lamellen- und röhrenloses Rätsel *PIC*

Ingo Wagner, (vor 6927 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!
Wie auch bei zuehli gestern, von mir heute ein Rätsel im Sinne von Ratespaß(-stress?).

Auf den ersten Blick wohl schwierig, aber nach dem Tipp: "Alle an Teilen der gleichen Pflanze gewachsen" vielleicht lösbar. Zugegebenermaßen ist der im Vorteil, der sich auch mit "Fliegenschiss" beschäftigt.
Auch die blanke richtige Gattung punktet schon, besser wäre natürlich auch noch die richtige Art.

Damit sich keiner ärgern muss, dass ein anderer schon alles verraten hat, schlage ich vor, die Lösungsvorschläge an meine E-Mail-Adresse zu schicken.

Je nach Resonanz gebe ich vielleicht später ein paar verräterische Tipps (dann gibt’s allerdings 10% Punktabzug).

Nr.1 dürfte wohl der schönste sein. Er wächst vielfach auf den verschiedensten Kräuterstängeln (im Bild die dicken Stängel), aber eben auch auf einem bestimmten Teil der gesuchten Pflanze. Auch, wenn die Anzahl und Länge der "Rand-Borsten" deutlich unterschiedlich ist, waren mikroskopisch keine arttrennenden Merkmale sichtbar.
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Nr.2, ebenfalls nicht unbekannt, ist ein fast obligater Bewohner.
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Zu Nr.3 sei gesagt: "Manchmal trügt der Schein!", wächst fast ausschließlich am gesuchten Substrat.

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Ihn kennen wohl nur eingefleischte Freaks, er ist auf das Substrat festgelegt.

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Mit pilzlichen Grüßen
Ingo W

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Tipp 1:

Ingo Wagner, (vor 6927 Tagen) @ Ingo Wagner

Der schwierige Asco ist gar nicht immer sooo langstielig, wie Baral 2005 annimmt.
Bei mir in den Mittelgebirgslagen ist er tatsächlich häufig, und wenn ihr das Substrat herausbekommen habt, kann es sein, dass ihr ihn sofort findet, wenn ihr danach sucht (und die anderen gleich dazu?).

An Schnuffel: ich bin beeindruckt!! (Schau noch mal ins Bild im Bild!)

Gruß Ingo W

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Tipp 2:

Ingo Wagner, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Es handelt sich bei den 4 Arten um zwei Basidiomyceten und zwei Ascos. Ein Ständerpilz hat fast eiförmige, hellbraune Sporen.

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Tipp 3:

Ingo Wagner, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Zwei wachsen an den Blattpetiolen, zwei wachsen an Holz, nur zwei der Arten sind im B&K.

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Re: Tipp 3:

Andreas ⌂, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Zwei wachsen an den Blattpetiolen, zwei wachsen an Holz, nur zwei der Arten
sind im B&K.

Hallo Ingo,

Du wirst mir doch nicht erzählen wollen, dass das Substrat von Bild 1 Eschen-Blattstiele sind???

beste Grüße,
Andreas

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Re: Tipp 3:

Ingo Wagner, (vor 6926 Tagen) @ Andreas

Hallo Ingo,
Du wirst mir doch nicht erzählen wollen, dass das Substrat von Bild 1
Eschen-Blattstiele sind???
beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas!
Doch will ich! Natürlich nicht die dicken Stängel (hab ich ja im Text dazu geschrieben), ich schreib dann noch was bei der Auflösung heute abend dazu.

Gruß Ingo

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Re: Tipp 3:

Andreas ⌂, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Andreas!
Doch will ich! Natürlich nicht die dicken Stängel (hab ich ja im Text dazu
geschrieben), ich schreib dann noch was bei der Auflösung heute abend
dazu.
Gruß Ingo

