Neue Folge: Täubling der Woche #24 *PIC*

Thüringer-Holz, (vor 6670 Tagen)

heute:

Russula praetervisa Sarnari 1998 syn.
Russula pectinatoides Peck 1907 - Kratzender Kamm-Täubling

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, endlich wieder Frischmaterial! Heute ein
typischer Vertreter des niedersächsischen sandigen Flachlandes aus der Untersektion "Foetentinae".

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Der Kratzende Kamm-Täubling ist ein typischer anspruchsloser Parkpilz, er erscheint auf Freiflächen,
Wiesen und Grünanlagen auf sandigen Böden unter Laubbäumen.

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Auffälliges Merkmal ist die kupferrotbraune "Fleckung" an den verschiedensten Stellen und die meist
orangegelbe oder orangerote Stielbasis. Beide Merkmale können unterschiedlich stark ausfallen.

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Der deutsche Name ist sehr treffend gewählt. Anfangs schmecken Fleisch und Lamellen ganz mild,
bis sich nach einiger Zeit ein widerlich kratzender Geschmack im Rachen breit macht.

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Um Verwechslungen mit dem sehr ähnlichen Camembert-Täubling vor Ort auszuschließen, hilft die
Geruchsprobe. R.pectinatoides hat eine stark fruchtige Komponente andere Autoren meinen er riecht
nach Gummi oder Kautschuk. Der Camembert-Täubling riecht nach Camembert-Käse
und ist deutlich beißend scharf im Geschmack.

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Hut: umberbraun, blass bis rußbraun, elfenbeingraulich, hell -oder dunkler graubraun vor allem in der Hutmitte
dunkler, auch ockerbraun oder gelbbraun, jung fast sepiafarben, mit oder ohne kupferrotbraune "Fleckung",
Oberhaut schmierig, gequollen, gummiartig zäh, kammrandig, trocken nur ein dünnes durchsichtiges
abziehbares Häutchen, lange etwas glänzend, erst kugelig, dann gewölbt, später niedergedrückt bis
trichterförmig, Rand erst eingebogen, später ausgebreitet, wellig und gelappt, sogar hochgebogen

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Lamellen: grauweißlich bis creme, häufig rostfleckig, mäßig gedrängt, häufig gabelig, mit Querverbindungen

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Stiel: rein weiß, runzelig gerieft, meist abwärts verjüngt, von der Basis
aufwärts nach Druck deutlich grauend, am Grund mit oder ohne kupferrote Flecken oder Fasern

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Anmerkung aus MHK: "Die Rotfärbung am Stielgrund rührt von feinen
roten Körnchen in den Längshyphen her."

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Die Chemische Reaktion an der Stielbasis mit KOH:
Hierzu haben Robin und ich unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Der KOH-Test vor Ort verlief meist
negativ, dennoch kommt es hin und wieder vor, dass durch das auftragen von KOH (20%) an der Basis
eine orangerote Färbung eintritt. Diese liegt wohl an den besagten feinen roten Körnchen
in den Längshyphen, sollte aber niemals so stark kräftig rot-orange-braun
ausfallen wie bei R.insignis.

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Fleisch: weiß unter der Huthaut graugelblich, blasig, starr, spröd-gebrechlich

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Wert: ungenießbar

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Vorkommen: Juli bis September, besonders unter Quercus, meidet Kalk

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Sporen laut MHK: rundlich bis länglich, 8-9 x 6-7 ym mit kleinen Warzen oder Stacheln,
deren netzige Verbindung zerstückelt ist

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Sporenstaub: dunkel creme (IIc)

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SARNARI führt in seinem Werk R.pectinatoides zur neu beschriebenen Art Russula praetervisa.
Er schreibt vermutlich unter "Note Tassonomiche e Nomenclatoriali" über gut zwei Seiten eine Menge dazu,
warum, wieso und weshalb er das gemacht hat. Leider bin ich des italienischen nicht mächtig. Über eine
kurze übersetzte Zusammenfassung wäre ich sehr dankbar.

Bis zum nächsten mal

Euer Felix

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Wieder ganz grosses Kino Felix....

Christoph G, (vor 6670 Tagen) @ Thüringer-Holz

.... da brauch ich ja bald kein Mikroskop mehr um Taeublinge sicher zu bestimmen....;-))

LG Christoph

heute: Russula praetervisa Sarnari 1998 syn.
Russula pectinatoides Peck 1907 - Kratzender Kamm-Täubling


Liebe Kolleginnen und Kollegen, endlich wieder Frischmaterial! Heute ein
typischer Vertreter des niedersächsischen sandigen Flachlandes aus der
Untersektion "Foetentinae".

Der Kratzende Kamm-Täubling ist ein typischer anspruchsloser Parkpilz, er
erscheint auf Freiflächen,
Wiesen und Grünanlagen auf sandigen Böden unter Laubbäumen.

