Es dürfte kaum möglich sein, einen roten milden Täubling mit Sporenpulver im
IV-er-Bereich so völlig ohne Mikroskop, Beurteilung der exakten
Sporenpulverfarbe und die kleinen chemischen Helfer festzuklopfen. Als
Doppelgänger von R. pseudointegra fiele mir da vor allem R. tinctipes ein,
makroskopisch fast absolut identisch, allerdings mit komplett anderem
Huthautaufbau. Hier kann man sich zunächst mit Guajak behelfen:
pseudointegra negativ bzw. schwach, tinctipes stark. Huthautmikroskopie
ist freilich sicherer. Die von Stephan genannte Russula laeta ist ähnlich,
wird aber meist nicht so groß, wie Du schreibst. Hier wäre ggf. ein Foto,
auf dem man die Hutfarbe besser erkennt, hilfreich: pseudointegra hat
meist ein schönes Kardinalsrot, laeta mehr orangerot oder einfach nur
orangegelb. Die ebenfalls genannte velenovskyi würde ich nach dem Foto und
der Beschreibung eigentlich ausschließen wollen, eine rote romellii (R.
rubroalba) kann ich allerdings nicht mit Sicherheit ausschließen. Der
Geschmack von pseudointegra schwankt meiner Erfahrung nach, meist ist er
irgendwie unangenehm, teils auch im Hals kratzend. Deutlich bitter habe
ich die Art jedoch nur selten gefunden. Auch den Obstgeruch finde ich bei
dieser Art nicht konstant. Immer notiert habe ich dagegen eine Komponente,
die ich als "Wandfarbe" bezeichne.
Alles in allem: Wir raten hier ein bisschen herum, und wohl niemand wird sich
hier auf etwas genaues festlegen wollen.
Viele Grüße
Vielen Dank für eure Antworten, auch wenn sie mir nicht so weiter helfen, wie ich gehofft habe. Das pseudointegra hätte ich selbstverständlich in Anführungszeichen schreiben müssen, also diese bitte dazu denken. Ich hatte eine Beschreibung von R. pseudointegra, die absolut 100%ig auf einen Fund vom gleichen Fundort im letzten Jahr passte, deswegen war ich mir auch mit pseudointegra recht sicher (soweit man sich rein makroskopisch eben sicher sein kann). Zu Stephan "Aber wenn schon der Geschmack nicht passt, fällt er dann nicht raus?" Der Geschmack wird von verschiedenen Autoren ganz unterschiedlich beurteilt. Im Parey ist er bitter, und bei Kränzlin mild, jedoch adstring. bis schärflich kratzend). Dumm ist nur, dass Fruchtkörper vom gleichem Mycel mal kratzend und mal mild schmecken.
"Woher weißt du, dass das, was du da gefunden hast, nicht selten ist? " Das weiß ich natürlich nicht, aber das hoffe ich, ein seltener Täubling ist für mich nicht bestimmbar, da hier eine mikroskopische Untersuchung auf jeden Fall nötig ist. Außerdem spricht schon die Wahrscheinlichkeit gegen eine seltene Art. Naja vielleicht gelingt es mir noch die eine oder andere Art noch auszuschließen.
R. velenovskyi hatte ich ursprünglich wegen der eher ziegel- bis orangeroten Hutfarbe, dem helleren Sporenpulver und dem rein mildem Geschmack ausgeschlossen. R. laeta und R. rubroalba habe ich wegen ihrer Seltenheit ausgeschlossen (für laeta 5 Nachweise in der Kartierungsdatenbank und von R. rubroalba gibt es 2 Nachweise aus Bayern, außerdem wurde die Art in Hessen noch nicht nachgewiesen, von R. pseudointegra hingegen gibt es Nachweise aus Wetzlar, welches nur einen Katzensprung entfernt ist.) Kommt R. tinctipes in Deutschland vor? Ich versuche noch ein paar Bilder hochzuladen. Sind leider nicht sehr gut.
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