Nomenklatur

MH, (vor 9875 Tagen)

Moin !

was kam eigentlich zuerst:
die lateinischen oder die deutschen Arten-
bezeichnungen für Pilze.
Wenn es zuerst die deutschen waren, ist es doch
verwunderlich, daß die Arten überwiegend
richtig einer Verwandtschaft zugeordnet wurden.
(Trichterling, Ritterling usw.)
Ausnahmen sind dabei natürlich Namen wie Steinpilz.

In Frankreich wurden anscheinend einfach die lateinischen
Namen übernommen.

MH

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Boris, (vor 9874 Tagen) @ MH

Moin !
was kam eigentlich zuerst:
die lateinischen oder die deutschen Arten-
bezeichnungen für Pilze.

Hi! Deutsche Namen gab es vorher, aber nur wenige und nicht immer das was man sich heute darunter vorstellt, so war "Maipilz" z.B. der gaengige Name fuer die Morcheln. Nach Einfuehrung der Botanischen Artnamen wurden die deutschen Namen simultan immer mehr verfeinert und angeglichen. Zum Teil hinken die deutschen Namen etwas hinterher, so sagt wohl niemand "Mai-Schoenkopf" fuer diese Art die lange bei den Ritterlingen.

Versteht mich nicht falsch, das botanische System ist eine grossartige Sache, und ich finde es gut wenn Monstergattungen (Boletus, Cortinarius..) auf eine handliche Groesse zurechtgestutzt werden. Aber wenn irgendwelche ruhmgierigen Forscher irgendwelche halbdefinierten Namen in verstaubten Buechern suchen und anschliessend arrogant alle etablierten Namen ueber den Haufen werfen so dass immer wieder Verwirrung die Verwirrung vergroessert wird anstatt gesenkt, dann ist das meiner Meinung ein Missbrauch der Nomenklaturregeln. Auch monotypische Gattungen mag ich nicht besonders da diese keine Aussagekraft haben. Fries hatte z.B. Klapperschwamm, Eichhase und Riesenporling noch in der Gattung Grifola stehen. Und wenn ein Pilz wie die Fruehjahrslorchel, der schon unzaehlige Todesfaelle verursacht hat, nur der Buerokratie wegen schon jahrzehntelang als essbar bezeichnet allein der Buerokratie wegen, so halte ich das fuer fahrlaessige Toetung und geradezu kriminell!

"Wer den Hund kauft, kauft auch die Floehe"
Eddie Murphie in "Ein ehrenwerter Gentleman"

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Werner, (vor 9874 Tagen) @ Boris

Moin !
was kam eigentlich zuerst:
die lateinischen oder die deutschen Arten-
bezeichnungen für Pilze.

Hi! Deutsche Namen gab es vorher, aber nur wenige und nicht immer das was man sich heute darunter vorstellt, so war "Maipilz" z.B. der gaengige Name fuer die Morcheln. Nach Einfuehrung der Botanischen Artnamen wurden die deutschen Namen simultan immer mehr verfeinert und angeglichen. Zum Teil hinken die deutschen Namen etwas hinterher, so sagt wohl niemand "Mai-Schoenkopf" fuer diese Art die lange bei den Ritterlingen.
Versteht mich nicht falsch, das botanische System ist eine grossartige Sache, und ich finde es gut wenn Monstergattungen (Boletus, Cortinarius..) auf eine handliche Groesse zurechtgestutzt werden. Aber wenn irgendwelche ruhmgierigen Forscher irgendwelche halbdefinierten Namen in verstaubten Buechern suchen und anschliessend arrogant alle etablierten Namen ueber den Haufen werfen so dass immer wieder Verwirrung die Verwirrung vergroessert wird anstatt gesenkt, dann ist das meiner Meinung ein Missbrauch der Nomenklaturregeln. Auch monotypische Gattungen mag ich nicht besonders da diese keine Aussagekraft haben. Fries hatte z.B. Klapperschwamm, Eichhase und Riesenporling noch in der Gattung Grifola stehen. Und wenn ein Pilz wie die Fruehjahrslorchel, der schon unzaehlige Todesfaelle verursacht hat, nur der Buerokratie wegen schon jahrzehntelang als essbar bezeichnet allein der Buerokratie wegen, so halte ich das fuer fahrlaessige Toetung und geradezu kriminell!
"Wer den Hund kauft, kauft auch die Floehe"
Eddie Murphie in "Ein ehrenwerter Gentleman"

