Viel Schleierhaftes *PIC*

Fiedelmaxe, (vor 4390 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,

die letzten Wochen brachten rund um Wiesbaden etliche schöne Schleierlinge zu Tage. Leider ist mein Wissen zu diesen Pilzen noch äußerst dürftig, aber da es oft so wunderschöne, faszinierende Pilze sind, habe ich dennoch versucht, mich ihnen ein wenig zu nähern- kleinere bzw. größere Irrtümer garantiert eingeschlossen.

Besonders angetan haben es mir einige Phlegmacien mit mehr oder weniger violetten Farbtönen.
Diese hier, gefunden auf einer Schafwiese in warmer sonniger Hanglage unter jungen Eichen verorte ich aufgrund der Violetten Druck-Flecken an Stiel und Knolle bei Cortinarius purpurascens/ largusoides (in GPBW sind das ja verschiedene Arten). Aufgrund der weinroten Lugol -Reaktion gehören sie wohl in jedem Fall zu den Scauri.

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Bei den folgenden, am fast identischen Fundort (Eiche / Schafwiese) waren die Lamellen ohne jegliche Violettöne, das Velum weiß, der Stiel teilweise mit violetthauch, die Stielbasis verfärbte auf Druck ockergelb. Hier habe ich (nach GPBW) Cortinarius balteatocumatilis bzw. balteatus (Fries) in Erwägung gezogen, wobei das weißliche Velum für zweiteren, die freudigeren Hutfarben und der Standort bei Laubbäumen ehre für ersteren spricht. Die Trama-Reaktion mit Ammoniakdampf war schön reingelb, wie für balteatocumatilis beschrieben; ob andere Phlegmacien so ähnlich reagieren, weiß ich nicht.
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Den dritten ähnlichen Fund (unter Hainbuche /Fichte auf einer Grünfläche im Wohngebiet) mit hellviolettlichen bis ockerlichen Hutfarben, habe ich vorerst als Cortinarius largus (nemorensis?) angesprochen. Hut jung mit Violetttönen, älter eher hellockerlich; feucht recht schleimig; Lamellen jung violettlich, bei älteren Exemplaren von innen kaffebräunlich und nur am Rand noch mit Violettschimmer; schließlich ganz Zimtbräunlich. KOH-Reaktion gelbgerandet, Guajak schön blaugrün.

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Des weiteren zwei Funde aus dem Buchenwald:

Buchenwald-Klumpfuß (Cortinarius anserinus) (?) mit schön ockergerandeter Knolle

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und Cortinarius croceocaeruleus, der Safranblaue Schleimfuß mit sehr bitterem Geschmack, hier gibt es wohl keine zwei Meinungen.

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Daneben noch auf einer vermoosten Wiese bei jungen Fichten Cortinarius caninus, der Rostbraune Dickfuß,
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sowie am Laubwaldrand unter Tilia (Fagus und Quercus in einigem Abstand) der Gelbgegürtelte Schleimkopf, Cortinarius olidus (oder cliduchus). Die schönen ockergelben "Schmuckbänder" im unteren Stielteil waren doch recht auffällig.

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Zum Schluss noch ein fuchsigbrauner Wasserkopf, gefunden auf einer Viehweide am Wegrand unter Betula (keine anderen Bäume in der Nähe), ich habe Cortinarius subbalaustinus in Verdacht, aber bei den Telamonien ist die Vielfalt so unüberschaubar, dass es bestimmt Alternativen gibt, die mir unbekannt sind...

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Wie immer bin ich für Kommentare/ Verbesserungsvorschläge sehr dankbar.

Beste Grüße,
Sebastian

Re: Viel Schleierhaftes

coco, (vor 4389 Tagen) @ Fiedelmaxe

hallo sebastian,

danke fürs zeigen!
diese wunderschönen pilze sind leider nicht meine baustelle, aber den balteatocumatilis kenne ich genau so, inkl. eigener skepsis wg. kaum violetter cortina.

lg coco

Re: Viel Schleierhaftes

Fiedelmaxe, (vor 4389 Tagen) @ coco

hallo sebastian,
danke fürs zeigen!
diese wunderschönen pilze sind leider nicht meine baustelle, aber den
balteatocumatilis kenne ich genau so, inkl. eigener skepsis wg. kaum
violetter cortina.
lg coco

Hallo coco,

das beruhigt mich, dass ich da nicht alleine zweifle, alles andere passt schon ziemlich exakt zu besagtem balteatocumatilis, ev. sind die Cortina-Farben (wie ja fast alles bei den Pilzen) von einer größeren Variationsbreite.

