Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen *PIC*

interhias ⌂, (vor 4568 Tagen)

Hallo zusammen,

weil wir gerade bei Ritterlingen sind, hier noch ein paar Funde aus der vergangenen Saison. Ich habe mal versucht, nach der neuen Monografie (FNE4) zu bestimmen.

1. Tricholoma inocybeoides A. Pearson:

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Funddaten: 27.09.2013; Fundort: MTB 7935-1-3-4, ca. 550 m; D - By - München-Grünwald , Kalkbuchenwald; bei großen Buchen; gesellig (>10 Fk);;

Hut: bis 2,8 cm breit, Hutrand jung gebörtelt, aber ohne auffälliges Velum; Geruch stark mehlig; Fleisch weiß;
Mikromerkmale vom Exsikkat:
Basidien: 4-sporig, ohne Schnallen;
Sporen: schlank ellipsoid, hyalin, Maße: 5,4 x 3,2 (4,9-5,9 x 2,7-3,7), Q=1,68 (1,55-1,78[2,04]), 20 Sp. gemessen;

Zur Bestimmung: Aufgrund der konischen Hüte und der länglichen Sporen ist T. scalpturatum wohl auszuschließen. Das schwach ausgeprägte Velum spricht für T. inocybeoides und gegen T. argyraceum.

2. Tricholoma cf. scalpturatum (Fr.) Quél.:

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Funddaten: 19.10.2013; Fundort: MTB 8133-2-4-2, 600 m; D - By - Bernried, Bernrieder Park; buchendominierter Laubmischwald (Buche, Eiche, Esche, Ahorn, Linde, Hainbuche, Haselnuss) auf Würmmoräne; unter großer Buche und (weiter entfernt) Eiche, am sonnigen Waldrand teils im Gras, gesellig bis büschelig (>15 Fk);

Hut: 4-5,5 cm breit, jung halbkugelig oder konisch, später gewölbt mit vorgezogenem, abgerundetem Buckel, jung filzig, später mit angedrückten bis leicht abstehenden Faserschüppchen, Grundfarbe cremegrau, Faserschüppchen gleichfarbig oder dunkler braun (variabel); Hutrand jung eingebogen und durch weißliche Cortina mit dem Stiel verbunden;
Stiel: bis 11 x 1,3 cm, basal gleichdick, oft verbogen, weiß, ziemlich glatt;
Lamellen: mit Burggraben angewachsen, gedrängt, cremeweiß bis grauweiß, alt und spätestens beim Vergehen stark gilbend; Schneiden glatt bis wellig oder gekerbt, gleichfarbig;
Fleisch: weiß;
Geruch: intakt schwach mehlig, im Schnitt deutlich mehlig;
Geschmack: mild, mehlig;
Sporen: sehr variabel geformt, überwiegend ellipsoid, längliche oder gar subzylindrische Sporen sind eher die Ausnahme, 5,3 x 3,4 (4,5-6,8 x 2,8-3,5), Q=1,59 (1,29-1,79), 20 Sporen gemessen;

Zur Bestimmung: Der Sporenquotient lässt eine sichere Einordnung gemäß FNE4 nicht zu, auch die Hutform ist eher halbscharig als deutlich kegelig oder spitz gebuckelt, die jung stark ausgeprägte Cortina spricht wohl eher für T. argyraceum. Aufgrund des Sporen-Q-Wertes unter 1,6 bestimme ich trotzdem als T. cf. scalpturatum.

3. Tricholoma squarrulosum Bres.:

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Zweite Kollektion:
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Funddaten (zur ersten Kollektion): 02.10.2013; Fundort: MTB 8135-4-3-1, 710 m; D - By -Sachsenkamm, Kirchsee Nord, Mischwald (Tanne, Buche, Fichte) auf würmeiszeitlichen Moränen angrenzend an ein Hochmoor; bei Tanne, Fichte und Buche; verges. mit T. saponaceum und Ramaria flava var. flava;

