Pilzführung: Wie gestalten und was tun? *PIC*

Karsten, (vor 5134 Tagen)

Liebe Fachkräfte,

ich konnte über die letzten Jahre nur äußerst selten Bekannte zum Mitkommen motivieren, wenn es um das Pilzesammeln ging. Mein Hobby wurde in meinem Bekanntenkreis stets mit Skepsis ("kennst du dich denn aus?") und Faulheit ("Heute? Och nee... regnet doch.") begegnet.

Da ich meine Funde seit letzter Saison jedoch immer auf Facebook poste, und ich ja offensichtlich noch immer lebe, ist das Interesse in letzter Zeit stark angestiegen. Infolgedessen wurde ich zuletzt immer öfter gefragt, ob ich denn nicht mal eine Einführung in die Pilzwelt geben könne.

Dieses Wochenende ist es so weit: Ich werde ein paar absolute Anfänger zum Pilzesammeln mitnehmen, und bräuchte hierfür ein paar Tips. Keiner meiner Freunde erwartet eine professionelle Führung (mal davon abgesehen, dass mir hierfür auch das nötige Fachwissen fehlt). Ich möchte mich allerdings trotzdem bemühen und die Führung möglichst interessant gestalten. Da ich mir jegliches Wissen selber angeeignet habe, und auch selber noch nie bei einer Pilzführung mitgemacht habe, möchte ich diese Möglichkeit auch dazu nutzen, einige meiner eigenen Wissenslücken zu füllen.

Hierfür hätte ich gern ein paar Tips zur interessanten Gestaltung. Da es sich um absolute Anfänger handelt, wird der Fokus wohl auf Essbarkeit liegen.

Überlegt hatte ich mir bis jetzt:

-- Auf Wichtigkeit von Baumarten und Fauna Aufmerksam machen -> Symbiose Baum/Pilz.
-- Pilzarten, sehr grob: Röhrlinge, Blätterpilze, Nichtblättrige, "Baumpilze"
-- "Kein Speisepilz" heißt nicht zwangsläufig "giftig".
-- Abschneiden vs. rauspflücken. Macht es jetzt einen Unterschied oder nicht?
-- Merkmale: Hutform, Lamellenanordnung, Stielform, Stieloberfläche, Ring, Knolle, Geruch, Geschmack (Täublinge), Velum, Verfärbung bei Druck/Schnittstellen, Milchfarbe (Milchlinge)

Damit es bzgl. der Pilzvielfalt nicht langweilig wird, habe ich mir heute schon ein Waldstück mit großer Baumvarietät ausgesucht. Es ist wirklich viel los im Moment. Nur schade, dass man Gelbe Knollis, Fliegenpilze, Kahle Kremplinge und Holzritterlinge nicht essen kann. Von denen wimmelt es hier wie nie zuvor. Meine Essensausbeute sah nach einer knappen Stunde Sammeln wie folgt aus. Ich kann nicht klagen!

Vielen Dank und viele Grüße aus dem benachbarten Luxemburg
Karsten

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Re: Pilzführung: Wie gestalten und was tun?

Birgit, (vor 5134 Tagen) @ Karsten

Hallo Karsten,

ich hab schon einige Pilzführungen durchgeführt und möchte hier aber nur ganz kurz was dazu schreiben. Morgen vielleicht mehr.

Sei sehr vorsichtig, was das Kosten von rohen Pilzen anbelangt, insbesondere auch bei Täublingen. Absolute Anfänger sind - fast ohne Ausnahme - komplett überfordert damit einen Täubling als solchen zu erkennen, auch wenn du ihnen vorführst, daß Täublinge wie Käse brechen und schwupps kosten sie den nächsten Perpilz oder vielleicht Schlimmeres .... Du kannst ihnen natürlich ein Stück Täubling zum Kosten geben und sie dann ausspucken lassen, aber sag ihnen gleich dazu, dass sie das nicht selber probieren sollen.

Stürz dich erstmal auf Röhrlinge und sei froh, wenn sie die nach der FÜhrung einigermaßen wieder erkennen. Natürlich erzählt man auch was über die anderen Pilzarten, denen man so über den Weg läuft, aber mehr als 10-15 Arten werden nicht hängenbleiben. Warne bei gefährlichen Speisepilzen vor deren Doppelgängern, Gifthäublinge neben Stockschwämmchen gelegt, haben meine Leute gestern sehr eindrücklich davon überzeugt sowas nicht zu sammeln.