Hallo Boris,

treffender kann man die Nomenklatur nicht
beschreiben.
Danke für Deinen umfassenden Beitrag!
Ciao
Werner

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Thomas Pruß, (vor 9873 Tagen) @ Werner

Moin Leute,

Soo einfach kann man es sich mit der Nomenklatur nicht machen. Mag ja sein, dass es sehr verwirrend ist, wenn sich der lateinische Neme einer Familie, Gattung oder Art alle naslang ändert. Es ändert aber nichts daran, dass damit – zumindest in der Fachwelt – für Klarheit gesorgt wird.
Ein Beispiel aus der Fischwelt:
Euch allen dürfte die Regenbogenforelle bekannt sein. Diese Art trug über ein Jahrhundert lang den Namen SALMO IRIDEUS bzw. SALMO GAIRDNERI. Damit waren fast alle zufrieden, nur einige Leute nicht, die sich wunderten, warum sich die Regenbogenforelle z. B. nicht mit der Bachforelle kreuzen ließ (Nebenbemerkung: Die ganze Forellensippschaft beherbergt noch einige recht junge Arten, die man gelegentlich, wenn auch nicht unbedingt fruchtbar, untereinander kreuzen kann).
Vor etwa 10 oder 15 Jahren dann kam die Wende in der Namensgebung. Da wurden nämlich vergleichende genetische Untersuchungen angestellt zwischen den Regenbogenforellen (in Amerika gibt es zwei Arten) und den pazifischen Lachsen der Gattung ONCORHYNCHUS). Diese Untersuchungen klappten vorher aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten nicht. Der Erfolg: Die Regenbogenforelle mußte komplett umgetauft werden, weil sich einfach zu viele Parallelen mit diesen Lachsen ergaben. Heute heißt sie ONCORHYNCHUS MYKISS.
Ihr seht, das duale Namenssystem der Systematiker ist nicht statisch, sondern äußerst dynamisch. Wenn sich also neue Erkenntnisse über eine Art ergeben, MUSS sie sogar in einen neuen systematischen Zusammenhang gestellt werden.
Und was die Lorchel angeht: Nicht alles, was essbar heißt, muss auch essbar sein, bzw. appetitlich. Oder wer würde (ausser mir) den Seeigel essen, nur weil er auf lateinisch ECHINUS ESCULENTA heisst. Essen kann man bei ihm nur die Männchen und zwar deren Hoden. Naa, ist das vielleicht appetitlich?
Ausblick: In den kommenden Jahren werden wir noch viel stärker mit Veränderungen in der Noemklatur rechnen müssen: Auf der genetischen Ebene werden entsprechende vergleichende Untersuchungen dafür sorgen.

Grüße

Thomas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Boris, (vor 9873 Tagen) @ Thomas Pruß

Moin Leute,
Soo einfach kann man es sich mit der Nomenklatur nicht machen. Mag ja sein, dass es sehr verwirrend ist, wenn sich der lateinische Neme einer Familie, Gattung oder Art alle naslang ändert. Es ändert aber nichts daran, dass damit – zumindest in der Fachwelt – für Klarheit gesorgt wird.
Ein Beispiel aus der Fischwelt:
Euch allen dürfte die Regenbogenforelle bekannt sein. Diese Art trug über ein Jahrhundert lang den Namen SALMO IRIDEUS bzw. SALMO GAIRDNERI. Damit waren fast alle zufrieden, nur einige Leute nicht, die sich wunderten, warum sich die Regenbogenforelle z. B. nicht mit der Bachforelle kreuzen ließ (Nebenbemerkung: Die ganze Forellensippschaft beherbergt noch einige recht junge Arten, die man gelegentlich, wenn auch nicht unbedingt fruchtbar, untereinander kreuzen kann).
Vor etwa 10 oder 15 Jahren dann kam die Wende in der Namensgebung. Da wurden nämlich vergleichende genetische Untersuchungen angestellt zwischen den Regenbogenforellen (in Amerika gibt es zwei Arten) und den pazifischen Lachsen der Gattung ONCORHYNCHUS). Diese Untersuchungen klappten vorher aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten nicht. Der Erfolg: Die Regenbogenforelle mußte komplett umgetauft werden, weil sich einfach zu viele Parallelen mit diesen Lachsen ergaben. Heute heißt sie ONCORHYNCHUS MYKISS.
Ihr seht, das duale Namenssystem der Systematiker ist nicht statisch, sondern äußerst dynamisch. Wenn sich also neue Erkenntnisse über eine Art ergeben, MUSS sie sogar in einen neuen systematischen Zusammenhang gestellt werden.
Und was die Lorchel angeht: Nicht alles, was essbar heißt, muss auch essbar sein, bzw. appetitlich. Oder wer würde (ausser mir) den Seeigel essen, nur weil er auf lateinisch ECHINUS ESCULENTA heisst. Essen kann man bei ihm nur die Männchen und zwar deren Hoden. Naa, ist das vielleicht appetitlich?
Ausblick: In den kommenden Jahren werden wir noch viel stärker mit Veränderungen in der Noemklatur rechnen müssen: Auf der genetischen Ebene werden entsprechende vergleichende Untersuchungen dafür sorgen.

