neues Pilzbuch und Pilze bei real

Pilzpeter, (vor 8758 Tagen)

Hallo,

hatte eben, da ich im Stau in der Stadt nicht weiterkam, zwei unverhoffte Einkaufserlebnisse. Im real - Markt gab es einen sonderstand mit russischen Erzeugnissen: unter anderem "Körnchenröhrlinge" und "Gruenlinge" im Glas.
Vertrieb durch Dovgan GmbH in Hamburg. Verzehrempfehlung auf dem Etikett: Kalt mit unserem Wodka.
In der Buchhandlung nebenan gab es eine mir bis dato noch nicht bekannte "Enyklopädie der Pilze" von Gerrit J. Keizer vom Komet - Verlag.
Eine Übersetzung aus dem holländischen. Ca. 750 Bilder im Format von ca. 6,5 x 6,5 cm (manchmal auch größer) und sehr knapp gehaltene Beschreibungen.

Bemerkenswert, daß in manchen Gattungen nicht nur die üblichen Arten abgebildet sind, so gibt es z. B. auch rund 20 Rindenpilze, 12 Schleimpilze und 163 Ascos mit Bildern.

Eine Enzyklopädie ist es natürlich nicht, aber es werden mindestens einige Arten gezeigt, die sonst nicht üblich sind.

Gruß an alle
Pilzpeter

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Re: neues Pilzbuch und Pilze bei real

Huperzia ⌂, (vor 8758 Tagen) @ Pilzpeter

In der Buchhandlung nebenan gab es eine mir bis dato noch nicht bekannte
"Enyklopädie der Pilze" von Gerrit J. Keizer vom Komet - Verlag.
Eine Übersetzung aus dem holländischen. Ca. 750 Bilder im Format von ca. 6,5
x 6,5 cm (manchmal auch größer) und sehr knapp gehaltene Beschreibungen.
Bemerkenswert, daß in manchen Gattungen nicht nur die üblichen Arten
abgebildet sind, so gibt es z. B. auch rund 20 Rindenpilze, 12
Schleimpilze und 163 Ascos mit Bildern.

Hallo Peter,

Ich hab mir die "Enzyklopädie" vor etwa 1,5 Jahren für damals knapp 20 DM gekauft und es sicher nicht bereut. Gerade für Pilzler, die "holländisch", also im Flachland an der Küste leben (und auch mal am Strand sammeln) sind Arten abgebildet, die in den süddeutschlandlastigen Bilderbüchern oft fehlen.

Viele Grüße,

Tanja

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Kann mich Huperzia nur anschliessen. *oT*

Cortinarius varius, (vor 8758 Tagen) @ Huperzia

- kein Text -

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Re: neues Pilzbuch und Pilze bei real

Marcus B., (vor 8758 Tagen) @ Huperzia

Hallo Tanja

Du hast recht: Dieses Pilzbuch ist - allein schon wegen der großen Artenzahl - schon sehr interessant, aber ich meine das es sich dabei wohl nicht um ein Bestimungsbuch für Sammler (wie der Autor im Vorwort auch betont), sondern eher um eine Bestandaufnahme der Pilze des Flachlandes bzw. eine repräsentative Auswahl der Pilze in ihrer ganzen Bandbreite handelt, was sich auch daran erkennen lässt, das keinerlei Hinweise zu ähnlichen (und vor allem giftigen)Arten gemacht werden.
Deshalb nutze ich (der das Buch als Geburtstagsgeschenk bekam) es vor allem, wenn ich weitere Bilder und Beschreibungen zur Bestimmung einer mir unbekannten Art brauche und ignoriere immer die (wenn überhaupt vorhanden) die doch ziemlich merkwürdigen (da oft übervorsichtigen Speisewertangaben).

Was die "Süd-Lastigkeit" vieler Pilzbücher angeht, so meine ich, dass das "Handbuch für Pilzfreunde" (ich weiß, es ist alt, aber als Vogtländer habe ich so meine Zweifel, ob sich die Kosten für "Pilze der Schweiz" oder die "Großpilze Baden-Württembergs" lohnen) und der "Große BLV-Pilzführer für unterwegs" - allein schon wegen der Herkunft bzw. den Arbeitsorten ihrer Autoren - 2 gute Alternativen darstellen.

