Schuppiger Torfmoosnabeling? *PIC*

AK_CCM, (vor 6591 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

letzten Sonntag war ich mit Dr. Christoph Hahn et al. bei Weilheim auf einer Exkursion des Münchner Pilzvereins unterwegs. Dort stießen wir auf einer Feuchtwiese bzw. einem Sphagnum-Rasen (untersetzt mit Heidekraut, weshalb es sich sehr wahrscheinlich um einen sauren Boden handeln dürfte) auf ein paar düstere, nabelingsartige Frk., die zunächst der Gattung Entoloma zugesprochen wurden (Hinweis: Die bläulichen Reflexionen v.a. am Stiel des rechten Frk. sind ein Artefakt):

[image]

Obwohl keine reifen Sporen vorhanden waren und auch nach 2 Tagen Liegezeit noch kein Sporenabwurfpräparat gelang, würde ich die Art aber eher in der Gattung Omphalina suchen. Dort gibt es nämlich ein paar Vertreter, die mit Torfmoosen vergesellschaftet sind. Mein Favorit wäre aufgrund der zentral feinschuppigen Huthautstruktur und den dunklen Lamellenschneiden O. geradiana.

Allerdings macht mich der Hinweis auf der CD mit den Gattungsbeschreibungen, die dem Abb.verzeichnis beiliegt, stutzig: "keine Zystiden". Fakt ist aber, dass ich Cheilozystiden oder Marginalzellen an den Lamellenschneiden gefunden habe. Sie waren hyalin, dünnwandig, zweigeteilt und jeweils durch eine Quersepte getrennt. Der "Rumpf" war schlank-keulig. Die langgezogene Spitze maß zwischen 25 und 35 µm, war bis zu 2 µm breit und ragte weithin sichtbar aus dem Hymenium heraus. Kristallschöpfe habe ich keine beobachtet.

Wer kann mir weiterhelfen?

Gruß, Andreas

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Soll O. gerardiana heißen ("r" vergessen) *oT*

AK_CCM, (vor 6591 Tagen) @ AK_CCM

- kein Text -

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

Peter W., (vor 6591 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

Ludwig schreib im Vorwort zur Gattung Omphalina:

HymZ. inkonstant und wahrscheinlich witterungsabhängig; fast immer fehlend (bisw. schlanke, meist fädige, selten lageniforme oder spindelige Marginalzellen vorhanden)

Kann also vorkommen.

Gruß Peter

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

AK_CCM, (vor 6591 Tagen) @ Peter W.

Hallo Peter,

danke für die Info.

Hattest Du die Art oder einen anderen Gattungsvertreter schon mal unterm scharfen Glas? Das mit den Marginalzellen finde ich interessant.

Gruß, Andreas

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling? *PIC*

Markus Wilhelm ⌂, (vor 6591 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

so vom Standort könnte es schon sein. Allerdings sind meine Funde etwas zarter, wie ein kleiner Rötling (Leptonia). Dein Foto erinnert mehr an O. oniscus. Auch ich habe übrigens schon einmal Zystiden bemerkt. Typisch für O. gerardiana ist das Wachstum am lebenden Sphagnum, und daher meist ohne langen Stiel.

Hier noch ein Foto von diesem Jahr:

Viele Grüsse, Markus

[image]

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

42, (vor 6591 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,

stellt Dein Foto nicht vielleicht einen Geröllnabeling (Omphalina rickenii) dar?

Beste Grüße
Thomas '42' Wallner

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

Markus Wilhelm ⌂, (vor 6591 Tagen) @ 42

Ja Thomas,

danke, aber das wäre schon eine sehr komischer Ort für diesen Sphagnumbewohner! Nein, da bin ich mir sicher, dass es diese Art ist.

Viele Grüsse, Markus

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

AK_CCM, (vor 6591 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,

danke für die Info, dass Du auch schon Zystiden beobachtet hast.

Keine Frage: Die Abb. im LUDWIG bei O. oniscus zeigen kräftigere Frk. als bei O. gerardiana und haben mehr Ähnlichkeit mit unserem Fund. Danke für den Bildvergleich an dieser Stelle.

