Röhrlinge bei Balsampappel

jesko, (vor 5517 Tagen)

Die Westliche Balsampappel (Populus trichocarpa oder deren züchterische Weiterentwicklungen) stand anscheinend bei den Rekultivierungsplanern der Braunkohlentagebaue im Leipziger Südraum ganz hoch im Kurs, und so haben sie uns einige Flächen mit solchen Pappelplantagen beschert. Die pilzreichsten Habitate sind das bestimmt nicht, und wer Röhrlinge sucht, wird in der Tagebaufolgelandschaft wohl bei Birken, Eichen und Espen schneller fündig.
Bei den Balsampappeln prägen andere Mykorrhizapartner das Bild. Auffällig sind die großen Mengen an riesigen Rosascheckigen Milchlingen (Lactarius controversus) und Kremplingen (Paxillus involutus ss.l., wahrscheinlich alles Paxillus validus). Später im Jahr gesellen sich dann auch die Pappelritterlinge(Tricholoma populinum) hinzu. Mit den dort vorkommenden Cortinariaceaen will ich jetzt nicht langweilen. Aber Röhrlinge – das kommt eher selten vor. Doch heute hat’s mal geklappt:

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Leccinum aurantiacum ss.orig.? (L. populinum) *PIC*

jesko, (vor 5517 Tagen) @ jesko

Funde dunkelroter Rotkappen mit von Jungpilzbeinen an rotbräunlichen Stielschuppen bei Pappel (nicht unbedingt Espe!) wurden als Leccinum populinum („Pappelrotkappe“) beschrieben. Schwierig ist freilich die Abgrenzung zur Eichenrotkappe (Leccinum quercinum), so dass beides wahrscheinlich dieselbe Art ist.
Unsicher ist auch, welchen Namen diese Art haben soll. Vieles spricht dafür, dass eigentlich sie und nicht der weißstielige Espenbegleiter Leccinum aurantiacum heißen sollte, nur haben wir es uns eben anders angewöhnt. Wer also den Namen aurantiacum für die Eichen- und Pappelbegleiter mit bereits jung rotbraunschuppigem Stiel (Leccinum quercinum, populinum) verwenden will (obwohl diese gerade nicht „orange“ auf dem Hut sind), muss dann die weißstielige Espenrotkappe L. albostipitatum nennen.
Selbst wenn ich Leccinum quercinum und populinum zur selben Art stecke (die ich dann mglw. aurantiacum nenne), bleibt diese dennoch die nach meiner Erfahrung mit Abstand seltenste Rotkappenart in unseren rekultivierten Brauntagebauen. Der heutige war nämlich erst mein zweiter Fund in vielen Jahren, und dazu der erste bei Pappel. Die häufigsten Rotkappen sind hier die espenbegleitenden Leccinum aurantiacum ss. auct. (Leccinum albostipitatum, dass „rr“ bei Gröger ist mir unbegreiflich!) und Leccinum duriusculum (Pappelraufuß). Die Heiderotkappe (Leccinum versipelle) kommt zerstreut vor.

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Uferrotfüßchen (Xerocomellus ripariellus) ... *PIC*

jesko, (vor 5517 Tagen) @ jesko

... dürften diese beiden Kandidaten sein. Dafür sprechen zumindest nach meiner Einschätzung die Makromerkmale (dunkelroter, stark felderig aufgerissener Hut, weinrote Farbe im Stiel, recht starkes Blauen im gesamten Fruchtkörper) und der Standort bei Balsampappel unweit eines Restlochseeufers. Das Mikromerkmal der Sporenrippung kann ich mit meinem Equipment ohnehin nicht zuverlässig prüfen. Falls jemand einen Trick kennt, wie man dieses Merkmal auch ohne DIK (oder gar REM) beurteilen kann, bin ich für jeden Hinweis dankbar. Wenn etwas mehr Zeit sein wird, schaue ich mir freilich mal die Sporen an. Zumindest über die Maße lässt sich auch einiges klären, und außerdem will man ja keine Überraschungen von wegen trunkate Sporen oder so erleben.
Xerocomellus ripariellus scheint übrigens in unseren Rekultivierungsgebieten keine absolute Seltenheit zu sein. Möglicherweise ist er hier sogar die häufigste Xerocomellus-Art.

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Geile Fotos

Thüringer-Holz, (vor 5516 Tagen) @ jesko

Grüße Felix - der jetzt mit Karl ins Depot geht!