Auffälliges Merkmal ist die kupferrotbraune "Fleckung" an den
verschiedensten Stellen und die meist
orangegelbe oder orangerote Stielbasis. Beide Merkmale können unterschiedlich
stark ausfallen.

Der deutsche Name ist sehr treffend gewählt. Anfangs schmecken Fleisch und
Lamellen ganz mild,
bis sich nach einiger Zeit ein widerlich kratzender Geschmack im Rachen breit
macht.

Um Verwechslungen mit dem sehr ähnlichen Camembert-Täubling vor Ort
auszuschließen, hilft die
Geruchsprobe. R.pectinatoides hat eine stark fruchtige Komponente andere
Autoren meinen er riecht
nach Gummi oder Kautschuk. Der Camembert-Täubling riecht nach Camembert-Käse
und ist deutlich beißend scharf im Geschmack.

Hut: umberbraun, blass bis rußbraun, elfenbeingraulich, hell -oder dunkler
graubraun vor allem in der Hutmitte
dunkler, auch ockerbraun oder gelbbraun, jung fast sepiafarben, mit oder ohne
kupferrotbraune "Fleckung",
Oberhaut schmierig, gequollen, gummiartig zäh, kammrandig, trocken nur ein
dünnes durchsichtiges
abziehbares Häutchen, lange etwas glänzend, erst kugelig, dann gewölbt,
später niedergedrückt bis
trichterförmig, Rand erst eingebogen, später ausgebreitet, wellig und
gelappt, sogar hochgebogen

Lamellen: grauweißlich bis creme, häufig rostfleckig, mäßig gedrängt, häufig
gabelig, mit Querverbindungen

Stiel: rein weiß, runzelig gerieft, meist abwärts verjüngt, von der Basis
aufwärts nach Druck deutlich grauend, am Grund mit oder ohne kupferrote
Flecken oder Fasern

Anmerkung aus MHK: "Die Rotfärbung am Stielgrund rührt von feinen
roten Körnchen in den Längshyphen her."

Die Chemische Reaktion an der Stielbasis mit KOH: Hierzu haben Robin und ich
unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Der KOH-Test vor Ort verlief meist
negativ, dennoch kommt es hin und wieder vor, dass durch das auftragen von
KOH (20%) an der Basis
eine orangerote Färbung eintritt. Diese liegt wohl an den besagten feinen
roten Körnchen
in den Längshyphen, sollte aber niemals so stark kräftig rot-orange-braun
ausfallen wie bei R.insignis.

Fleisch: weiß unter der Huthaut graugelblich, blasig, starr,
spröd-gebrechlich

Wert: ungenießbar

Vorkommen: Juli bis September, besonders unter Quercus, meidet Kalk

Sporen laut MHK: rundlich bis länglich, 8-9 x 6-7 ym mit kleinen Warzen oder
Stacheln,
deren netzige Verbindung zerstückelt ist

Sporenstaub: dunkel creme (IIc)

SARNARI führt in seinem Werk R.pectinatoides zur neu beschriebenen Art
Russula praetervisa.
Er schreibt vermutlich unter "Note Tassonomiche e Nomenclatoriali"
über gut zwei Seiten eine Menge dazu,
warum, wieso und weshalb er das gemacht hat. Leider bin ich des italienischen
nicht mächtig. Über eine
kurze übersetzte Zusammenfassung wäre ich sehr dankbar.
Bis zum nächsten mal
Euer Felix

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Re: Neue Folge: Täubling der Woche #24

Jochen Girwert, (vor 6670 Tagen) @ Thüringer-Holz

"ein typischer Vertreter des niedersächsischen sandigen Flachlandes

Der Kratzende Kamm-Täubling ist ein typischer anspruchsloser Parkpilz, er
erscheint auf Freiflächen,
Wiesen und Grünanlagen auf sandigen Böden unter Laubbäumen.

Vorkommen: Juli bis September, besonders unter Quercus, meidet Kalk"

Hallo Felix,

ein sehr schöner Beitrag. Besonders gefallen mir Experimente; für die chemischen Tests habe ich eine Schwäche.
Nicht ganz einverstanden bin ich mit den Standortangaben. Wie Du weißt und auch schon im Juni (!) fotografiert hast, wächst der Kratzende Kammtäubling bei uns bei Erfurt auch im Wald und da auf Kalk bzw. auch vermutlich auf Lößauflage. Ein typischer Pilz ist er hier allerdings nicht; vielleicht liebt er oberflächliche Versauerungen.
Mit dem Begriff "sandig" habe ich so meine Probleme. Zwischen sandigen Böden auf Keupersandstein, auf Buntsandstein und den eiszeitlichen Ablagerungen bestehen vermutlich erhebliche Unterschiede.

