Frage zu weißer Amanita *PIC*

Melli, (vor 4778 Tagen)

Hallo zusammen,

meine Mann hat gestern zwei Exemplare einer weißen Amanita angeschleppt, die ich schwer einordnen kann. Recht große, dickfleischige Pilze, große häutige Scheide, ein ziemlich flüchtiger Ring, der bei dem einen Exemplar eher als abgerissene Fetzen am Hutrand hing. Gefunden am ziemlich sonnenbeschienen Waldrand, in der Nähe Eichen, Kiefern und Buchen. Grüne Knollenblätterpilze gab es auch in der Ecke, deshalb dachte ich zunächst an die weiße Form davon, aber dafür fehlt zum einen völlig der typische Geruch grüner Knollis (die "echten" grünen hatten den sehr deutlich) und zum zweiten ist der Stiel überhaut nicht genattert. Amanita strobiliformis scheidet wegen des völlig seidenglatten Hutes und auch der großen häutigen Scheide aus. Könnte das ein Eier-Wulstling (Amanita ovoidea) sein??? Oder eventuell ein Gilberts Wulstling (Amanita gilbertii)??? Beide habe ich noch nie gesehen, beide sind ja eher im warmen Süden zuhause - aber eine warme Ecke war der Fundort immerhin. Oder ist hier der Wunsch Vater des Gedanken und es handelt sich um eine ganz "banale" Amanita-Art, auf die ich gerade einfach nicht komme...?

Anbei ein paar Fotos, leider nicht vom Standort; auf dem letzten Bild zum Vergleich die gefundenen grünen Knollis.

Herzliche Grüße
Melanie

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Re: Frage zu weißer Amanita

Andreas ⌂, (vor 4778 Tagen) @ Melli

Hallo Melanie,

schwer zu sagen. Im Prinzip würde ich zuerst an Albinos vom Grünen Knolli denken. Tanja hat mir heute auch berichtet, dass dieses Jahr in jena die Grünen Knollis alle "komisch" aussehen: Keine erkennbare Natterung, Farbe oft eher wie Gelber Knolli, allerdings mit Knolli-Geruch.
Amanita ovoidea kann man meiner Meinung nach ausscheiden. Der müßte reichlich flockiges Velum am Hutrand haben. Und zwar reichlich Velum ZUSÄTZLICH zum Ring. Deine Pilze haben zwar Velumreste am Hutrand, aber das sind Teile des Rings, der ja nur in Resten am Stiel zurückgeblieben ist.
Fransen-Wulstling kann gar nicht sein wegen der Volva alleine schon.

Mögliche Hinweise könnte geben, sich die Sporen mal im Mikroskop anzuschauen. Des weiteren könntet ihr mal den Wieland-Test durchführen. Also den Amanitin-Nachweis. Der gibt zwar sehr häufig falsch-positive Resultate, allerdings innerhalb der Gattung Amanita soll er recht zuverlässig sein.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Frage zu weißer Amanita

zuehli ⌂, (vor 4777 Tagen) @ Melli

Hallo Melanie,

ich würde das als Amanita phalloides var. alba einordnen. Ich habe auch eine Fundstelle, wo ein paar Meter weiter die normal Form wächst.

Guckst Du hier:

Gruß
Harald

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Re: Frage zu weißer Amanita

Melli, (vor 4777 Tagen) @ Melli

Hallo Andreas und Harald,

vielen Dank für eure Einschätzung!

Den Tipp, doch mal den Amanitin-Test nach Wieland auszuprobieren, will ich unbedingt aufgreifen, sowohl die eindeutigen grünen Knollis als auch die fraglichen weißen lagern immer noch in meinem Kühlschrank (mit Warnschild für die Kinder...). Die Umsetzung scheitert bisher daran, dass ich nirgends 10 - 20%ige Salzsäure auftreiben kann. Bei drei Apotheken komplette Fehlanzeige, eine vierte könnte mir einen Liter bestellen, aber ein bisschen weniger wäre mir natürlich lieber.

So ganz mag ich mich nämlich noch nicht mit der weißen Form des grünen Knollis abfinden, in erster Linie deshalb, weil der Geruch wirklich völlig fehlt. Die "richtigen" grünen hatten den schon am Samstag beim Sammeln und haben ihn jetzt noch, das Kunsthonig-Aroma geht langsam ins Raubtierhaus über, aber die zwei weißen Gesellen duften beharrlich nach nichts. Und die waren beim Sammeln weder zu jung noch zu alt, hatten weder Trocken- noch Frostschäden, ich habe gerade keinen Schnupfen und keine sontigen Riechprobleme und mag einfach nicht einsehen, warum weiße grüne Knollis nach gar nix riechen sollen.

Aber ich habe schon öfters was Exotisches zu finden geglaubt, was sich nachher doch nur als eigenwilliges untypisches Exemplar einer Allerweltsart herausgestellt hat, die sich einfach nur nicht an die Merkmale aus den Büchern halten wollte. Insofern ist mir bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass ihr mit eurem Tipp Recht habt. Vielleicht klappt das ja noch mit der Salzsäure, ich wäre sehr gespannt darauf, das mal mit den beiden unterschiedlichen Gesellen auszuprobieren.

