Balearen-Wulstlinge *PIC*

jesko, (vor 5376 Tagen)

Von Felix‘ und meinem Besuch auf Mallorca hatte ich gestern schon berichtet Beitrag 218800 und erste Funde vorgestellt. Heute soll es um die Gattung Amanita gehen, die ich gern als Beispiel für eine Gattung zitiere, die in Südeuropa eine deutlich größere Artenvielfalt hat als bei uns. Lassen wir mal die Scheidenstreiflinge außer Acht, dann fiele mir nur eine mitteleuropäische Amanita ein, die in Südeuropa nicht vorkommt.
Um ein gutes Stück von dieser Artenvielfalt bewundern zu können, brauchte es allerdings etwas pilzholderes Wetter, als wir es hatten. Denn völlig zu Unrecht sind wir verdächtigt worden, die ganze Zeit bis zum Überdruss Kaiserlinge geschlemmt zu haben, sodass wir sogar noch welche fürs Mikroskop mitbringen konnten Beitrag 218327 – allein die bittere Wahrheit ist: Kaiserlinge haben wir nicht gesehen und mussten daher Winterpfifferlinge essen.
Kurzum, drei Amanita-Arten, für deren Fund die Chancen in Mitteleuropa eher schlecht stehen, möchten wir heute vorstellen.

Da wäre zunächst der Eierwulstling (Amanita ovoidea), den sicherlich viele mit dem Mittelmeerraum verbinden.

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Eierwulstlinge haben wir bei unseren Exkursionen mehrfach gesehen, in reinen Kiefernwäldern, aber auch in Steineichenwäldern mit eingestreuten Kiefern.
Mit ihrer stattlichen Größe und dem festen Fleisch mag die Art für Speisepilzsammler verlockend sein, und als essbar gilt sie ja auch (wen der aufdringliche Geruch nach Seetang nicht stört ...). Aber, gab’s da nicht einen giftigen Doppelgänger? Genau, und hier ist er:

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Amanita proxima teilt zudem mit Amanita ovoidea dasselbe Habitat – beide Arten können vermischt wachsen. Ein auffälliges Merkmal der giftigen A. proxima ist die außen intensiv ocker gefärbte Scheide. Das zweite Unterscheidungsmerkmal ist – wie bei anderen Amanita-Arten auch (s.u.) – die Beschaffenheit des Velum partiale. Dieses ist bei A. proxima als häutiger Ring ausgebildet, der gern auch zerrissen sein und in Fetzen vom Hutrand herunterhängen mag.

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Bei A. ovoidea löst sich das Velum partiale in Flocken auf, die auffällig den Hutrand säumen. Ein Ring ist hier in der Regel nur rudimentär ausgebildet.

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Die dritte Amanita, die wir vorstellen möchten, ist in den mediterranen Kiefernwäldern nicht selten und mag es durchaus sandig:

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Amanita gracilior ist nicht gerade eine kleine Art, und da mag es schon verwundern, warum ihr Autor gerade diesen Namen („die schlankere“) ausgesucht hat. Und wieder kommen wir auf die Beschaffenheit des Velum partiale zurück: A. gracilior bildet wie A. proxima einen häutigen Ring aus, und dieses Merkmal trennt sie von ihrer Schwesterart, der recht seltenen Amanita boudieri mit flockig aufgelöstem Velum partiale (wie bei A. ovoidea). Und gegen die wuchtige A. boudieri wirkt A. gracilior wohl tatsächlich etwas schmächtig – inde nomen!

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Bei uns kommen ja mit A. strobiliformis und A. echinocephala zwei Nachbararten von A. gracilior und A. boudieri vor. Die beiden mediterranen Arten unterscheiden sich übrigens durch erheblich schlankere Sporen von unseren beiden Altbekannten. Aber auch diese hält man wiederum am besten anhand der Beschaffenheit des Velum partiale auseinander (flockig bei A. strobiliformis, häutig bei A. echinocephala).

Über so viel amanitologisches Geschwätz ist die ganze Pracht inzwischen dahingegangen. Den verantwortlichen Mykoparasiten haben wir keinem Bestimmungsversuch unterzogen ...

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Ein (Makro)-Rätsel zum Thema ... *PIC*

jesko, (vor 5376 Tagen) @ jesko

... schiebe ich gleich hinterher:

Was ist auf diesem Bild zu sehen?

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Re: Balearen-Wulstlinge

HARZPILZCHEN, (vor 5375 Tagen) @ jesko

sodass wir sogar noch welche fürs Mikroskop mitbringen konnten
Beitrag 218327 –
allein die bittere Wahrheit ist: Kaiserlinge haben wir nicht gesehen und
mussten daher Winterpfifferlinge essen.

Moin Jesko

Die fotografierten Kaiserlingssporen sind keine von Euren Mitbringseln gewesen, sondern ein Geschenk von PFALZ PILZ. Ihr werdet sie dann doch verspeist haben.

LG Hartmut

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Re: Balearen-Wulstlinge *PIC*

Rudi, (vor 5375 Tagen) @ jesko

Schöne Schwammerl, Jesko!

Euren Dritten im Bunde hab ich möglicherweise 2010 in Mainfranken gefunden.
Jedenfalls haben meine ausgiebigen Suchaktionen nichts anderes ergeben als V.a.gracilior...
Mikrobilder hab ich wohl gemacht, finde sie aber nicht mehr...

LG Rudi

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Re: Ein (Makro)-Rätsel zum Thema ...

Stephan Weißer, (vor 5375 Tagen) @ jesko

Wenn ich deine Amanita-Kurzfortbildung richtig aufgenommen habe, müsste der linke A. ovoidea und der rechte A. proxima sein.