Gruß

Marcus B.

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Re: neues Pilzbuch und Pilze bei real

Huperzia ⌂, (vor 8758 Tagen) @ Marcus B.

Was die "Süd-Lastigkeit" vieler Pilzbücher angeht, so meine ich,
dass das "Handbuch für Pilzfreunde" (ich weiß, es ist alt, aber
als Vogtländer habe ich so meine Zweifel, ob sich die Kosten für
"Pilze der Schweiz" oder die "Großpilze
Baden-Württembergs" lohnen) und der "Große BLV-Pilzführer für
unterwegs" - allein schon wegen der Herkunft bzw. den Arbeitsorten
ihrer Autoren - 2 gute Alternativen darstellen.

Hallo Marcus,

Ich schaue ins Handbuch für Pilzfreunde auch immer gerne mal hinein - vor allem zum Nachschlagen, aber die Pilze der Schweiz ersetzt es meiner Meinung nach nicht wirklich, vor allem, wenn auf neuerem Stand sein will - bei der Baden-Württemberg-Flora bin ich befangen ;-).
....und die ganzen Strand und Kleinpilze fehlen ja auch im Handbuch.

Viele Grüße,

Tanja

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Kann mich nur anschliessen

Werner, (vor 8758 Tagen) @ Huperzia

Die Pilze der Schweiz sind so in etwa das Beste, was man fuer (teuer) Geld erhalten kann. Habe gehoert, dass die Flora Agaricina Neerlandica aehnlich gut sein soll, bloss schlaegt die dann noch mal ins Finanzkontor. Aber die Anschaffung ist fuer naechstes Jahr geplant.

Die Grosspilze BaWue sind auch sehr gut - aber die Pilze der Schweiz sind fuer den ernsthaften Mykofreak unersetzlich.

Vom Schluessel her bevorzuge ich allerdings Nordic Macromycetes.

Viele Gruesse,

Werner

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Re: Kann mich nur anschliessen

Huperzia ⌂, (vor 8757 Tagen) @ Werner

Habe gehoert, dass die Flora Agaricina Neerlandica aehnlich
gut sein soll, ....

Hallo Werner,

In der Flora Agaricina gibt es keine Farbabbildungen - allerdings sinnvolle Habituszeichnungen. Sie läßt sich recht gut kopieren und wird dadurch dann doch relativ billig ;-).

Viele Grüße,

Tanja

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Re: Kann mich nur anschliessen

Werner, (vor 8757 Tagen) @ Huperzia

In der Flora Agaricina gibt es keine Farbabbildungen - allerdings sinnvolle
Habituszeichnungen. Sie läßt sich recht gut kopieren und wird dadurch dann
doch relativ billig ;-).

Ja, reingeschaut habe ich schon mal. Naja, aber in so einem Fall bin ich der Meinung, dass der Autor das Geld verdient. Wobei ich auch kopiere, wenn das Buch nicht erhaeltlich ist ... aber mit den Kopien ist halt sinnvolles Arbeiten nur beschraenkt moeglich - irgendwie mag ich schon das Originalbuch, wenn ich es mir leisten kann. Muss man halt ein bisschen warten ... bis der Finanzminister die Genehmigung erteilt :-)

Werner

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ist das Sammeln in NL nicht verboten??? *oT*

Holger, (vor 8757 Tagen) @ Pilzpeter

- kein Text -

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Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Jack.X, (vor 8757 Tagen) @ Pilzpeter

Vor dem Verzehr von Grünlingen wurde doch letztes Jahr durch die Presse und auch hier im Forum immer wieder gewarnt. Ich glaube da hilft auch kein Wodka?
Ich weiß aber, dass in Osteuropa einige Pilze auf dem Speiseplan stehen, die hier mittlerweile als giftig gelten - z.B. Kahler Krempling.
Jack.X

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Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Werner, (vor 8757 Tagen) @ Jack.X

"Gelten als giftig" duerfte wohl der richtig Ausdruck sein. M.W. gibt es immer noch keinen wissenschaftlich definitiv abgesicherten Beweis fuer den Zusammenhang Gruenling/Rhabdomyolyse. Der einzige 'wissenschaftliche' Bericht stammt aus England und behandelt mehrere Faelle aus Frankreich. Lt. Walter Paetzold, der den Originalbericht aus England gelesen hat, ist dieser Test so fehlerhaft durchgefuehrt worden, dass er als Beweis nicht endgueltig ausreicht.

