Welcher Erlen-Schnitzling? *PIC*

UmUlmHerum, (vor 3455 Tagen)

Hallo miteinander!

Eigentlich wollte ich LBMs ja künftig links liegen lassen, vor allem Braunsporer... aber wenn sonst nix da ist?
Diese Kollektion wuchs am 2.5.17 im selben Garten wie mein Fund vom 15.10.16 (Naucoria alnotorum = cellaloderma, Beitrag 333478), Flussgrundstück in Uffing (Obb.). Diesmal standen sie aber nicht im Kies unter der Gartenbank, sondern dichter am Flussufer in der moorigen Erde unter Schwarzerlen. Schon makroskopisch dachte ich, dass es zwar wieder Erlen-Schnitzlinge sein sollten, aber eine andere Art.

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Die Sporen bestätigten Naucoria: mandel- bis zitronenförmig, warzig, Jod neg.:
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Auf einem 1/2 qm standen gesellig an die 50 Stück, alle kurzstielig, was aber auch dem Wetter geschuldet sein kann – eine Woche zuvor lag noch Schnee.

Hut: Ø bis 20 mm, dunkelbraun (nass), mäßig hygrophan, kaum gerieft, feinfilzige Oberfläche, alt leicht schollig gerissen.
Lamellen: breit angewchsen, entfernt, Lameletten, Schneiden "bereift"
Stiel: geschätzt Ø 2 mm x max. 30 mm lang, hohl, oben bereift und heller, von unten her schwärzend.
Geschmack: nicht bitter

Sporenmaße aus 11 Messungen: 9,3 x 5,0 (8,7...10,3 x 4,6...5,4)
Cheilozystiden: zahlreich um die Lamellenschneide (bis in die Seitenfläche hinein), nicht büschelig, an der Basis verdickt, sehr lange, dünne "Schnäbel", teilweise kopfig (ohne abgesetzt zu sein), L = 35...45 µm, Ø 1,5...2,5 µm
HDS: Globulare Zellen, darüber fasrige Schicht, (keine Schnallen gesehen)

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Cheilos 320x:
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Cheilos 800x:
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Hutrand Auflicht 80x:
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Da man in diesem Fall weder mit GPBW noch PdS weiterkommt, habe ich mich an den verschiedenen Naucoria-Beschreibungen bei "Pilze-Ammersee" durchgehangelt. Nach Ausschluss aller Arten mit Hut-Ø > 30mm sowie hellen Stielen und wirklich unpassenden Sporen blieb nicht viel übrig, trotzdem kein richtiger 100%-Treffer. Diese schnabeligen Cheilos haben fast alle N.-Arten, ob der Geschmack nach Frost + Schnee wirklich noch aussagekräftig ist? Von Naucoria luteolofibrillosa ist keine Beschreibung dabei. Am besten passt noch N. striatula, aber der Standort ist eher "anmoorig" als "sehr moorig", und die Hüte sind kaum gerieft, die Fotos gefallen mir auch nicht so richtig dazu (z.B. hier: http://www.bioimages.org.uk/html/r131516.htm) – hm.

Was meint Ihr dazu? Oder gibt es irgendwo einen brauchbaren Naucoria-Schüssel im Netz?

Viele Grüße – Rika

Re: Welcher Erlen-Schnitzling?

Andreas ⌂, (vor 3454 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

so dunkel und ungerieft käme für mich makroskopisch nur N. scolecina in Betracht - was spricht denn dagegen? Hab grad keine Literatur da.

beste Grüße,
Andreas

Hallo miteinander!
Eigentlich wollte ich LBMs ja künftig links liegen lassen, vor allem
Braunsporer... aber wenn sonst nix da ist?
Diese Kollektion wuchs am 2.5.17 im selben Garten wie mein Fund vom 15.10.16
(Naucoria alnotorum = cellaloderma,
Beitrag 333478 ),
Flussgrundstück in Uffing (Obb.). Diesmal standen sie aber nicht im Kies
unter der Gartenbank, sondern dichter am Flussufer in der moorigen Erde
unter Schwarzerlen. Schon makroskopisch dachte ich, dass es zwar wieder
Erlen-Schnitzlinge sein sollten, aber eine andere Art.

Die Sporen bestätigten Naucoria : mandel- bis zitronenförmig, warzig, Jod
neg.:
Auf einem 1/2 qm standen gesellig an die 50 Stück, alle kurzstielig, was aber
auch dem Wetter geschuldet sein kann – eine Woche zuvor lag noch Schnee.
Hut : Ø bis 20 mm, dunkelbraun (nass), mäßig hygrophan, kaum gerieft,
feinfilzige Oberfläche, alt leicht schollig gerissen.
Lamellen: breit angewchsen, entfernt, Lameletten, Schneiden
"bereift"
Stiel : geschätzt Ø 2 mm x max. 30 mm lang, hohl, oben bereift und heller,
von unten her schwärzend.
Geschmack: nicht bitter
Sporenmaße aus 11 Messungen: 9,3 x 5,0 (8,7...10,3 x 4,6...5,4)
Cheilozystiden: zahlreich um die Lamellenschneide (bis in die Seitenfläche
hinein), nicht büschelig, an der Basis verdickt, sehr lange, dünne
"Schnäbel", teilweise kopfig (ohne abgesetzt zu sein), L =
35...45 µm, Ø 1,5...2,5 µm
HDS: Globulare Zellen, darüber fasrige Schicht, (keine Schnallen gesehen)