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Re: Röhrlinge bei Balsampappel

Günter Saar, (vor 5516 Tagen) @ jesko

Die Westliche Balsampappel (Populus trichocarpa oder deren züchterische
Weiterentwicklungen) stand anscheinend bei den Rekultivierungsplanern der
Braunkohlentagebaue im Leipziger Südraum ganz hoch im Kurs, und so haben
sie uns einige Flächen mit solchen Pappelplantagen beschert. Die
pilzreichsten Habitate sind das bestimmt nicht, und wer Röhrlinge sucht,
wird in der Tagebaufolgelandschaft wohl bei Birken, Eichen und Espen
schneller fündig.
Bei den Balsampappeln prägen andere Mykorrhizapartner das Bild. Auffällig
sind die großen Mengen an riesigen Rosascheckigen Milchlingen (Lactarius
controversus) und Kremplingen (Paxillus involutus ss.l., wahrscheinlich
alles Paxillus validus). Später im Jahr gesellen sich dann auch die
Pappelritterlinge(Tricholoma populinum) hinzu. Mit den dort vorkommenden
Cortinariaceaen will ich jetzt nicht langweilen. Aber Röhrlinge – das
kommt eher selten vor. Doch heute hat’s mal geklappt:

Hallo Jesko,
die Cortinariaceen täten mich aber interessieren. Du kannst mir auch gern auf direktem Weg mal die speziell unter Po. trichocarpa vorkommenden Arten aufzählen. Ich habe selbst unter den verschiedenen Pappelarten- außer Espen - nur wenige Cortinariaceen (Tintling) dokumentieren können, aber ich beobachte auch leider keine solch spannenden Biotope wie Du, sondern lediglich monotone Pappelaufforstungen oder (deutlich besser!) Pappelalleen bei uns in der Rheinebene.

lieben Gruß
Günter

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Re: Leccinum aurantiacum ss.orig.? (L. populinum)

Jürgen, (vor 5516 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

dein schönes Foto illustriert aufs vortrefflichste, dass unser mitteleuropäisches Leccinum "quercinum" sich durchaus auch mit Populus einlässt. Ob das aus Skandinavien beschriebene L. populinum mit solchen Kollektionen konspezifisch ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt. KORHONEN (1995) widmet beiden Arten jeweils eigene Beschreibungen und trennt beide Arten explizit anhand der Sporengröße). Wenn du also sichergehen willst, ob du bei deinen rotschuppigen Pappelbegleitern ein fremdgehendes quercinum (wovon KORHONEN nichts berichtet) oder das echte populinum vor dir hast, musst du die Sporen messen. Meine diesbezüglichen Beobachtungen erbrachten übrigens stets quercinum, unabhängig vom Begleitbaum.

Wer diesen rotschuppigen Eichen- und Pappelbegleiter (wieder) als Leccinum aurantiacum bezeichnen will, muss die weißstielige "echte" Espenrotkappe nach meiner bescheidenen Meinung L. leucopodium (Pers.) Dörfelt & G. Berg nennen. Mir ist unbegreiflich, wie DEN BAKKER & NOORDELOOS (2005) durch eine (Zitat S. 536) "careful examination" der Publikation von DÖRFELT & BERG (1990) zu der geradezu abenteuerlichen Konsequenz gelangen konnten, Leccinum leucopodium im Sinne dieser Autoren (der weißstielige Espenbegleiter) sei mit L. aurantiacum in ihrem Sinne (der rotschuppige Begleiter diverser Laubbäume, de facto die bisherige "Eichen"-Rotkappe) gleichzusetzen. Damit verkehren sie die Dörfelt-Bergsche Argumentation (Zitat S. 567: "Es besteht kein Zweifel, daß die gegenwärtig als Espen- oder Pappelrotkappen bezeichneten Pilze, die meist Leccinum rufum oder L. aurantiacum genannt werden, von PERSOON als Boletus leucopodius beschrieben wurden.") ins glatte Gegenteil.

Die Beschreibung Persoons von 1799 ("stipite ... candido", "squamulis concoloribus") lässt aber in der Tat keinen Interpretationsspielraum zu, dass er die weißstielige und -schuppige Sippe gemeint hat. Und da die von Dörfelt und Berg vorgenommene Neukombination nach Leccinum gültig ist, ist der jüngere Name Leccinum albostipitatum schlicht überflüssig.

Grüße, Jürgen

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Re: Uferrotfüßchen (Xerocomellus ripariellus) ...