Ich halte es deshalb mit Walter, wenn ich den Gruenling zwar nicht zum Essen empfehlen wuerde (wie uebrigens den K. Krempling auch), aber der uebermaessigen Gruenlingshysterie auch nicht unbedingt nachgeben moechte (das erinnert mich an die Kampfhundhysterie vor ca. 2 Jahren und diverse andere populaere, immer wieder auftretende Hysterien.

Tatsache und Fakt ist aber, dass der Gruenling bis vor kurzer Zeit in vielen Gegenden mengenweise gegessen wurde und das seit langer, langer Zeit. Das ist zwar kein Grund, die Ungiftigkeit anzunehmen - aber es macht doch etwas nachdenklich. Sicherlich, kein Beweis fuer irgendwas.

Ich wuerde mir aber in diesem Zusammenhang eine etwas differenziertere Haltung der Pilzoffiziellen wuenschen. Freigabe in der Beratung: Nein. Essensempfehlung: Nein. Plakatisierung als schlimmer Giftpilz: Nein.(!!!) Anregung von weiterer Forschung zum Thema: Ja. (!!!)

Ich denke, hier wird wieder der gleiche Fehler wie beim Kahlen Krempling gemacht: der Pilz ist als boeser Giftpilz abgestempelt und weitere Forschungen damit verhindert.

Sicherlich, ich kenne die Faelle aus Polen auch. Ob die nun etwas wirklich beweisen oder nicht - wie auch immer. Dennoch, die Hysterie lief ja schon ein Jahr vorher und richtige pharmakologische Forschung waere besser als tausend Bildzeitungsartikel ...

Ich bin zwar etwas vom Posting meines 'Vorredners' thematisch abgewichen, wuerde mir aber trotzdem eine kleine Diskussion der oben aufgestellten Thesen wuenschen.

Was das 'in den Umlauf bringen' von Gruenlingskonserven angeht, bin ich natuerlich der Meinung: kommerzielle Nutzung des Gruenlings sollte bis zur Klaerung des Falles "Gruenling" definitiv unterbleiben - ich weiss aber nicht, ob der Fall Gruenling schon 'gesetzlich' oder verordnungspolitisch in D geregelt ist.

Viele Gruesse,

Werner

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Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Thomas Pruß, (vor 8756 Tagen) @ Werner

Moin Werner,
ich kann mich deinen Ausführungen nur anschließen.

Was das 'in den Umlauf bringen' von Gruenlingskonserven angeht, bin ich
natuerlich der Meinung: kommerzielle Nutzung des Gruenlings sollte bis zur
Klaerung des Falles "Gruenling" definitiv unterbleiben - ich
weiss aber nicht, ob der Fall Gruenling schon 'gesetzlich' oder
verordnungspolitisch in D geregelt ist.

Dazu ist zu sagen, dass es zum Thema Pilze als Lebensmittel nichts gibt, das über die normalen Lebensmittelgesetze hinausgeht. Pilze gelten per Gesetz auch gar nicht als Lebensmittel. So gesehen, dürfte man den Grünling sogar auf dem Markt anbieten, ebenso wie die Frühjahrsmorchel. Die Beschlüsse der DGfM, bestimmte Pilzarten von der Liste der Marktpilze und essbaren Pilze zu streichen, haben nur den Wert einer Empfehlung und gehen in kein Gesetz ein.
Das kann man beurteilen wie man will. Wenn etwas passiert, d. h. jemand durch den Genuss von Pilzen, die er im Geschäft erstanden hat, zu Schaden kommt, greifen andere Gesetze (z. B. Strafgesetzbuch -> Körperverletzung bis fahrlässige Tötung usw.)
Ich habe deshalb den Eindruck, dass der Gesetzgeber immer nur dann reagieren kann, „wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“.

