Re: Cortinarius vernus?
Hallo Gunnar,
in meinem Beitrag ging es nicht in erster Linie um meine Erfahrungen, sondern
das, was sich der Literatur entnehmen lässt. Danach hat der Typus von C.
vernus (var. vernus!) Sporen von (7) 7,5-8,5 x 5-6 μm (vgl. CFP Tafel
C51, wo die Typuskollektion gezeigt wird). Die Lamellenschneide wird dort
als „steril, mit zahlreichen kurzen, keulenförmigen sterilen Zellen“
beschrieben. Ebenso stammt die Feststellung, dass es zwischen beiden
Varietäten keine nennenswerten mikromorphologischen Unterschiede gibt, von
den Autoren von C. vernus var. nevadavernus selbst, die im Übrigen bei
ihrer Analyse drei weitere Kollektionen von C. vernus var. vernus
untersucht haben (wie freilich anzunehmen ist, auch mikroskopisch). Ich
habe nur gesagt, dass ich das anhand meiner Kollektionen bislang bestätigt
gefunden habe, und dem Ganzen lediglich hinzugesetzt, dass der behauptete
Geruchsunterschied nicht konstant ist, da von mir im April/Mai gesammelte
Kollektionen (zumindest bei Zerdrücken von Fruchtkörperteilen) stets den
gleichen Geruch wie Herbstkollektionen aufwiesen.
Wenn damit geklärt ist, wie die Sporen von C. vernus var. vernus aussehen und
wie groß sie sein sollen, stellt sich doch eher die Frage, was die von Dir
gezeigte Herbstkollektion ist, denn C. vernus ist sie aufgrund der
Widersprüche zur Originalbeschreibung (Sporengröße, LS) vermutlich nicht.
Die Sporen entsprächen übrigens bestens denen von C. roseipes, das Habitat
passt vermutlich auch.
Im Übrigen ist die Beschreibung von C. erythrinus bei Ricken erst einmal
unerheblich, da das Epitheton von Fries stammt und demzufolge dessen
Beschreibungen und das von diesem zitierte Material bei der Deutung des
Namens heranzuziehen sind. Um die Gensequenz eines Typus zu haben, müsste
man den Weg der Lekto- und Epitypisierung gehen mit allen damit
verbundenen Problemen (d.h. es wäre ohnehin eine „willkürliche“ Festlegung
des Namens). Ich hatte nochmal die Argumentation Melots nachgeschlagen,
warum sie vernus neu beschrieben haben, obwohl damals der Name erythrinus
für die Sippe gebräuchlich war. Nach dieser (in ihren wesentlichen Punkten
kohärenten) Argumentation lassen sich die Angaben bei Fries nicht auf
diese Sippe beziehen, auch das von Fries gewählte Epitheton bezieht sich
nicht auf die rötliche Stielfarbe, sondern auf die Hutfarbe. Und
ausgesprochen rotbraune Hüte hat C. vernus, wie Melot richtigerweise
bemerkt, wirklich nie.
Viele Grüße,
Jesko
Hallo Jesko,
C. roseipes hatte doch Felix einmal vom Halbtrockenrasen der Bottendorfer Hügel bei Helianthemum vorgestellt. Das passt zu meinem Buchenwaldfund gar nicht. Ich muss mal bei Gelegenheit wegen C. roseipes nachschlagen. Da war wohl im J.E.C.-Heft irgendwo was drin.
Ganz so unerheblich ist meine Anmerkung über C. erythrinus nun wohl doch nicht, wie Du meinen magst. Über den Wert der Friesschen Beschreibungen müssen wir wohl nicht reden. Alle Autoren danach haben interpretiert, was Fries gemeint hat, ohne Sicherheit zu haben. Da kann man schon mal nachschlagen, was vor 100 Jahren so über eine Art gedacht wurde und welche Vita so ein Artname hat. Also alles rein praktische Erwägungen. Andreas hat sich zur nötigen Neotypisierung ja auch geäußert. Sehe ich genauso...
Gruß Gunnar