Hallo Ingo,

tja, da hab ich mal wieder nicht richtig gelesen *grummel*

Da Du ja eh heute abend auflösen willst, kann ich ja jetzt auch hier tippen, oder?
1. Cyathicula coronata bleibt, auch wenn es sich dann doch vermutlich um C. fraxinophila handelt. Aber hat die so große Randhaare? Bin gespannt!
2. Ist dann immer noch Peniophora limitata
3. Sollte unter diesen Umstände Episphaeria fraxinophila sein
4. Bleibt ja dann nur Hymneoscyphus albidus, denn ich zwar schon hundert Mal gesehen, aber nie richtig angeguckt habe offensichtlich. Mir ist nie aufgefallen, dass der einen crenulierten Rand haben kann.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Tipp 3:

Pandeon, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Ich rate mal:

Bei Pilz 1 wäre ich zu Cyathicula coronata gelangt, aber wenn ihr sagt das das Substrat Esche ist, tippe ich auf Cyathicula fraxinophila.

Pilz 2 könnte dann ein etwas älteres Exemplar von Pulcherricium caeruleum auf Eschenholz sein.

In Pilz 4 würde ich gerne einen Hymenoscyphus sehen, auf Esche dann H. albidus (Weisser Stengelbecherling)?

Für Pilz 3 käme dann nur noch ein Basidiomycet in Frage, da hab ich leider keine Idee zu.

Gruss

Pandeon

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Auflösung und Diskussion *PIC*

Ingo Wagner, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

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1.: Cyathicula coronata (Gekrönter Kronenstängelbecherling) dürfte wohl der schönste sein. Er wächst vielfach auf den verschiedensten Kräuterstängeln (im Bild die dicken Stängel), aber eben auch auf Blattpetiolen der Esche (im Bild lins oben und rechts unten), verbreitet.

ob das immer so ist?: die Apothezien an den Blattpetiolen haben weniger und längere "Kronenhaare", was mich veranlasste anzunehmen, dass ich hier eine andere Art habe, aber bis auf die Länge der hyphigen "Kronenhaare" war wirklich nichts anderes festzustellen, auch der Sporeninhalt war total identisch und gleich angeordnet.

Bei den Petiolen- Funden hatte ich zunächst das Substrat fehlinterpretiert, diese sahen nämlich aus wie Grasstückchen, das merkwürdige: die hatten alle ungefähr die gleiche Länge (ca. 5-6 cm), also wie zurechtgeschnitten, und das immer nur genau unter der Esche. Vermutlich besiedelt also hier die Cyathicula hauptsächlich die übriggebliebenen, direkten Blattpetiolen und nicht die Hauptstiele, an der die eigentlichen Blätter sitzen (die wären besser erkennbar gewesen, denke ich).

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2.:Peniophora limitata (Eschen- Zystidenrindenpilz) ist ein fast obligater Bewohner an ansitzenden und abgefallenen Eschenästen. Gute makroskopische Hinweise gibt die Paarung Substrat Esche/ schwärzlicher, ablösender Rand bei älteren Frkn.

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3.: Episphaeria fraxinicola (Dunkelsporiges Zwergschälchen), hier handelt es sich wieder um einen „Basidiobecher“, völlig unterkartiert und überhaupt nicht selten, besonders Herbst an liegenden Eschen-Ästen.
Auffällige Merkmale: locker verteilt, recht winzig, sitzend, orangebraune Fruchtschicht, weiße verklebte Haare, breitellipsoid- eiförmige, dunkle Sporen (ca. 7x5), Haare geschlängelt und stark inkrustiert.
Makroskopisch verwechselbar mit Calathella erucaeformis („Raukenförmige Calathella“), Frühjahr (nur?), bisher besonders an Lindenästen gefunden.

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4.: Ihn kennen wohl nur eingefleischte Freaks, er ist auf das Substrat festgelegt. Cyathicula fraxinophila (Eschenblattstiel-Kronenbecherling), von Svrcek als Conchatium beschrieben, von Baral in Cyathicula umkombiniert.
Hier hatten wohl bloß die Baral-Asco-DVD-Besitzer eine Chance. In älterer Literatur wird er wohl teilweise mit Cyathicula dolosella und anderen vermengt worden sein.

Fazit meines ersten Rätsels: viel zu speziell, die bisherige Variante des gemeinsamen Lösens ist wohl doch populärer und auch einfacher zu handhaben, zumal wohl jeder, der nicht alle Arten lösen kann, vor einem Lösungs-Vorschlag zurückschreckt.

