Inocybe flocculosa? *PIC*

Jule, (vor 6101 Tagen)

Hi!

Ich habe da noch einen Risspilz der mir sehr Bauschmerzen bereitet. Nach einem ewig langem Schlüsselweg bin ich hier bei Inocybe flocculosa var. flocculosa herausgekommen. Problem: der soll Caulos haben, die meiner nicht hatte -.- Und meine Zystiden waren auffällig schmal.
Hab ich mich im Schlüssel verannt?

Hut: jung glockig, älter halbkugelig bis später flach ausgebreitet, Durchmesser von 0,5-2,4cm, jung Spitze mit quadratischen, abstehenden Schuppen und zum Rand hin radialfaserig, älter Schuppung fast über dem gesamten Hut, aufbrechend und nach oben abstehend, hellbeacher bis weißer Untergrund sichtbar, Rand glatt, Schuppung ganz jung dunkelbraun, älter immer mehr ins Braunrote/Braungelbe gehend

Lamellen: jung hellgrau mit weißer Schneide, älter graubraun-gelblichbraun, ausgebuchtet angewachsen und ganz leicht mit Zahn herablaufend, untermischt, eng, Schneide glatt – schwach gezähnelt

Sporenpulver: dunkelbraun

Fleisch: dünn

Stiel: 1,5-3cm lang, Durchmesser von 0,2cm, Velum partiale, gesamter Stiel weißlich bereift, Stielspitze stark weißlich bepudert, Stiel grau braun, mit weißem abwischbarem Überzug, glatt

Basis: zylindrisch

Geruch: spermatisch – öbstlich säuerlich

Ökologie: auf Erde im Moos am Wegrand, feucht und schattig, bei Hasel, Eiche, Esche, Brombeere, Ahorn und Vogel-Kirsche

Fundort: D, S-H, Barkelsby, Schusteredder, Wegrand; MTB: 1425/3/33, Höhe NN: 22

Funddatum: 28.08.2008

Leg.: Julia Kruse

Pleurozystiden: Durchschnitt: 53,4 x 9,8 - sahen oft fast genauso wie Cheilos aus
Cheilozystiden: Durchschnitt: 53 x 9,5 - mal mit mal ohne Kristalle
Basidien: Durchschnitt: 22 x 7,3
Sporen: 9,5 x 4,9

Nicht Originalstandort
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Originalstandort
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Cheilozystide
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Sporen
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Lamelle
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Liebe Grüße Jule

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Re: Inocybe flocculosa? *PIC*

Andreas 2, (vor 6101 Tagen) @ Jule

Liebe Jule,

Du wirst schon richtig geschlüsselt haben. Das geht mir ebenfalls sehr häufig so, dass ich bei den nicht stielbereiften Sippen bei I. flocculosa oder I. fuscidula lande. Wenn man aber mal schaut, aus wie vielen verschiedenen früheren getrennt stehenden Arten flocculosa und fuscidula im weiteren Sinne zusammengezogen wurden, muss man sich nicht wundern, dass dann multivariable Arten entstehen. Das hat zwar in gewisser Hinsicht den Vorteil, dass eine Bestimmung gelingt, zufrieden stellend ist es aber oft nicht. Für mich sind das so genannte Mülleimerarten, alles was nicht genau zuordenbar ist, kann dort immer noch untergebracht werden.

Bei Deinem sehr gut dokumentierten Fund sehe ich keinen richtigen Widerspruch zu I. flocculosa. Die Sporenenden sehe ich überwiegend konisch, die Hymenialzyst. flaschenförmig bis spindelig. Kaulozystiden können, müssen aber nicht im oberen Stielbereich vorhanden sein. Nur bis zur Stielmitte dürfen sie nicht hinabreichen, dann ist’s was anderes. Mikroskopisch passen die Merkmale auch sehr gut zu I. sindonia (Bild), denn da sind die schmalen Zyst. und Sporen typisch. Hier können die kauloartigen Elemente auch noch unter der Stielmitte zu finden sein. Die ist aber gewöhnlich nicht so braun, eher schmutzig weißlich-gelblich - eben kittfarben. Habe aber auch schon Koll. gehabt, die auch sehr ins Braune gehen. Wenn dann Kaulos nur apikal zu finden sind, dann wird eine Abgrenzung zu I. flocculosa schwierig, wenn nicht gar unmöglich, denn die Hutbedeckung kann bei dieser auch sehr schuppig ausfallen.

Interessant finde ich die schlanken und sehr langen Parazystiden zwischen den Cheilozyst. Leider sind sie auf dem Bild nicht scharf zu sehen. Kannst Du die mal besser zeigen. Es genügt auch eine Beschreibung (Länge, Breite, Form). Diese finde ich zumindest ungewöhnlich.

Herzliche Grüße
Andreas

Inocybe sindonia

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Re: Inocybe flocculosa?

Jule, (vor 6100 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Andreas!

Erstmal vielen lieben Dank für deine Antwort.

Parazystiden - na toll, ein neuer Begriff;) Ich hab die Teile als Basidiolen abgestempelt -.-

Ich könnte davon noch eine Ausschnittsvergrößerung nachliefern, mehr hab ich davon nicht.

Liebe Grüße Jule

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Re: Inocybe flocculosa?

Helmut, (vor 6100 Tagen) @ Andreas 2

Servus Andreas,

da kann ich Dir nur zustimmen.

