Kann man die essen? *PIC*

Klaas, (vor 4436 Tagen)

Hallo zusammen,

nicht, dass sich wer veräppelt fühlt - meine Frage ist durchaus ernst gemeint, da ich ja nur wenig Erfahrung mit Speisepilzen habe und
wenn überhaupt, dann zumeist nur div. Cantharellen in geringen Mengen eintüte - die waren bislang stets frei von Getier, einfach zu
putzen und, was mir am WE nach Exkursionen und vor Bestimmungsarbeit am liebsten ist, sind eben schnell vorbereitet.

Die gelben Pfiffis machten sich im heutigen Gebiet etwas rar, letztes Wochenende gab es für das Nudel-Sößchen noch eine Mischung
aus vorwiegend C. cibarius mit C. pallens, Cr. tubaeformis, Cr. cornucopioides und Cr. sinuosus (ob die Geschmack abgeben, konnte
ich nicht feststellen), jeweils ein Händchen voll, „gewürzt“ mit einigen jungen Lactarius deterrimus, deren etwas harzigen Geschmack ich
persönlich als sehr angenehm empfinde - gebraten, mit etwas trockenem Weißwein abgelöscht und mit Sojamilch und ein wenig Gewürzen
zu einer Sauce definiert, sind solche Gerichte schon äußerst lecker, wie ich so langsam als „Nicht-Pilze-Esser“ feststellen muss…

Na jedenfalls, in Vorbereitung auf die morgige Mahlzeit und zurück zum „kann man die essen“, Herbsttrompeten finde schon seit Jahren
an manchen, nicht sehr vielen, Stellen in meinen Wäldern, meistens sind sie so etwa 2 bis vielleicht 5 cm hoch, oft auch schonmal „vorgetrocknet“,
Magenprobleme mit den geringen gesammelten Mengen hatte ich damit noch nie. Aber auch noch niemals seit meiner Pilzzeit solche „Monster“
von bis teils über 20 cm Höhe, im Büschel wachsend locker jeden hochgezüchteten und „gut gespritzten“ Blumenkohl in der Ausdehnung übertreffend -
wenn man plötzlich inmitten eines solches Feldes mit über 50 solcher Büschel steht, fragt einer wie ich sich schon, was er bislang für ausgewachsene
Herbsttrompeten hielt… Die FK sind allein im dunklen Stielbereich eines Büschels so massig wie sonst gesamte Büschel dieser Pilze im Kleinformat.

Unnötig überlanger Rede kurzer Sinn: Schätzungsweise ist der schwarze Stielbereich schon etwas holzig - hätte einer der erfahreneren
Pilze-Esser Probleme damit, den Rest frisch oder trocken zu verwerten? Ich bin damit etwas unsicher… obwohl ich nicht der Meinung bin,
dass ich hierbei wie sonst stets an Supermarkt-Pilzen zwar interessiert, aber aus Ekel noch niemals gekauft, wegschauen müsste.
Der eigene „Fang“, wenn auch ohne Leben zu nehmen, trübt allerdings oft die Sinne, wie doch in den Körben und Fotos von gelernten Sammlern
ja oftmals zu sehen ist…

Noch ein paar Bilder, im Gegenlicht vor Ort für mich unmöglich, die Menge der FK annähernd darzustellen, allein die graue Fruchtschicht scheint mir dicker
als die kompletten Hüte von Funden dieser Art zuvor:

[image]

Links ist ein FK in der Art zu sehen, die ich bis heute bereits als ausgewachsen angesehen hatte und schon einige Male genießen durfte, rechts eines der "Monster":

[image]

Die Masse der eingesammelten und gezeigten FK bitte ich zu entschuldigen, ist normalerweise nicht meine Art, aber nur ein winziger Teil der an dieser
Stelle gewachsenen - davon könnte ich mir vermutlich mind. zehn Gerichte zubereiten…

[image]

Grüße vorab und Mahlzeit - so viele Pfifferlingsarten und -Mengen wie dieses Jahr, konnte ich in den vergangenen 5-7 Jahren noch nicht feststellen - ob dies nun ein gutes Zeichen ist,
mag man vielleicht wie ich anzweifeln...

Ich geh mal jedenfalls gleich putzen… ;)
Klaas

Re: Kann man die essen?

Matthias, (vor 4436 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,
die Totentrompete hat ein feines Aroma, ist aber ein wenig zäh als Frischpilz und getrocknet ebenso. Da hilft sie in sehr kleine Stücke schneiden, sollte man eigentlich mit allen Pilzen machen, das kurz durchschwenken von Fernsehköchen mit halben oder gar ganzen Pfifferlingen sieht im TV gut aus, führt aber zu nichts,
viele Grüsse
matthias

Re: Kann man die essen?

Gernot, (vor 4436 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

Grüße vorab und Mahlzeit - so viele Pfifferlingsarten und -Mengen wie dieses
Jahr, konnte ich in den vergangenen 5-7 Jahren noch nicht feststellen - ob
dies nun ein gutes Zeichen ist,
mag man vielleicht wie ich anzweifeln...