Jürgen, (vor 5516 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

wenn du Glück hast und eine Kollektion mit stark ausgeprägten Sporenrippen erwischst, sind diese auch mit einem guten Lichtmiskroskop in Öl erkennbar. Ansonsten lohnt es sich, in der Huthaut nach großen birnen- bis kugelförmigen Endzellen fahnden.

Ich hoffe, dass ich die Art an diesem Wochenende auch endlich mal wieder zu Gesicht bekomme.

Grüße, Jürgen

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Re: Leccinum aurantiacum ss.orig.? (L. populinum)

jesko, (vor 5515 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

vielen Dank für Deine weiterführenden Anmerkungen. Bei Gelegenheit sollte ich die Sporen mal nachmessen. Leider habe ich die betreffende Publikation von Korhonen nicht. Hierzu ist freilich zu sagen, dass dann, wenn der einzige Unterschied zwischen L. populinum und L. aurantiacum ss. orig.? (= L. quercinum) in den Sporenmaßen bestehen soll (da das Habitat ja entfällt, wie Du ausführst), eine Abtrennung auf Artebene - vorbehaltlich neuer Erkenntnisse - nicht gerechtfertigt ist.

... Mir ist unbegreiflich, wie DEN BAKKER &
NOORDELOOS (2005) durch eine (Zitat S. 536) "careful
examination" der Publikation von DÖRFELT & BERG (1990) zu der
geradezu abenteuerlichen Konsequenz gelangen konnten, Leccinum
leucopodium im Sinne dieser Autoren (der weißstielige Espenbegleiter) sei
mit L. aurantiacum in ihrem Sinne (der rotschuppige Begleiter diverser
Laubbäume, de facto die bisherige "Eichen"-Rotkappe)
gleichzusetzen. Damit verkehren sie die Dörfelt-Bergsche Argumentation
(Zitat S. 567: "Es besteht kein Zweifel, daß die gegenwärtig als
Espen- oder Pappelrotkappen bezeichneten Pilze, die meist Leccinum rufum
oder L. aurantiacum genannt werden, von PERSOON als Boletus leucopodius
beschrieben wurden.") ins glatte Gegenteil.

Es ist freilich so ziemlich egal, wie Dörfelt und Berg als Umkombinierer Leccinum leucopodium aufgefasst haben. Maßgeblich ist die Beschreibung Persoons. Da er den Pilz aber leucopodius (weißstielig) genannt und - wie Du zeigst - recht eindeutig beschrieben hat, darf man wohl davon ausgehen, dass er die Espenrotkappe gemeint hat.
Danke für diese Anmerkungen (dieses Problem war mir noch nicht bewusst) - zumindest den Namen albostipitatum werde ich in Zukunft entsprechend zu werten wissen.

Viele Grüße.

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Re: Röhrlinge bei Balsampappel

jesko, (vor 5515 Tagen) @ Günter Saar

Lieber Günter,

die Cortinariaceen täten mich aber interessieren. Du kannst mir auch gern auf
direktem Weg mal die speziell unter Po. trichocarpa vorkommenden Arten
aufzählen.

so arg viele sind es nicht, da kann ich es auch hier tun.

Ich habe selbst unter den verschiedenen Pappelarten- außer

Espen - nur wenige Cortinariaceen (Tintling) dokumentieren können, aber
ich beobachte auch leider keine solch spannenden Biotope wie Du, sondern
lediglich monotone Pappelaufforstungen oder (deutlich besser!)
Pappelalleen bei uns in der Rheinebene.

Spannend ist eigentlich jedes Biotop, wenn man dort nur ein bisschen was findet. Und so schlimm kann es mit Deinen Pappeln nicht sein - Deinen Tintlingsartikel habe ich noch in bester Erinnerung. Und nicht alles aus diesem Artikel finde ich in unseren Aufforstungen.
Wie bereits angedeutet, gehören die Balsam- und Hybridpappelbestände eher zu den mykologisch langweiligen Teilen von Tagebaurekultivierungsgebieten. Lohnend sind sie im Frühjahr - nicht zuletzt wegen der dort vorkommenden Großaskomyzeten und der damit verbundenen küchenmykologischen Fragen. Im Herbst ist man zumeist schnell wieder draußen.