Sorry, deine Argumentation ist nicht ganz wasserdicht. Kreuzbarkeit ist KEIN Kriterium zur Artabgrenzung.

Ich habe mich lange Jahre mit Orchideen beschäftigt, faszinierende Lebewesen mit einer gewaltigen genetischen Anpassungsfähigkeit an alles außer Biotopvernichtung. Die Orchideen sind eine sehr junge Familie, und kreuzen sich wild und leidenschaftlich nicht nur innerhalb ihrer Gattung, sondern auch über Gattungsgrenzen hinweg.

Bastarde Orchis x Anacamptis, Nigritella x Gymnadenia, Orchis x Serapias etc. sind nicht selten, dennoch handelt es sich um verschiedene Gattungen, schon allein wegen dem völlig abweichenden Blütenbau.

Würde man die Gattungen aufgrund genetischer Untersuchungen aufstellen, würde die hochveränderliche Familie der Orchideen wohl in eine unbestimmbare Zahl von Kleinarten aufspalten, die sich zudem ständig verschieben. So sieht das Fuchs-Knabenkraut dem Gefleckten Knabenkraut täuschend ähnlich, ist aber wohl ein Mutant mit unterschiedlicher Chromosomenzahl.

Und was die Frühjahrslorchel betrifft: Ich vertrete generell die Meinung, dass die Wissenschaft für den Menschen da sein sollte und nicht umgekehrt. Wenn Wissenschaftler, die sonst keine Skrupel haben alles umzubenennen, den möglichen Verlust von Menschenleben ihrer eigenen selbstgemachten Bürokratie vorziehen, so ist das meiner Meinung nach einfach nur ein Mißstand der jedem gesunden Menschenverstand widerspricht und zu bekämpfen ist.

cu, Boris

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Kerstin, (vor 9873 Tagen) @ Boris

Moin Leute,
Soo einfach kann man es sich mit der Nomenklatur nicht machen. Mag ja sein, dass es sehr verwirrend ist, wenn sich der lateinische Neme einer Familie, Gattung oder Art alle naslang ändert. Es ändert aber nichts daran, dass damit – zumindest in der Fachwelt – für Klarheit gesorgt wird.
Ein Beispiel aus der Fischwelt:
Euch allen dürfte die Regenbogenforelle bekannt sein. Diese Art trug über ein Jahrhundert lang den Namen SALMO IRIDEUS bzw. SALMO GAIRDNERI. Damit waren fast alle zufrieden, nur einige Leute nicht, die sich wunderten, warum sich die Regenbogenforelle z. B. nicht mit der Bachforelle kreuzen ließ (Nebenbemerkung: Die ganze Forellensippschaft beherbergt noch einige recht junge Arten, die man gelegentlich, wenn auch nicht unbedingt fruchtbar, untereinander kreuzen kann).
Vor etwa 10 oder 15 Jahren dann kam die Wende in der Namensgebung. Da wurden nämlich vergleichende genetische Untersuchungen angestellt zwischen den Regenbogenforellen (in Amerika gibt es zwei Arten) und den pazifischen Lachsen der Gattung ONCORHYNCHUS). Diese Untersuchungen klappten vorher aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten nicht. Der Erfolg: Die Regenbogenforelle mußte komplett umgetauft werden, weil sich einfach zu viele Parallelen mit diesen Lachsen ergaben. Heute heißt sie ONCORHYNCHUS MYKISS.
Ihr seht, das duale Namenssystem der Systematiker ist nicht statisch, sondern äußerst dynamisch. Wenn sich also neue Erkenntnisse über eine Art ergeben, MUSS sie sogar in einen neuen systematischen Zusammenhang gestellt werden.
Und was die Lorchel angeht: Nicht alles, was essbar heißt, muss auch essbar sein, bzw. appetitlich. Oder wer würde (ausser mir) den Seeigel essen, nur weil er auf lateinisch ECHINUS ESCULENTA heisst. Essen kann man bei ihm nur die Männchen und zwar deren Hoden. Naa, ist das vielleicht appetitlich?
Ausblick: In den kommenden Jahren werden wir noch viel stärker mit Veränderungen in der Noemklatur rechnen müssen: Auf der genetischen Ebene werden entsprechende vergleichende Untersuchungen dafür sorgen.