Herzliche Grüße
Melanie

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Re: Frage zu weißer Amanita

Huperzia ⌂, (vor 4777 Tagen) @ Andreas

Hallo Melanie,
Tanja hat mir heute auch berichtet, dass dieses Jahr in jena die
Grünen Knollis alle "komisch" aussehen: Keine erkennbare
Natterung, Farbe oft eher wie Gelber Knolli, allerdings mit Knolli-Geruch.

...das waren doch gelbe Knollis. Mit süßlichem fast honigartigem Geruch - aber heute hatte ich welche mit Hüllresten. Sind ansonsten recht grün-ähnlich.
An meinen Knollistellen waren im Knolli-Jahr die Albinos übrigens meist um einiges stämmiger als die normal gefärbten.

VG, Tanja

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Re: Frage zu weißer Amanita

Andreas ⌂, (vor 4776 Tagen) @ Melli

Hallo Melli,

wichtig wäre auch die KOH-Reaktion auf dem Hut. Falls Du also KOH ab 20% aufwärts zur Hand hast .... Notfalls halt auch 3%ige.
Der Wieland-Test müßte eigentlicha uch mit schwächerer Salzsäure funktionieren. Falls Du also zum Täublinge bestimmen 3%ige Salzsäure hast, dann probiers doch mal mit der.

Fragt doch mal in der Schule Eurer Kiddies. Die haben eigentlich auch immer ein Chemikalienlager, insbesondere die Oberschulen in denén Chemie unterrichtet wird.

beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas und Harald,
vielen Dank für eure Einschätzung!
Den Tipp, doch mal den Amanitin-Test nach Wieland auszuprobieren, will ich
unbedingt aufgreifen, sowohl die eindeutigen grünen Knollis als auch die
fraglichen weißen lagern immer noch in meinem Kühlschrank (mit Warnschild
für die Kinder...). Die Umsetzung scheitert bisher daran, dass ich
nirgends 10 - 20%ige Salzsäure auftreiben kann. Bei drei Apotheken
komplette Fehlanzeige, eine vierte könnte mir einen Liter bestellen, aber
ein bisschen weniger wäre mir natürlich lieber.
So ganz mag ich mich nämlich noch nicht mit der weißen Form des grünen
Knollis abfinden, in erster Linie deshalb, weil der Geruch wirklich völlig
fehlt. Die "richtigen" grünen hatten den schon am Samstag beim
Sammeln und haben ihn jetzt noch, das Kunsthonig-Aroma geht langsam ins
Raubtierhaus über, aber die zwei weißen Gesellen duften beharrlich nach
nichts. Und die waren beim Sammeln weder zu jung noch zu alt, hatten weder
Trocken- noch Frostschäden, ich habe gerade keinen Schnupfen und keine
sontigen Riechprobleme und mag einfach nicht einsehen, warum weiße grüne
Knollis nach gar nix riechen sollen.
Aber ich habe schon öfters was Exotisches zu finden geglaubt, was sich
nachher doch nur als eigenwilliges untypisches Exemplar einer
Allerweltsart herausgestellt hat, die sich einfach nur nicht an die
Merkmale aus den Büchern halten wollte. Insofern ist mir bewusst, dass die
Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass ihr mit eurem Tipp Recht habt.
Vielleicht klappt das ja noch mit der Salzsäure, ich wäre sehr gespannt
darauf, das mal mit den beiden unterschiedlichen Gesellen auszuprobieren.
Herzliche Grüße
Melanie

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Re: Frage zu weißer Amanita

Stephan Weißer, (vor 4776 Tagen) @ Melli

Falls du in einer Universitätsstadt oder nahe dabei wohnst, könntest du es auch in einem Geschäft für Laborbedarf versuchen. Dort kaufen z. B. naturwissenschaftliche Studenten das Zeug für ihre Experimente.

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Zwischenbericht aus dem Chemielabor

Melli, (vor 4776 Tagen) @ Melli

Hallo zusammen,

was diese Knollis mich Nerven kosten!!! Und Geld auch noch, ich habe mich tatsächlich für den ganzen Liter Salzsäure aus der einzigen kooperativen Apotheke im Umkreis entschieden, weil auf die Schnelle nichts anderes aufzutreiben war und die Pilze mittlerweile schon vier Tage im Kühlschrank vor sich hingammeln. Wer also in nächster Zeit Amanitin-Nachweise ausprobieren will, kann gerne zu mir kommen, der Kanister reicht noch für mindestens 999 weitere Untersuchungen... ;-)

