Indoor Anbau Lentinula edodes...

Baerbel, (vor 9040 Tagen)

Hab folgenden Artikel im Netz gefunden:
http://www.mycelia.be/myccocoswerkw.htm
Coco-coir gibts zu Spottpreisen z.B. bei Spinnrad. Ich hab das bisher nur als Wasserspeicher in der Deckerde benutzt.
Was halten die Pilzzuchtexperten davon?
Speziell von Gottfried erhoffe ich mir Antwort, da ich von seinen Zuchterfahrungen mit Shiitake viel halte.
Vielen Dank im vorraus,
MfG
Baerbel

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Re: Gedanken zum Pilzanbau

Gottfried, (vor 9040 Tagen) @ Baerbel

Hab folgenden Artikel im Netz gefunden:
http://www.mycelia.be/myccocoswerkw.htm
Coco-coir gibts zu Spottpreisen z.B. bei Spinnrad. Ich hab das bisher nur als
Wasserspeicher in der Deckerde benutzt.
Was halten die Pilzzuchtexperten davon?
Speziell von Gottfried erhoffe ich mir Antwort, da ich von seinen
Zuchterfahrungen mit Shiitake viel halte.
Vielen Dank im vorraus,
MfG
Baerbel

Hallo Baerbel,

da Du mich so direkt ansprichst, nun auch meine Meinung zum Problem Anbau von holzbewohnenden Speisepilzen. Ich zitiere aus einem Beitrag für eine Zeitschrift:

"Unter dem Hintergrund BSE, MKS und ungezählter Lebensmittelskandale setzt in Teilen der Bevölkerung derzeit ein Prozess des Umdenkens in der Weise ein, dass Pilze als Fleischersatz zunehmend akzeptiert werden. Pilze enthalten neben vielen lebenswichtigen Vitaminen, Mineralien und Spurenelemente auch Ballaststoffe und sind dabei aber extrem energiearm. Neben der Bedeutung von Pilzen in der Ernährung beginnt man gegenwärtig in den westlichen Ländern damit, die Heilwirkung von Pilzen neu zu entdecken. Allerdings tun man in Deutschland mit der Anerkennung der Heilwirkung von Pilzen noch recht schwer. Daher ist wohl auch der Ausdruck „Nahrungsergänzungsmittel“ als Synonym für Pilzextrakte zu erklären.

Der Intensivanbau erfolgt ausschließlich auf sog. Schüttsubstraten, wie Stroh, Sägemehl und unter Verwendung von Mehl, Kleie und anderer Zusätze. Als (kommerzielle) Gründe dafür werden oft genannt:

-hohe Ertragsleistung (bis 100% vom Substratgewicht)

-hohe Auslastung der Grundmittel (kg Pilzertrag/ m² Kulturraum* Zeitraum)

Der Anbau auf Massivhölzern dagegen hat bis in die Gegenwart hinein nur im Hobbybereich Bedeutung. Dafür gibt es folgende Argumente:

-bei Anbau in Kulturräumen wird eine geringere Auslastung der
Grundmittelerreicht (kg Pilzertrag/ m² Kulturraum* Zeitraum)

-die Beimpfungsmethoden der Hölzer waren bisher nicht ausgereift und daher
unsicher im Erfolg

In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit der Perfektionierung eines Beimpfungsverfahrens für Massivholz befasst, wobei sich im Rahmen einer Versuchsreihe folgende Vorteile zeigten:

-Vermeidung von Fremdinfektionen und Schutz gegen Austrocknen in der
Besiedelungsphase durch die Versiegelung der Schnittflächen

-Durch Einsatz von Impfdübeln kostengünstige Herstellung des beimpften
Massivholzes

Durch sinnvolle Anordnung der Bohrlöcher wächst das Pilzmyzel schnell und sicher ein. Dadurch kann die Besiedelungsphase für die Sommermonate auf ca. 4- 6 Monaten reduziert werden.

Weitere Vorteile beim Anbau auf Massivholz seien genannt:

-Wenn das Pilzmyzel in das Massivholz eingewachsen ist, kommt es in der
Ertragsphase kaum zu Fremdinfektionen durch Schimmelpilze und Bakterien.

-Bei der Produktion von Pilzen für Speise- und Heilzwecke ist es wichtig,
Grundmaterialien ohne Rückstände von Schadstoffen, wie Pestizide, Fungizide
und Herbizide einzusetzen. Bei der Vielfalt der möglichen
Substratbestandteile (Stroh, Kleie, Mehl, usw.) ist die Kontrolle recht
schwierig. Massivhölzer wachsen i. .d. R. unter Ausschluss dieser Schadstoffe.

-Durch die Verwendung von Schwachholz bis Ø 20 cm wird dieses einer
volkswirtschaftlich vernünftigen Lösung zugeführt.

-Substrate müssen wegen des hohen Nährstoffanteiles pasteurisiert bzw. sogar
sterilisiert werden, um sie weitestgehend schimmelfest zu machen. Das bedeutet
einen hohen Anteil von Energiezuführung. Massivhölzer dagegen sind
natursteril, wobei der Energieanteil für die Herstellung von Myko- Holz sehr
gering ist.