Hut: 3,5-6,5 cm breit, flach ausgebreitet, schwach gebuckelt, trocken, matt, auf cremegrauem bis grauem Grund dicht mit schwarzbraunen Schuppen besetzt; Hutrand zumindest jung stark wollig-filzig;
Stiel: bis 6 x 1,5 cm, basal schwach keulig bis schwach spindelig-keulig, auf schmutzig-weißem Grund dicht mit schwarzbraunen Schüppchen besetzt, nicht verfärbend; Basalmyzel weiß;
Lamellen: mit Burggraben angewachsen, gedrängt, grauweiß (RAL: papyrusweiß); Schneiden +/- glatt, stellenweise schwarzbraun punktiert oder gestrichelt;
Fleisch: schmutzig weiß; im Schnitt nicht verfärbend;
Geruch: höchstens schwach pfeffrig, im Schnitt und bei Verletzung sofort intensiv nach Mehl umschlagend;
Geschmack: mild;
Mikromerkmale vom Exsikkat:
Basidien: 4-sporig, ohne Schnallen;
Sporen: ellipsoid, hyalin, Maße: 6,6 x 4,7 (6,0-7,3 x 4,1-5,2), Q=1,42 (1,27-1,59), 20 Sp. gemessen;

Zur Bestimmung: Nach FNE4 sollte das aufgrund des wollig-filzigen Hutrands T. squarrulosum sein. Die beiden letzten Fotos zeigen eine separate Kollektion, die drei Tage später in einem ähnlichen Habitat aufgesammelt wurde und sehr intensiv pfeffrig roch.

4. Tricholoma orirubens Quél.:

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Sporen:
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Basidien mit Schnallen:
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Funddaten: 05.10.2013; Fundort: MTB 8235-4-2-2, 830 m; D - By - Marienstein, Bergmischwald (Tanne, Buche, Fichte) im Übergangsbereich von quartärem Schutt, Helvetikum (Bacheralm) und Flyschzone; bei großen Tannen und Fichten; gesellig, reihig bis büschelig (>15 Fk); verges. mit T. sulphureum und H. laterinum;

Hut: 4,5-8 cm (wohl noch größter, hab ich nicht mitgenommen), dicht schwarzbraun schuppig, Hutrand jung wollig filzig;
Stiel: bis 6 x 1,4 cm, stämmig, hart, basas verjüngt, schmutzig weiß, teils fast glatt, teils zumindest in der oberen Hälfte schwarzbraun schuppig oder befasert; Stielbasis blaugrün verfärbend; Basalmyzel weiß (nur dickere Stränge bisw. gelblich verfärbt, Myzelfilz weiß);
Lamellen: mit Burggraben angewachsen, gedrängt, hellgrau (RAL: kieselgrau bis steingrau), Schneiden oft schwarz gepunktet oder gestrichelt;
Fleisch: schmutzig weiß bis grauweiß, nicht verfärbend, in der Stielbasis bisw. blaugrün fleckend;
Geruch: schwach süßlich, im Schnitt deutlich mehlig;
Geschmack: mild;
Mikromerkmale vom Exsikkat:
Basidien: 4-sporig, mit Schnallen (!), Schnallen an praktisch allen Basidien vorhanden;
Sporen: hyalin, Maße: 5,1 x 4,2 (4,7-5,6 x 3,9-4,7), Q=1,21 (1,11-1,33), 20 Sp. gemessen;

Zur Bestimmung: Nach FNE4 sollte das aufgrund des weißen Myzels und der Ökologie (Nadelwald) T. atrosquamosum sein; das Schlüsselmerkmal mit dem schwefelgelben Basalmyzel überzeugt mich nicht so ganz, weil auf den Fotos in der Monografie auch Fk von orirubens abgebildet sind, auf denen kein gelbes, sondern weißes Basalmyzel zu sehen ist; bei dieser Kollektion ist das Basalmyzel überwiegend weiß, bei einem Fk sind die Stränge gelblichgrün verfärbt, was ich aber auf die generelle Grünverfärbung an der Stielbasis zurückführen würde. Aufgrund der subglobosen Sporen und der Schnallenbildung an den Basidienbasen bestimme ich trotz des überwiegend weißen Basalmyzels als T. orirubens.