Sorry, deine Argumentation ist nicht ganz wasserdicht. Kreuzbarkeit ist KEIN Kriterium zur Artabgrenzung.
Ich habe mich lange Jahre mit Orchideen beschäftigt, faszinierende Lebewesen mit einer gewaltigen genetischen Anpassungsfähigkeit an alles außer Biotopvernichtung. Die Orchideen sind eine sehr junge Familie, und kreuzen sich wild und leidenschaftlich nicht nur innerhalb ihrer Gattung, sondern auch über Gattungsgrenzen hinweg.
Bastarde Orchis x Anacamptis, Nigritella x Gymnadenia, Orchis x Serapias etc. sind nicht selten, dennoch handelt es sich um verschiedene Gattungen, schon allein wegen dem völlig abweichenden Blütenbau.
Würde man die Gattungen aufgrund genetischer Untersuchungen aufstellen, würde die hochveränderliche Familie der Orchideen wohl in eine unbestimmbare Zahl von Kleinarten aufspalten, die sich zudem ständig verschieben. So sieht das Fuchs-Knabenkraut dem Gefleckten Knabenkraut täuschend ähnlich, ist aber wohl ein Mutant mit unterschiedlicher Chromosomenzahl.
Und was die Frühjahrslorchel betrifft: Ich vertrete generell die Meinung, dass die Wissenschaft für den Menschen da sein sollte und nicht umgekehrt. Wenn Wissenschaftler, die sonst keine Skrupel haben alles umzubenennen, den möglichen Verlust von Menschenleben ihrer eigenen selbstgemachten Bürokratie vorziehen, so ist das meiner Meinung nach einfach nur ein Mißstand der jedem gesunden Menschenverstand widerspricht und zu bekämpfen ist.
cu, Boris

Hallo Ihr,

jetzt will ich mich doch auch nocheinmal in diese
diskussion einschalten. Ich war ganz froh über
den Beitrag von Thomas - der ist nicht so emotionsgeladen.
Sich bei der Einschätzung der Eßßbarkeit von Pilzen
und anderen Organismen allein auf den Namen zu
verlassen, halte ich für recht naiv - auch glaub ich nicht
daran, dass das tatsächlich vorkommt, wo doch hier die Leute
schon vor steinpilzen zrückschrecken, weil sie sie nicht
erkennen. (Dennoch wäre eine umbenennung beim Frühjahrslorchel
sicher angebracht).
Jetzt aber noch was zur sog. Buerokratie: Es geh den Taxonomen
bei ihrer, zugegeben etwas analen, Arbeit nicht um Ruhm und schon
garnicht um Geld - mit Taxomnomie ist hierzulande
- und sicher auch anderswo - kein Pfifferling zu verdienen! Es geht
um das Bestreben, dem natürlichen System der Organismen auf die Spur
zu kommen. Die Konfusion ist dabei natürlich groß, denn oft trügt der
Augenschein. Ob allerdings die Genetik der Weisheit letzter Schluss ist,
bleibt abzuwarten.

Ich finde man sollte cool bleiben:
Für die allgemeine Pilzlust reichen ja doch weiterhin die deutschen Namen -
wenn sich auch die Wissenschaft damit nicht zufrieden geben kann.

Gruß

Kerstin

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Cool bleiben!

Boris, (vor 9873 Tagen) @ Kerstin

Ich finde man sollte cool bleiben:
Für die allgemeine Pilzlust reichen ja doch weiterhin die deutschen Namen -
wenn sich auch die Wissenschaft damit nicht zufrieden geben kann.

