Anamorphe - Teleomorphe

DieterB, (vor 9037 Tagen)

Hallo zusammen,

diese pilzarme Zeit ist für mich eigentlich die richtige Gelegenheit, sich auch mal mit den mykologischen Basics zu beschäftigen. Und dabei bin ich (wieder mal) auf die Begriffe Anamorphe und Teleomorphe gestoßen. In meinem uralten Löffler/Mykologie steht da gar nix drin, im Internet hab ich nur grobe Informationen gefunden: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann bezeichnet das sexuell und asexuell sich fortpflanzende Pilzindividuen oder -individuenteile. Unklar ist mir, ob dieser Dualismus eine grundsätzliche Pilzeigenschaft ist, also Ascomyceten, Basidiomyceten usw. betrifft oder nur spezifische systematische Bereiche (z.B.Ordnungen) und ob grundsätzlich jede Art des Bereiches diese beiden Formen ausbilden kann und ob zu jeder Art auch die beiden Formen bekannt sind. Interessant fände ich auch zu erfahren, warum in den gängigen Büchern (z.B. Pilze der Schweiz) nicht beide Formen dargestellt werden, sind die so selten oder sehen die eh alle gleich aus (Aspekt und histologisch)? Gibt es hierzu Bestimmungsbücher o.ä. oder brauch man das nicht, weil man die Dinger eh nie findet?

Vielleicht hat ja einer von Euch Lust, mir etwas zu erklären oder kennt einen Link, in dem das gut erläutert ist.

Für Euere Mühe im voraus besten Dank.
Viele Grüße
Dieter

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Re: Anamorphe - Teleomorphe

Wolfgang F., (vor 9036 Tagen) @ DieterB

Hi Dieter,

Anamorphe Stadien sieht man gerade bei parasitischen Ascomyceten eigentlich häufiger als die dazugehörigen Teleomorphe ("Fruchtkörper").

Wenn Du z.B. schon mal eine "schimmelige" Erdbeere oder Traube gesehen hast, dann war das mit großer Wahrscheinlichkeit das anamorphe (= Konidien-)stadium eines hübschen kleinen Becherlings aus der Gattung Botryotinia. Es gibt im Herbst kaum einen Ahorn ohne das Konidienstadium des Runzelschorfes (schwarze Flecken, der eigentliche Fruchtkorper sieht ähnlich spektakulär aus ).

Beide Stadien miteinander in Verbindung zu bringen, gelingt eigentlich nur genetisch oder mit aufwendigen Kulturversuchen, weshalb immer noch beide Stadien oft verschiedene lateinische Namen tragen. Die einen findest Du traditionell in Büchern über Phytopathologie und Agrarwissenschaft, die anderen in den "klassischen" Pilzbüchern.

Anamorphe Stadien sind auch bei Rostpilzen von Bedeutung. Blätterpilze haben meines Wissens viel seltener anamorphe Stadien. Du findest aber gelegentlich den "stäubenden Zwitterling" - ein Lamellenpilz, der oft anstelle der sexuellen Vermehrung einfach auf der Huthaut asexuelle Sporen abschnürt.

Wolfgang

diese pilzarme Zeit ist für mich eigentlich die richtige Gelegenheit, sich
auch mal mit den mykologischen Basics zu beschäftigen. Und dabei bin ich
(wieder mal) auf die Begriffe Anamorphe und Teleomorphe gestoßen. In
meinem uralten Löffler/Mykologie steht da gar nix drin, im Internet hab
ich nur grobe Informationen gefunden: Wenn ich das richtig verstanden
habe, dann bezeichnet das sexuell und asexuell sich fortpflanzende
Pilzindividuen oder -individuenteile. Unklar ist mir, ob dieser Dualismus
eine grundsätzliche Pilzeigenschaft ist, also Ascomyceten, Basidiomyceten
usw. betrifft oder nur spezifische systematische Bereiche (z.B.Ordnungen)
und ob grundsätzlich jede Art des Bereiches diese beiden Formen ausbilden
kann und ob zu jeder Art auch die beiden Formen bekannt sind. Interessant
fände ich auch zu erfahren, warum in den gängigen Büchern (z.B. Pilze der
Schweiz) nicht beide Formen dargestellt werden, sind die so selten oder
sehen die eh alle gleich aus (Aspekt und histologisch)? Gibt es hierzu
Bestimmungsbücher o.ä. oder brauch man das nicht, weil man die Dinger eh
nie findet?
Vielleicht hat ja einer von Euch Lust, mir etwas zu erklären oder kennt einen
Link, in dem das gut erläutert ist.
Für Euere Mühe im voraus besten Dank.
Viele Grüße
Dieter