Grüsslis
Thomas

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Grünlinge sind potentiell lebensgefährlich

Christoph ⌂, (vor 8756 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

wer sagt denn, dass Grünlinge "giftig" sind? Sie sind potentiell lebensgefährlich, weil durch sie bereits mehrere Personen gestorben sind.

Im Tierversuch (!) wurde bei Mäusen derselbe Effekt nachgewiesen: Rhabdomyolyse.

Die Mäuse mussten zwar Unmengen fressen, aber beim Paralleltest mit Unmengen anderer Pilze (Austernpilze) passierte den Mäusen nichts.

In Polen hat`s ne Mutter mit Kind erwischt. Zum Glück nicht tödlich - auch Rhabdomyolyse... Welch Zufall???

Die Pigmente des Grünlings sind denen der gelben Klumpfüße um Cort. splendens ähnlich. Ob sie das "Gift" sind ist fraglich, aber sie scheinen sehr verdächtig zu sein, dass sie nicht gerade "gesund" sind. Prof. Steglich hat hier geforscht.

Eine Warnung vor einem Pilz, der Rhabdomyolyse verursachen kann ist in meinen Augen keine Hysterie! Verharmlosung hingegen finde ich unmöglich.

Eine Warnung vor den Folgen ist doch Aufklärung, keine Panikmache. Zum Kahlen Krempling wurde teils argumentiert, er sei nicht gefährlich, weil in Deutschland nichts mehr passiert ist. Ja warum denn? Weil kaum noch einer den Pilz isst. Die letzten schweren Paxillus-Fälle stammen aus den 90er Jahren (Tschechien!). Soviel dazu.

Da man nicht weiß, wen es treffen kann (Krempling oder Grünling), ob der Mensch genetisch disponiert sein muss, on es Zufall ist... kann man nicht sagen, die Arten wären "giftig". Tödlich kann der Verzehr dennoch enden.

Und es gibt so viele Speisepilze, warum muss man denn Russisches Roulette spielen???

Mir gibt die Häufung der Fälle zu denken. Sag mir mal, wie viele Fälle von Rhabdomyolyse in den letzten Jahrhunderten "übersehen" wurden (als die Krankheit noich unbekannt war...).

Die DGfM warnt weiterhin. Und Pilze, die bereits Todesfälle ausgelöst haben gehören einfach nicht auf den Markt. Wer den Grünling trotzdem noch essen will, na der solls doch tun. Aber wenn er andere mit einlädt und etwas passiert, dann ist`s bereits für die Staatsanwaltschaft von Belang, da man ja um die potentielle Gefahr wusste (Fahrlässigkeit).

Auf der DGfM-Homepage gibts Infos und nen weiterführenden link zu dem Fall aus Polen: http://www.dgfm-ev.de/www/de/aktuelles/gruenling1.php3

In der aktuellen Mycologia Bavarica habe ich auch eine Zusammenfassung gegeben.

Und die "Speisegiftpilze" waren ein Schwerpunktthema im DGfM-Forum (im "Brennpunkt"): http://www.dgfm-ev.de/phorum

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Re: Grünlinge sind potentiell lebensgefährlich

Werner, (vor 8756 Tagen) @ Christoph

Hallo Werner,
wer sagt denn, dass Grünlinge "giftig" sind? Sie sind potentiell
lebensgefährlich, weil durch sie bereits mehrere Personen gestorben sind.

Richtig, POTENTIELL lebensgefaehrlich wie jedes Lebensmittel, u.U. auch gefaehrlicher als viele andere Lebensmittel. Dir ist aber sicherlich auch bekannt, dass viele andere Pilze und sonstige Lebensmittel beispielsweise toedliche Allergien ausloesen koennen (z.B. Erdbeeren, Nuesse, Nachtschattengewaechse usw.) Niemand nimmt die vorsorglich vom Markt.

In diesem Fall Gruenling bin ich durchaus der Meinung, dass es OK ist, wenn man die kommerzielle Nutzung unterbindet - wie ja in meinem letzten Posting schon stand. Nur - die Art der Warnung (knallroter Flyer mit Totenkopf der DGfM beispielsweise, auch die Art, wie die Schweizer den Pilz von heute auf morgen verteufelten) fand ich stark uebertrieben.