Zum Schluss noch eine aus meiner Sicht vorschriftsmäßige Kollektion von Tricholoma sejunctum:

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Beste Grüße
Hias

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Stephan Weißer, (vor 4568 Tagen) @ interhias

Hallo Matthias,
das hätte ich alles genau so bestimmt. T. inocybeoides kenne ich zwar nur unter Birke, aber warum nicht mal unter etwas Anderem? Bei fraglichen T. orirubens ist es natürlich toll, wenn an der Stielbasis blaugrüne Flecken zu sehen wären (zumindest bei einem der Exemplare), aber das ist ja kein Muss.
Freundliche Grüße
Stephan

OT-Frage an dich

Stephan Weißer, (vor 4568 Tagen) @ Stephan Weißer

Hier habe ich noch eine Frage an dich, die mich schon lange umtreibt, vielleicht kannst du mir da weiterhelfen.
Wie bröselt man die Basidien so stark auseinander, dass man ihre Basis sehen kann, um eventuell vorhandene Schnallen zu sehen?
Besten Dank im Voraus
Stephan

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Beorn, (vor 4568 Tagen) @ interhias

Hallo, Matthias!

Großartige Dokumentation, sowas hätte ich gerne in Buchform.
Oder im Netz irgendwo gut wiederfindbar aufgehoben.

Danke für deine Mühe!!!

LG, Pablo.

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Fiedelmaxe, (vor 4568 Tagen) @ interhias

Hallo Matthias,

phantastische Dokumentation; als relativer Frischling hier im Forum staune ich mehr und mehr ich über das Niveau, auf dem sich viele Beiträge bewegen, da kann ich ((noch)) nicht mithalten, aber in jedem Fall lernt man hier gewaltig dazu.

Eine Frage zu dem Komplex inocybeoides/argyraceum/scalpturatum: ist der aktuelle Stand, diese auf Artrang zu trennen? Die angesprochene Monografie ist mir nicht bekannt, bei Krieglsteiner(Großpilze BW) sind sie eher als Varietäten oder Synonyme aufgeführt.
Beste Grüße,
Sebastian

Re: OT-Frage an dich

interhias ⌂, (vor 4568 Tagen) @ Stephan Weißer

Hier habe ich noch eine Frage an dich, die mich schon lange umtreibt,
vielleicht kannst du mir da weiterhelfen.
Wie bröselt man die Basidien so stark auseinander, dass man ihre Basis sehen
kann, um eventuell vorhandene Schnallen zu sehen?
Besten Dank im Voraus
Stephan

Hallo Stephan,

bei Exsikkaten geht das am besten mit Quetschpräparaten. Ich setze das stumpfe Ende des Präpariernadelgriffs auf das Deckglas auf und "nackle" mit schwachem Druck hin und her. Bei Frischpilzen dürfte es auch mit Lamellenquerschnitten gehen, aber wenn es darum geht, Basidien oder Zystiden ganz freizulegen, dürfte Quetschen das Mittel der Wahl sein.

Beste Grüße
Hias

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

interhias ⌂, (vor 4568 Tagen) @ Beorn

Hallo, Matthias!
Großartige Dokumentation, sowas hätte ich gerne in Buchform.
Oder im Netz irgendwo gut wiederfindbar aufgehoben.
Danke für deine Mühe!!!
LG, Pablo.

Hallo Pablo,

die Dokumentationen kannst du auf meiner Internetseite abrufen. Entweder über den alphabetischen Artenindex oder nach Jahren und Pilzgruppen geordnet. Hier ist ein Link zur Startseite.

