Risspilz zwischen allen Stühlen ... *PIC*

interhias ⌂, (vor 7083 Tagen)

Servus!

Endlich kann man sich wieder an Risspilzen die Zähne ausbeißen.

Diesen hier fand ich gestern am Wegesrand, bedauerlicherweise ein Einzelgänger:
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Makroskopisch hätte ich ja auf eine I. rimosa getippt, aber da lag ich daneben. Nun tendiere ich mit viel Bauchschmerzen zu I. fuscidula (Braunstreifiger Risspilz). Sporen und Basidien sind etwas überdimensioniert. I. nitiduscula habe ich wegen der völlig fehlenden Rottöne am Stiel verworfen. Vielleicht hat ja von euch jemand eine bessere Idee.

Beschreibung und Mikros:
Funddaten: 09.06.2007; 8036/4/4/4, 600 m, Westerham, am Wegrand bei Fichte, Eiche, Hainbuche und Erle; einzeln; Hut: 3,2 cm breit, spitz gebuckelt, Oberfläche faserig, am Hutrand grobfaserig aufreißend, haselnussbraun, am Scheitel dunkler rötlichbraun, zum Rand hin heller wirkend; Stiel: 4 cm lang, bis 0,5 cm breit, zylindrisch, blass holzfarben (cremebeige), nur an der Spitze feinst weißlich bereift, sonst glatt und weißlich überfasert, Basis schwach verdickt und weißfilzig; Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, bauchig, graubraun mit deutlichem Olivton, Schneiden weißflockig; Fleisch: dünnfleischig, im Hut weiß, im Stiel blass holzfarben; Geruch: intensiv nach Paprikachips (spermatisch); Geschmack: -; Lamellentrama: regulär, Zellen spindelig aufgeblasen;; Basidien: 4-sporig, 30-38 x 8-11, mit Basalschnallen; Cheilozystiden: metuloid, spindelig, ca. 60-65 x 15-18, Wandstärke am Bauch 1-1,5, am Kopf 1,5-3, dazw. zahlreiche keulig-blasige Zellen, Schnallen vorhanden; Pleurozystiden: z.B. 68-84 x 14-16, Form und Wandstärke wie die Cheilos; Kaulozystiden: nur im oberen Stielbereich echte, metuloide Kaulos, ca. 48-73 x 14-16, Wandstärke 0,5-1, vermischt mit keulig-blasigen Zellen; Endzellen der Stielbefaserung knapp unter der Stielmitte zylindrisch mit abgerundeten Enden, z.B. 57x10, 65x10; HDS: -; Sporen: mandelförmig, 10,9 x 5,8 (9,5-12,5 x 5-6,5), Q=1,88 (1,7-2,1), 20 Sp. gemessen;

Cheilozystiden
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Kaulos im oberen Stielbereich:
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Endzellen der Stielbefaserung knapp unter der Stielmitte:
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Sporen am Stiel:
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Grüße aus München
Hias

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Re: Risspilz zwischen allen Stühlen ...

Andreas 2, (vor 7082 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

bei der I. fuscidula zugemuteten Variabilität kann man ja fast nie ganz falsch liegen ;-) und diese Art ohne Bauchschmerzen zu benamen ist auch nur selten möglich. Auf Grund des rötlichbraunem Hutscheitels, den ich auch etwas fettig glänzend wahrnehme, der oliv getönten Lamellen und der etwas größeren Sporen sowie der Zystidenform würde ich der I. fuscidula nah stehenden I. pseudodestricta (einschließlich I. derbschii) den Vorzug geben. Der Stiel ist zwar etwas sehr blass für diese Art, aber auch dies ist nur ein schwaches Merkmal. Einige Probleme zu den 3 genannten Sippen wurden im Dezember 2005 schon mal im DGfM-Forum andiskutiert.

Bei I. nitidiuscula schließe ich mich Deiner Meinung an, auch ist der Hut unpassend grobfaserig dafür.

Gruß Andreas

PS.: Welche Marke von Paprikachips mit so markantem Geruch bevorzugst Du denn?