Zur Abwechslung lass sie mal an Rettichhelmlingen riechen (und raten), oder an rotstieligen Heringstäublingen, wurzelnden Fälblingen, Anischampignons, wohlriechenden Schnecklingen, Schwefelritterlingen ;-) und was dir so riechbares über den Weg läuft.

Schau dir am Ende der Führung die Körbe der Leute genau bis auf den letzten Pilz durch, wenn sie bei der Führung schon Speisepilze sammeln.

Du kannst auch am Ende der Führung noch einmal eine ausführliche Fundbesprechung machen, dann bleibt sicher noch einiges mehr hängen.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Pilzführung: Wie gestalten und was tun?

hoennetaler, (vor 5134 Tagen) @ Karsten

Hallo Karsten,

sehe das ähnlich wie Birgit. Glaube aber aus eigener Erfahrung nicht, dass bei absoluten Anfängern nach der ersten Exkursion 10-15 Arten hängen bleiben. Wenn die Teilnehmer nach der Exkursion wissen, woran man Röhrenpilze erkennt, dass es neben dem Steinpilz noch den ungenießbaren Gallenröhrling gibt (auf Nachfrage geben in meinen Kursen ca. 10-20% der Teilnehmer zu, schon mal Gallis in der Pfanne gehabt zu haben) und vielleicht noch Maronen und Birkenpilze/Rotkappen als solche erkennen - herzlichen Glückwunsch!

Interessant wäre noch, wenn vorhanden, der Vergleich Pfifferling - Falscher Pfifferling und dazu die Erwähnung des Ölbaumtrichterlings.

Natürlich gehören die grundsätzlichen Zusammenhänge der Pilzwelt zu so einer Anfängerexkursion dazu (Was sind eigentlich Pilze: Abgrenzung zu Pflanzen und Tieren; Lebensweise der Pilze: Mykorrhizapilze/Folgezersetzer/Schmarotzer; Artenschutz, Biotopschutz, Verhalten im Wald etc.). Zu diesen Themen gibt es z. B. vom LVPS http://www.lvps.de/pilzberatung.htm einige gute Merkblätter, die ich gerne verwende und teilweise auch verteile. Auch bei der VAPKO http://www.vapko.ch/de/questions/VAPKOXandersBriefverzeichnis.php kann man sich einige Anregungen holen. Dort ist auch ein Bestimmungsschlüssel für Röhrlinge erhältlich, den ich in den Anfängerkursen im theoretischen Unterricht gerne verwende.

Den Vorschlag von Birgit, sich neben den Röhrlingen noch auf Gerüche zu konzentrieren, kann ich nur unterstützen. Das weckt das allgemeine Interesse an der Pilzwelt und kommt besonders bei Kindern immer gut an. Alles andere wie Täublinge (dann eher noch Reizker) kann man am Rande erwähnen, sollte aber nicht der Schwerpunkt sein.

Eine genaue Korbkontrolle zum Abschluss mit ausführlicher Fundbesprechung ist für mich obligatorisch. Ich rate meinen Kursteilnehmern immer, sich die Pilzarten, die für Speisezwecke im Korb verbleiben, zu notieren. Zu Hause können sie dann nochmal in ihren Pilzbüchern (wenn sie denn welche haben ;-)) die Merkmale studieren und sich noch besser einprägen.

Viele Grüße
Jürgen

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Re: Pilzführung: Wie gestalten und was tun?

Stephan Weißer, (vor 5134 Tagen) @ Karsten

Hallo Karsten, ich habe dir eine Mail geschickt.

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Vielen Dank für die Antworten!

Karsten, (vor 5133 Tagen) @ Karsten

Wow, die Hilfsbereitschaft in diesem Forum ist wirklich nicht zu übertreffen!

Ihr habt mir wirklich sehr, sehr weitergeholfen und es waren tolle Tipps dabei.

Was ich aus euren Antworten gelernt habe:

-- Nicht zu sehr mit Fachwissen zutexten. Es soll ja auch eine lustige Einführung sein und keine dröde Lehrstunde. Anfänger sind schnell überfordert und es bleibt insgesamt auch nur ein Teil der Informationen hängen.

-- Fokus auf Röhrlinge. Habe ich ja schließlich auch irgendwann mal mit angefangen.

-- Das mit dem Riechen und Raten ist eine super Idee! Ob ich eine große Vielfalt von geruchsintensiven Pilzen vorweisen kann ist fraglich, da ich mich mit Helmlingen z.B. nie befasst habe. Aber zumindest mit dem Langstieligen Knoblauchschwindling und dem Anis-Egerling werde ich sicher dienen können.