Beste Grüße
Hias

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

interhias ⌂, (vor 4568 Tagen) @ Fiedelmaxe

Hallo Matthias,
phantastische Dokumentation; als relativer Frischling hier im Forum staune
ich mehr und mehr ich über das Niveau, auf dem sich viele Beiträge
bewegen, da kann ich ((noch)) nicht mithalten, aber in jedem Fall lernt
man hier gewaltig dazu.
Eine Frage zu dem Komplex inocybeoides/argyraceum/scalpturatum: ist der
aktuelle Stand, diese auf Artrang zu trennen? Die angesprochene Monografie
ist mir nicht bekannt, bei Krieglsteiner(Großpilze BW) sind sie eher als
Varietäten oder Synonyme aufgeführt.
Beste Grüße,
Sebastian

Hallo Sebastian,

die Trennung der drei Arten wird in Fungi of Northern Europe Band 4 erläutert. Diese Monografie ist neu, du kriegst sie beim Andreas im Mykoshop. Schon ein empfehlenswertes Buch, finde ich. Aber wie du siehst, ist es auch mit dem neuen Bestimmungswerk nicht immer einfach, zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen.

Beste Grüße
Hias

T. orirubens *PIC*

KARL, (vor 4568 Tagen) @ interhias

Hallo Hias

Sehr schöne Dokumentation mit nachvollziehbaren Bestimmungen. Ich hänge mal ein Bild von T. orirubens an, bei dem die Bestimmung leicht viel.
Gefunden im Kalkbuchenwald. Die Frk. waren durch starken Wind leicht angetrocknet, was wohl zu der deutlichen Rotfärbung geführt hat. Die gleichzeitige,
deutliche Verfärbung der Stielbasis war mir bei früheren Funden nie aufgefallen.

LG Karl

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Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Stephan Weißer, (vor 4568 Tagen) @ interhias

die Trennung der drei Arten wird in Fungi of Northern Europe Band 4
erläutert. Diese Monografie ist neu, du kriegst sie beim Andreas im
Mykoshop. Schon ein empfehlenswertes Buch, finde ich. Aber wie du siehst,
ist es auch mit dem neuen Bestimmungswerk nicht immer einfach, zu
eindeutigen Ergebnissen zu kommen.

Auch bin ich nicht mit allem vorbehaltlos einverstanden, was da taxonomisiert wird. Ich knabbere z. B. noch daran, dass T. pseudonictitans dasselbe sein soll wie T. fulvum. Oder dass das auf sauren Sandböden gefundene T. striatum dasselbe sein soll wie das calciphile T. batschii (= T. fracticum).

Ferner ist der im Flechtenkiefernwald im Osten Nürnbergs massenhaft auftretende weißbraune kleine Mehlstinker, der als T. albobrunneum bezeichnet wird, nicht nur "mild, farinaceus to slightly bitter" (wie es für eigentlich alle weißbraunen Ritterlinge heißt!), sondern für meinen Geschmack saubitter - also stellt sich mir weiterhin die Frage, als was man den zu bestimmen hat, wenn man ihn findet. Das Konzept von T. pessundatum überzeugt mich dagegen.

T. boudieri als Extrem-Röter löst mein ewig mitgeschlepptes Bestimmungsproblem, das damals vor zwei Jahren in Kärnten auftrat, ebensogut wie das dort abgebildete olivgelbgrüne T. avernense als Antwort auf drei Funde, zu denen diversen Experten seinerzeit nicht mehr als T. sejunctum oder gar T. saponaceum eingefallen war.

Zu Matthias' ursprünglicher Anfrage wegen T. inocybeoides unter Buche bietet FN4 mit T. umbonatum eine m. E. durchaus prüfenswerte Alternative an.

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Beorn, (vor 4568 Tagen) @ interhias

Hier ist ein Link zur Startseite .
Beste Grüße
Hias

Dankeschön!

Ist notiert und abgespeichert.

LG, Pablo.

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Stephan Weißer, (vor 4568 Tagen) @ Stephan Weißer

Zu Matthias' ursprünglicher Anfrage wegen T. inocybeoides unter Buche bietet
FN4 mit T. umbonatum eine m. E. durchaus prüfenswerte Alternative an.

... was bei näherem Durchlesen der Beschreibung sogleich konterkariert wird durch die Sporenform und -größe.

T. orirubens soll dagegen laut der Beschreibung schnallenlos sein ("clamp-connections absent", wie es heißt), so dass es etwas verwundert, weshalb man hier T. orirubens zu erkennen glaubt, noch dazu mit dem expliziten und mit Ausrufezeichen versehenen Hinweis, dass sein Fund Schnallen trage.

