Geruch: unbedeutend

MartinB, (vor 6542 Tagen)

Hallo tzusammen,

ich fand gerade in der Mittagspause einen Angebrannten Rauchporling. Bei Gerhardt steht"Ger. und Ges. unbedeutend". Er riecht aber sehr intensiv pilzig. Heißt hier "unbedeutend", daß er keinen charakteristischen Geruch hat, nach Pilz halt, oder sollte er dann nach nix riechen?

Grüße, Martin

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Re: Geruch: unbedeutend

zuehli ⌂, (vor 6542 Tagen) @ MartinB

Heißt hier "unbedeutend", daß er keinen
charakteristischen Geruch hat, nach Pilz halt,

Hallo Martin,

so würde ich das mal deuten. Charakteristische Gerüche wären z.B. nitrös, nach Knoblauch, Rettich, Blattwanzen, Weidenbohrer-Raupe, Scheunenstaub, Dampflokomotive, Waschküche, Kartoffelkeller und wat et sonst allet noch so jibt...

Gruß Harald

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Re: Geruch: unbedeutend

Ingo Wagner, (vor 6541 Tagen) @ MartinB

Hallo tzusammen,
ich fand gerade in der Mittagspause einen Angebrannten Rauchporling. Bei
Gerhardt steht"Ger. und Ges. unbedeutend". Er riecht aber sehr
intensiv pilzig. Heißt hier "unbedeutend", daß er keinen
charakteristischen Geruch hat, nach Pilz halt, oder sollte er dann nach
nix riechen?
Grüße, Martin

Hallo Martin!

Nach meiner Auffassung bedeutet "Geruch unbedeutend", dass es sich nicht lohnt darüber zu plaudern, weil fast oder gleich Null.

Riecht ein Pilz "intensiv pilzig" oder auch weniger, aber trotzdem "pilzig", so wäre das für mich nicht unbedeutend, ist ja ein nachvollziehbares Merkmal, und darauf kommt´s ja bei einer Beschreibung an, sicherlich denken die Pilz-Autoren genauso.

VG Ingo W

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siehe z.B. B&K: Geruch pilzartig bei B.adusta *oT*

Ingo Wagner, (vor 6541 Tagen) @ Ingo Wagner

- kein Text -

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Re: Geruch: unbedeutend

Stephan Weißer, (vor 6540 Tagen) @ MartinB

Für meine Begriffe ist "Geruch unbedeutend" eine Leerformel, in etwa vergleichbar mit einer Standortangabe "im Nadelwald" oder einer phänologischen Angabe "August bis November". Der Nutzen einer solchen Leerformel ist beim Pilzbestimmen sehr bescheiden.

In einer wirklich guten Pilzbeschreibung hat m. E. "Geruch unbedeutend" nichts verloren, zumal das sicherlich auch von Autoren benutzt wird, die redaktionstechnisch gezwungen sind, in jeder Beschreibung die Rubrik "Geruch" ausfüllen mussen, die aber den Geruch dieser Pilze nicht kennen und auch sich nicht aus der Literatur erschließen wollen, aus welchen Gründen auch immer.

Mir kam es sogar schon vor, dass in manchen Billig-Pilzbüchern bei einer Art "Geruch unbedeutend" stand, in einem Fachbuch dagegen die Wichtigkeit des Geruchs für die Bestimmung dieser Art besonders hervorgehoben wurde. Peinlich, peinlich...

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Re: Geruch: unbedeutend

MartinB, (vor 6540 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo und Danke für Euer Feedback,

hier gings ja schon öfter um Gerüche und auch kontrovers. Für mich zeichnet sich ab, daß "starke" Gerüche wie Karbol, Knoblauch etc. einfach Gerüche, die man von einem Pilz nicht von vorneherein erwartet, charakterisierend wirken können. Aber daß kein oder schwacher Geruch nach Wald/Pilz/Humus eben "unbedeutend" ist (wobei das an nassen und trockenen Tagen sicher auch noch unterschiedlich ist).
Im übrigen finde ich es trotzdem sehr angenehm, daß die Sprache bei der Beschreibung eines Pilzes noch nicht zu sehr standardisiert ist und den individuellen "Geschmack" des Autors zuläßt.