Im Tierversuch (!) wurde bei Mäusen derselbe Effekt nachgewiesen:
Rhabdomyolyse.
Die Mäuse mussten zwar Unmengen fressen, aber beim Paralleltest mit Unmengen
anderer Pilze (Austernpilze) passierte den Mäusen nichts.

Richtig. Aber genau dieser Versuch ist nach meinem Wissenstand so stark fehlerhaft, dass man den unbedingt seitens weiterer angesehener Forschungsanstalten verifizieren muesste. Genau dahin geht ja auch meine Argumentation.

So ist wohl auch nicht ausreichend untersucht worden, ob T. equestre im engeren Sinne immer dran schuld war, ob er vielleicht spezielle chemische Rassen bildet usw. Genau hier muesste geforscht werden - ebenso wie beim Kahlen Krempling. Durch das betonharte Urteil "Der Gruenling IST lebensgefaehrlich" statt "Der Gruenling KANN unter Umstaenden bei gewisser Veranlagung, gewissen Gruenlingsunterarten usw. lebensgefaehrlich sein" wurde der Weg verbaut, weiter am Gruenling zu forschen. Jetzt kann man eigentlich nur noch hoffen, dass beispielsweise die Pharmaindustrie ihr Interesse am "Gruenlingsgift" entdeckt und dass deshalb doch noch geforscht wird.

In Polen hat`s ne Mutter mit Kind erwischt. Zum Glück nicht tödlich - auch
Rhabdomyolyse... Welch Zufall???
Die Pigmente des Grünlings sind denen der gelben Klumpfüße um Cort. splendens
ähnlich. Ob sie das "Gift" sind ist fraglich, aber sie scheinen
sehr verdächtig zu sein, dass sie nicht gerade "gesund" sind.
Prof. Steglich hat hier geforscht.

Wie gesagt, ich bin nicht gegen die Warnung an sich. Nur denke ich, eine differenziertere Art der Warnung waere wichtig. Denn was wuerden wir sagen, wenn der Bauernverband ploetzlich mit imposant aufgemachten Flyern verkuenden wuerde: "Die Nuesse sind lebensgefaehrlich 'giftig'. Es sind schon viele Menschen an Nussallergie gestorben. Beweis: 20 Muetter mit Kindern in den letzten x Monaten usw.".

Eine Warnung vor einem Pilz, der Rhabdomyolyse verursachen kann ist in
meinen Augen keine Hysterie! Verharmlosung hingegen finde ich unmöglich.

Siehe oben. Der Verharmlosung will ich nicht das Wort reden.

Da man nicht weiß, wen es treffen kann (Krempling oder Grünling), ob der
Mensch genetisch disponiert sein muss, on es Zufall ist... kann man nicht
sagen, die Arten wären "giftig". Tödlich kann der Verzehr
dennoch enden.

Genau da muss geforscht werden!!!

Und es gibt so viele Speisepilze, warum muss man denn Russisches Roulette
spielen???

Ganz meine persoenliche Meinung. Wie gesagt, nur die extreme Art der Warnung erinnerte mich unschoen an den generell hysterischen Umgang mit solcherlei News in Deutschland. Ich moechte in diesem Zusammenhang auch mal an den BSE-Skandal erinnern. Der hysterische Umgang damit NACH der Entdeckung des Problems war hier vergleichbar. Nur hat niemand Rindfleisch wegen der potentiellen Gefahren (die wohl fuer die Volksgesundheit hoeher als beim Gruenling sind) endgueltig vom Markt genommen - da steht eine irrsinnige Lobby dahinter, die das verhindert.

Aber - auch da war in den unmittelbaren Monaten nach der Entdeckung des Zusammenhangs BSE-Rindfleisch-Creutzfeld-Jakob eine Massenhysterie ausgebrochen und fast kein Lokal in Muenchen traute sich, Rind anzubieten.

Jetzt, viele Monate spaeter ist alles fast wieder beim Alten. Obwohl ich ueberzeugt davon bin, dass jetzt die Gefahr, dass BSE-verseuchtes Fleisch die Schlachthoefe passiert wieder groesser ist. Unmittelbar nach Entdeckung einer Gefahr wird immer besser kontrolliert als spaeter, wenn wieder der alte Schlendrian zunimmt.