Bitte vielmals um Entschuldigung, Kerstin wenn ich mich manchmal hinreißen lasse. Aber nach zehn Jahren Vogonischer Poesie und Umgang mit Leuten, die meinen sie sind was besseres nur weil sie ein einziges kleines eng umgrenztes Fachgebiet gemeistert haben, aber ansonsten kreuzdumm auf allen anderen sind, reagiere ich manchmal etwas empfindlich.

Ich mag die Tendenz, daß sich Wissenschaft in ihren eigenen selbstgemachten Elfenbeinturm zurückzieht und sich mit niemanden mehr berät, außer sich selbst, überhaupt nicht. Genausowenig mag ich die Herablassung beim Erwähnen sog. "Populärwissenschaftlicher Bücher" (schon allein diese Bezeichnung spricht für sich). Oft sind nämlich gerade diese farbenfroh, liebevoll gemachten Bücher die Besten ihrer Art, mit "Gödel, Escher, Bach" zum Beispiel, einem der besten Bücher zum Thema Theoretische Informatik und Interdisziplinärem Denken, hätte ich locker mein Vordiplom bestanden.

SOLCHE Literatur findet man nicht in den Fachbereichsbibliotheken, wenn überhaupt stehen sie beim Prof im Schrank, wo sie wohl heimlich darin blättern - wenn's keiner sieht! :-)

Wie mir mal ein Bekannter sagte, ist das Problem bei den Universitäten daß sie der natürlichen Evolution entzogen sind, nur noch von ihrer eigenen Inzucht leben. Auf dem freien Markt hätte Vogonische Dichtkunst wohl keine Überlebenschance... ;-)

Gruß, Boris

Generalist: Jemand der viel über vieles weiß und immer weniger über immer mehr weiß, bis er schließlich nichts über alles weiß.

Spezialist: Jemand der viel über wenig weiß und immer mehr über immer weniger weiß, bis er schließlich alles über nichts weiß.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Cool bleiben!

Thomas Pruß, (vor 9873 Tagen) @ Boris

Ich finde man sollte cool bleiben:
Für die allgemeine Pilzlust reichen ja doch weiterhin die deutschen Namen -
wenn sich auch die Wissenschaft damit nicht zufrieden geben kann.

Bitte vielmals um Entschuldigung, Kerstin wenn ich mich manchmal hinreißen lasse. Aber nach zehn Jahren Vogonischer Poesie und Umgang mit Leuten, die meinen sie sind was besseres nur weil sie ein einziges kleines eng umgrenztes Fachgebiet gemeistert haben, aber ansonsten kreuzdumm auf allen anderen sind, reagiere ich manchmal etwas empfindlich.
Ich mag die Tendenz, daß sich Wissenschaft in ihren eigenen selbstgemachten Elfenbeinturm zurückzieht und sich mit niemanden mehr berät, außer sich selbst, überhaupt nicht. Genausowenig mag ich die Herablassung beim Erwähnen sog. "Populärwissenschaftlicher Bücher" (schon allein diese Bezeichnung spricht für sich). Oft sind nämlich gerade diese farbenfroh, liebevoll gemachten Bücher die Besten ihrer Art, mit "Gödel, Escher, Bach" zum Beispiel, einem der besten Bücher zum Thema Theoretische Informatik und Interdisziplinärem Denken, hätte ich locker mein Vordiplom bestanden.
SOLCHE Literatur findet man nicht in den Fachbereichsbibliotheken, wenn überhaupt stehen sie beim Prof im Schrank, wo sie wohl heimlich darin blättern - wenn's keiner sieht! :-)
Wie mir mal ein Bekannter sagte, ist das Problem bei den Universitäten daß sie der natürlichen Evolution entzogen sind, nur noch von ihrer eigenen Inzucht leben. Auf dem freien Markt hätte Vogonische Dichtkunst wohl keine Überlebenschance... ;-)
Gruß, Boris

Generalist: Jemand der viel über vieles weiß und immer weniger über immer mehr weiß, bis er schließlich nichts über alles weiß.
Spezialist: Jemand der viel über wenig weiß und immer mehr über immer weniger weiß, bis er schließlich alles über nichts weiß.