Cheilos 320x:
Cheilos 800x:
Hutrand Auflicht 80x:
Da man in diesem Fall weder mit GPBW noch PdS weiterkommt, habe ich mich an
den verschiedenen Naucoria-Beschreibungen bei "Pilze-Ammersee"
durchgehangelt. Nach Ausschluss aller Arten mit Hut-Ø > 30mm sowie
hellen Stielen und wirklich unpassenden Sporen blieb nicht viel übrig,
trotzdem kein richtiger 100%-Treffer. Diese schnabeligen Cheilos haben
fast alle N.-Arten, ob der Geschmack nach Frost + Schnee wirklich noch
aussagekräftig ist? Von Naucoria luteolofibrillosa ist keine
Beschreibung dabei. Am besten passt noch N. striatula , aber der Standort
ist eher "anmoorig" als "sehr moorig", und die Hüte
sind kaum gerieft, die Fotos gefallen mir auch nicht so richtig dazu (z.B.
hier: http://www.bioimages.org.uk/html/r131516.htm ) – hm.
Was meint Ihr dazu? Oder gibt es irgendwo einen brauchbaren Naucoria-Schüssel
im Netz?
Viele Grüße – Rika

Re: Welcher Erlen-Schnitzling?

UmUlmHerum, (vor 3454 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
so dunkel und ungerieft käme für mich makroskopisch nur N. scolecina in
Betracht - was spricht denn dagegen? Hab grad keine Literatur da.
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

merci für Deine Einschätzung!

Jetzt habe ich lange nach näheren Angaben zu N. scolecina gesucht (Kahler oder Rotbrauner Schnitzling – "rotbraun" wäre passend, "kahl" eher weniger wg. der filzigen Hutoberfläche) ... und bin letztendlich quasi im eigenen Haus fündig geworden: ULMER PILZFLORA III (1992) von M. Enderle. Von seiner kurzen Beschreibung her würde fast alles passen – nur die Sporengröße nicht:
N. scol. = (14) 15-16 (17) x 5-6,5
N. spec. = 8,7-10,3 x 4,6-5,4

N. striatula ist dort auch beschrieben – kommt wg. "Hut … deutlich 2/3 durchscheinend gerieft" aber nicht in Frage. Bei der N.-scolecina-Bestimmung hatte sich sogar Manne E. von M. BON helfen lassen! Er schreibt auch: "im übrigen ist die Gattung Alnicola (= Naucoria) dringend revisionsbedürftig. Es liegen zahlreiche zerstreute Beschreibungen, Abhandlungen und Schlüssel vor, die miteinander abzustimmen sind!" Ist da in den letzten 25 Jahren was passiert? Brauchbarer Schlüssel? Sonstige sachdienliche Hinweise?

Wenn nicht, dann ist mein Fund eben nur ein Erlen-Schnitzling... im Deutschen fällt es gar nicht auf, wenn der Artname fehlt ;-)

Viele Grüße – Rika

Re: Welcher Erlen-Schnitzling?

Andreas ⌂, (vor 3454 Tagen) @ UmUlmHerum

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Hallo Andreas,
merci für Deine Einschätzung!
Jetzt habe ich lange nach näheren Angaben zu N. scolecina gesucht (Kahler
oder Rotbrauner Schnitzling – "rotbraun" wäre passend,
"kahl" eher weniger wg. der filzigen Hutoberfläche) ... und bin
letztendlich quasi im eigenen Haus fündig geworden: ULMER PILZFLORA III
(1992) von M. Enderle. Von seiner kurzen Beschreibung her würde fast alles
passen – nur die Sporengröße nicht: N. scol. = (14) 15-16 (17) x 5-6,5
N. spec. = 8,7-10,3 x 4,6-5,4
N. striatula ist dort auch beschrieben – kommt wg. "Hut … deutlich 2/3
durchscheinend gerieft" aber nicht in Frage. Bei der
N.-scolecina-Bestimmung hatte sich sogar Manne E. von M. BON helfen
lassen! Er schreibt auch: "im übrigen ist die Gattung Alnicola (=
Naucoria) dringend revisionsbedürftig. Es liegen zahlreiche zerstreute
Beschreibungen, Abhandlungen und Schlüssel vor, die miteinander
abzustimmen sind!" Ist da in den letzten 25 Jahren was passiert?
Brauchbarer Schlüssel? Sonstige sachdienliche Hinweise?
Wenn nicht, dann ist mein Fund eben nur ein Erlen-Schnitzling... im Deutschen
fällt es gar nicht auf, wenn der Artname fehlt ;-)
Viele Grüße – Rika

Hallo,

ja, klar, die Sporen passen nicht, hab auch grad noch nachgeschaut.
Also vermutlich doch am ehesten eine wettergeschädigte Kollektion von welcher Art auch immer? Möglicherweise sogar nur Naucoria escharoides?

beste Grüße,
Andreas

Re: Welcher Erlen-Schnitzling?

UmUlmHerum, (vor 3454 Tagen) @ Andreas

Hallo,
ja, klar, die Sporen passen nicht, hab auch grad noch nachgeschaut.
Also vermutlich doch am ehesten eine wettergeschädigte Kollektion von welcher
Art auch immer? Möglicherweise sogar nur Naucoria escharoides?
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

tja, wer weiß? Frostschaden kann gut sein. Immerhin freut es mich, nach der Lektion im letzten Oktober die Gattung richtig erkannt zu haben.
Anfang Juni bin ich wieder eine Weile in Uffing – mal schauen, was dann in Nachbarins Garten wächst. Sie interessiert sich inzwischen auch für "ihre" Pilze, erzählt mir immer gleich, wenn sie was Neues entdeckt hat, und schreibt sich dann die Namen auf. Das letzte Mal hat sie mich wg. Morchelbecherlingen geholt, 6 schöne Teile insgesamt, ohne Esche, neben Wildapfelbaum, Buchs und im Kies zwischen gemauerten Beeten!?

Viele Grüße – Rika