Um so erfreulicher: Noch vor dem ersten Tipp hat Schnuffel voll gepunktet, gut gelöst hat auch der Andreas (das wird nicht wirklich jemanden wundern), aber den habe ich wohl zwischendurch ganz schön verwirrt.
Auch allen anderen danke ich für die Reaktionen!

Mit pilzlichen Grüßen
Ingo W

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Re: Auflösung und Diskussion

Nobi, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

auch wenn ich mich auf Grund der hohen Schwierigkeit an dem Rätsel nicht beteiligt habe, möchte ich mich ganz sehr für dir Vorstellung dieser interessanten Arten bedanken.

Es wird mich inspirieren, in den nächsten Tagen verstärkt unter Eschen zu suchen.

Deine Fotos sind wieder allererste Sahne! Mehr davon.

Beste Grüße vom Nobi

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@Nobi

Ingo Wagner, (vor 6926 Tagen) @ Nobi

Hallo Ingo,
auch wenn ich mich auf Grund der hohen Schwierigkeit an dem Rätsel nicht
beteiligt habe, möchte ich mich ganz sehr für dir Vorstellung dieser
interessanten Arten bedanken.
Es wird mich inspirieren, in den nächsten Tagen verstärkt unter Eschen zu
suchen.
Deine Fotos sind wieder allererste Sahne! Mehr davon.
Beste Grüße vom Nobi

Grüß dich, Nobi!

Gib Bescheid, wenn du fündig geworden bist (musst du Schnee wegschaufeln?). Würde mich nämlich interessieren, wie die Verbreitung anderswo ist!

Gruß Ingo W

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Eschenpilze

Hermine1, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

das war ein supertolles Rätsel. Die Episphaeria habe ich nicht erkannt auf Deinem Bild und selbst noch nie gefunden, leider. Hattest Du schon mal auf Esche Hypoxylon fraxinophilum oder argillaceum, wie auch immer es jetzt heißt? Das suche ich ständig und habs noch nie gefunden. Vielleicht sehe ich die Art auch einfach nicht, weil ich sie nicht "persönlich" kenne, das gibts ja auch. Bei mir gibts übrigens auch Hypoxylon cercidicolum kaum. An Eschen mangelt es allerdings nicht.....

Viele Grüße

Hermine

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@ Hermine

Ingo Wagner, (vor 6926 Tagen) @ Hermine1

das war ein supertolles Rätsel. Die Episphaeria habe ich nicht erkannt auf
Deinem Bild und selbst noch nie gefunden, leider. Hattest Du schon mal auf
Esche Hypoxylon fraxinophilum oder argillaceum, wie auch immer es jetzt
heißt? Das suche ich ständig und habs noch nie gefunden. Vielleicht sehe
ich die Art auch einfach nicht, weil ich sie nicht "persönlich"
kenne, das gibts ja auch. Bei mir gibts übrigens auch Hypoxylon
cercidicolum kaum. An Eschen mangelt es allerdings nicht.....
Viele Grüße
Hermine

Hallo Hermine!
Nun, ich glaube, die Episphaeria ist auch nicht gut zu erkennen (altes Lied, das Ding ist recht klein, meine Fotografiermöglichkeiten recht primitiv), es sei denn man kennt sie schon.
Die Frage mit den Pyrenomyceten leite ich gerne an meinen Pilzfreund und Mentor weiter, der sich mit diesen Sachen beschäftigt. Ich habe hier nämlich vorerst eine strenge Grenzlinie gezogen und lehne vorerst alles ab, was coprophil wächst (das macht auch mein Pilzmentor und natürlich Nobi, der absolut einzige Nobius coprophilus) oder zu den Pyrenomyceten zählt, weil mir mit den verbleibenden Ascos wirklich der Kopf brummt.
Ich melde mich aber bei dir per E-Mail, wenn ich am Wochenende mehr darüber weiß.

Gruß Ingo W

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lamellenlos, röhrenlos, gehaltvoll

phragmobasidie, (vor 6926 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Rätsel hin oder her, die Präsentation / Erläuterungen sind klasse.

schöne Grüße
Robin