Wie üblich ein paar Wochenendpilze *PIC*

Klaas, (vor 5821 Tagen)

Hallo in die Runde,

hoffentlich nervt es nicht, wenn ich in letzter Zeit immer wieder die gleichen Pilze zeige - das muss daran liegen, dass ich derzeit immer an den selben oder ähnlichen Standorten unterwegs bin...

Hier am Ausgang eines Wiesbadener Vorortes zwischen Gewerbegebiet und Feldern war ich letztes Wochenende erstmalig, diesen Samstag wieder:
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Zwischenzeitlich wurde die eine Hälfte dem Erdboden gleich gemacht, alle Sträucher geköpft und für ein paar Feuerchen angehäuft, schätze ich. Hinweise von Ortsansässigen und kurze Recherche ergaben, dass dort ehemals ein größeres Möbelhaus stand, welches wohl mehrfach brannte und schließlich abgerissen wurde. Damit war dann mein Rätseln um das viele Gestein, Schutt und Betonreste gelöst. Mykologen halten sich dort wahrscheinlich wenige auf, eher LKW-Fahrer, die am Straßenrand nächtigen und sicher auch die ein oder andere der verteilten Brandstellen hinterlassen haben. Das verkohlte Holz war aber leider frei von Pilzen. Stattdessen fand ich überall, es müssen hunderte oder mehr gewesen sein, die Nabelinge von letztens. (Immer noch nur wahrscheinlich) Omphalina pyxidata (1.):

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2. Ein paar Ascos gabs auch, zerstreut ein paar Stellen mit Sandborstlingen, die ich nicht unterscheiden kann, und folgende Winzlinge, zu denen ich nicht mehr beisteuern kann, als klein, rot, unbehaart. Vielleicht hat jemand eine Idee zur Gattung?
(Wozu die schwarzen Punkte gehören, auch keine Ahnung.)

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3. An verschiedenen Stellen waren auch dort Adermooslinge zu finden, wohl wieder Arrhenia spathulata:
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4. Von den Stielbovisten (T. brumale) hatte ich das WE zuvor schon etwa 50 m entfernt wenige gefunden.
Über diesen neuen Standort war ich etwas erstaunt, bis dahin hatte ich noch nicht auf Betonmauern nach Pilzen gesucht. Auch nicht an solchen vermüllten Stellen am Straßenrand, bei denen man gefühlsmäßig lieber den Kopf einzieht, wenn ein Auto vorbeifährt - also besser ständig in Deckung bleibend:

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Aber aus den kleinen Moospolstern auf der Mauer drückten sie überall:
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Seit einer Woche verfolgt mich eine völlig unausgereifte und spinnerte Idee, ob man dieses kleine Gebiet nicht schützen könnte.
Leider weiß ich über solche Vorhaben nichts. Mir ist klar, dass ein paar weniger häufige Pilzchen, die dort in einer Woche zusammengesucht wurden, dabei nicht weiterhelfen. Wahrscheinlich müsste man dort jahrelang wissenschaftlich und belegbar untersuchen. Welche Voraussetzungen bräuchte es denn wirklich, macht so etwas überhaupt Sinn und wo kann man etwas über solche Abläufe nachlesen oder erfragen?

Ich verstehe auch einfach nicht, warum an bekannten Stellen für zumindest hier seltenere Arten keine ausdrücklichen Sammelverbote aufgehängt sind, oder diese Gebiete teils nichtmal als NSG beschildert sind.
Was mich zum Sonntag bringt, Saftlingswiese bei WI, gerade angekommen und schon auf 180. Wenn ich nur schon aus der Ferne diese "Pilzfreunde" mit Plastiktüte sehe... die einen stopfen sie mit seltenen Boleten voll, die anderen mit Saftlingen, und hinterlassen dabei eine Spur der Verwüstung. Dieser Pilzliebhaber hatte gerade erst mit der Ernte begonnen. Die Stelle hatte er letztes Jahr gezeigt bekommen, was das für Dinger waren, wusste er nicht, haben aber wohl ganz gut geschmeckt. Ein Teil der ausgeschütteten Tüte, teils schon angegammelte H. punicea:

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Ist euch schonmal aufgefallen, dass sich bei solchen Sammlern der Griff ums Messer immer erst dann etwas lockert und die Spitze gen Boden sinkt, wenn das Wort "Anzeige" fällt? Liegt vielleicht aber auch an meiner finsteren Erscheinung...
Und ja, die Pfifferlingsforschungen sind mir bekannt, auch die schlüssigen Argumente, durch die Ernte für einen Nährstoffaustrag zu sorgen. Schade nur, wenn die wirklichen Pilzfreunde sich an den wenigen übrig gebliebenen Plätzen überhaupt nicht mehr an der Schönheit solcher Schätze erfreuen können. Aber genug davon...