Es gaebe auch viele andere Beispiele fuer solche Hysterien. Ich denke nur mal an den sporadischen Extremschutz von US-Army-Installationen in Deutschland vor Jahren unmittelbar nach Anschlaegen auf die Amerikaner. 1-2 Monate lang wurden da sogar Taxis im Perlacher Forst komplett bei jeder Einfahrt durchsucht. 3 Monate spaeter konnte jeder wieder einfahren und theoretisch gefahrlos tonnenschwere Bomben plazieren. Dieses Spiel wiederholte sich mehrmals.

Vielleicht verstehst Du jetzt, warum ich mit 'Hysterien' so mein Problem habe. Warnung ja, uebertriebene Hysterie nein.

Mir gibt die Häufung der Fälle zu denken. Sag mir mal, wie viele Fälle von
Rhabdomyolyse in den letzten Jahrhunderten "übersehen" wurden
(als die Krankheit noich unbekannt war...).

Sicher. Trifft auf Krebs, evtl. auch AIDS und viele andere zu. Aber Du kannst sicher recht haben. Fazit: Forschen.

Die DGfM warnt weiterhin. Und Pilze, die bereits Todesfälle ausgelöst haben
gehören einfach nicht auf den Markt. Wer den Grünling trotzdem noch essen
will, na der solls doch tun. Aber wenn er andere mit einlädt und etwas
passiert, dann ist`s bereits für die Staatsanwaltschaft von Belang, da man
ja um die potentielle Gefahr wusste (Fahrlässigkeit).

So wie das hier von Dir vertreten wird habe ich auch nichts dagegen. In der Pilzberatung sollte man auch vor dem Pilz warnen, aehnlich wie man jemand warnen sollte, der sich zum 'Zeitvertreib' Fliegenpilze 'einwerfen will'.

Auf der DGfM-Homepage gibts Infos und nen weiterführenden link zu dem Fall
aus Polen: http://www.dgfm-ev.de/www/de/aktuelles/gruenling1.php3
In der aktuellen Mycologia Bavarica habe ich auch eine Zusammenfassung
gegeben.
Und die "Speisegiftpilze" waren ein Schwerpunktthema im DGfM-Forum
(im "Brennpunkt"): http://www.dgfm-ev.de/phorum

Das Meiste davon kenne ich. Werde es aber trotzdem noch mal durchlesen. Was mich am Meisten interessieren wuerde sind die Originalabhandlungen zu den Tierversuchen in England. Die finde ich aber nirgends. Auch Originalzitate und Versuchsaufbau von Forschungen zum Gruenling sind mir nicht zugaenglich. Wenn Walter Paetzold - der Zugang hatte - diesen englischen Forschungsauftrag fuer stark fehlerhaft haelt, glaube ich ihm das aber. Trotzdem - es waere interessant.

Nix fuer Ungut, Christoph. Aber ich habe halt ein Problem mit dem Umgang mit dem Fall Gruenling, genauso wie mit dem Fall BSE oder dem Fall Kampfhunde. Kritik muss ja noch erlaubt sein. Und ausserdem bin ich eh jemand, der gern gegen den Strom schwimmt :-)

Viele Gruesse,

Werner

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Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Pilzpeter, (vor 8756 Tagen) @ Werner

"Gelten als giftig" duerfte wohl der richtig Ausdruck sein. M.W.
gibt es immer noch keinen wissenschaftlich definitiv abgesicherten Beweis
fuer den Zusammenhang Gruenling/Rhabdomyolyse. Der einzige
'wissenschaftliche' Bericht stammt aus England und behandelt mehrere
Faelle aus Frankreich.