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Ingo, (vor 4568 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Oder dass das auf sauren Sandböden gefundene T. striatum dasselbe
sein soll wie das calciphile T. batschii (= T. fracticum).

damit gehe ich auch nicht konform. Nach meiner Ansicht gibt es diese Rarität in Skandinavien nicht. Ich würde dir vorschlagen,
einige Exemplare von Schäffers striaten zwecks näherer Untersuchung sicher zu stellen.

Ferner ist der im Flechtenkiefernwald im Osten Nürnbergs massenhaft
auftretende weißbraune kleine Mehlstinker, der als T. albobrunneum
bezeichnet wird, nicht nur "mild, farinaceus to slightly bitter"
(wie es für eigentlich alle weißbraunen Ritterlinge heißt!), sondern für
meinen Geschmack saubitter - also stellt sich mir weiterhin die Frage, als
was man den zu bestimmen hat, wenn man ihn findet. Das Konzept von T.
pessundatum überzeugt mich dagegen.

Da bin ich gerade dran. Du kennst doch sicher noch meine Überlegungen, die ich hier im vergangenen Dezember gepostet hatte?

Grüßlis Ingo

Re: Noch mehr Ritter aus vergangenen Tagen

Andreas ⌂, (vor 4568 Tagen) @ interhias

Hallo Matthias,

1. Tricholoma inocybeoides A. Pearson:

mir würde das makroskopisch nicht gut zu T. inocyboides passen, dazu sind die Hutbuckel zu stumpf und die Hutschuppung passt auch irgendwie nicht. Die Art kenne ich auch nur von Birke, soll aber wohl auch bei Pappel wachsen. Bei Buche würde schon eteas stutzen ....

beste Grüße,
Andreas

T. inocybeoides

interhias ⌂, (vor 4567 Tagen) @ Andreas

Hallo Matthias,
mir würde das makroskopisch nicht gut zu T. inocyboides passen, dazu sind die
Hutbuckel zu stumpf und die Hutschuppung passt auch irgendwie nicht. Die
Art kenne ich auch nur von Birke, soll aber wohl auch bei Pappel wachsen.
Bei Buche würde schon eteas stutzen ....
beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas,

leider habe ich keine Funde der Art von Birke und Pappel, kann also nicht vergleichen. Auf Fungiworld habe ich zwei Fotos zu. T. inocybeoides von Harald Zühlsdorf gefunden - die sehen schon etwas anders aus. Dann käme für die hier vorgestellte Kollektion laut FE4 wohl nur T. argyraceum infrage, doch auch bei dieser Art wird Fagus als bevorzugter Mykorrhiza-Partner erstaunlicherweise nicht erwähnt. In den Kalkbuchenwäldern im südlichen Münchner Umland sind diese Pilze recht häufig. Die Autoren schlüsseln die beiden Arten anhand der Ausprägung des Velums auseinander, deshalb bin ich bei inocybeoides gelandet. Ich mache einfach ein cf. dran und schaue mir mal genauer an, was unter Birken so wächst.

Beste Grüße
Hias

T. orirubens

interhias ⌂, (vor 4567 Tagen) @ Stephan Weißer

... was bei näherem Durchlesen der Beschreibung sogleich konterkariert wird
durch die Sporenform und -größe.
T. orirubens soll dagegen laut der Beschreibung schnallenlos sein
("clamp-connections absent", wie es heißt), so dass es etwas
verwundert, weshalb man hier T. orirubens zu erkennen glaubt, noch dazu
mit dem expliziten und mit Ausrufezeichen versehenen Hinweis, dass sein
Fund Schnallen trage.

Hallo Stephan,

in FNE4 heißt es aber weiter: "sometimes clamp-like cells have been observed at the base of Young basidia". Erhard Ludwig im Kompendium 3 und PDS3 geben für T. orirubens Schnallen an den Basidienbasen an.