Auch auf die Gefahr hin, übervorsichtig zu erscheinen, würde ich in diesem Fall ein "cf" vor den Artnamen stellen. Die kleinen Fruchtkörper sehen schon recht ungewöhnlich aus für flocculosa. Wenn man anschaut, was die Franzosen oder Italiener alles aus diesem Komplex als eigene Arten ansehen ...

Gruß

Helmut

Liebe Jule,
Du wirst schon richtig geschlüsselt haben. Das geht mir ebenfalls sehr häufig
so, dass ich bei den nicht stielbereiften Sippen bei I. flocculosa oder I.
fuscidula lande. Wenn man aber mal schaut, aus wie vielen verschiedenen
früheren getrennt stehenden Arten flocculosa und fuscidula im weiteren
Sinne zusammengezogen wurden, muss man sich nicht wundern, dass dann
multivariable Arten entstehen. Das hat zwar in gewisser Hinsicht den
Vorteil, dass eine Bestimmung gelingt, zufrieden stellend ist es aber oft
nicht. Für mich sind das so genannte Mülleimerarten, alles was nicht genau
zuordenbar ist, kann dort immer noch untergebracht werden.
Bei Deinem sehr gut dokumentierten Fund sehe ich keinen richtigen Widerspruch
zu I. flocculosa. Die Sporenenden sehe ich überwiegend konisch, die
Hymenialzyst. flaschenförmig bis spindelig. Kaulozystiden können, müssen
aber nicht im oberen Stielbereich vorhanden sein. Nur bis zur Stielmitte
dürfen sie nicht hinabreichen, dann ist’s was anderes. Mikroskopisch
passen die Merkmale auch sehr gut zu I. sindonia (Bild), denn da sind die
schmalen Zyst. und Sporen typisch. Hier können die kauloartigen Elemente
auch noch unter der Stielmitte zu finden sein. Die ist aber gewöhnlich
nicht so braun, eher schmutzig weißlich-gelblich - eben kittfarben. Habe
aber auch schon Koll. gehabt, die auch sehr ins Braune gehen. Wenn dann
Kaulos nur apikal zu finden sind, dann wird eine Abgrenzung zu I.
flocculosa schwierig, wenn nicht gar unmöglich, denn die Hutbedeckung kann
bei dieser auch sehr schuppig ausfallen.
Interessant finde ich die schlanken und sehr langen Parazystiden zwischen den
Cheilozyst. Leider sind sie auf dem Bild nicht scharf zu sehen. Kannst Du
die mal besser zeigen. Es genügt auch eine Beschreibung (Länge, Breite,
Form). Diese finde ich zumindest ungewöhnlich.
Herzliche Grüße
Andreas
Inocybe sindonia

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Re: Inocybe flocculosa?

Jule, (vor 6100 Tagen) @ Helmut

Hallo Helmut,

das klingt nicht übervorsichtig:) Ich kenn I. flocculosa nicht und kann mir deswegen über die Variabilität oder auch nicht kein Urteil bilden. Aber ich bin ja schonmal froh, dass ich im Schlüssel überhaupt irgendwo angekommen war.

Also, ich schreib ein cf. vor;)

So langsam muss ich mal mehr Arten kennenlernen^^

Liebe Grüße Jule

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Re: Inocybe flocculosa?

Andreas 2, (vor 6100 Tagen) @ Helmut

Hallo Jule und Helmut,

ja das ist richtig, ein cf. ist OK. Ich betrachte hier angegebene Namensnennungen ohne die Funde selbst untersucht zu haben auch nicht als Bestimmungen. Eher als Arbeitsname, dass man erst einmal eine Zuordnung hat. Ob eine Art weiter oder enger aufgefasst wird, ist bei ordentlicher Begründung m. E. aber auch nicht so wichtig. Mit der französischen / italienischen Artauffassung und den damit verbundenen reichlichen Neubeschreibungen habe ich allerdings so meine Probleme. Grundsätzlich bin ich dagegen Einzelfunde oder wenige Kollektionen, meist noch von einer Örtlichkeit - wie oft praktiziert - als eigenständige Arten gültig zu publizieren! Kritisch sehe ich auch solche Neubeschreibungen, wo Abgrenzungen zu ähnlichen Arten unzureichend oder gar nicht diskutiert werden. Oft genug gelingt es mir an knapp gehaltenen lateinischen Diagnosen nicht, die wirklich abgrenzenden Merkmale herauszufiltern.

@Jule: Als Parazystiden werden bei den Risspilzen die meist dünnwandigen, oft +/- keuligen oder birnenförmigen Elemente zwischen den Cheilos bezeichnet. Manchmal sind sie wirklich schwer von Basidiolen zu unterscheiden. Teils kommen solche Parazystiden auch zwischen den Kaulos vor. Diese sind dann taxonomisch richtig bedeutsam. da nur beim Vorhandensein dieser Elemente von echten Kaulozystiden gesprochen werden darf.

Gruß Andreas

Servus Andreas,
da kann ich Dir nur zustimmen.
Auch auf die Gefahr hin, übervorsichtig zu erscheinen, würde ich in diesem
Fall ein "cf" vor den Artnamen stellen. Die kleinen Fruchtkörper
sehen schon recht ungewöhnlich aus für flocculosa. Wenn man anschaut, was
die Franzosen oder Italiener alles aus diesem Komplex als eigene Arten
ansehen ...
Gruß
Helmut