Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies *PIC*

Pilzschreck, (vor 5240 Tagen)

Hallo und guten Abend,

in den letzten Tagen hat es sich nur auf Friedhöfen und in Parks gelohnt zu suchen, hier im Arnsberger Wald herrscht Flaute. Verstehe ich nicht, alles feucht, warm ists auch????? Naja, hatte mir dann die Tauben zu Gemüte geführt.

LG, Dietrich

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Nr.1, Russula farinipes, die Huthaut ist genau wie beim nächsten besch..... zu mikroskopieren, gummiartig knorpelig flutscht sie unterm Deckglas hin und her. Das macht kein Spass.

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Nr.2, Russula amoenolens

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Nr.3, Wenn ich alles richtig interpretiere komme ich zu R. ionochlora, R. grisea hat dunkleres Sporenpulver. Eines war auffällig, die Guajakreaktion auf Stiel und Lamellen erfolgte sehr langsam(>1 min.) und dann nur helltürkis.

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Und diese beiden schauten mir beim Fotografieren zu....

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Für Kritik und Anmerkungen bin ich dankbar!

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Re: Tauben der letzten Tage

jesko, (vor 5239 Tagen) @ Pilzschreck

Hallo Dietrich,

mit Deiner farinipes hätte ich Probleme. Farinipes ist eine gelbliche Art, die Lamellen stehen i.d.R. auch weniger gedrängt. Sicher darf man Täublinge nicht nach Hutfarben bestimmen, aber gerade farinipes ist nun einmal eine der wenigen Arten, die immer gleich aussehen. Mit diesem Statement kann ich mich im Übrigen auch auf Sarnari berufen, der genau das in seinem Verriss von Roberto Gallis „Le Russule“ schreibt (wo für farinipes zwei Mal pectinatoides ss. auct. europ. abgebildet ist). Gute Feldmerkmale für farinipes sind die nicht abziehbare Huthaut und der kräftige Geruch nach frischem Apfel. Nach meiner Einschätzung bildest Du einen Kammtäubling – vermutlich pectinatoides ss. auct. europ. oder eine weiße amoenolens – ab. Vielleicht kannst Du ja noch mal prüfen, ob Du einen Kammtäubling oder tatsächlich eine farblich aus der Reihe schlagende farinipes fotografiert hast.

Zu amoenolens: Hier sollte man nicht vergessen, dass es mit sororia eine sehr ähnlich Art ohne Camembertgeruch und mit negativer Guajakreaktion gibt. Die ist bspw. bei uns in NW-Sachsen gar nicht mal so selten und andernorts wohl unbeachtet.

Zu ionochlora: Eine allfällige Unterscheidung zwischen grisea und ionochlora sollte man nicht nur an einem Merkmal festmachen. In der Literatur werden drei (angeblich) gute Trennmerkmale angeführt. In der Praxis schwanken allerdings die entsprechenden Merkmale weitaus stärker, und es gibt bei allen Überschneidungsbereiche. Das bedeutet, dass man alle Merkmale abprüfen sollte, um mit der Bestimmung einigermaßen sicher sein zu können. Nach derzeitigem Wissensstand ist wohl eine 100% sichere Bestimmung im Zweifel zwischen grisea und ionochlora nicht möglich.
Das aber nur nebenbei, denn ich denke, Du zeigst parazurea (typische Farben, Bereifung der jungen Frk, zumindest bei den oberen Bildern deutlich). Das ließe sich an der Eisensulfatreaktion, vor allem aber am Sporenornament festmachen.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies

Stephan Weißer, (vor 5239 Tagen) @ Pilzschreck

Hallo Dietrich,
ich würde Jeskos Meinung unterstützen wollen. Russula amoenolens ist ein kleiner, zarter Pilz, so groß wie die auf dem Foto gezeigten wird der normalerweise nicht. R. sororia passt makroskopisch viel besser.
Zwischen R. ionochlora und R. parazurea zu unterscheiden, ohne mikroskopiert zu haben, stelle ich mir schwierig vor. Eine Guajakreaktion ist immer nur so gut wie das Guajak, das man hat. Teste es doch mal an einem Weiß- oder Schwärztäubling, ob es augenblichklich schwarzblau wird (innerhalb von 1 Sekunde). Wenn dies nicht der Fall ist, ist das Guajak nicht mehr wirklich gut.
FeSO4-Kristalle sind auch eine gute Idee, aber man braucht Erfahrung mit vielen Griseinae, um zu sehen, ob die Rosaverfärbung schwach oder nicht schwach ist.
Weiterhin tolle Funde (eure Gegend steht ja schon voll im Saft!) wünscht dir
Stephan

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Re: Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies *PIC*

Pilzschreck, (vor 5239 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Jesko, hallo Stephan,

vielen Dank für Eure hilfreichen Anmerkungen. Das ging ja mal wieder gründlich in die Bux, räusper. Trefferquote 0%, das erinnert mich irgendwie an den damaligen Matheunterricht:-D
Den Geruch hatte ich als "amoenolensartig" notiert, aber danach sahen die nicht wirklich aus. Die von mir bestimmten R. amoenolens der letzten Woche hatten aber noch spermatischer gerochen, ok, die waren auch klein.