-Der Ertrag von Schüttsubstraten ist in hohem Maße von der Qualität seiner
Bestandteile (z. B. Stroh) abhängig. Das kann u. U. bis zu Totalausfällen
führen. Massivhölzer dagegen liefern wegen ihrer Homogenität konstante Erträge.

-Der kulinarische Wert der Pilze wird unstrittig von der Art des Substrates
beeinflusst. Damit kann auch die Tatsache erklärt werden, dass der auf
Massivholz wachsende „Donko“ als Kulturstamm des Shii- Take höhere Marktpreise
als der auf Schüttsubstraten angebaute „Koshi“ erzielt.

Es gibt also aus gegenwärtiger Sicht gewichtige Gründe, den Anbau von Pilzen im Intensivanbau auf Massivholz weiter zu verfolgen. Jedoch sind im Rahmen von weiteren Untersuchungen einige offene Fragen einer Klärung zuzuführen."

Kritiker könnten mir kommerzielle Interessen unterstellen. Das ist unbestritten so. Aber nur weil ich von der Richtigkeit der o.a. Gedanken überzeugt bin, habe ich diese Geschäftsidee aufgegriffen und hoffe, das der Anbau auf Massivholz in Deutschland- wie in den USA und Fernost- forciert wird!

Gruß G.

PS: Meine Homepage 'erstrahlt' in neuem Outfit und deutlich niedrigeren Preisen!

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Re: Gedanken zum Pilzanbau

Baerbel, (vor 9040 Tagen) @ Gottfried

Danke für diese überaus ausführliche Antwort.
Wie ich dem Text entnahm scheinst du den Anbau auf Massivholz zu favorisieren. Ist dies denn auch für den Indoor-Anbau von Shiitake denkbar? Es ist auch sicher sehr schwer dieses so genannte Schwachholz von Buche oder Eiche zu bekommen. Die sterilen Coco-Faser-Blocks hingegen sind sehr leicht und günstig zu beschaffen.
Ich bin auch gegen das ordern beimpfter Substrate, da mir hier die Arbeit abgenommen wird, die mir am meisten gefällt (das vermehren von Mycel und die Herstellung von Pilzbrut).
Aber viele der genannten Vorteile von Massivholz sind durchaus nachvollziehbar.
Also nochmal besten Dank,
MfG
Baerbel

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Re: Gedanken zum Pilzanbau

Gottfried, (vor 9040 Tagen) @ Baerbel

Hallo Baerbel,
wie Du sicher bemerkt hast, beschäftige ich mich derzeit mit dem Test neuer Substrate- aus "Spaß an der Freude"- als Hobby. Dabei stelle ich folgendes Problem immer wieder fest: Substrate, die schimmelfest sind, sind i.d.R. nährstoffarm und bringen wenig befriedigende Erträge. Und nährstoffreiche Substrate erreichen zwar durchweg hohe Erträge, sind aber hinsichtlich Kontaminationen sehr sensibel. Das bedeutet Pasteurisierung oder Sterilisierung sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Kultur. Damit wird der ganze Prozeß energieintensiv und teuer!

Bezüglich dieser Coco- Faserblocks möchte ich Dich nicht entmutigen. Wesentlich wird sein, ob in diesem- wie Du schreibst- sterilen Block ausreichend Nährstoffe vorhanden sind, um lohnende Erträge zu erzielen. Außerdem ist nach meinen Beobachtungen entscheidend, ob während der Beimpfung Kontaminationen (Staub) aufgetreten sind. Beide Probleme hoffe ich demnächst in den Griff zu bekommen. Wenn Du dazu Infos möchtest, rufe mich an!

Hinsichtlich der Massivhölzer sehe ich kaum Probleme: Für den Anbau des Shii- Take ist neben den "Idealhölzern" Rotbuche und Eiche auch die Birke noch gut geeignet, die zudem in vielen Gegenden das "Unkraut des Waldes" ist und preisgünstig abgegeben wird. Gerade beim Shii- Take gibt es mehrere unterschiedlicher Kulturstämme, die breiten Raum zum Experimentieren lassen.
Gruß G.

Danke für diese überaus ausführliche Antwort.
Wie ich dem Text entnahm scheinst du den Anbau auf Massivholz zu
favorisieren. Ist dies denn auch für den Indoor-Anbau von Shiitake
denkbar? Es ist auch sicher sehr schwer dieses so genannte Schwachholz von
Buche oder Eiche zu bekommen. Die sterilen Coco-Faser-Blocks hingegen sind
sehr leicht und günstig zu beschaffen.
Ich bin auch gegen das ordern beimpfter Substrate, da mir hier die Arbeit
abgenommen wird, die mir am meisten gefällt (das vermehren von Mycel und
die Herstellung von Pilzbrut).
Aber viele der genannten Vorteile von Massivholz sind durchaus
nachvollziehbar.
Also nochmal besten Dank,
MfG
Baerbel