Wortherkunft: Afterleistling?

AK_CCM, (vor 5333 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

kann mir jemand erläutern oder im Idealfall sogar eine Quelle verraten, woher der Begriff "Afterleistlinge" für die Gattung Hygrophoropsis stammt? Das Wortelement "-leistlinge" rührt wahrscheinlich von den kurzen, leistenähnlichen Lamellen. Was aber bedeutet das WE "after-"?

Gruß, Andreas

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Ulysses, (vor 5332 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

aufgrund der Ähnlichkeit zum Pfifferling, auf die ja auch der zweite deutsche Name "Falscher Pfifferling" hinweist, könnte ich mir vorstellen, dass der Name einfach als abwertender Begriff zu werten ist: der Pfifferling ist der "gute" Leistling, der Falsche Pfifferling ist der "schlechte" Leistling oder eben After-Leistling.
Im Duden Herkunftswörterbuch wird als Bedeutung für das Wort After angegeben, dass es sich von einer Wurzel mit der Bedeutung "nach; hinter; gemäß" ableitet. Als Beispiel für ein Kompositum mit After- wird "Aftermiete" angeführt, was in früherer Zeit wohl mal soviel wie Untermiete bedeutete. Der Afterleistling wäre dementsprechend der Pilz, der dem Pfifferling gemäß ist bzw. hinter/unter ihm folgt.

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Der Juergen, (vor 5332 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

mein Vorschreiber hat schon alles wesentliche ausgeführt, und ich habe hier auch den Duden (Etymologie der deutschen Sprache) vor mir liegen - nur noch eine Anmerkung; der hintere Teil des Schiffes wird ja mit dem Begriff "achtern" bezeichnet (niederdeutsch), und die Ähnlichkeit von "after(n)" ist nicht von Ungefähr; das kommt aus dem Mittel- und Althochdeutschen.

liebe Grüßle
Jürgen

PS.: Tja, in Wikipedia steht (noch) nicht alles drin;-)

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

AK_CCM, (vor 5332 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef, hallo Jürgen,

danke fürs Nachschlagen. Könnt ihr bitte nachschauen, welche Auflage ihr habt und auf welcher Seite bzw. welchen Seiten die Infos stehen?

Besten Dank im Voraus

Gruß, Andreas

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Ulysses, (vor 5332 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

ich hab hier "Duden Band 7: Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache", im nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung überarbeiteten Nachdruck der zweiten Auflage, 1997.

Der Eintrag "After" aus dem ich zitiert habe steht auf Seite 23.

Schöne Grüße,
Josef

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Danke! *oT*

AK_CCM, (vor 5332 Tagen) @ Ulysses

- kein Text -

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Melli, (vor 5331 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

"after" ist eine altgermanische Vorsilbe, die in etwa die Bedeutung von "aber" hat und daher immer auf das Gegenteil von etwas hinweist. So wie der Aberglaube eben gerade kein Glaube ist, hat der Afterleistling eben gerade keine Leisten. Die Eberesche hieß früher auch mal Afteresche, weil sie eben gerade keine Esche ist. Es geht also hier immer um Dinge, die einer anderen Sache ähneln, die aber nicht so sind.
Walter Pätzold hat das immer sehr schön in seinen Kursen erklärt, er hatte noch viel mehr Beispiele parat, die ich mir leider nicht alle gemerkt habe.

Herzliche Grüße
Melanie

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Der Juergen, (vor 5331 Tagen) @ Melli

Hallo Melanie

"after" ist eine altgermanische Vorsilbe, die in etwa die Bedeutung
von "aber" hat und daher immer auf das Gegenteil von etwas
hinweist.

Laut meines Etymologischen Wörterbuchen ist aber "aber" etwas anderes als "after". Mittelhochdeutsch "aber, aver", althochdeutsch "avur", indogermanisch von *apo, gotisch "afar". "After" hat die germanische Wurzel "*epi- *opi-. Eine "Aftermiete" ist eine Untermiete und keine "falsche" Miete. Also After eher für "nachrangig" oder "minderwertig", es könnte sich beim "Afterleisting" aber auch um einen Leisting handeln, der phänologisch dem "echten" Leisting folgt, also später im Jahr fruktifiziert.

Grüßle
Jürgen

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Tippfehler darf behalten

Der Juergen, (vor 5331 Tagen) @ Der Juergen

wer will! :-)

Grüßle
Jürgen

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Melli, (vor 5331 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

dann lass mich auch noch ein Wörterbuch zitieren:

"Ein falscher Gott wurde im älteren Deutsch auch ein Aftergott genannt; das Wort hebt besonders den Gegensatz zu dem einen wahren Gott hervor. Die alte Präposition after, d. i. hinter, nach, die bereits in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts außer Gebrauch kam, bezeichnet ursprünglich das Nachfolgende, dann aber auch das Nachgeahmte, in zweiter Linie Stehende, Schlechtere. So nannte Luther den Dienstag Aftermontag, den Tag nach dem hohen Sabbath Aftersabbath. Der Nachmieter, der von einem bereits zur Miete Wohnenden mietet, heißt noch heute Aftermieter. Eine Kopie hieß früher im Gegensatz zum Urbild Afterbild; bei dem Worte tritt zugleich die Bedeutung des Geringeren, weniger Wertvollen mit auf; so auch: Aftergröße, d. i. Scheingröße, eingebildete, falsche Größe, Afterweisheit, Aftermuse (Schiller), d. i. die falsche Muse, Afterkönigin, d. i. falsche, unrechtmäßige Königin usw. "Mein Herz, das lang genug an Aftergöttern hing" (Gotter)."
aus: Johann August Eberhards - Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache (1910) (zitiert und diskutiert hier: http://dict.leo.org/forum/viewWrongentry.php?idThread=1024782&idForum=6&lp=ende&lang=de)

Demzufolge kann "After" also sowohl nachrangig oder nachfolgend bedeuten als auch nachgeahmt, schlechter, weniger wertvoll, falsch.

Ich habe gerade eben extra meine alten Kursaufschriebe aus Walter Pätzolds Kursen wieder rausgekramt. Er hat uns auf dem Gattungsblatt unter "Afterleistlinge" folgendes eintragen lassen (er hat das ja immer schön zum Mitschreiben diktiert): "Afterleistling heißt wörtlich übersetzt KEINE Leisten; Vorsilben Eber-/ Aber-/ After- = Gegenteil, Bsp. Eberesche, Aberwitz, Aberglaube". Leider können wir ihn ja nicht mehr nach genaueren Infos dazu fragen... :-(

Herzliche Grüße
Melanie

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Re: Wortherkunft: Afterleistling?

Der Juergen, (vor 5331 Tagen) @ Melli

Hallo Melanie,

danke für den Auszug! Interessant. Man müsste die Quelle der Benennung finden, oder zumindest die Region ausfindig machen, wo "Afterleistling" entstanden ist, um über das Benennungsmotiv etwas einigermaßen Sicheres aussagen zu können. Mal schauen, ob der Andreas das im Wikipedia-Artikel diskutiert:-)

Grüßle
Jürgen