Alles Gute, Jochen

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Re: Neue Folge: Täubling der Woche #24

phragmobasidie, (vor 6670 Tagen) @ Jochen Girwert

Hallo Jochen,

ein sehr schöner Beitrag. Besonders gefallen mir Experimente; für die
chemischen Tests habe ich eine Schwäche.

Dann experimentier mal schön mit.

Mit dem Begriff "sandig" habe ich so meine Probleme. Zwischen
sandigen Böden auf Keupersandstein, auf Buntsandstein und den
eiszeitlichen Ablagerungen bestehen vermutlich erhebliche Unterschiede.

Ich habe nämlich Probleme mit Formulierungen wie "mit KOH lebhaft orangerot bei insignis; pectinatoides zeigt
diese Farbreaktion nicht" bzw. "niemals so stark wie bei insignis". Heisst das nun "kann orangerot sein, aber nicht lebhaft"
? Ich hoffe jedenfalls, dass ich bei vermeintlichen insignis die gelblichen Velumhyphen finde und bei pectinatoides nicht.
Bin mit der KOH-Reaktion absolut noch nicht im Reinen.

schöne Grüße
Robin

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Re: Neue Folge: Täubling der Woche #24

Jochen Girwert, (vor 6670 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Robin,

zumindest bei nicht zu alten + nicht zu jungen, nicht durchwässerten + nicht eingetrockneten oder vermadeten Pilzen sollte eine Reaktion schon stimmen; na außerdem ist es schön, wenn die Konzentration der Reagenzie irgendwo erwähnt wird. Leider sind die Maßstäbe nicht geeicht. Zum Beispiel bezeichne ich eine Reaktion mit Guajak nur als positiv, wenn ein sofortiger deutlicher Umschlag erfolgt; es gibt aber alle möglichen zeitlichen und farblichen Abstufungen.
Deshalb ist es ja gerade gut, wenn Ihr der Sache auf den Grund geht.

Jochen.

Hallo Jochen,
Dann experimentier mal schön mit.
Ich habe nämlich Probleme mit Formulierungen wie "mit KOH lebhaft
orangerot bei insignis; pectinatoides zeigt
diese Farbreaktion nicht" bzw. "niemals so stark wie bei
insignis". Heisst das nun "kann orangerot sein, aber nicht
lebhaft"
? Ich hoffe jedenfalls, dass ich bei vermeintlichen insignis die gelblichen
Velumhyphen finde und bei pectinatoides nicht.
Bin mit der KOH-Reaktion absolut noch nicht im Reinen.
schöne Grüße
Robin

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R. pectinatoides versus praetervisa

interhias ⌂, (vor 6669 Tagen) @ Thüringer-Holz

SARNARI führt in seinem Werk R.pectinatoides zur neu beschriebenen Art
Russula praetervisa.
Er schreibt vermutlich unter "Note Tassonomiche e Nomenclatoriali"
über gut zwei Seiten eine Menge dazu,
warum, wieso und weshalb er das gemacht hat. Leider bin ich des italienischen
nicht mächtig. Über eine
kurze übersetzte Zusammenfassung wäre ich sehr dankbar.

Servus Felix,

erstmal vielen Dank für die schöne Dokumentation!

Es ist nicht ganz richtig, dass Sarnari R. pectinatoides Peck zu der von ihm neu beschriebenen R. praetervisa zieht. Er synonymisiert nur R. pectinatoides Peck ss. Sarnari 1994 non ss. Peck 1907!

Der Hintergrund dafür ist, dass die mediterranen Aufsammlungen von Sarnari unvollständig netzige Sporen aufweisen, wohingegen die Kollektionen vom Kontinent, inbesondere aus Frankreich isoliert warzige Sporen haben. Nachdem er seine makroskopisch identischen Funde zunächst noch als abweichende Form von pectinatoides akzeptierte, gelangte er schließlich zu der Überzeugung, dass es sich um zwei verschiedenen Arten handelt, und beschrieb deshalb "seine" Art neu.

Die taxonomische Beziehung von praetervisa zu pectinatoides lässt er offen, stellt jedoch fest, die europäische Art müsse umbenannt werden, falls sich bestätigen sollte, dass sie von praetervisa verschieden ist. Warum das so ist, habe ich nicht ganz kapiert.

Wenn ich diesen taxonomischen Verhau richtig verstanden habe, dann ist die von dir dokumentierte Art R. pectinatoides Peck und nicht praetervisa.
Sollte ich mit meiner Interpretatino daneben liegen, bitte ich um aufklärende Worte!

Beste Grüße aus München
Hias

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Vielen Lieben Dank Hias!!!!!!! *oT*

Thüringer-Holz, (vor 6668 Tagen) @ interhias

- kein Text -