Beste Grüße
Hias

Re: T. inocybeoides

Günter Saar, (vor 4567 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

warum läßt Du die Kollektion nicht einfach bei scalpturatum stehen? Im Kalk-Buchenwald ist sie gerne daheim, auch mal etwas blasser wie üblich.

T. inocybeoides ist es m.M. n. sicher nicht. Diese kommt eher im Frühjahr/Sommer unter Birke und hat - bei meinen Funden zumindest - immer einen leichten Erdgeruch (rote Beete)zusätzlich zu der mehligen Komponente gehabt!

liebe Grüße
Günter

Re: T. inocybeoides

interhias ⌂, (vor 4567 Tagen) @ Günter Saar

Hallo Hias,
warum läßt Du die Kollektion nicht einfach bei scalpturatum stehen? Im
Kalk-Buchenwald ist sie gerne daheim, auch mal etwas blasser wie üblich.
T. inocybeoides ist es m.M. n. sicher nicht. Diese kommt eher im
Frühjahr/Sommer unter Birke und hat - bei meinen Funden zumindest - immer
einen leichten Erdgeruch (rote Beete)zusätzlich zu der mehligen Komponente
gehabt!
liebe Grüße
Günter

Servus Günter,

im Prinzip hätte ich kein Problem mit T. scalpturatum, bis zum Erscheinen von FNE4 habe ich mehlig riechende gilbende Erdritterlinge im Buchenwald immer so angesprochen bzw. nicht von T. argyraceum getrennt, geschweige denn von T. inocybeoides, den ich offensichtlich gar nicht kenne. Aber nach der neuen Monografie schlüssle ich aufgrund der länglichen Sporen (Q=1,68, bei scalpturatum bis max. 1,54 im Schnitt) glatt an T. scalpturatum vorbei.

Grüße
Hias

Re: T. inocybeoides

Ulysses, (vor 4567 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

wie werden die Arten um Tricholoma scalpturatum und argyraceum in FNE4 denn auseinander geschlüsselt? Vorrangig nach Sporenmerkmalen, oder werden auch Punkte wie Geruch/Geschmack und ökologische Aspekte stärker mit einbezogen?

Ich frage deshalb, weil T. inocybeoides teils als eigenständige, gute Art betrachtet wird, immer wieder aber auch als Form/Varietät der beiden oben genannten Arten oder sogar als synonym zu T. argyraceum - letzteres z.B. bei Gröger 1.

Die bei den einzelnen Autoren für die Arten angebenen Sporenmaße ergeben ja insgesamt eine recht breite Spanne, weshalb ich die Synonymisierung bei Gröger eigtl. ganz passend finde; überdies bildet eben auch T. argyraceum gerne recht kegelige Hüte, die mal heller, mal dunkler und mal stark faserig-schuppig, mal fast glatt sind.

Bei meinen beiden Funden von T. inocybeoides war jedes Mal Birke vorhanden, einmal direkt daneben, einmal knappe 15 m entfernt. Allerdings stammen auch die meisten meiner T. argyraceum-Funde aus Mischwald mit zumindest einzelnen Birken, so dass auch eine derartige Mykorrhiza nicht auszuschließen ist. Kalk- oder stärker basenreich waren die Standorte allerdings nicht: Fund 1 stammt aus einem per Sukzession verwaldeten Steinbruch (dünne Schicht sandiger Lehm direkt über basenarmem Gneis), die Pilze von Fund 2 standen am Wegrand in einem Wald, der über wenig mächtiger Braunerde aus selbigem Gneis stockt.

Schöne Grüße
Josef

Re: T. inocybeoides vs. argyraceum

interhias ⌂, (vor 4567 Tagen) @ Ulysses

Servus Josef,

in FEN4 werden die drei Arten wie folgt getrennt:

11) Hut vorwiegend konvex bis ausgebreitet oder schwach gebuckelt, deutlich schuppig, Sporen ellipsoid, Q-Wert im Schnitt unter 1,6 = T. scalpturatum

Hut vorwiegend konisch, glockig oder gebuckelt, deutlich schuppig oder filzig; Sporen länglich bis subzylindrisch, Q-Wert im Schnitt über 1,6 =12)

12) Velum gut ausgeprägt, als wollige Zone am Hutrand sichtbar und bei jungen Fk eine spinnwebartige Ringzone bildend = T. argyraceum

Velum schwach ausgeprägt, auch bei jungen Fk undeutlich = T. inocybeoides

Die Autoren geben aber selbst zu, dass es bisweilen unmöglich ist, die Arten anhand morphologischer Merkmale auseinanderzuhalten.