Hallo Werner,

ich finde keinesfalls, daß irgendjemand von der DGfM hysterisch oder übersensibel auf die Problematik des Grünlings reagiert hat.
Für die Pilzberatung muß der klare und eindeutige Ausdruck der "Giftigkeit" reichen. Ob dies wissenschaftlich abgesichert, nur bei bestimmten bisher unbekannten lokalen Rassen oder nur wegen Überfütterung der Mäuse so ist, kann doch zunächst einmal für die Qualifizierung als Speisepilz oder als Giftpilz egal sein. Bei mir in der Pilzberatung war noch keiner, bei dem ich hätte befürchten müssen, daß er, wenn er die vorgelegten Pilze nun nicht essen darf, am verhungern wäre. Sag ich ihm aber: "Weißt Du da gibt es Forschungsergebnisse...bei denen noch nicht ganz klar ist ... es wäre besser.." wird es garantiert den einen oder anderen geben, der das Risiko bewußt oder unbewußt eingeht.
Also ist der Pilz für mich in der Pilzberatung giftig - Punkt und basta.
Und wie kommst Du denn darauf, daß die von Dir beschriebene Verteufelung als Giftpilz dazu führt, daß jegliche Forschung verhindert wird.

Pilzpeter

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Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Werner, (vor 8755 Tagen) @ Pilzpeter

Hallo Werner,
ich finde keinesfalls, daß irgendjemand von der DGfM hysterisch oder
übersensibel auf die Problematik des Grünlings reagiert hat.
Für die Pilzberatung muß der klare und eindeutige Ausdruck der
"Giftigkeit" reichen. Ob dies wissenschaftlich abgesichert, nur
bei bestimmten bisher unbekannten lokalen Rassen oder nur wegen
Überfütterung der Mäuse so ist, kann doch zunächst einmal für die
Qualifizierung als Speisepilz oder als Giftpilz egal sein. Bei mir in der
Pilzberatung war noch keiner, bei dem ich hätte befürchten müssen, daß er,
wenn er die vorgelegten Pilze nun nicht essen darf, am verhungern wäre.
Sag ich ihm aber: "Weißt Du da gibt es Forschungsergebnisse...bei
denen noch nicht ganz klar ist ... es wäre besser.." wird es
garantiert den einen oder anderen geben, der das Risiko bewußt oder
unbewußt eingeht.

Na, aber wenn er trotz Deiner Warnung das Risiko eingeht, ist das doch wirklich SEIN BIER! Du kannst ihm ja nicht mal gegen seinen Willen die Pilze abnehmen - sollte er so verbohrt sein, erst in die Pilzberatung zu gehen, um dann trotzdem was anderes im Sinn zu haben.

Also ist der Pilz für mich in der Pilzberatung giftig - Punkt und basta.

Eine etwas vereinfachte Sicht - aber ich muss Dir im Kern schon rechtgeben. Ich habe ja auch nie etwas dagegen gesagt, dass man den Pilz in der Beratung nicht mehr freigibt.

Und wie kommst Du denn darauf, daß die von Dir beschriebene Verteufelung als
Giftpilz dazu führt, daß jegliche Forschung verhindert wird.

Der Beweis dafuer ist z.B. der Kahle Krempling. Das Problem mit Abstempelungen dieser Art - bei Pilzen insbesondere - bewirkt doch, dass es niemand mehr interessiert. Ausser ein paar Mykologen, die aber in der Regel nicht die Finanzen haben, um ernsthafte Forschung zu betreiben. Man hat dem Pilz den Stempel 'Giftig' aufgedrueckt, so wird er dann gefuehrt und RIP (Rest in Peace) Gruenling. Das befuerchte ich nicht ganz unbegruendeterweise - siehe K. Krempling. Auch da haette man in den vielen Jahren doch mal ernsthaft forschen koennen. Wenn man heute das menschliche Genom entraetseln kann, waere das eine relativ kleine Aufgabe. Finanzieren wird das aber leider normalerweise keine Privatfirma, da synthetisch hergestellte Medikamente und Chemikalien doch meist gewinntraechtiger sind. Da waeren die Universitaeten und Max-Planck Institute etc. gefragt. Wenn aber die Akte Gruenling und Kahler Krempling geschlossen wurde, wird keiner mehr Lust haben, seine Zeit damit 'zu verschwenden'.

Wie gesagt, ich hoffe, Du nimmst meine zur offiziellen Meinung kontraer laufende Auffassung nicht persoenlich. Aber ich denke, auch so eine kontroverse Diskussion soll und darf hier gefuehrt werden, ohne dass man sich gram ist.

