausblassend, etwa zur Hälfte durchscheinend gerieft; Stiel: ca. 3-5,5 cm lang, bis ca. 0,5-0,6 cm dick, schmutzig weiß, dicht weiß beflockt, Basis kaum oder schwach verdickt; Lamellen: gedrängt bis mäßig gedrängt, dünn, untermischt, graubraun, Schneiden hellgrau flockig (schwach); Fleisch: wässerig ockerbraun, im Stiel cremeweiß bis ocker; Geruch: unauffällig banal pilzig; Geschmack: eher unangenehm und etwas bitterlich; Lamellentrama: -; Basidien: -; Cheilozystiden: spindelig, dickwandig (-0,8 µm), ca. 51-55 x 11-16; Pleurozystiden: spindelig, dickwandig (-1,0 µm), ca. 57-62 x 12-14; Stielbeflockung: aus spindeligen, tels amorphen Zellen (46-80 x 11-17) und Sphaerozysten (17-23 Durchmesser); HDS: hymeniform, aus rundlichen Zellen, ca. 64 x 50; Sporen: elliptisch bis schwach bohnenförmig, mit KP, 7,5 x 4,5 (7-8 x 4-4,5); Q=1,67 (10 Sp. gemessen);

Cheilozystiden:
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Sporen:
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Stielbekleidung:
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Gruß aus dem ungewohnt frostigen München [image]

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Re: Psathyrella-Punk zum Haareraufen (10 Fotos) *PIC*

Georg, (vor 7216 Tagen) @ interhias

Hi Hias,
hast du mal mit Psathyrella olympiana verglichen? Recht üppiges Velum,
Wachstum auf Holz und der schuppige Stiel würden passen.

Hier ein Bild von mir vom Oktober 2004:

[img]/archiv/galerie/d/5557-2/1[/img]

Georg

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Re: Psathyrella-Punk zum Haareraufen (10 Fotos)

Hans Bender, (vor 7216 Tagen) @ interhias

Was hälst du denn von Psathyrella pervelata

Grüße Hans

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Re: Psathyrella-Punk zum Haareraufen (10 Fotos)

Peter W., (vor 7216 Tagen) @ interhias

Ja Hias schon wieder ich,

ich glaube deine Bestimmung als P. spintrigeroides ist richtig.

Ja, ja der Horak. Enderle in BKPM V S. 68 schreibt:" ... im oberen Drittel auffallend weißlich faserig-schuppig (jedoch ohne deutliche Ringzone), nach unten etwas kahler ...."

Gruß Peter

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Re: Psathyrella-Punk zum Haareraufen (10 Fotos)

Krötenhocker, (vor 7216 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

P. rostellata (Örstadius (1986)) gleicht optisch Deinen Pilzen schon sehr. Leider liegen mir keine weiteren Daten zu diesem Pilz vor, aber bestimmt hat hier jemand eine Monographie, um mal mit diesem zu vergeichen.

Viele Grüße aus dem tauenden Ruhrpott,

Jens

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Zwischenstand *PIC*

interhias ⌂, (vor 7215 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Georg, Hans, Peter und Jens,

jetzt haben wir ja schon 4 Namen für meine Faserlinge [image]

Zu euren Vorschlägen, denen ich leider nur anhand von "Pilze der Schweiz", Horak und Enderle 2004 nachgehen kann.

P. olympiana: an der habe ich im Horak vorbeigeschlüsselt, weil meine Faserlinge keine metuloiden Hymenialzystiden haben. Auch die Zystidenform weicht offenbar ab, jedenfalls wenn ich die Zeichnung in PdS zum Maßstab nehme.

P. pervelata: in PDS wird eine abgesetzte Ringzone beschrieben, die Zystiden sollen tendentiell lageniform und kopfig sein. Viele Fotos zu der Art habe ich nicht gefunden, tendentiell scheint sie mehr ockerbraun, nicht so schokobraun daherzukommen. Trau ich mir nicht zu beurteilen, ob die in Frage kommt.

P. spintrigeroides: nach der Fundbeschreibung von Enderle, die Peter zitiert, könnte diese Bestimmung schon hinkommen. Wie sind denn dort die Hutfarben und Velumreste beschrieben?

P. rostellata: Die Fotos auf den schwedischen Links, die Jens gefunden hat, zeigen makroskopisch ziemlich 100%ig dieselben Pilze, auch der Standort auf einem bemoosten Strunk passt genau. Leider habe ich zu dieser Art keinerlei mikroskopische Beschreibung.

Schon mal vielen Dank bis hierhin, vielleicht kommen ja noch ein paar Vorschläge dazu.