Ich lese gerade im Textband, dass es eine Varietät fusconigra gibt, die im Hutzentrum bisw. leicht schülferig-schuppig ausfällt und oft dunklere Lamellenschneiden besitzt. Das hatte ich heute Vormittag wohl überlesen. Allerdings war der Stiel weniger flaumig behaart - in meiner Fundnotiz steht aber. "basal weißfilzig...teils mit feinen, kurzen Härchen bis zur Mitte des Stiels besetzt (10x-Lupe)".

Wirklich schade, dass ich keine reifen Sporen finde - werde mal einen anderen Frk. anschneiden. Ansonsten kann ich mir ja noch die Stielhaare und die HDS ansehen.

Gruß, Andreas

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

Der Juergen, (vor 6591 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

ein schönes Pilzchen. Leider kann ich zu der Art gar nichts sagen, aber mal einen Tipp, wie man von "trägen Pilzen" ein paar Sporen bekommt:

1. Ein kleines Stück Lamelle auf den Objektträger in einen Tropfen Wasser überführen.
2. Mit einem Glasstab (oder ähnlich hartem) das Lamellenstückchen "zermörsern".
3. Neben dem zermörserten "Brei" ein Decklas auflegen (mit einem kleinen Tropfen Wasser)
4. Das Decklas zum Rand des Breies hinschieben und warten, bis die darin gelösten Sporen unter das Deckglas "diffundieren"
5. Wenn nötig, mit der Saugkraft eines Flieses etwas nachhelfen.
6. Der Brei neben dem Deckglas sachte entfernen.

Hat bei mir immer prima funktioniert. Ich hatte mit dieser Methode immer Sporen unter dem Deckglas.

Grüßle
Juergen

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

AK_CCM, (vor 6591 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Juergen,

danke für Dein Interesse und den Tipp. Das Problem bei der vorgeschlagenen Methode ist, dass sich damit nur unreife Sporen präparieren lassen. Und jene können sich in Form und Größe durchaus von reifen Sporen unterscheiden.

Im LUDWIG steht weiter: "Sporenmessungen möglichst vom Abwurfpräparat! Die Sporen sind bei vielen Arten außerordentlich form- und größenvariabel. Dies könnte auf starke Witterungsschwankungen und/oder das häufige Nebeneinander von 1,2,3- und 4sporigen Basidien in stark variierenden Anteilsverhältnissen zurückzuführen sein. Anders als bei den meisten Lamellenpilzgattungen muß man bei Omphalina hierbei wohl eine deutl. größere Bandbreite tolerieren."

Allerdings kann man der Beschreibung von O. oniscus entnehmen, dass die Basidien jener Art 4sporig ausfallen. Insofern kann man diese mögliche Ursache für variable Sporen ausschließen.

Wie schon geschrieben, werde ich noch die anderen Frk. meiner Aufsammlung nach reifen Sporen absuchen (insgesamt waren es 4 ausgewachsene Frk.) - drück mir die Daumen. Gleichzeitig schaue ich mir noch die anderen Mikromerkmale an. Dann sollte eine solide Bestimmung auch ohne Sporenmaße möglich sein. Darüber hinaus verweist LUDWIG bei der von mir ins Auge gefassten Varietät fusconigra auf mehrere Literaturstellen - da werde ich an einer Recherche nicht vorbeikommen.

Gruß, Andreas

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

Der Juergen, (vor 6591 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

ein Abwurfpräparat enthält sicher mehr reife Sporen, aber auch mit der von mir beschriebenen Methode werden reife Sporen dabei sein. Man muss nur genügend Sporen ausmessen und min/max Werte angeben. Ich lag jedenfalls mit dieser Methode der Sporen-Ernte nie "daneben".

Grüßle
Juergen

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Re: Schuppiger Torfmoosnabeling?

AK_CCM, (vor 6590 Tagen) @ Der Juergen

Überzeugt - wird ausprobiert!