Frage zu Galerina tibiicystis vs. hybrida *PIC*

Pilzthomas, (vor 5224 Tagen)

Hallo liebe Pilzbegeisterten,

Ich habe diese Woche in einem Hochmoorrest in einem Bestand von Sphagnum cuspidatum eine Galerina (3 Fruchtkörper) gefunden. Wegen extremer Wolkenbruchgefahr hatte ich die Kamera im Auto gelassen, daher kein Habitus-Bild.
Der Pilz war orange-braun mit zentral etwas gebuckeltem Hut . Ohne auffälligen Geruch oder Geschmack (jedenfalls kein Mehl!).

Unter dem Mikroskop waren Schnallen zu finden.

Die Cheilozystiden haben die typische Form ("tibiiform"), hier in Melzer.

[image]

Die Sporen sind schmal mandelförmig und mit körnigem Ornament (hier in Melzer).
Die folgende Auswahl brachte die Sporenmaße 8,2-9,6 x 5,1-5,8 µm.

[image]

Jetzt zu meinem Problem:

Mit Großpilze BaWü Bd. 5 lande ich ohne Umschweife bei Galerina tibiicystis.

Benutze ich Funga Nordica (2008) lande ich bei Galerina hybrida, die hier direkt gegen G. tibiicystis (mit >6 µm breiten Sporen) ausgeschlüsselt ist. Das gefällt mir insofern, als dass G. hybrida ozeanischer verbreitet sein soll und auch gerne mal nasser stehen soll (hier: Sphagnum cuspidatum!) sowie ihre Haupterscheinungszeit im Juli liegt. Demnach ist G. tibiicystis kontinentaler verbreitet und erscheint später im Jahr.

Bei Gulden (2010) im Prinzip das gleiche. Hier wird noch G. mairei als Name für europäische Aufsammlungen gebracht, da G. tibiicystis im engeren Sinne evtl. eine Amerikanerin ist (?).

Ist das Artkonzept in Großpilze BaWü am Ende weitergefasst und ist G. hybrida der nunmehr anzuwendende Name?
Vielleicht kann mir jemand Auskunft geben.

Lieben Gruß und eine gute Pilzzeit wünscht

Thomas

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Nachtrag: es fanden sich 4-sporige Basidien! *oT*

Pilzthomas, (vor 5224 Tagen) @ Pilzthomas

- kein Text -

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Re: Frage zu Galerina tibiicystis vs. hybrida

interhias ⌂, (vor 5223 Tagen) @ Pilzthomas

Servus Thomas,

Haan und Walleyn 2009 (FND 46) schlüssel aus wie folgt:

mairei: Hut ocker bis gelbbraun, Stiel ohne Velumreste, Sporen grob ornamentiert und mit einem mittlern Q-Wert von 1,65; Cheilos lageniform (damit ist wohl lageniform-kopfig gemeint).

hybrida: Hut rötlich ockerbraun bis orangebraun, Stiel jung mit feinen weißen Velumresten, Sporen niedrig ornamentiert und mit einem mittleren Q-Wert von 1,8; Cheilos tibiiform bis lecythiform.

Ich habe fast alle Kollektionen aus oberbayerischen Mooren als G. hybrida bestimmt, dabei aber auch immer mal wieder Sporenquotienten um 1,7 gehabt.

Richtig überzeugende Aufsammlungen von G. mairei haben ich noch gar nicht.
Die Unterscheidung scheint doch recht subtil.

Grüße
Hias

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Re: Frage zu Galerina tibiicystis vs. hybrida

Pilzthomas, (vor 5223 Tagen) @ interhias

Moin Hias,

erstmal danke für Deine Antwort.

Haan und Walleyn 2009 (FND 46) habe ich leider nicht.

Ich nehme mal an, dass mit G. mairei dort die G. tibiicystis bei Gulden (2008 und 2010) gemeint ist. Breitere Sporen können ja zu einem kleineren Q-Wert führen.

Velum (?) konnte ich keins feststellen, wohl aber die feinen in FN genannten Myzelfasern weiter unten am Stiel. Die Farben waren aber eher kräftig.
Q schwankt bei mir erheblich (zwischen 1,51 und 1,78), liegt im Mittel aber bei 1,64. Ist der Q-Wert denn hier überhaupt brauchbar?
Und sind denn die absoluten Sporenbreiten, wie bei Gulden erwähnt, kein gutes Merkmal?
Die Sporenornamentierung ist deutlich aber nicht übertrieben kräftig.

Eine eher unbefriedigende Angelegenheit.

Von der Beschreibung und dem Bild her, liegt die Vermutung nahe, dass G. tibiicystis sensu GP BaWÜ 5 wohl der G. hybrida sensu FN (2008) entspricht.
Aber das kann vielleicht Andreas Gminder beantworten.

Ich werde meine Aufsammlung wohl unter G. hybrida ss FN (2008) ablegen.

Schöne Grüße
Thomas

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Re: Frage zu Galerina tibiicystis vs. hybrida

interhias ⌂, (vor 5223 Tagen) @ Pilzthomas

Servus Thomas,

G. hybrida ss. FN ist sicher eine saubere Sache.

Molekularbiologisch hat sich offenbar bestätigt, dass es zwei Arten gibt, die früher nicht getrennt wurden.

Wie sie makroskopisch und mikroskopisch trennbar sind, scheint nicht 100%ig klar zu sein. Ich kann nicht beurteilen, ob die absolute Sporenbreite oder der Q-Wert hier das bessere Merkmal ist und ob die makroskopischen Unterschiede brauchbar sind.

Aber es sind ja hübsche, in Mooren nicht seltene Schwammerln. Ich mach immer Fotos und nehm ein, zwei Fk mit und schau dann mal in ein paar Jahren, ob und wie ich sie auseinanderhalten kann.

Grüße
Hias

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Re: Frage zu Galerina tibiicystis vs. hybrida

Pilzthomas, (vor 5223 Tagen) @ interhias

Moin Hias,

ja, du hast recht, hübsch sind sie.

Und man muss neuen Erkenntnissen gegenüber aufgeschlossen - wenn auch nicht kritiklos - bleiben.

Außer dieser Galerina (die ich früher, wie andere zumindest in NRW offenbar auch, noch als G. tibiicystis benamst habe) habe ich hier im Nordwesten bislang nur G. paludosa zwischen Sphagnum gefunden.

Insofern nehme ich auch immer mal welche mit, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Schöne Pilzzeit
Thomas