Ja, das ist wirklich auffällig; fast alle erdenklichen Cantharellen, Craterellen und Pseudocraterellen gibt's bei uns heuer in unüblich großen Mengen und das eigentlich ununterbrochen seit Sommerbeginn. Auch Schweinsohren haben ein extrem gutes Jahr. Einzig C. friesii fehlt mir heuer noch.

Wie meinst du das mit dem guten Zeichen?

Ich geh mal jedenfalls gleich putzen… ;)

Viel Spaß :-)

Schöne Grüße
Gernot

Re: Kann man die essen?

Birgit, (vor 4436 Tagen) @ Klaas

Hallo klaas,

Na jedenfalls, in Vorbereitung auf die morgige Mahlzeit und zurück zum „kann
man die essen“, Herbsttrompeten finde schon seit Jahren
an manchen, nicht sehr vielen, Stellen in meinen Wäldern, meistens sind sie
so etwa 2 bis vielleicht 5 cm hoch, oft auch schonmal „vorgetrocknet“,
Magenprobleme mit den geringen gesammelten Mengen hatte ich damit noch nie.
Aber auch noch niemals seit meiner Pilzzeit solche „Monster“
von bis teils über 20 cm Höhe, im Büschel wachsend locker jeden
hochgezüchteten und „gut gespritzten“ Blumenkohl in der Ausdehnung
übertreffend -

also 10-15 cm Höhe finde ich normal für Totentrompeten, wir hattten heute auch sehr viele.
Der schwarze, untere Teil des Stiels kommt bei mir weg. Was auch weg muss, sind die lappigen schwarzen Ränder, die man z.B. aus Deinem obersten Bild an einigen Pilzen sieht. Dieser Teil des Pilzes ist dann schon zu alt und schon angefault, analog zu den dunkelorangen Rändern von Supermarktpfifferlingen ;-). Ansonsten finde ich Totentrompeten frisch nicht zäh und getrocknet auch nicht wirklich hart zu beissen. Frisch hatte ich sie letzte Woche mal in einem Graupenrisotto mit Trompetenpfifferlingen, war lecker, aber das Aroma der getrockneten Pilze empfinde ich als wesentlich intensiver. Ach ja, um auf Deine Frage zurückzukommen ;-), natürlich finde ich, dass man die gerne und gut essen kann.

Grüße vorab und Mahlzeit - so viele Pfifferlingsarten und -Mengen wie dieses
Jahr, konnte ich in den vergangenen 5-7 Jahren noch nicht feststellen - ob
dies nun ein gutes Zeichen ist,
mag man vielleicht wie ich anzweifeln...

Ich bilde mir ein, dass alle Pfifferlingsarten viel und lange Feuchtigkeit brauchen, dementsprechend gibt es nicht jedes Jahr viele Totentrompeten und es ist angezeigt, sich einen Vorrat für die nächsten Jahre zuzulegen. Pseudocraterellus sinuosus ist mir dieses Jahr aber noch nicht begegnet, während heute wieder mal ganz munter Craterellus cinereus zwischen den Totentrompeten rumstand.

liebe Grüße

Birgit

Ich geh mal jedenfalls gleich putzen… ;)
Klaas

Re: Kann man die essen?

Klaas, (vor 4435 Tagen) @ Matthias

Hallo Mathias,

die kleinen Trompeten in ein paar noch kleinere Teile gezupft und gut gebrutzelt kenne ich ja und mag sie gerne.
Mir ging es eher um diese riesigen „alten Schlappen“, bei denen ich ob des permanenten Wechsels zwischen Regen
und Dürre und ihres Alters kulinarisch unschlüssig bin.
Kommt wohl auf den Selbstversuch an, von Außen sehen sie gut aus.

Grüße
Klaas

Re: Kann man die essen?

Klaas, (vor 4435 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

die friesii sind mir dieses Jahr auch noch nicht begegnet, die Schweinsohren noch nie, der Rest der Sippschaft aber
wirklich in völlig ungewohnter Dauer und Anzahl.
Das „gute Zeichen“, na ja, ist vermutlich nur Ausdruck meiner allgemeinen Schwarzseherei, mir kommen da Gedanken
wie „Angst-Fruktifikation“ in den Sinn. Wahrscheinlich passen aber eben nur die diesjährigen Bedingungen besser für
diese Arten, die bei anderen Arten diesmal wohl für einen Totalausfall gesorgt haben.

Grüße
Klaas

Re: Kann man die essen?

Klaas, (vor 4435 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

besten Dank für Deine Putz-Hinweise - so habe ich es auch gemacht.
Die cinereus standen an der Stelle auch bunt gemischt mit den Trompeten und ungewöhnlich groß bis zu 10 cm -
die kenne ich sonst zumeist auch nur mit etwa 2 cm Höhe und dann schon völlig vertrocknet.

Grüße
Klaas

Re: Kann man die essen?

Joschi Siembida ⌂, (vor 4435 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

so wie Du die jetzt geputzt hast hätte ich das auch gemacht. Getrocknet finde ich die aber bedeutend besser als frisch zubereitet.