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Re: Balearen-Wulstlinge

Andreas ⌂, (vor 5375 Tagen) @ Rudi

Schöne Schwammerl, Jesko!
Euren Dritten im Bunde hab ich möglicherweise 2010 in Mainfranken gefunden.
Jedenfalls haben meine ausgiebigen Suchaktionen nichts anderes ergeben als
V.a.gracilior...
Mikrobilder hab ich wohl gemacht, finde sie aber nicht mehr...
LG Rudi

Hallo Rudi,

naja, bei DEN alten Schlappen noch ne sichere Bestimmung für nen Erstfund nördlich der Alpen zu wagen halte ich für gewagt ....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Balearen-Wulstlinge *PIC*

Rudi, (vor 5375 Tagen) @ Andreas

Servus Andreas,

Wagen ist immer gewagt;=))
Aber ich bin ja vorsichtig.
Mein Wagnis war ja nur V.a.gracilior.
Ich gebs zu die Schwammerl waren bei sommerlich-mainfränkischen Temperaturen etwas gezeichnet. So ganz alt waren sie vermutlich gar nicht.
Oben hat aber die Sonne sich schon eingebrannt:

LG Rudi

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stammen die Pilze aus dem Holletal? *oT*

HARZPILZCHEN, (vor 5375 Tagen) @ Rudi

- kein Text -

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Re: stammen die Pilze aus dem Holletal?

Rudi, (vor 5375 Tagen) @ HARZPILZCHEN

nein, aus Üttingen auf halber Strecke zwischen Würzburg und Marktheidenfeld, von einem Straßenrand..

LG Rudi

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Re: Ein (Makro)-Rätsel zum Thema ... *PIC*

jesko, (vor 5375 Tagen) @ Stephan Weißer

Wenn ich deine Amanita-Kurzfortbildung richtig aufgenommen habe, müsste der
linke A. ovoidea und der rechte A. proxima sein.

Hallo Stephan,

genauso ist es.

Der Hintergrund des Fotos ist, dass wir gleich bei unserer ersten Exkursion im hotelnächsten Wald in eine Amanita-Fruktifikation hineinliefen, wo beide Arten gnadenlos durchmischt wuchsen. Dass der mit der ockerfarbenen Knolle etwas anderes ist, daran erinnerte ich mich noch dunkel. Den Unterschied beim Velum partiale hatte ich allerdings nicht präsent, obwohl er uns im Feld dann schon auffiel. So haben wir eine paar hübsche Mischkollektionen abgelichtet (weil wir ja den stehenden Fruchtkörper nicht gleich heraushebeln wollten), bevor wir auch ein paar „artenreine“ Fotos zustande gebracht haben.

Aber eigentlich sind beide Arten auch ohne Ansehen der Knollenaußenseite gut kenntlich.

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Und hier noch mal von unten:

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Re: Balearen-Wulstlinge

jesko, (vor 5375 Tagen) @ HARZPILZCHEN

Hallo Hartmut,

ja, in die Pfalz, da gehört der Kaiser eben auch hin. Aber – großes Pionierehrenwort (bzw. Pfadfinderehrenwort pro lectoribus occidentalibus) – wir haben keine gegessen. Ich denke, A. caesarea gehört auch im Mittelmeerraum nicht zu den Arten, die lange in den Winter hinein fruktifizieren. Ich war ja schon ab und zu im Dezember und Januar dort, auch in verschiedenen Gegenden, und A. caesarea habe ich zu dieser Jahreszeit nur einmal (EFK) gesehen. Die war aber auch nicht mehr in einem sonderlich appetitlichen Zustand.

Viele Grüße

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Re: Balearen-Wulstlinge

jesko, (vor 5375 Tagen) @ Rudi

Hallo Rudi,

zunächst muss ich Andreas beipflichten und hoffe, es gibt bald mal wieder so ein Ausnahmejahr à la 2010, für das ich Dir einen Wiederfund dieser Art in Bestform wünsche.
Trotz des Zustands der gezeigten Fruchtkörper würde ich allerdings Amanita gracilior fast ausschließen wollen. Schon Hutfarbe und Velum-universale-Reste passen nicht recht. Vor allem jedoch ist ein deutlich geriefter Hutrand erkennbar. Da stellt sich abgesehen davon, ob die Sporen tatsächlich den hohen Q-Wert von A. gracilior hatten, die Frage, ob sie denn überhaupt amyloid waren. Kurzum, ich vermute, Du suchst in der falschen Untergattung.

Im Übrigen haben Neville & Poumarat (2004) als nördliche Verbreitungsgrenze für Amanita gracilior die Atlantikinsel Oléron vor der französischen Westküste recherchiert. Die liegt knapp südlich des 46. Breitengrades, also in etwa auf der Höhe der Nordspitze des Gardasees. Hinzu kommt das wintermilde Atlantikklima...

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Re: Balearen-Wulstlinge

Pfalz-Pilz, (vor 5374 Tagen) @ jesko

ja, in die Pfalz, da gehört der Kaiser eben auch hin.

Hallo Jesko

So selbstverständlich, wie Du es darstellst, ist das nicht. Es sind lediglich 4 oder 5 Fundstellen dokumentiert und die Pfalz ist kein kleines Gebiet. Davon ist mir nur eine näher bekannt, die auch eine halbe Stunde Autofahrt von mir entfernt liegt.
Wie trächtig die anderen Stellen sind, bzw. ob da überhaupt noch was kommt, werde ich mittelfristig erkunden. Über geheimgehaltene Fundorte von Sammlern habe ich bisher auch noch nichts gehört.
Einige mir bekannte Hardcore-Sammler kennen diesen Pilz nicht. Nur in den "Fachkreisen" wird darüber gesprochen.

Gruß aus dem Pfälzerwald (z.Z.ganz nah am Gletscher)
Dieter