Gruß, Martin

Für meine Begriffe ist "Geruch unbedeutend" eine Leerformel, in
etwa vergleichbar mit einer Standortangabe "im Nadelwald" oder
einer phänologischen Angabe "August bis November". Der Nutzen
einer solchen Leerformel ist beim Pilzbestimmen sehr bescheiden.
In einer wirklich guten Pilzbeschreibung hat m. E. "Geruch
unbedeutend" nichts verloren, zumal das sicherlich auch von Autoren
benutzt wird, die redaktionstechnisch gezwungen sind, in jeder
Beschreibung die Rubrik "Geruch" ausfüllen mussen, die aber den
Geruch dieser Pilze nicht kennen und auch sich nicht aus der Literatur
erschließen wollen, aus welchen Gründen auch immer.
Mir kam es sogar schon vor, dass in manchen Billig-Pilzbüchern bei einer Art
"Geruch unbedeutend" stand, in einem Fachbuch dagegen die
Wichtigkeit des Geruchs für die Bestimmung dieser Art besonders
hervorgehoben wurde. Peinlich, peinlich...

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Re: Geruch: unbedeutend

Ingo Wagner, (vor 6539 Tagen) @ MartinB

Hallo und Danke für Euer Feedback,
hier gings ja schon öfter um Gerüche und auch kontrovers. Für mich zeichnet
sich ab, daß "starke" Gerüche wie Karbol, Knoblauch etc. einfach
Gerüche, die man von einem Pilz nicht von vorneherein erwartet,
charakterisierend wirken können. Aber daß kein oder schwacher Geruch nach
Wald/Pilz/Humus eben "unbedeutend" ist (wobei das an nassen und
trockenen Tagen sicher auch noch unterschiedlich ist).
Im übrigen finde ich es trotzdem sehr angenehm, daß die Sprache bei der
Beschreibung eines Pilzes noch nicht zu sehr standardisiert ist und den
individuellen "Geschmack" des Autors zuläßt.
Gruß, Martin

Hallo Martin!

Wie schon gesagt, ich bin nicht ganz dieser Meinung: Wenn ein Pilz pilzig riecht, ist das für mich überhaupt nicht die Kategorie "Geruch unbedeutend", sondern ein Merkmal. Geruch unbedeutend setze ich mit "Geruch fast oder = 0" gleich.

Gerüche wie Wald oder Humus werden allerdings sicherlich mehr vom Substrat als vom Pilz kommen.

VG Ingo W

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Re: Geruch: unbedeutend

MartinB, (vor 6539 Tagen) @ Ingo Wagner

Ja, Ingo,

ganz Deiner Meinung!
Wenn ich "unbedeutend" hinschreiben würde, würde ich auch meinen, daß da nichts oder fast nichts zu riechen ist (man ist da ja auch nicht immer völlig "in Form"). - Auf der anderen Seite formuliert man sowas sicherlich für ein Buch auch nicht, wenn man diesen speziellen Pilz nur einmal in der Hand bzw. unter der Nase gehabt hat. - Ich hatte jetzt nur erst mal akzeptiert, ohne es gut zu finden, daß "unbedeutend" auch im Sinne von "gewöhnlich", also eben nach Wald und was so dazugehört verwendet wird.
Daß der Geruch einer Art oft ein hilfreiches Kriterium der Bestimmung ist, ist mir klar. Und deshalb bin ich eben auch über diese Wort "unbedeutend" gestolpert. Wenn ein Pilz nach nix riecht, warum sollte man dann nicht auch "geruchlos" schreiben?
Der Rauchporling, von dem meine Frage ausging und der frisch einen wirklich stark pilzigen Geruch hatte, roch schon nach einer Stunde nur noch schwach und inzwischen (grade probiert) wiklich nach gar nichts mehr (wie ein Blatt Papier).
Es wird wahrscheinlich unmöglich sein, den Geruch eines Pilzes zu normieren. Durchsetzen oder durchgesetzt haben sich wohl nur die wirklich "starken", ungewöhnlichen Gerüche wie Karbol, Juchten, Weidenbohrer etc., wobei ein Großteil der heutigen Bevölkerung mit solchen Begriffen gar nix anfangen kann. Aber wenns einer wissen will, dann muß er sich halt drum kümmern...
Mein Vorschlag wäre, bei Pilzen, die keinen "ungewöhnlichen" Geruch haben, in der Beschreibung keinen anzugeben z.B. "Ger.: -".
In der Hoffnung, jetzt keine Lawinen losgetreten zu haben verbleibe ich