Zur Pifferlings (s.l.) Schwemme folgendes:

1.
Im Vergleich zu Röhrlingen und Lamellenpilzen wachsen die Pifferlingsverwandten sehr langsam. Vom Stecknadelskopf bis zu annähernd handtellergroßen Fruchtkörper vergehen nach meiner Beobachtung normalerweise 2-3 Wochen. Bis sich das Myzel überhaupt entschließt Fruchtkörper auszubilden würde ich nochmals so viel Zeit vermuten. Das wären dann also etwa 4-6 Wochen in denen die Wachstumsbedingungen mehr oder weniger optimal sein müssen.

2.
Temperaturen von 10-15°C reichen zur Fruchtkörperbildung aus. Mehr ist natürlich nicht schlecht, aber ...

3.
.. der Boden darf nicht austrocknen, bzw. darf eine gewisse Feuchte nicht unterschreiten. Dabei spielt die Niederschlagsmenge nur eine untergeordente Rolle. Ein kräftiger Regenguß und danach 4 Wochen bedeckter Himmel, hohe Luftfeuchtigkeit und Windstille bringen warscheinlich mehr als 4 Wochen Daueregen.

Nach den 3 Monaten Dürre (die der Konkurenzschwache C. friesii wohl nicht so gut überstanden hat) haben wir hier im Südwesten nun seit etwa 2 Monate Waschküchenwetter bei rund 20°C. Also überdurchschnittliche Bedingungen für die Pfifferlingsverwandten.

Das Glas ist in Deinem Fall nicht halb leer sondern läuft geradezu über! ;-)

Leg Dir also besser Vorräte für die nächsten Jahre an.

Gruß Joschi

Re: Kann man die essen?

Stinkmorcheling ⌂, (vor 4435 Tagen) @ Joschi Siembida

Also ich liebe sie frisch ebenso sehr wie getrocknet oder auch eingelegt. Schmeckt halt jeweils etwas anders und in allen Fällen für mich oberlecker. Der Pilz heisst in unserer Gegend ja nicht umsonst "Schwabentrüffel" (und in Italien "Armeleutetrüffel" - tartufi di poveri).

Hier ein Rezept für die Zubereitung von frischen Herbsttrompeten (inspiriert von elfi aus diesem Forum/Chat):

http://peterrauleder.de/22469/22455.html?entry_id=c2ca707a4564224584da4d2b18fef5ae#blog...

Und eingelegt geben sie eine hervorragende Begleitung für Raclette und Käsefondue ab. Hier das Rezept:

http://peterrauleder.de/21992/22148.html

Und ob man die essen kann...

michaelk, (vor 4435 Tagen) @ Klaas

Die kann man nicht nur essen. Für mich sind Totentrompeten zusammen mit ganz f frischen Steinpilzen die besten Pilze überhaupt. Fachgerecht getrocknet schmecken sie freilich noch erheblich besser. Ach ja: der Kaiserling ist im Vergleich dazu höchstens, aus meiner subjektiven Sicht, ganz nett.

Re: Kann man die essen?

Gábor, (vor 4435 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

tatsächlich ist es bei Herbsttrompeten nicht immer ganz einfach, die noch Verwertbaren zu erkennen.
Die Größe spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger ist die Konsistenz und auch der Geruch.
Sobald sich die Frkp. etwas gummiartig/schlüpfrig anfühlen und anfangen unangenehm zu müffeln, sind sie leider schon zu alt für die Küche.
Aber ansonsten finde ich entgegen der allgemein vertretenen Meinung, dass Herbsttrompeten sehr wohl auch als Frischpilze durchaus einen feinen Geschmack haben.
Da sollte man dann allerdings die etwas holzigen Stiele älterer Frkp. nicht mehr verwenden...

LG, Gábor

Re: Kann man die essen?

Goldsucher, (vor 4434 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

Cantharellus friesii kannst du bei uns jetzt schon finden. Ich hoffe, wir sehen uns heuer bei der Tagung Ende September.

Re: Kann man die essen?

Gernot, (vor 4434 Tagen) @ Goldsucher

Ja, ich hoffe auch, zumindest am Anfang der Tagung - ab 1. Oktober bin ich leider selber weg.

Schöne Grüße
Gernot

Hallo Gernot,
Cantharellus friesii kannst du bei uns jetzt schon finden. Ich hoffe, wir
sehen uns heuer bei der Tagung Ende September.

Re: Kann man die essen?

Klaas, (vor 4433 Tagen) @ Gábor

Hallo Gábor

Aber ansonsten finde ich entgegen der allgemein vertretenen Meinung, dass
Herbsttrompeten sehr wohl auch als Frischpilze durchaus einen feinen
Geschmack haben.

Das finde ich auch - und ganz besonders, wenn es mit nur wenig Öl gelingt, einen Teil davon ganz leicht "knusprig" zu bräunen
und damit zartes Röstaroma hinzuzufügen.

Auch allen anderen an dieser Stelle noch besten Dank für eure Antworten!

Viele Grüße
Klaas