Hallo Boris,
Du hast recht, dass meine Argumentation nicht ganz wasserdicht war, aber ich hab die Kreuzbarkeit nur als ein Beispiel von vielen herangezogen.
Was Du als Orchideenzüchter mit Deinen Orchis erlebt hast, erleben die Ichthyologen mit den Lachsartigen und hier in Sonderheit mit den Coregonen, die Du wohl eher als Felchen kennst (Blaufelchen im Bodensee). Was diese Fischarten so mit- und untereinander treiben – ich sach dir: Sodom und Gommorrha! Einen Coregonenspezialisten erkennst Du an seinen in jungen Jahren grau gewordenen Haar…;-)

Du hast recht: Jemand, der meint, er hätte den Schlüssel zur Welt in der Hand, weil er sich mit irgendwelchen Itzibistziwinzwürgarten auseinandersetzt, dabei die Scheuklappen auf hat und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, so jemand gehört auf den Topf gesetzt!
Nichtsdestotrotz: Bei der Geschwindigkeit, mit der sich unser Wissen heutzutage vermehrt, hat man als Generalist keine Chance. Nicht, weil man dieses Wissen nicht begreifen würde, sondern einfach deshalb, weil es unmöglich ist, alle Informationen zu sammeln, zu fassen und auszuwerten. Dazu ist die Lebensspanne einfach zu kurz. Zwangsweise muß man sich spezialisieren – aber eben so, dass man immer noch über den Tellerrand gucken sollte.
Ich versuche es: Zwar bin ich Redakteur in einer Anglerzeitung, bin begeisterter Angler und kenne mich mit Fischen hervorragend aus (muß ich ja!), aber ich versuche ebenso bei den Pilzen auf dem Laufenden zu bleiben, blicke auch mal gen Himmel und besuche die SETI-Seiten, grabe mich durch Chemie, (Astro-)Physik, Bodenkunde und weiß der Henker was noch alles. Der Erfolg: s. Deine Definition eines Generalisten.
Aber es macht Spaaaß :-)))) – und das ist mir am wichtigsten. Dabei ist es mir dann auch mal herzlich gleichgültig, welche Namen die Elefenbeinturmbewohner welchem Pilz und welchem Fisch geben, solange ICH weiß, um was es geht.
Sag’ mal, was sind eigentlich Vogonen?

Gruß Thomas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Cool bleiben!

Boris, (vor 9873 Tagen) @ Thomas Pruß

Du hast recht: Jemand, der meint, er hätte den Schlüssel zur Welt in der Hand, weil er sich mit irgendwelchen Itzibistziwinzwürgarten auseinandersetzt, dabei die Scheuklappen auf hat und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, so jemand gehört auf den Topf gesetzt!
Nichtsdestotrotz: Bei der Geschwindigkeit, mit der sich unser Wissen heutzutage vermehrt, hat man als Generalist keine Chance. Nicht, weil man dieses Wissen nicht begreifen würde, sondern einfach deshalb, weil es unmöglich ist, alle Informationen zu sammeln, zu fassen und auszuwerten. Dazu ist die Lebensspanne einfach zu kurz. Zwangsweise muß man sich spezialisieren – aber eben so, dass man immer noch über den Tellerrand gucken sollte.
Ich versuche es: Zwar bin ich Redakteur in einer Anglerzeitung, bin begeisterter Angler und kenne mich mit Fischen hervorragend aus (muß ich ja!), aber ich versuche ebenso bei den Pilzen auf dem Laufenden zu bleiben, blicke auch mal gen Himmel und besuche die SETI-Seiten, grabe mich durch Chemie, (Astro-)Physik, Bodenkunde und weiß der Henker was noch alles. Der Erfolg: s. Deine Definition eines Generalisten.
Aber es macht Spaaaß :-)))) – und das ist mir am wichtigsten. Dabei ist es mir dann auch mal herzlich gleichgültig, welche Namen die Elefenbeinturmbewohner welchem Pilz und welchem Fisch geben, solange ICH weiß, um was es geht.
Sag’ mal, was sind eigentlich Vogonen?
Gruß Thomas

Siehe Douglas Adams' geniale Satiren. Als Wissenschaftskritiker und Bürokratiehasser aus Leidenschaft zitiere ich recht gerne aus den Büchern dieses Autors. Siehe auch die Literaturhinweise auf meiner Seite unter
http://www.grin.net/~cturley/Boris/Me/books.html