Servus!
Endlich kann man sich wieder an Risspilzen die Zähne ausbeißen.
Diesen hier fand ich gestern am Wegesrand, bedauerlicherweise ein
Einzelgänger:

Makroskopisch hätte ich ja auf eine I. rimosa getippt, aber da lag ich
daneben. Nun tendiere ich mit viel Bauchschmerzen zu I. fuscidula
(Braunstreifiger Risspilz). Sporen und Basidien sind etwas
überdimensioniert. I. nitiduscula habe ich wegen der völlig fehlenden
Rottöne am Stiel verworfen. Vielleicht hat ja von euch jemand eine bessere
Idee.
Beschreibung und Mikros: Funddaten: 09.06.2007; 8036/4/4/4, 600 m,
Westerham, am Wegrand bei Fichte, Eiche, Hainbuche und Erle; einzeln;
Hut: 3,2 cm breit, spitz gebuckelt, Oberfläche faserig, am Hutrand
grobfaserig aufreißend, haselnussbraun, am Scheitel dunkler rötlichbraun,
zum Rand hin heller wirkend; Stiel: 4 cm lang, bis 0,5 cm breit,
zylindrisch, blass holzfarben (cremebeige), nur an der Spitze feinst
weißlich bereift, sonst glatt und weißlich überfasert, Basis schwach
verdickt und weißfilzig; Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, bauchig,
graubraun mit deutlichem Olivton, Schneiden weißflockig; Fleisch:
dünnfleischig, im Hut weiß, im Stiel blass holzfarben; Geruch: intensiv
nach Paprikachips (spermatisch); Geschmack: -; Lamellentrama: regulär,
Zellen spindelig aufgeblasen;; Basidien: 4-sporig, 30-38 x 8-11, mit
Basalschnallen; Cheilozystiden: metuloid, spindelig, ca. 60-65 x 15-18,
Wandstärke am Bauch 1-1,5, am Kopf 1,5-3, dazw. zahlreiche keulig-blasige
Zellen, Schnallen vorhanden; Pleurozystiden: z.B. 68-84 x 14-16, Form
und Wandstärke wie die Cheilos; Kaulozystiden: nur im oberen
Stielbereich echte, metuloide Kaulos, ca. 48-73 x 14-16, Wandstärke 0,5-1,
vermischt mit keulig-blasigen Zellen; Endzellen der Stielbefaserung knapp
unter der Stielmitte zylindrisch mit abgerundeten Enden, z.B. 57x10,
65x10; HDS: -; Sporen: mandelförmig, 10,9 x 5,8 (9,5-12,5 x 5-6,5),
Q=1,88 (1,7-2,1), 20 Sp. gemessen;
Cheilozystiden

Kaulos im oberen Stielbereich:
Endzellen der Stielbefaserung knapp unter der Stielmitte:
Sporen am Stiel:


Grüße aus München
Hias

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Re: Risspilz zwischen allen Stühlen ...

interhias ⌂, (vor 7081 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Andreas,

danke für deine Einschätzung! Gerade habe ich mir die Diskussion im DGfM-Forum vom Winter 2005 durchgelesen. Der Risspilz, den Pilzmel da vorstellt, ist makroskopisch gar nicht so weit von meinem Fund entfernt.

Es ist sehr beruhigend zu erfahren, dass auch bei erfahrenen Risspilzfreunden I. fuscidula eine "magische Anziehungskraft beim Schlüsseln" ausübt.

Die enge Verschwandtschaft von I. pseudodestricta/derbschii mit fuscidula ist bei der Beschreibung letzterer im Stangl leider mit keinem Wort erwähnt, wie es überhaupt bedauerlich ist, dass Stangl in seiner Monographie auf Querverweise zu ähnlichen Arten weitgehend verzichtet.

Die im Schlüsselpunkt 36 genannten Merkmale: "Hutfarbe dunkel kastanienbraun ... Stiel im oberen Drittel deutlich rötlich getönt" haben mit meinem Fund nun wirklich nichts gemein; wenn man dann aber die Beschreibung zu I. pseudodestricta liest, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus ("zuweilen oben rosalich oder violettlich behaucht").

Mit Risspilzen wird's einem jedenfalls nie langweilig - wie letztes Jahr kriegen sie auch heuer wieder eine eigene Rubrik auf meinen Bestimmungsseiten.

Beste Grüße aus München
Hias

PS: Der Vergleich des typischen Rissilzgeruchs mit dem von Paprikachips stammt von meinem Vereinskollegen Werner Edelmann. Ich esse selber fast nie welche, kann also zu den Sorten nix sagen. Aber den Geruchsvergleich finde ich mindestens so plausibel wie "spermatisch", denn da dürfte es ja auch ziemlich viele Sorten geben ;-)