Aber nun zu den - leider ernüchternden - Ergebnissen. Oder besser gesagt Zwischenergebnissen, die Verfärbung im Lignin-Test oder Meixner-Test oder Wieland-Test (bis ich allein rausgefunden habe, dass das alles dasselbe ist) geht bei mir irgendwie viel langsamer als in der Literatur beschrieben. Erst musste ich ja den Pilzsaft auf dem Zeitungspapier trocknen lassen, aber mir scheint, dass die Färbung sich erst einstellt, sobald auch die Salzsäure wieder getrocknet ist, und trotz vorsichtigem wohldosierten Drauftropfen dauert das viel länger als 20 Minuten. Mittlerweile ist eine Dreiviertelstunde vergangen, und es zeigt sich bei beiden Pilzen ein zwar zartes, aber doch erkennbares Blau. Leider nicht kräftig genug, dass ich das im Kunstlicht hübsch fotografiert bekomme (unten lediglich ein allgemeines Foto unseres Versuchs-Aufbaus, falls jemand über meine laienhaften Bemühungen schmunzeln will...), aber doch so, dass ich sagen würde: jawohl, Amanitin im grünen wie im weißen Pilz.

Damit ist der Eier-Wulstling ja leider aus dem Rennen.

Mit der weißen Form des grünen Knollis wollte ich mich aber immer noch nicht anfreunden. Das mit dem völlig fehlenden Geruch passt einfach überhaupt nicht in mein Konzept. Beim Grübeln und Blättern ist mir dann noch eingefallen, dass ich Amanita verna noch gar nicht in Betracht gezogen habe - habe ich auch noch nie in meinem Leben gesehen, ich habe den (anders als A. phalloides und virosa) auch gar nicht auf meinem inneren Schirm, in ein paar Büchern wird er verwirrenderweise auch als A. phalloides var. verna gelistet, was ja dann gar keine eigene Art wäre. In den meisten Büchern steht er aber als eigene Art (wenn mich da jemand aufklären kann, wäre ich dankbar), und er wird vor allem als geruchlos beschrieben. Meine letzte Alternative zu einem schnöden weißen grünen Knolli?

Von Andreas hatte ich ja zum Glück noch den Tipp mit dem KOH. Und habe hier im Forum praktischerweise die passenden Hinweise gefunden: Beitrag 31027 - wunderbar, genau was ich brauche: bei A. phalloides keine Farbreaktion mit KOH, bei A. verna gelber Farbumschlag. Gleich umgesetzt; Ergebnis: nix. Auch der weiße Geselle ist makellos weiß geblieben. A. verna kann ich also so schnell wieder vergessen, wie er mir eingefallen ist.

Fazit: auch wenn mich der fehlende Geruch noch so stört, deutet alles auf die weiße Form von A. phalloides hin.

Für alle Fälle trocknet trotzdem ein bisschen Belegmaterial gerade auf dem Dörrex. Aber ich fürchte, diese Akte kann ich bereits schließen. Na ja, immerhin war es ein spannendes Rätsel, auch wenn ich mir eine aufregendere Auflösung gewünscht hätte. Aber immerhin war diese Untersucherei doch ganz faszinierend...

Herzliche Grüße
Melanie

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Foto vom Chemielabor *PIC*

Melli, (vor 4776 Tagen) @ Melli

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Re: Zwischenbericht aus dem Chemielabor

zuehli ⌂, (vor 4775 Tagen) @ Melli

Fazit: auch wenn mich der fehlende Geruch noch so stört, deutet alles auf die
weiße Form von A. phalloides hin.

Jetzt mal eine waghalsige Idee: vielleicht hat ja der Geruch etwas mit dem grünen Farbstoff zu, der hier ja fehlt. Ob das eine Möglichkeit wäre?

Beste Grüße
Harald

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Re: Zwischenbericht aus dem Chemielabor

Melli, (vor 4775 Tagen) @ zuehli

Jetzt mal eine waghalsige Idee: vielleicht hat ja der Geruch etwas mit dem
grünen Farbstoff zu, der hier ja fehlt. Ob das eine Möglichkeit wäre?
Beste Grüße
Harald

Hallo Harald,

das finde ich prinzipiell eine interessante Idee - aber ich kenne auch Berichte von Funden der weißen Form, die besagen, dass sich zwar die Farbe unterscheidet, aber alle anderen Merkmale inklusive des Geruchs gleich seien. Also scheint es durchaus "normal" riechende weiße Formen des grünen (und wohl auch des gelben) Knollenblätterpilzes zu geben. Ich kann das nicht beurteilen - für mich waren es die ersten weißen grünen Knollis, die mich nicht nur durch den fehlenden Geruch, sondern auch ihre Größe und Stämmigkeit sowie die fehlende Natterung gehörig aufs Glatteis geführt haben.

Generell geruchlos soll aber wohl Amanita verna sein - wobei ich wie gesagt verwirrenderweise auch Bücher habe, in denen von "Amanita phalloides var. verna" die Rede ist, aber wenn der eine riecht und der andere nicht, der eine keine und der andere eine gelbe KOH-Reaktion hat, dann muss das doch eine eigene Art sein (die meisten Autoren sehen das ja auch so). Ich habe da noch so einige Fragezeichen und hoffe, dass mir das alles ein Amanita-Kenner mal gründlich erklären kann.

Herzliche Grüße
Melanie