5. Noch ein paar Kleine, die mir schon seit längerer Zeit zwischen den Saftlingen auffallen, um die ich mich aber noch nie so richtig gekümmert habe. Ist das ausnahmsweise mal so einfach, wie ich hoffe: Mycena flavoalba?

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6. Eine Gruppe scharfer Milchlinge bei Birke, noch nicht weiter gerätselt:
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7. Hygrocybe mit recht kräftiger Statur wie H. pratensis, Hut bis knapp 10 cm, auch noch unklar:
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Neben einem einzelnen Pfefferröhrling auf der Wiese wird das wahrscheinlich mein Letzter für dieses Jahr mit röhrigen Lamellen sein:
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Auch die letzten drei sollten klar sein, also nur die Bilder:
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Viele Grüße,
Klaas

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Lothar, (vor 5821 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,
das sind sehr schöne Pilzbilder :-)
die roten Becherlinge könnten gut eine Pulvinula sein. Dann haben sie runde glatte Sporen und spaziestockförmig gekrümmte Paraphysen.
LG von Lothar

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Werner E., (vor 5821 Tagen) @ Klaas

Griasdi Klaas,

Sehr schöne Bilder !

7. Hygrocybe mit recht kräftiger Statur wie H. pratensis, Hut bis knapp 10
cm, auch noch unklar:

Das sollte H. fornicata sein.

Gruaß aus München, Werner

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Roland Albrecht, (vor 5820 Tagen) @ Werner E.

Griasdi Klaas,
Sehr schöne Bilder !
Das sollte H. fornicata sein.
Gruaß aus München, Werner

Hallo,

bei Nr. 7 würde ich aber auch an Camarophyllus berkeleyi denken.
= Hygrophorus pratensis var. pallidus
Die Art kommt in Magerwiesen vor und erscheint zunächst wie ein
kräftiger Schnee-Ellerling (Camarophyllus niveus)
Gruß Roland

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Andreas ⌂, (vor 5820 Tagen) @ Roland Albrecht

Hallo,
bei Nr. 7 würde ich aber auch an Camarophyllus berkeleyi denken.
= Hygrophorus pratensis var. pallidus
Die Art kommt in Magerwiesen vor und erscheint zunächst wie ein
kräftiger Schnee-Ellerling (Camarophyllus niveus)
Gruß Roland

Hallo,

da gebe ich Roland völlig recht. Die fleischigen Fruchtkörper, etwas kreiselförmig, passen nicht zu H. fornicata, aber perfekt zu Camarophyllus berkeleyi.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Werner E., (vor 5820 Tagen) @ Andreas

Hallo,
da gebe ich Roland völlig recht. Die fleischigen Fruchtkörper, etwas
kreiselförmig, passen nicht zu H. fornicata, aber perfekt zu Camarophyllus
berkeleyi.
beste Grüße,
Andreas

Servus Roland und Andreas,

den nehm' ich Euch nicht ab!
Der hat doch ganz deutlich ausgebuchtete und nicht herablaufende Lamellen.
Wenn man die H. fornicata - Bilder im Börtmann anschaut, könnte man meinen klaas's Foto stammt aus der dort abgebildeten Kollektion.

Gruaß aus München, Werner

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Saftling, (vor 5820 Tagen) @ Werner E.

Hallo,

ja, dem schließe ich mich an. C. berkeleyi hat auch feucht einen ganz matt-weißen Hut und NIE ausgebuchtete Lamellen.

LG
Saftling

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zur Hygrocybe *PIC*

Klaas, (vor 5820 Tagen) @ Saftling

Hallo zusammen,

vielleicht kann ich ja noch etwas zur Verwirrung beisteuern... ;) - ein paar Daten zu dem mitgenommenen (und inzw. etwas geschrumpften) Exemplar:

Hut: Durchmesser = 75 mm. Grundfarbe beige/bräunlich, zum Rand hin heller, Mitte dunkler mit Buckel, etwas seidig-silbrig überfasert. Hutrand stark wellig, teils eingerissen. Huthaut bis nahe zur Mitte abziehbar.

Lamellen: Beige, dick, zart kerbig, leicht anastomisierend, ausgebuchtet, mit Zahn herablaufend.

