Hebeloma aprile? *PIC*

Ingo Jürgens, (vor 5293 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde,

könnte es sich bei dem heute von mir in einer Sandgrube gefundenen Pilz um den Frühjahrs-Fälbling, Hebeloma aprile, handeln?

Die Pilze siedeln in einem noch sehr lückigen Gelbseggen-Rasen, der von zahlreichen jungen Gehölzen (Kriechweide, Salweide, Kiefer u.a.) durchsetzt ist. Der Boden ist feucht (grundwassernah) und besteht aus einem basenreichen lehmigen Sand. Da hier beim Sandabbau die unter den Sandschichten liegende Moräne (enthält Geschiebemergel) "angekratzt" wurde, ist der Boden stellenweise wohl auch kalkhaltig.

Der durchschnittliche Hutdurchmesser lag bei knapp 3 cm (das Foto zeigt Exemplare dieser Größe), minimal waren es 1,5 cm und maximal 4 cm. Die Pilze (insgesamt gut 50 Stück) standen meist einzeln, manchmal auch 2-3 in einer Gruppe, immer aber deutlich voneinander entfernt (also nicht büschelig).

Mit Hebeloma habe ich keine Erfahrung und so bin ich mir bei der Gattungsdiagnose auch nicht hundertprozentig sicher. Da ich aber in makroskopisch ähnlichen Gattungen nichts "Passendes" finden konnte, habe ich schließlich den Hebeloma-Schlüssel im Band 5 der Großpilze Baden-Württembergs bemüht und bin dort ziemlich schnell bei Hebeloma aprile "gelandet".

Die Sporen meines Fundes sind mit 10-14 x 6-8 µm zwar etwas größer als dort angegeben, viele andere Merkmale, die Ökologie und der Zeitpunkt des Fundes passen aber recht gut. Zumindest fand ich in der genannten Literatur keine Hebeloma-Art, die eine bessere Übereinstimmung zeigt. Den "Vesterholt" habe ich leider (noch) nicht.

Oder ist es gar nicht Hebeloma? Was meinen die Experten?

LG Ingo

PS: Bei den kleinen orangeroten "Flecken" im linken Vordergrund des Fotos handelt es sich um sehr kleine und extrem kurzstielige Exemplare von Laccaria tortilis
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Re: Hebeloma aprile?

zuehli ⌂, (vor 5293 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo,

nicht dass ich die blasseste Ahnung hätte, aber ich würde eher an einen Cortinarius denken.

Beste Grüße
Harald

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Re: Hebeloma aprile?

Peter S., (vor 5293 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo,

Hebeloma aprile ROMAGNESI ist ein Syn. von Hebeloma collariatum BRUCHET.
Dafür halte ich das Pilzchen nicht. Weder Sporen noch ChZ passen.
Natürlich ist es auch kein Cortinarius, wenn die so schöne Cheilos hätten, wärs natürlich nicht schlecht.

Das ist m. M. nach Hebeloma vaccinum ROMAGNESI, deren Biotop unter Weiden und pappeln in Kiesgruben nahezu klassisch ist.
Wenn Du irgendwann mal kannst vergleiche mal mit der Darstellung bei Vesterholt, sowohl makroskopisch als auch bei den Mikros stimmt es auffallend.

Mit der Jahreszeit würde ich mich gar nicht so sehr beschäftigen, allerortens (da wo es feucht genug ist) wachsen derzeit viele Herbstpilze, die es seinerzeit a. G. der Trockenheit nicht mehr geschafft hatten.

Beste Grüße - Peter

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Re: Hebeloma aprile?

Ingo Jürgens, (vor 5292 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter,

herzlichen Dank für die Bestimmungshilfe.

Hebeloma vaccinum habe ich nicht in Erwägung gezogen, weil die Angaben zur Ökologie und zu Fundorten dieser Art (im Band 5 der Großpilze Baden-Württembergs) nicht so recht zu dem nährstoffarmen, sehr lückigen und voll besonnten Pionierstandort passten, von dem mein Fund stammt

Hinzu kam, dass die in der erwähnten Literatur abgebildeten Exemplare nicht allzu viel Ähnlichkeit mit meinen Pilzen erkennen ließen.

Nach Deinem Tipp habe ich jetzt auch nach Fotos von H. vaccinum im Internet geschaut, es gibt zwar nur sehr wenige, aber dafür welche mit deutlich besserer Übereinstimmung.

In Bezug auf die Mikromerkmale werde ich jetzt noch den "Vesterholt" abwarten (bestellt ist er schon), ich denke aber, dass es nach dem, was ich jetzt von Dir erfahren habe, nur H. vaccinum sein kann (falls es nicht noch andere, makroskopisch und mikroskopisch ähnliche Arten gibt).