-- Stephan hatte die tolle Idee, einen Demonstrationskorb vorzubereiten, was ich auch definitiv machen werde. Erstens kann ich so schon vor dem Sammeln auf ein paar spezifische Pilze hinweisen, nach welchen Ausschau gehalten werden soll (damit mir nicht alle zwei Minuten einer hinterher rennt und fragt "kann man den essen?"), und zweitens könnte ich anhand des falschen Pfifferlings (gestern recht viele von gesehen) verdeutlichen, wie schnell es Verwechselungen geben kann -- Selbst bei Pilzen, die man ja eigentlich aus Restaurant/Supermarkt kennt. Wäre natürlich toll, wenn ich zusätzlich noch einen echten Pfifferling zum Vergleich finden würde, aber diesbezüglich sieht es hierzulande derzeit eher düster aus. Stockis vs Gifthäublinge und Perlpilz vs Pantherpilz wären evtl. auch möglich.

-- Das mit der Geschmacksprobe bei Täublingen werde ich sein lassen. Ihr habt recht: Es wäre wohl illusorisch von einem Anfänger zu erwarten, dass er einen Täubling als solchen überhaupt erkennen kann. Und ich will natürlich auch nicht, dass meine Freunde ohne Fachwissen auf irgendwelchen Pilzen rumkauen. Ebenso weglassen werde ich z.B. den Violetten Rötelritterling sowie rotmilchende Milchlinge.

-- Auch Jürgens Tipp, sich die Namen der Funde aufzuschreiben, werde ich übernehmen.

Was ist eure Meinung zum Hallimasch? Ich persönlich sammel ihn gerne, habe aber auch schon gelesen, dass ihn nicht jeder verträgt. Ähnlich beim Körnchenröhrling (dieses Jahr noch nicht gefunden, sonst aber sehr häufig hier), welcher angeblich abführende Wirkungen aufweisen kann. Ich will es wirklich niemandem vermiesen.

Ich werde jetzt mal die Merkblätter der VAPKO durchgehen. Auch hierfür vielen Dank!

Liebe Grüße
Karsten

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"Kann man den essen?"...

hoennetaler, (vor 5133 Tagen) @ Karsten

...wird trotzdem die am häufigsten gestellte Frage sein....;-).

Bezüglich Hallimasch weise ich immer auf die häufige Unverträglichkeit hin und überlasse es den Exkursionsteilnehmern, ob sie ihn probieren möchten oder nicht. Auf jedenfall darauf hinweisen, dass Wildpilzgerichte ausreichend (mind. 15-20 min, kommt auch darauf an, wie voll die Pfanne ist!) erhitzt werden müssen. Viele Speisepilze sind roh giftig (Rotkappen, Maronenröhrling, Flockenstieliger Hexenröhrling, Perlpilz, Hallimasch...).

Viel Spaß
Jürgen

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Re: "Kann man den essen?"... *PICS* *PIC*

Karsten, (vor 5133 Tagen) @ hoennetaler

Bezüglich Hallimasch weise ich immer auf die häufige Unverträglichkeit hin
und überlasse es den Exkursionsteilnehmern.

Wohl eine gute Idee. Wird übernommen. :-)

Wider erwarten kann ich beim Riech-Rate-Spiel wohl doch noch auf den Rosa Rettich-Helming zurückgreifen. Ich habe mich
heute nochmal in der Nähe des samstägigen Treffpunktes umgeschaut, und siehe da:

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Bei den Folgenden könnte ich selbst auch noch ein wenig Bestimmungshilfe gebrauchen. Leider habe ich nur dieses
eine Foto, da es stark zu regnen angefangen und ich wenig Angst um meine Kamera hatte. Hutunterseite und
genauere Inspektion habe ich mir ebenso gespart. Letzterer dürfte aber ja nicht all zu schwierig sein:

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Viele Grüße
Karsten

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Re: "Kann man den essen?"... *PICS*

Stephan Weißer, (vor 5132 Tagen) @ Karsten

Bei den Folgenden könnte ich selbst auch noch ein wenig Bestimmungshilfe
gebrauchen.

Bestimmungshilfe kann ich dir leider nicht geben, die sind mir zu schwierig. Allerdings solltest du solche bei deiner Pilzwanderung von vornherein ignorieren.
Freundliche Grüße
Stephan