Stiel: Länge = 85 mm, Durchmesser: bis 19 mm. Außen glatt, etwas heller beige als der Hutrand, Basis etwas braun (vielleicht auch nur von der Erde verfärbt). An Druckstellen scheinbar gelblich-glasige Flecken hinterlassend. Im Schnitt innen voll, faserig-wattig bis in den Hut hinein.

Geruch: etwas erdig, aber nicht aufdringlich und bei meiner Nase nicht vertrauenswert.

Und, Überraschung: Stiel in der unteren Hälfte nach dem Durchschneiden innerhalb weniger Minuten stellenweise rötlich verfärbend, wenn ich die Farbe bei dem Kunstlicht jetzt richtig deute.

Ich unwissender Tor, der zuerst an H. borealis dachte, H./C. berkeleyi eigentlich ausgeschlossen und H. fornicata nicht in Betracht gezogen hatte, nebenbei keinen von denen kenne, bin so klug als wie zuvor. Lediglich bei berkeleyi finde ich einen Hinweis zu ocker eintrocknend.
Hilft euch das weiter?
Anbei noch ein paar geblitzdingste Bilder von eben.

Soweit schon vielen Dank an alle, auch für den Hinweis zum kleinen roten Asco!

Viele Grüße,
Klaas

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Re: zur Hygrocybe

Rudi, (vor 5820 Tagen) @ Klaas

Hallo zusammen,

also ich halte den auch für eine typische fornicata

LG Rudi

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Andreas ⌂, (vor 5819 Tagen) @ Werner E.

Servus Roland und Andreas,
den nehm' ich Euch nicht ab!
Der hat doch ganz deutlich ausgebuchtete und nicht herablaufende Lamellen.
Wenn man die H. fornicata - Bilder im Börtmann anschaut, könnte man meinen
klaas's Foto stammt aus der dort abgebildeten Kollektion.
Gruaß aus München, Werner

Hallo,

ja, peinlich, da hab ich nicht drauf geachtet ....
Ihr habt natürlich recht, und dann wird es auch H. fornicata sein. Meine waren immer graziler, so stämmig kenne ich den nicht.

beste Grüße,
Andreas

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Danke! *oT*

Klaas, (vor 5819 Tagen) @ Rudi

- kein Text -

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Axel Schilling ⌂, (vor 5817 Tagen) @ Klaas

Hallo in die Runde,

...

Seit einer Woche verfolgt mich eine völlig unausgereifte und spinnerte Idee,

ob man dieses kleine Gebiet nicht schützen könnte.
Leider weiß ich über solche Vorhaben nichts. Mir ist klar, dass ein paar
weniger häufige Pilzchen, die dort in einer Woche zusammengesucht wurden,
dabei nicht weiterhelfen. Wahrscheinlich müsste man dort jahrelang
wissenschaftlich und belegbar untersuchen. Welche Voraussetzungen bräuchte
es denn wirklich, macht so etwas überhaupt Sinn und wo kann man etwas über
solche Abläufe nachlesen oder erfragen?

...

Viele Grüße,
Klaas

Hallo Klaas,
in Niedersachsen kann Ödland ab einer Größe von > 5 Hektar als gesetzlich geschützter Landschaftsbestandteil festgesetzt werden. Dazu gibt es ein Nieders. Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz wo das festgelegt ist.
Wende dich an die oberste Naturschutzbehörde deines Bundeslandes (Hessen/R.-Pfalz?). Dort gibt es bestimmt zuständige Bearbeiter im Bereich Biotopschutz. Und natürlich solltest du dich auch an die untere Naturschutzbehörde (Gemeinde) wenden.

Hier ein Auszug aus dem Nieders. Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz:

(4) Flächen, die im Außenbereich im Sinne des § 35 des Baugesetzbuchs gelegen sind und
1.keiner wirtschaftlichen Nutzung unterliegen (Ödland) oder
2.deren Standorteigenschaften bisher wenig verändert wurden (sonstige naturnahe Flächen), sind geschützte Landschaftsbestandteile im Sinne von § 29 Abs. 1 Satz 1 BNatSchG;

Gruß,
Axel

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Re: Wie üblich ein paar Wochenendpilze

Klaas, (vor 5815 Tagen) @ Axel Schilling

Hallo Axel,

vielen Dank für die Infos, das Gebiet dürfte wohl unter 5 ha liegen. Wobei ich über solche Größenangaben nichts in den Gesetzestexten für Hessen gefunden habe.
Ich fange mal ganz klein an und kontaktiere zunächst die Untere Naturschutzbehörde.
Viele Grüße,
Klaas