Hallo Hagen,
nicht einfach, darauf eine konsensfähige Antwort zu finden. Das wird sicherlich reichlich Kontroversen auslösen. Ich persönlich habe da sogar noch eine etwas "lockerere" Ansicht als Du und würde folgendes zu Deinen 4 Punkten entgegenen:
die (in
vernünftigem Rahmen) von jedem vertragen werden, kickt z.B. den
Hallimasch und die Nebelkappe raus
die von der überwiegenden Mehrheit der Leute problemlos vertragen werden.
Kohl verträgt auch nicht jeder und Milch ein Großteil der Weltbevölkerung nicht. Daher ist für mich der Hallimasch auch weiterhin ein Speisepilz, so wie auch Kohl ein Speisegemüse ist, auch wenn mancher hinterher einen Kümmel braucht um seine Blähungen halbwegs im Griff zu behalten.
Die Nebelkappe dagegen wäre für mich wegen ihrem Gehalt an als mutagen angesehenen Nebularin kein Speisepilz mehr (von der Verträglichkeit her wäre es einer für mich).
- nicht leicht (was immer das heißt) mit Giftpilzen verwechselt werden
können
Dann wären auch Heidelbeeren keine Speisebeeren, denn die kann man leicht mit Einbeeren verwechseln (gepflückt zumindest)?
Meiner Meinung nach sollte mögliche Verwechelbarkeit keine Rolle für die Einschätzung Speisepilz - kein Speisepilz spielen. Für mich hat das etwas von Bevormundung, als ob erwachsene Leute nicht selbst entscheiden können, was sie erkennen können und was nicht. Und wenn sie sich überschätzen - Pech! Oder wilst Du die Champingons dann auch von der Liste gestrichen haben, und den Pfifferling kann man mit dem Ölbaumtrichterling verwechseln!
- Nicht auf Roten Listen stehen bzw. geschützt sind
Auf welcher Roten Liste? Ich würde niemandem im Schwarzwald sein Lachsreizkersüppchen verwehren wollen, auch wenn er dazu nicht unbedingt Thüringer Lachsreizker nehmen muss.
Dagegen muss man meiner Ansicht nach keine Königsröhrlinge essen, die sind überall selten udn nicht wie der Thüringer Lachsreizker "nur" am Arealrand.
Aber zum Thema "Pilze schützen durch Nicht-Sammeln" habe ich eh immer eine sehr zwiegespaltene Meinung, weil ich es prinzipiell moralisch gut heiße, es andererseits aber unerträgliche Augenwischerei finde, dass dadurch der Eindruck entsteht, dass die Populationen gefährdeter Arten sich wieder erholen wenn die Pilzsammler sie nicht mehr sammeln.
- an deren Esssbarkeit kein vernünftiger Zweifel besteht
Klar.
Leider sind die Kollegen da gerade auf dem Tripp : Kann man (mehrmals - ich
weiß, der war schon in der Würmzeit beim Neanderthaler alt) essen - iss
Speisepilz.
Naja, ist nicht so ganz unrichtig meiner Ansicht nach. Ich persönlich finde, dass Speisepilze nicht nur essbar sein sollten sondern auch schmecken sollten. Aber das ist halt Geschmackssache ....
Kann mir hier einer argumentativ weiterhelfen? Ich war mal der
Meinung, die DGFM hätte eine Liste von Speisepilzen rausgegeben? Kann mir
einer sagen, wo ich die finde??
Es gibt keine, aber es soll eine Liste erarbeitet werden mit Kommentaren zu uneinheitlich betrachteten Arten. Mea Culpa, aber über Weihnachten-Neujahr ist ja viiieeel Zeit .....
Ich wurde vom Portal Lebewesen mit meiner Frage sogar zum Portal Essen und
Trinken geschickt ... schluchz...
beste Grüße,
Andreas