Mit wirklich hezlichsten Grüßen in die ganze Runde,

Martin

Hallo Martin!
Wie schon gesagt, ich bin nicht ganz dieser Meinung: Wenn ein Pilz pilzig
riecht, ist das für mich überhaupt nicht die Kategorie "Geruch
unbedeutend", sondern ein Merkmal. Geruch unbedeutend setze ich mit
"Geruch fast oder = 0" gleich.
Gerüche wie Wald oder Humus werden allerdings sicherlich mehr vom Substrat
als vom Pilz kommen.
VG Ingo W

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Re: Geruch: unbedeutend

Ingo Wagner, (vor 6539 Tagen) @ MartinB

Hallo Martin!

---Meiner Meinung nach, hast du das jetzt schön zusammengefasst

Auf der anderen Seite formuliert man
sowas sicherlich für ein Buch auch nicht, wenn man diesen speziellen Pilz
nur einmal in der Hand bzw. unter der Nase gehabt hat.

---Kann aber wahrscheinlich gerade bei selteneren (nur 1 Fund, aber zu schade, ihn nicht mit ins Buch zu nehmen) oder ganz häufigen (wie z.B. dein Pilzchen, denen man keine Beachtung mehr schenkt) trotzdem passieren.

- Ich hatte jetzt

nur erst mal akzeptiert, ohne es gut zu finden, daß
"unbedeutend" auch im Sinne von "gewöhnlich", also
eben nach Wald und was so dazugehört verwendet wird.

--- ich denke "unbedeutend" kann auch heißen, der Geruch ist so schwach und auch nicht ordentlich zu definieren, dass es sich nicht lohnt, ihn zu erwähnen. Mein persönliches Beispiel hierfür wäre Cortinarius varius (Semmelgelber Schleimkopf): Geruch sehr schwach und von den meisten Menschen nicht wahrnehmbar, aber vorhanden. Definieren kann ich den Geruch nicht recht, aber wiedererkennen schon (ähnlich wie grüne Walnüsse).

Daß der Geruch einer Art oft ein hilfreiches Kriterium der Bestimmung ist,
ist mir klar. Und deshalb bin ich eben auch über diese Wort
"unbedeutend" gestolpert. Wenn ein Pilz nach nix riecht, warum
sollte man dann nicht auch "geruchlos" schreiben?

---Genau, riecht ein Pilz nach nichts, muss man folglich "geruchlos" schreiben, wobei man hier schon wieder über die Falle stolpert, dass das Geruchsorgan unterschiedlich gut ausgeprägt ist.

Der Rauchporling, von dem meine Frage ausging und der frisch einen wirklich
stark pilzigen Geruch hatte, roch schon nach einer Stunde nur noch schwach
und inzwischen (grade probiert) wiklich nach gar nichts mehr (wie ein
Blatt Papier).

--- auch ein Problem, der Geruch und die Intensität kann sich verändern.

Es wird wahrscheinlich unmöglich sein, den Geruch eines Pilzes zu normieren.

---Sag das nicht, man arbeitet (glaube ich) auch an Computern, die die Geruchsmoleküle aufschlüsseln sollen.

Durchsetzen oder durchgesetzt haben sich wohl nur die wirklich
"starken", ungewöhnlichen Gerüche wie Karbol, Juchten,
Weidenbohrer etc., wobei ein Großteil der heutigen Bevölkerung mit solchen
Begriffen gar nix anfangen kann. Aber wenns einer wissen will, dann muß er
sich halt drum kümmern...

---Pilzausstellung mit "Riechecke"!