Beste Grüße,

Sebastian

Re: Viel Schleierhaftes

Andreas ⌂, (vor 4389 Tagen) @ Fiedelmaxe

Hallo Sebastian,

ich teile alle deine Bestimmungsergebnisse, mit einer Ausnahme:
Der C. olidus kann kaum sein, mit so einer matten Hutoberfläche und so blauen Lamellen. Das ist sicher was aus der anomalus-Gruppe, z. B. Cortinarius luteoperonatus.

beste Grüße,
Andreas

Re: Viel Schleierhaftes *PIC*

Fiedelmaxe, (vor 4388 Tagen) @ Andreas

Hallo Sebastian,
ich teile alle deine Bestimmungsergebnisse, mit einer Ausnahme: Der C. olidus
kann kaum sein, mit so einer matten Hutoberfläche und so blauen Lamellen.
Das ist sicher was aus der anomalus-Gruppe, z. B. Cortinarius
luteoperonatus.
beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas, hab jetzt noch mal im Archiv gestöbert, der gleiche Pilz wurde höchstwahrscheinlich 2008 von DirkW schon mal ins Forum gestellt (du hattest ihn damals auch als C. lutoperonatus vermutet), bis auf die mehr ockerlichen Hutfarben passt es ziemlich perfekt(ockergelbe Stielnatterung, büscheliges Wachstum); und ein FrKp ist hier zuhause nach ein paar Tagen liegen deutlich ockerbräunlich nachgedunkelt.

Hier noch ein Bild vom jetzigen Fund

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..und das war der Fund von DirkW 2008

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Bilder von luteoperonatus sind tatsächlich sehr rar; hätte dieser Pilz lila Fleisch? Hier war das fleisch definitiv rein weißlich.
Habe ein paar FrKp getrocknet, man könnte also ggf. mit dem Mikroskop nachschauen.
Beste Grüße,

Sebastian

Re: Viel Schleierhaftes

Stephan Weißer, (vor 4389 Tagen) @ Fiedelmaxe

Diese hier, gefunden auf einer Schafwiese in warmer sonniger Hanglage unter
jungen Eichen verorte ich aufgrund der Violetten Druck-Flecken an Stiel
und Knolle bei Cortinarius purpurascens/ largusoides (in GPBW sind das ja
verschiedene Arten).

Hätte ich genauso getan.

Den dritten ähnlichen Fund (unter Hainbuche /Fichte auf einer Grünfläche im
Wohngebiet) mit hellviolettlichen bis ockerlichen Hutfarben, habe ich
vorerst als Cortinarius largus (nemorensis?) angesprochen.

Cortinarius largus hätte zwar blassblaues, aber doch blaues Fleisch. Meine Meinung: eher C. nemorensis als C. largus.

Des weiteren zwei Funde aus dem Buchenwald: Buchenwald-Klumpfuß (Cortinarius
anserinus) (?) mit schön ockergerandeter Knolle

Da wäre mir die Huthaut viel zu leuchtend gelb (vllt. nur ein Problem des Fotos?). Meine erste Idee wäre C. langei.

und Cortinarius croceocaeruleus, der Safranblaue Schleimfuß mit sehr bitterem
Geschmack, hier gibt es wohl keine zwei Meinungen.

von mir kommt keine andere

sowie am Laubwaldrand unter Tilia (Fagus und Quercus in einigem Abstand) der
Gelbgegürtelte Schleimkopf, Cortinarius olidus (oder cliduchus). Die
schönen ockergelben "Schmuckbänder" im unteren Stielteil waren
doch recht auffällig.