"Vogonische Bauflotten. Was muss man tun, wenn man von einem Vogonen als Anhalter mitgenommen werden möchte? Man kann es sich aus dem Kopf schlagen. Sie sind eine der unausstehlichsten Rassen in der Galaxis - nicht direkt böse, aber mies gelaunt, bürokratisch, aufdringlich und gefühllos. Sie würden nicht mal den kleinen Finger rühren, um ihre eigene Grossmutter vor dem Gefrässigen Plapperkäfer von Traal zu retten, ohne dass Anweisungen in dreifacher Ausfertigung unterschrieben, eingereicht, zurückgereicht, beanstandet, verloren, gefunden, einer öffentlichen Untersuchung unterworfen, wieder verloren und schliesslich drei Monate in weichen Torf gesteckt und als Feueranzuender wiederverwendet werden.
Der beste Weg von einem Vogonen einen Drink zu kriegen, ist ihm den Finger in den Schlund zu stecken, und der beste Weg, ihn zu ärgern, ist seine Grossmutter an den Gefrässigen Plapperkäfer von Traal zu verfüttern."

Douglas Adams, "Per Anhalter durch die Galaxis", Buch I

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Bruno, (vor 9873 Tagen) @ Kerstin

Guten Morgen,
ich wollte mich ja garnicht in die Diskussion einmischen.Die Diskussion über Artenabgrenzungen füllt sicher mehr als ein Forum in kürzester Zeit.
Wenn es aber zur Abstimmung kommen sollte, stimme ich gern Kerstin und Thomas zu.
Boris, das Beispiel zu den Orchideen liegt weiter zurück als der Stand von Thomas.
Und die Diskussion könnte wissenschaftstheoretisch abstrakt werden.
Deshalb:
Thomas beschreibt einen Fall aus dem "natürlichen System": d.h. die Einbeziehung ALLER bekannten Merkmale. Und hier kam in Folge der Gen-Untersuchungen ein neues hinzu, das halt zur Umschlüsselung der alten führte. Ganz einfach.
Und wenn ich Dein System nehm, Boris, so ungefähr verkürz ich das : mehr als die Nominatform brauch ich nicht, da sich alles wild durcheinander kreuzt. Dann hast Du Dein künstliches System. Bei den Orchideen speziell. Und ein paar andere, vielleicht die gute alte Pfefferminze. Und künstliche Systeme gibts genug.
Da brauchst Du nicht lang zu suchen.
Dann könnt Ihr noch darüber streiten, wessen System dem jeweiligen Geschmack am nächsten kommt.

Aber die allgemeine hierarchische Ordnung der Systematik, über die auf der ganzen Welt Konsens besteht, wird es nicht stören, denn gerade sie ist generalistisch und offen. Der künstliche Ansatz von Dir, Boris, führt nur dazu, so einen von Dir gern kritisierten Elfenbeinturm zu errichten.
Wenn es viele Neubenennungen und Synonyme gab, gibt, und geben wird, dann ist das nicht ein Manko der Systematik, sondern ein Problem des Informationsaustausch. Vielleicht wird es mit einem weiterentwickelten Internet mal besser...
Bruno

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

MH, (vor 9874 Tagen) @ Boris

Moin !

Wieso wurde die Frühjahrslorchel aus bürokratischen
Gründen als eßbar bezeichnet ?
Gehörte sie einer Gattung an, in der alle anderen
Arten eßbar sind ?

Ich halte es auch für ziemlich verwirrend, wenn sich
die lateinischen Namen alle Jahre wieder ändern.
Während sich bei Pflanzen (wenn man Pilze und Pflanzen trennt)
die lateinischen Namen trotzdem noch eindeutiger
bleiben als die deutschen (z.B. Hainbuche),
sind bei Pilzen die deutschen Bezeichnungen mindestens
ebenso eindeutig.

Gruß MH

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Boris, (vor 9874 Tagen) @ MH

Moin !

Abend!

Wieso wurde die Frühjahrslorchel aus bürokratischen
Gründen als eßbar bezeichnet ?

Gyromitra esculenta = Speiselorchel (esculentus=eßbar)

Hier ist ausnahmsweise mal die deutsche Namensgebung schneller geändert worden als die lateinische. :-)

Wenn jemand des Lateinischen mächtig ist und diese Art mit Genuß verspeist - na dann Gute Nacht! :-P

Gehörte sie einer Gattung an, in der alle anderen
Arten eßbar sind ?

Mittlerweile ist das Gegenteil der Fall. Vom Genuß aller Lorcheln der Gattung Gyromitra wird heutzutage abgeraten, aber Gyromitra esculenta ist die giftigste aller europäischen Arten (!).