Welche Cortinariaceaeen gibt es nun hier:
Von Frühjahr bis Herbst kann man ganz gut Inocybe finden. Besonders auffällig ist dulcamara ss.l. Das Problem ist, dass ich mich damit zwar von April bis Juli durchaus abgebe, zur eigentlichen Pilzsaison aber nicht mehr die Zeit finde, Kollektionen mitzunehmen und zu bearbeiten.
Wenn das Frühjahr niederschlagsreich ist, ist auch Naucoria amarescens recht typisch. Die herbstlichen Hebelomen leiden bei mir wiederum unter Zeitmangel.

Nun habe ich versucht, den Spannungsbogen bis zur Dich interessierenden Gattung aufzubauen, da bricht er gleich wegen Materialmangels wieder zusammen.

Welche Cortinariusarten beobachte ich also bei Populus außer tremula/alba:
Typisch sind decipiens (incl. sertipes), diasemospermus und parvannulatus. Der sonst verbreitet bei Pappeln anzutreffende saniosus ist gerade bei Balsam- und Hybridpappeln nicht sonderlich gut vertreten. Im Frühjahr gibt es helobius und - wohl der spannendste Pappelbegleiter - die sicherlich noch weiter klärungsbedürftige Art, die auf Manfred Huths CD als belleri abgebildet ist (wenn ich das richtig interpretiere). Die habe ich jedoch seit vielen Jahren nicht mehr finden können, und mein einziger Beleg ist wohl irgendwie verloren gegangen. Von Nando Hiller habe ich übrigens ein Foto der Art aus jüngerer Zeit gesehen - es dürfte aber kein Beleg existieren.
Besser nicht reden wollen wir über das regelwidrige Vorkommen von C. subbalaustinus (oder was vorgibt, ein solcher zu sein) an Stellen (unter Pappeln, Eichen oder Buchen), an denen beim besten Willen keine Birke auszumachen ist.

Viele Grüße

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Re: Leccinum aurantiacum ss.orig.? (L. populinum)

Jürgen, (vor 5515 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

da das Habitat ja entfällt, wie Du ausführst

Kann man so vorläufig nicht verabsolutieren, denn es wäre ja möglich, dass die großsporige Sippe (genauso wie L. leucopodium) tatsächlich strikt an Pappeln gebunden ist, also nie z.B. unter Eichen auftritt. Aber wer mikroskopiert schon jede Eichenrotkappe...

Es ist freilich so ziemlich egal, wie Dörfelt und Berg als Umkombinierer
Leccinum leucopodium aufgefasst haben. Maßgeblich ist die Beschreibung
Persoons.

Ganz genau! Wobei ich aber nochmals betonen möchte, dass Dörfelt und Berg ihr Leccinum leucopodium eben strikt im Sinne Persoons aufgefasst und nicht etwa eine Umdeutung vorgenommen haben - das haben erst Den Bakker & Noordeloos, aus welcher Motivation auch immer.

Viele Grüße, Jürgen

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Re: Röhrlinge bei Balsampappel

Günter Saar, (vor 5513 Tagen) @ jesko

Lieber Günter,
so arg viele sind es nicht, da kann ich es auch hier tun.
Ich habe selbst unter den verschiedenen Pappelarten- außer
Spannend ist eigentlich jedes Biotop, wenn man dort nur ein bisschen was
findet. Und so schlimm kann es mit Deinen Pappeln nicht sein - Deinen
Tintlingsartikel habe ich noch in bester Erinnerung. Und nicht alles aus
diesem Artikel finde ich in unseren Aufforstungen.
Wie bereits angedeutet, gehören die Balsam- und Hybridpappelbestände eher zu
den mykologisch langweiligen Teilen von Tagebaurekultivierungsgebieten.
Lohnend sind sie im Frühjahr - nicht zuletzt wegen der dort vorkommenden
Großaskomyzeten und der damit verbundenen küchenmykologischen Fragen. Im
Herbst ist man zumeist schnell wieder draußen.
Welche Cortinariaceaeen gibt es nun hier: Von Frühjahr bis Herbst kann man
ganz gut Inocybe finden. Besonders auffällig ist dulcamara ss.l. Das
Problem ist, dass ich mich damit zwar von April bis Juli durchaus abgebe,
zur eigentlichen Pilzsaison aber nicht mehr die Zeit finde, Kollektionen
mitzunehmen und zu bearbeiten.
Wenn das Frühjahr niederschlagsreich ist, ist auch Naucoria amarescens recht
typisch. Die herbstlichen Hebelomen leiden bei mir wiederum unter
Zeitmangel.
Nun habe ich versucht, den Spannungsbogen bis zur Dich interessierenden
Gattung aufzubauen, da bricht er gleich wegen Materialmangels wieder
zusammen.
Welche Cortinariusarten beobachte ich also bei Populus außer tremula/alba:
Typisch sind decipiens (incl. sertipes), diasemospermus und parvannulatus.
Der sonst verbreitet bei Pappeln anzutreffende saniosus ist gerade bei
Balsam- und Hybridpappeln nicht sonderlich gut vertreten. Im Frühjahr gibt
es helobius und - wohl der spannendste Pappelbegleiter - die sicherlich
noch weiter klärungsbedürftige Art, die auf Manfred Huths CD als belleri
abgebildet ist (wenn ich das richtig interpretiere). Die habe ich jedoch
seit vielen Jahren nicht mehr finden können, und mein einziger Beleg ist
wohl irgendwie verloren gegangen. Von Nando Hiller habe ich übrigens ein
Foto der Art aus jüngerer Zeit gesehen - es dürfte aber kein Beleg
existieren.
Besser nicht reden wollen wir über das regelwidrige Vorkommen von C.
subbalaustinus (oder was vorgibt, ein solcher zu sein) an Stellen (unter
Pappeln, Eichen oder Buchen), an denen beim besten Willen keine Birke
auszumachen ist.
Viele Grüße