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Ich habe mit R. sororia verglichen, die Größe der Fruchtkörper hatte mich schon stutzig gemacht. Aber weil es der fast gleiche Standort wie der von den o.gezeigten war....

Von parazurea hatte mich eigentlich die beigebraune Hutmitte abgebracht, aber zu parazurea passen dann wohl auch die Sporenornamente.

Schwieriges Unterfangen diese Gattung, ich hoffe ich werde meine Trefferquote bald mal verbessern können, vielen Dank für die Unterstützung.

LG, Dietrich

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Re: Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies

Stephan Weißer, (vor 5239 Tagen) @ Pilzschreck

Die von mir bestimmten R. amoenolens der
letzten Woche hatten aber noch spermatischer gerochen, ok, die waren auch
klein.

Ja, diese hier, das sind schon der Makroskopie nach amoenolens.

zu parazurea passen dann wohl auch die Sporenornamente.

In der Tat. Ionochlora hätte isolierte Warzen.

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Re: Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies

jesko, (vor 5239 Tagen) @ Pilzschreck

Hallo Dietrich,

die von Dir gezeigten Russula amoenolens könnten schon welche sein, ich hatte nur eingeworfen, dass man sororia im Hinterkopf behalten muss. Also immer schön Geruch und im Notfall Guajak prüfen. Mit dem Geruch ist das ja so eine Sache. Du schreibst hier von „spermatisch“. Diese Geruchsangabe geht wohl auf Romagnesi selbst zurück. Wenn man allerdings mit „spermatisch“ – treffend, wie ich finde – den Geruch von Morcheln, Verpeln, der Frühjahrslorchel und bestimmten Risspilzen (z.B. geophylla) beschreibt, dann habe ich noch nie einen Täubling gefunden, der so riecht! Bei R. amoenolens passt der auf Schaeffer zurückgehende Vergleich mit Camembert bestens. R. sororia riecht eher schwach, ihr Geruch erinnert mich an Wandfarbe. Sicherer ist vielleicht Guajak. Beide reagieren absolut gegensätzlich (da kann die Lösung ruhig ein paar Jahre auf dem Buckel haben, bei amoenolens wird sie immer noch deutlich anschlagen!).
Dein Sporenfoto deutet – wenn schon denn schon – in Richtung parazurea, allerdings lässt sich nicht wirklich viel erkennen, und ich weiß nicht genau, woran es liegt. Deine HDS-Fotos von nauseosa waren doch auch in Ordnung. Sporenfotos klappen am besten vom Abwurf (etwas Sporenpulver in einem Tropfen Melzer verrühren, so bekommt man auch eine ansehnliche Menge Sporen auf ein Foto) mit dem 100-er bei voll geöffneter Blende. Hat man eine feste Fotoeinrichtung, kann man den Infogehalt eines Sporenfotos durch Stacken noch steigern, aber auf die Sporenoberfläche scharf gestellt reicht auch für eine gute Vorstellung vom Ornament.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies

jesko, (vor 5239 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

In der Tat. Ionochlora hätte isolierte Warzen.

So steht es in den Büchern... Dazu wäre allein schon Buycks Artikel zur Nachuntersuchung der Typen von ionochlora, variegatula und leucospora lesenswert. Buyck zeichnet für ionochlora ein Ornament, das ich als kurzgratig bezeichnen würde. Die in Romagnesi abgebildete ionochlora-Spore ist eher der (oft imitierte) Idealtyp. Das meiste Material, das ich bislang gesehen habe, hat in der Tat eine signifikante Menge kurzer Grate, die teilweise auch gegabelt sind bzw. sich kreuzen. Als isoliertwarzig würde ich die Sporen von medullata bezeichnen, die von ionochlora sind es wohl nur im Idealfall.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Tauben der letzten Tage und Zwei Steinies

Stephan Weißer, (vor 5238 Tagen) @ jesko

O. K., dann sagt man wohl besser "fast isoliertwarzig". Vielleicht bringt es mein Wald- und Wiesenmikroskop es auch nicht besser rüber, oder ich sehe nicht gut genug. Ich habe R. ionochlora bisher zweimal vor der Linse gehabt, und das war in meinen Augen beidesmal "isoliert", zumindest im Vergelich zu parazurea und grisea. Trotzdem vielen Dank für den Hinweis.
Freundliche Grüße
Stephan