Mit pilzigen Gruessen,

Werner

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Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Christoph ⌂, (vor 8755 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

ich fürchte, was die Forschung angeht, verrennst du dich ein wenig-
. Weder beim Grünling noch beim Kahlen Krempling liegt es daran, dass die Pilze als gefährlich eingestuft sind, dass keiner mehr forscht.
Man könnte auch zynisch meinen, dass es schade sei, dass so wenig Kremplings-Syndrome auftreten, so dass man keine Studienobjekte hat. So meinst du das natürlich nicht! Ist mir auch klar.
Das Problem ist das liebe Geld. gerade beim Grünling juckt es Chemiker, da mal näher ranzugehen.
Nur hat der Staat, der pleite ist, wenig Interesse daran, viel Geld auszugeben, nur damit Speisepilzsammler eine Pilzart mehr in aller Ruhe und unbesorgt futtern können.
Zudem gab es ja Forschungsprojekte, wie z.B. das von dir verteufelte mit den Tierversuchen.
Prof. Steglich hatte bereits am Grünling geforscht, als er nur als ein grüngelber essbarer Pilz bekannbt war. Es gibt da keinen Zusammenhang!
Wäre der Grünling immer noch als essbar deklariert, würde kein müder Euro mehr in die Forschung fließen.
Krempling dito.
Hier ist es nur viel teurer und schwieriger, rauszubekommen, wie und was das genau passiert.

Man muss einfach vorsichtig sein und neues Wissen akzeptieren, auch wenn man einen Speisepilz verliert. Besser, als dass doch der eine oder andere Hopps geht. Und das haben wir doch gar nicht nötig, oder?

Grüße, Christoph

Der Beweis dafuer ist z.B. der Kahle Krempling. Das Problem mit
Abstempelungen dieser Art - bei Pilzen insbesondere - bewirkt doch, dass
es niemand mehr interessiert. Ausser ein paar Mykologen, die aber in der
Regel nicht die Finanzen haben, um ernsthafte Forschung zu betreiben. Man
hat dem Pilz den Stempel 'Giftig' aufgedrueckt, so wird er dann gefuehrt
und RIP (Rest in Peace) Gruenling. Das befuerchte ich nicht ganz
unbegruendeterweise - siehe K. Krempling. Auch da haette man in den vielen
Jahren doch mal ernsthaft forschen koennen. Wenn man heute das menschliche
Genom entraetseln kann, waere das eine relativ kleine Aufgabe. Finanzieren
wird das aber leider normalerweise keine Privatfirma, da synthetisch
hergestellte Medikamente und Chemikalien doch meist gewinntraechtiger
sind. Da waeren die Universitaeten und Max-Planck Institute etc. gefragt.
Wenn aber die Akte Gruenling und Kahler Krempling geschlossen wurde, wird
keiner mehr Lust haben, seine Zeit damit 'zu verschwenden'.

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Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!

Leonie, (vor 8756 Tagen) @ Jack.X

Mhhh, leider gibt es Grünlinge bei uns heute nicht mehr. Früher als Kind fand ich die aber immer ausgesprochen lecker. Uns mir sind sie immer gut bekommen.

Ich denke, daß ist die typische Hysterie unserer Zeit. Wichtigtuer aller Orten! Selbst die besten Speisepilze "müssen" abgebrüht werden. Wenn ich mal Grünlinge findene würde, wwürden die mit Sicherheit in der Pfanne landen!!!

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Bravo!

Harald Andres Schmid, (vor 8756 Tagen) @ Leonie


Ich denke, daß ist die typische Hysterie unserer Zeit. Wichtigtuer aller
Orten!

Bravo! Ganz deiner Meinung. Es gibt Leute, die bei Genuss von Erdbeeren lebensgefährliche Symptome kriegen, fast ersticken oder so. Wenn Erdbeeren Pilze wären, würde man wohl gleich einen Totenkopf dazu malen.
Also, wenn sie auch noch die Steinpilze verbieten, dann wechsle ich das Hobby, dann kauf ich mir ein Fernrohr und laufe zu den Ornithologen oder Gynäkologen oder wasweisich über!!!

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So viel Unvernunft...

Werner Edelmann, (vor 8756 Tagen) @ Harald Andres Schmid

kaum zu glauben!