H. aprile ist es aber auf keinen Fall und auf diese "Vermutung" hätte ich bei konsequenter Beachtung des Schlüssels auch gar nicht kommen dürfen.

LG Ingo

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Re: Hebeloma aprile?

Svampskogen, (vor 5292 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo

Der Schlüssel in der Funga Nordica von Vesterholt ist wahrscheinlich auch lohnenswert und womöglich sogar etwas aktueller. Falls du das Buch besitzt...

Gruss Svampskogen

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Re: Hebeloma aprile?

Ingo Jürgens, (vor 5292 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Svampskogen,

das Buch habe ich nicht, es war vergriffen, bevor ich ernsthaft anfing mich für Pilze zu interessieren.

Ich habe mir aber vor einiger Zeit über einen Umweg (Mycokey) die pdf-Versionen der Funga Nordica-Schlüssel beschafft, aber jetzt bei der Hebeloma überhaupt nicht mehr daran gedacht.

Prima Tipp von Dir, werde mir gleich mal den Hebeloma-Schlüssel von Vesterholt ansehen.

LG Ingo

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Es ist Hebeloma vaccinum

Ingo Jürgens, (vor 5291 Tagen) @ Ingo Jürgens

Es ist, wie schon von Peter vermutet, eindeutig Hebeloma vaccinum. Der Pilz hat seine seine Hauptverbreitung in Küstendünen mit Salix repens (Kriechweide) und auch bei meinem Fund (in einer ostwestfälischen Sandgrube) war der Pilz mit Salix repens assoziiert.

Viele Grüße

Ingo

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Re: Es ist Hebeloma vaccinum

Andreas ⌂, (vor 5290 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo,

und auch bei meinem Fund (in einer ostwestfälischen
Sandgrube) war der Pilz mit Salix repens assoziiert.

du hast Salix repens im Binnenland in einer Sandgrube?? Ich dachte immer, die wächst nur am Meer oder alpin *staun*

Hebeloma aprile hätte übrigwens wesentlich deutlichere Velumreste am Hut, so wie das Hebeloma mesophaeum auch hat. Nur dass H. aprile in den Farbe wesentlich freudiger rosdtorange ist, noch etwas freudiger als deine H. vaccinum.
Ich bin nicht der Auffassung, dass H. aprile mit H. collariatum synonym ist.

beste Grüße,
Andreas

beste Grüße,
Andreas

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Re: Es ist Hebeloma vaccinum *PIC*

Ingo Jürgens, (vor 5290 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Salix repens im Binnenland ist doch wirklich nichts besonderes. Bei Dir in Thüringen ist sie sicher sehr selten, im atlantisch geprägten Nordwesten Deutschlands ist sie dagegen weit verbreitet und keineswegs auf die Küsten beschränkt. Bei mir in NRW beispielsweise kommt sie in über hundert Messtischblatt-Quadranten vor (siehe folgenden Auszug aus dem Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Nordrhein-Westfalens).

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Die Kriechweide ist ein konkurrenzschwaches Gehölz mit speziellen Ansprüchen (die Standorte müssen feucht, stickstoffarm und basenreich sein), wo diese Ansprüche erfüllt sind, stellt sie sich aber schon nach kurzer Zeit ein.

Die Bedingungen "stickstoffarm und feucht" findet man in vielen Sandgruben. Basenreich oder gar kalkhaltig sind die Sande bei uns in der Regel aber nicht und so gesehen sind Kriechweiden-Vorkommen schon was Besonderes.

In der von mir besuchten Sandgrube wurde beim Sandabbau der unter den Sandschichten liegende (kalkhaltige) Geschiebemergel erreicht. Große Bereiche des Grubenbodens weisen deshalb eine sehr gute Basenversorgung auf und hier findet sich die Kriechweide zu hunderten.

Nebenbei: Die auf meinem Foto hinter den Pilzen zu erkennenden Gehölztriebe sind Kriechweiden.

Beste Grüße

Ingo

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Re: Es ist Hebeloma vaccinum

Peter S., (vor 5290 Tagen) @ Andreas

Hallo,
du hast Salix repens im Binnenland in einer Sandgrube?? Ich dachte immer, die
wächst nur am Meer oder alpin *staun*

Hallo Andreas,
nicht, dass ich von Botanik irgendeine Ahnung hätte, ich habe nur gefunden, dass die subsp. dunensis (Dünen-Kriech-Weide) wohl dem entspricht, was Du meinst.

Ich bin nicht der Auffassung, dass H. aprile mit H. collariatum synonym ist.

So meinte das aber Vesterholt, bei dem ich das abgeschrieben habe.
Aber vielleicht kommen da im neuen Band der Funga Europaei zu Hebeloma neue Erkenntnisse.

"Libri in preparazione della serie Fungi Europaei:

HEBELOMA – J.VESTERHOLT, H.BEKER & U.EBERHARDT (2012) "

Gruß Peter