Hallo Jesko,

Populus alba/canescens gibt es leider bei uns sehr selten, da konnte ich persönlich bisher keine Daten zu Mykorhizapilzen erheben.
Vor 2 Jahren hatte ich gar den Eindruck, man wolle diese Baumarten bei uns ausrotten, weil zeitgleich an mehreren Stellen im Rheintal (für mich ohne erkennbaren Grund) viele der noch sehr spärlich existierenden Exemplare der Kettensäge zum Opfer gefallen sind -sehr sehr schade!
Sind die beiden Pappelarten bei Euch verbreiteter oder gar auf den Rekultivierungsflächen bewußt gepflanzt? wenn ja, fände ich da ein Vergleich einerseits mit p. nigra (incl. Bastarde) andererseits mit P. tremula spannend.

Übrigens, ich interessiere mich nicht nur für Cortinarien, auch diese von Dir aus der Zeitnot heraus unbeachtet gebliebenen Hebelomen sind sicher besonders.

Und C. subbalaustinus hatte ich auch schon mal im Jung-Mischwald ohne jede Birkenbeteiligung. In der Nähe standen überwiegend Fichten. Das wäre für mich schon akzeptabel.

Liebe Grüße
Günter

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Re: Röhrlinge bei Balsampappel

jesko, (vor 5512 Tagen) @ Günter Saar

Hallo Günter,

Populus alba/canescens gibt es leider bei uns sehr selten, da konnte ich
persönlich bisher keine Daten zu Mykorhizapilzen erheben.
Vor 2 Jahren hatte ich gar den Eindruck, man wolle diese Baumarten bei uns
ausrotten,

Dasselbe muss ich auch für unsere Gegend feststellen. Ich bilde mir ein, vor ein paar Jahren auch mal gehört zu haben, dass P. alba als "auwaldfremd" (bezogen auf die Auwälder der Leipziger Tieflandsbucht) bewusst ausgeholzt wird. Das ist für mich auch deshalb unbegreiflich, weil es eigentlich eine typische Art wärmebegünstigter Flussauen - freilich mit mehr südlicher Verbreitung - ist. Mit Blick auf die drohende Klimaerwärmung würde ich die Silberpappeln stehen lassen. Fast jede Stelle mit wenigen Silberpappeln, die etwas offen stehen, ist zudem ein so gut wie sicherer Fundpunkt für Leccinum duriusculum.

Sind die beiden Pappelarten bei Euch verbreiteter oder gar auf den
Rekultivierungsflächen bewußt gepflanzt?

Soweit ich die Rekultivierungsgebiete kenne, wurden nur Espen, Westliche Balsampappeln und Schwarzpappelhybriden angepflanzt.

Übrigens, ich interessiere mich nicht nur für Cortinarien, auch diese von Dir
aus der Zeitnot heraus unbeachtet gebliebenen Hebelomen sind sicher
besonders.

Da werde ich in Zukunft mal etwas genauer hinschauen. Immerhin sind es nicht so viele wie die Inocyben.

Viele Grüße,
Jesko