Im Thread scheint sich herauszukristallisieren, dass die bei Birke/Pappel wachsende T. inocybeoides makroskopisch doch irgendwie trennbar ist. Wenn ich nach Gröger schlüssle, müsste ich meine Kollektion T. argyraceum taufen, denn auch Gröger gibt für T. scalpturatum gedrungene Sporen (Q=1,3-1,5) und dunklere Hutfarben an.

Beste Grüße
Hias

Re: T. inocybeoides vs. argyraceum

Ulysses, (vor 4567 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

danke für die Textstelle aus FEN4. Das passt ja gut zu den anderen Schlüsseln, in denen T. inocybeoides abgetrennt wird - Velum deutlich vorhanden oder eben nicht.

Das Merkmal des (zumindest leidlich) gut ausgebildeten bzw. ± fehlenden Velums war auch bei meinen Funden der ausschlaggebende Punkt für die Bestimmung.

Schöne Grüße
Josef

Re: T. orirubens

Stephan Weißer, (vor 4567 Tagen) @ interhias

in FNE4 heißt es aber weiter: "sometimes clamp-like cells have been
observed at the base of Young basidia".

O. K., dann scheint das Merkmal mit den Schnallen variabel zu sein - wobei sich mir nicht ganz erschließt, was "clamp-like cells" sein sollen (müsste das nicht auch anstatt "cells" "hyphae" heißen??). Und weshalb sie nur an "young basidia" auftreten sollen? Bei Schnallen ist das doch auch nicht so.

In meinen Augen drückt sich Christensen hier vor einer klaren Aussage und laviert herum, ähnlich wie bei den Geschmacksbeschreibungen und manch anderem mehr.

Aber für deine Bestimmung spricht es natürlich schon, wenn bei allen anderen Erdritterlingen außer dem Tiger klar geschrieben wird: "clamps absent", und hier wird relativiert. Und die anderen von dir genannten Autoren haben ja schon auch was zu sagen.

Freundliche Grüße und vielen Dank für deine immer wieder tollen Dokumentationen!
Stephan

Re: T. inocybeoides *PIC*

Stephan Weißer, (vor 4567 Tagen) @ interhias

Hallo zusammen,
hier ist das, was (bisher, muss ich ja nun sagen) meinem Bild von Tricholoma argyraceum var. inocybeoides entsprochen hatte.
Die Pilze haben einen Hutdurchmesser von ca. 4 bis 5 cm, manche Hüte sind konisch, andere wieder stumpf gebuckelt. Jüngere Exemplare haben ein mit der Lupe klar zu erkennendes Hutrandvelum. Der Hutrand ist bei älteren Exemplaren, wie hier zu sehen, mitunter eingerissen. Bemerkenswert ist m. E. auch die hier zu sehende leuchtend gelbe Verfärbung auf dem einen oder anderen Hut. Der Geruch der Pilze ist unverletzt kaum mehlig, nach Zerkrümeln in der Hand wird er deutlicher mehlig, ohne allerdings die Geruchsintensität der Leitart zu erreichen.
Die Pilze wuchsen seit Jahren standorttreu auf dem Waldenburger Friedhof unter einer Solitärbirke (die leider letztes Jahr gefällt wurde :( ). Das Foto stammt von 2007.

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Re: OT-Frage an dich

Maren ⌂, (vor 4565 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,
Zum Auseinanderbröseln hilft auch das Präparieren in KOH 3%, sonst eher bei der Ascomyzetenbestimmung benutzt, und nur leicht drücken. Danach kann man aus waschen und z. B. mit Kongo anfärben. So gelingen Einzelbetrachtungen von Basidienbasen.
Gruß, Maren