Gruß aus München
Hias

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Weiterverwirr

pilzmel ⌂, (vor 7215 Tagen) @ interhias

Hallo Hias und zusammen,
kaum guckt man mal einen Tag nicht rein, tobt eine interessante Sache. Ich kanns mir nicht verkneifen, meinen Mostrich beizusteuern.
P. pervelata:
Hat größere Sporen. Hut im Alter ohne Brauntöne.
P. spintrigeroides:
Viel spitzere Zystiden.
P. olympiana:
Hat größere Sporen und dickere Zystidenwände, meist mit Kristallen (verpieseln sich in KOH und vertragen auch keine starkes Quetschen).
P. rostellata ÖRSTADIUS 1986:
Hut 23-30 mm, dunkelbraun, gerieft. Velum stark entwickelt, an Hut und Stiel.
Lamellen hellbraun mit weißer Schneide.
Stiel 35-60 x 3-5 mm, weißlich.
Sporen 7-8 x (4)4,5-5 µm, kleiner KP, in Wasser gelbbraun(!).
Pleuros 50-65 x 10-17,5 µm, häufig, spindelig, mäßig spitz, aber öfter mucronat und gegabelt (!).
Cheilos 40-65 x 12,5-17,5 µm, häufig, wie Pleuros, dazwischen Blasen.
Buchenwald, moosiges Holz.
Von verdickten Zystidenwänden ist allerdings keine Rede. Was die gegabelten Pleuros betrifft, so bin ich ein wenig skeptisch, ob dieses Merkmal konstant ist. Trotzdem scheint die Zystidenform nicht recht zu passen. Dummer Weise habe ich bloß eine Kurzfassung der Beschreibung ohne Skizzen.
Eine weitere Idee wäre P. friesii. Die Sporen sollen zwar einen tic größer sein, naja...Und in Wasser rotbraun(!). Zystidenform würde passen. K.v.WAV. nennt als Unterscheidungsmerkmale zwischen P. rostellata und P. friesii explizit nur die mucronaten bzw. gegabelten Zystiden und die blasseren Sporen.
Weitergrübel.
Beste Grüße! Andreas

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Re: Zwischenstand

Peter W., (vor 7215 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

dien Fund ist aus meiner Sicht klar P. spintrigeroides.

Die Hutfarbe wird bei Enderle zwar eher rotbraun angegeben, aber das hat nicht viel zu sagen, wie ich schon bei P. chondroderma (Welt: Boletus 26, 2003, S. 67-70) feststellen konnte. Entscheidend ist das starke Velum und sind die Form der Zystiden (auch die Wand).

P. olympiana kann es nicht sein, weil die metuloiden Hymenialzystiden fehlen und auch die Form dieser Zystiden ist anders. siehe PDS

P. pervelata kann es nicht sein, weil die Zystiden nicht kopfig sind. siehe PDS

P. rostellata, kämme noch in Frage. Kits van Waveren schlüsselt die Art nicht, gibt nur eine Bemerkung bei P.friesi. In dieser Gruppe sind aber Pilz mit Zystiden die sehr bauchige sind und mit einer kurzen Spitze auslaufen (vielleicht wie P.prona f picta (PDS Bild 350)und diese haben außerdem keine Zystidenwände.

Gruß Peter

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Re: Weiterverwirr

Waldschrat, (vor 7215 Tagen) @ pilzmel

Hallo Pilzmel,
was meint Dein Mostrich zum Striegeligen Faserling, Psathyrella pervelata KvW?
Gruß - Waldschrat

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zu schnell geschossen, war ja schon serviert *oT*

Waldschrat, (vor 7215 Tagen) @ Waldschrat

- kein Text -

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Re: Zwischenstand *PIC*

pilzmel ⌂, (vor 7215 Tagen) @ Peter W.

Hallo Peter,
als Form der Zystiden von P. spintrigeroides hatte ich bisher eine solche angenommen:

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Ahnlich denen von P. artemisiae, aber mit gleichmäßig verdickten Wänden und (in Wasser) mit ein paar anhaftenden Krümelchen. Vielleicht habe ich aber auch einen akuten Denkfehler. P. friesii soll keine bauchig-genoppten Zystiden haben (aber auch halt keine dicken Wände).
Weitergrübel.
Beste Grüße! Andreas

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Re: Psathyrella-Punk zum Haareraufen (10 Fotos)

Waldschrat, (vor 7215 Tagen) @ interhias

Im Wald hatte ich noch gedacht, dass sich diese Velummonster bestimmt leicht
bestimmen lassen (mit Horak) - naja, träumen wird man ja noch dürfen. Über
Psathyrella artemisiae und P. spintrigeroides habe ich nachgedacht, aber
bei Ersterer sind Standort und Sporengröße etwas aus dem Lot und Zweiterer
bescheinigt Horak einen glatten Stiel, was meine Punks aber nicht haben.
Wer weiß Rat?

Hallo Hias,
das ist keinesfalls zum Haareraufen, eher der Normalfall, jedenfalls bei mir. Von drei "Neulingen" oder zumindest als solche subjektiv wahrgenommen, verläßt meist nur einer meinen Seziertisch mit gutem Gefühl. Je mehr Kriterien man heranzieht und je penibler man analysiert, desto größer die Zweifel. Das macht:
- die Bandbreite der Artmerkmale;
- falsche eigene Interpretation bzw. fehlerhafte Analysemethoden;
- unscharfe oder falsche Literaturangaben;
Aber mit der Zeit verdichten sich die Indizien so sehr, daß der Kandidat schließlich doch entlarvt wird.
Gruß - Waldschrat