Ich halte es auch für ziemlich verwirrend, wenn sich
die lateinischen Namen alle Jahre wieder ändern.
Während sich bei Pflanzen (wenn man Pilze und Pflanzen trennt)
die lateinischen Namen trotzdem noch eindeutiger
bleiben als die deutschen (z.B. Hainbuche),
sind bei Pilzen die deutschen Bezeichnungen mindestens
ebenso eindeutig.

Stimmt!

Aloha, Boris

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

MH, (vor 9874 Tagen) @ Boris

Friesisches Moin !

Jetzt erinner´ ich mich auch wieder daran -
steht ja auch in den meisten Pilzbüchern, daß
der lateinische Name verwirrend ist.

Gruß MH

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Mark Obrembalski, (vor 9874 Tagen) @ Boris

Gyromitra esculenta = Speiselorchel (esculentus=eßbar)
Hier ist ausnahmsweise mal die deutsche Namensgebung schneller geändert worden als die lateinische. :-)
Wenn jemand des Lateinischen mächtig ist und diese Art mit Genuß verspeist - na dann Gute Nacht! :-P

Vielleicht sollte mensch Warnhinweise an den Türen humanistischer Gymnasien anbringen:

"Der Pilzberater warnt: Lateinkenntnisse schaden der Gesundheit."

Love and Peace,
Mark

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Mark Obrembalski, (vor 9874 Tagen) @ MH

Während sich bei Pflanzen (wenn man Pilze und Pflanzen trennt)
die lateinischen Namen trotzdem noch eindeutiger
bleiben als die deutschen (z.B. Hainbuche),
sind bei Pilzen die deutschen Bezeichnungen mindestens
ebenso eindeutig.

Allerdings auch nicht immer. Für die verschiedenen Hallimasch-Arten, die inzwischen vom gewöhnlichen abgegrenzt werden, gibt es AFAIK noch keine deutschen Namen.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

Markus H., (vor 9873 Tagen) @ MH

Ich halte es auch für ziemlich verwirrend, wenn sich
die lateinischen Namen alle Jahre wieder ändern.
Während sich bei Pflanzen (wenn man Pilze und Pflanzen trennt)
die lateinischen Namen trotzdem noch eindeutiger
bleiben als die deutschen (z.B. Hainbuche),
sind bei Pilzen die deutschen Bezeichnungen mindestens
ebenso eindeutig.
Gruß MH

Hallo MH !

Ich versteh den Vergleich mit der Hainbuche nicht.
Gerade bei den Gehölzen wurden ja die lateinischen Namen oft genug verändert.

Grüße
Markus H.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

MH, (vor 9872 Tagen) @ Markus H.

Hallo Markus,

Ich versteh den Vergleich mit der Hainbuche nicht.
Gerade bei den Gehölzen wurden ja die lateinischen Namen oft genug verändert.

Die Hainbuche ist nicht mit der Buche verwandt, sondern mit den
Birken. Der deutsche Name ist daher verwirrend.
Bei vielen anderen (nicht pilzartigen) Pflanzen ist
das ebenfalls der Fall, viele haben sogar mehrere duetsche
Namen, oder ein deutscher Name kann für mehrere Arten benutzt
werden (z.B. Flieder= Flieder und Hollunder) so daß man häufig
die lateinischen Namen verwenden muß, um einigermaßen
eideutig eine Art zu bezeichnen.

Gruß MH
muß um einigermaßen eindeutig

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Nomenklatur

felix, (vor 9873 Tagen) @ MH

Moin !
was kam eigentlich zuerst:
die lateinischen oder die deutschen Arten-
bezeichnungen für Pilze.
Wenn es zuerst die deutschen waren, ist es doch
verwunderlich, daß die Arten überwiegend
richtig einer Verwandtschaft zugeordnet wurden.
(Trichterling, Ritterling usw.)
Ausnahmen sind dabei natürlich Namen wie Steinpilz.
In Frankreich wurden anscheinend einfach die lateinischen
Namen übernommen.
MH

Die lateinischen Bezeichnungen haben schon einen guten Grund: Man kann nämlich im Gegensatz zu den deutschen Namen eine genaue Zuordnung treffen. Die Systematik nach Dörfelt in der Mykologie ist so gut aufgebaut, dass man genau sehen kann welche Pilze eng miteinander verwandt sind.
(übrigens ist der erste Name für die Gattung, der zweite für die Art)
Ansicht des syst. Aufbaues lohnt!!

grüße felix