Mein Vorschlag wäre, bei Pilzen, die keinen "ungewöhnlichen" Geruch
haben, in der Beschreibung keinen anzugeben z.B. "Ger.: -".

---so sehen es wohl die meisten

In der Hoffnung, jetzt keine Lawinen losgetreten zu haben ......

---warum nicht? Ich diskutiere da gerne drüber.

VG Ingo W

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Re: Geruch: unbedeutend

MartinB, (vor 6539 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

in einem meiner früheren Leben war ich mal Weinhändler. Das hat ziemlich viel mit Gerüchen zu tun. Und da wird noch mit ganz anderen Nuancen von Düften hantiert, da sind die Mykologen Weisenknaben dagegen. Da geht es um Zibetkatze, Asphalt, frisch geschlagenen Feuerstein etc.
Ich weiß noch, daß ich da mal ein Sortiment von Phiolen hatte mit Essencen der verschiedensten Grunddüfte von Rotwein, um das zu lernen: einen Geruch treffend anzusprechen. z.B. auch simple Sachen wie Schwarze Johannisbeere usw.
Das war der Versuch einer Normierung, den man vielleicht auch für mykologisch interessierte auflegen könnte. Dufttäfelchen zum Üben: Juchtenleder, Weidenbohrerraupe (ich würde echt gerne wissen, wie die riecht/stinkt), Karbol usw. Wär das nicht mal eine attraktive Beilage zu einem Bestimmungsbuch?

Grüße und gute Nacht, Martin

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Re: Geruch: unbedeutend

Stephan Weißer, (vor 6538 Tagen) @ MartinB

Weidenbohrerraupe (ich würde echt gerne wissen, wie die riecht/stinkt)

Na so wie die einschlägigen Hygrophorus-Arten eben *gg*

Karbol usw. Wär das nicht mal eine attraktive Beilage zu einem
Bestimmungsbuch?

Vielleicht auch mal eine Themenstellung für einen Pilzkurs unserer "Lehrmeister" im Schwarzwald, Thüringer Wald, Sauerland... So einen Kurs könnte man zu vielen Jahreszeiten durchführen, als Fortbildung für PSV.

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Re: Geruch: unbedeutend

Ingo Wagner, (vor 6538 Tagen) @ Stephan Weißer

Na so wie die einschlägigen Hygrophorus-Arten eben *gg*
Vielleicht auch mal eine Themenstellung für einen Pilzkurs unserer
"Lehrmeister" im Schwarzwald, Thüringer Wald, Sauerland... So
einen Kurs könnte man zu vielen Jahreszeiten durchführen, als Fortbildung
für PSV.

Hallo Stephan!

Ich denke aber nicht, dass Gerüche bei den angesprochenen Lehrgängen zu kurz kommen. Bei den Fundbesprechungen wird sicherlich nie vergessen, auf besondere Gerüche hinzuweisen.
Für mich ist immer interessant, ob die "Geruchsvorgabe" mit einem Lächeln nachvollzogen werden kann oder im Ergebnis mit einem ungläubigen Kopfschütteln endet.

Mir ist z.B. von diesem Jahr in Oberhof bei Andreas noch gut der faszinierende Geruch nach Petersilie/rohem Rhabarber von Cortinarius rheubarbarinus (Rhabarber-Wasserkopf) oder die stark nach Apotheke stinkende Pterula multifida (Starkriechende Borstenkoralle) in Erinnerung.

VG Ingo W

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Re: Geruch: unbedeutend

zuehli ⌂, (vor 6538 Tagen) @ Stephan Weißer

Vielleicht auch mal eine Themenstellung für einen Pilzkurs unserer
"Lehrmeister" im Schwarzwald, Thüringer Wald, Sauerland... So
einen Kurs könnte man zu vielen Jahreszeiten durchführen, als Fortbildung
für PSV.

Hallo Stephan,

zumindest bei meinen Kursen stehen Geruchsübungen mit Beispielen und Vergleichen (und entsprechenden Anekdoten und Witzigkeiten) fast an erster Stelle. Könnte mir vorstellen, daß das bei den Kollegen ähnlich ist.

Gruß Harald