Die haben außer den gelben Velumflocken (meiner Meinung nach Flocken, aber keine Bänder oder Gürtel) mit C. olidus überhaupt nichts gemein, insbesondere nicht die grauweißliche Hutfarbe. Das muss etwas ganz anderes sein. C. cliduchus ist meinen Beobachtungen nach ein Pilz, der ähnlich wie C. olidus aussieht, aber in Bergnadelwäldern vorkommt.

Freundliche Grüße
Stephan

Re: Viel Schleierhaftes *PIC*

Fiedelmaxe, (vor 4389 Tagen) @ Fiedelmaxe

Hallo Andreas und Stephan,

vielen Dank für eure Einschätzungen.

Zum vermeintlichen olidus: in der Tat hatten mich die violetten Farbnuancen in den Lamellen auch etwas irritiert, da sie bei olidus nicht vorhanden sein dürften; auch ist die Hutfarbe ja eher weißlich mit etwas ockerlicher Mitte, fast bereift wirkend, etwas so wie z.B. beim Mehlräsling. Den angesprochenen luteoperonatus hatte ich überhaupt nicht im Blick; davon gibt es ja kaum Bilder, auf einem der wenigen im Web (aus Frankreich) hat der violettes Fleisch, beim jetzigen Fund ist die Trama rein weiß-blass ocker ohne jeden Violettton, im übrigen im Stiel leicht hohl. Ich habe mal noch ein paar Flüssigkeiten aufgetragen, KOH in Trama und auf Hut absolut negativ, ebenso Guajak und Formalin; Lugol rotbräunlich, ähnlich wie bei purpurascens- keine Ahnung, ob das was hilft.
Interessanterweise würde der Standort für besagten luteoperonatus perfekt zu den Angaben in GPBW passen- absolut wärmebegünstigter, fast reiner Eichenwald auf einem sonnigen Hügel (bis 250 m nn) mitten im Frauensteiner Weinbaugebiet(wurde früher angelegt und genutzt zur Brennholzgewinnung, ist nun als flächiges Naturdenkmal geschützt).
Klarheit könnte hier wohl nur das Mikroskop verschaffen (leider noch nicht vorhanden...)

Zum anserinus (langei?): das Bild ist tatsächlich etwas gelbstichig, habe noch Bilder von einem trüberen Tag, wo die Hutfarbe deutlich weniger leuchtend ausfällt. Das Velum ist offensichtlich auch jung nicht violett und die Knolle von Anfang an ockerlich gerandet- Hinweis auf langei ??

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Zu largus/nemorensis: die KOH-Reaktion war hier ziemlich blass, so wie wohl für largus zu erwarten und beschrieben. Bei einem im Sommer im alpinen Bergfichtenwald gefundenen variicolor war die Reaktion viel ausgeprägter mit chromgelber Umrandung, hier eher blass-ockerlich. Ich weiß aber nicht, ob das bei nemorensis ähnlich aussehen müsste wie bei variicolor.

Beste Grüße,

Sebastian

Re: Viel Schleierhaftes

interhias ⌂, (vor 4389 Tagen) @ Fiedelmaxe

Die Hut- und Velumfarben passen schon zu C. anserinus, finde ich. Probier einfach mal die Huthaut. Sie müsste bitter schmecken.

Grüße
Hias

Re: Viel Schleierhaftes

Stephan Weißer, (vor 4389 Tagen) @ Fiedelmaxe

Aufgrund dieser Fotos neige ich jetzt auch zu C. anserinus.
Gibt es die Cortinarien jetzt noch, oder sind das schon ältere Fotos?
Freundliche Grüße Stephan

Re: Viel Schleierhaftes

Fiedelmaxe, (vor 4388 Tagen) @ Stephan Weißer

Leider sind das - mit Ausnahme des "non-olidus"- ältere Bildervon vor 2-6 Wochen, ein paar davon gibt es zumindest als Exsikkate (purpurascens, largus, verm. olidus, caninus, subbalaustinus), den anserinus leider nicht mehr. Der "non-olidus" ist von vor drei Tagen, da könnten noch Exemplare am Standort sein.

Beste Grüße,
Sebastian

Aufgrund dieser Fotos neige ich jetzt auch zu C. anserinus.
Gibt es die Cortinarien jetzt noch, oder sind das schon ältere Fotos?
Freundliche Grüße Stephan