Morcheln

Boletus ⌂, (vor 8616 Tagen)

Hallo

Beim durchblättern alter SZP's (Schweiz. Zeitschrift für Pilzkunde, Nr.3 / 1996, Verfasser Gregor Färber) hat mich folgende Glosse zum Schmunzeln angeregt. Und weil uns die Morchelzeit kurz bevorsteht möchte ich euch diesen Geheimtip vertrauensvoll weitergeben. Ich hoffe natürlich auf eure Verschwiegenheit, behaltet den Tip für euch!

Die perfekte Täuschung

Vor allem in der Morchelzeit / Einzelgängerzeit wird der Schutz der fast schon verbrieften "eigenen" Fundstellen penibel bis ins letzte Detail verteidigt. Nicht selten trifft man aber bei den getarnten und heimlichen Expeditionen auf Pilze dieser Gattung, die zu Speisezwecken noch zu klein sind. Obwohl der Sammlertrieb unermesslich und nur schwer beherrschbar ist, bleibt doch auch hie und da die Vernunft Sieger. Würde man aber die Winzlinge einfach so stehen lassen, könnte man darauf wetten, dass sie der nächste in genüsslicher Manier in seine Taschen wandern liesse. Nun, zudecken wäre auch eine Möglichkeit. Doch die Gefahr, die einzelnen Exemplare später nicht mehr zu finden, schliesst auch diese Variante aus. Da hilft nur noch eines: Unbrauchbar machen, aber nur zum Schein! Die Methode ist einfach aber wirkungsvoll. Man nehme einige kleinere Stücke Toilettenpapier und streue sie zwischen die zu schützenden Morcheln. Damit die abschreckende Wirkung noch mehr Erfolg verspricht, betupfe man einzelne Toilettenpapierstücke mit ein wenig Senf oder noch besser mit im Mund zerlassener Schokolade, die man direkt mit dem Papier auftupft. Die Wirkung auf unerfahrene Sammler lässt keine Wünsche offen. Einen Nachteil birgt die ganze Angelegenheit. Ein Restrisiko bei der späteren Ernte der heranwachsenden Exemplare bleibt. Es kann nur mit Sicherheit die Echtheit der Morcheln festgestellt werden. Veränderungen der Senfqualität und die Menge des Toilettenpapiers müssen genau abgewogen werden.
Sichtet man aber irgendwo derartige "Abwehrpapiere", so lohnt es sich, sie um etwa zehn Meter in eine bestimmte Richtung zu dislozieren. Der ursprüngliche Papierausleger findet dann nur noch das Papier, aber keine Pilze mehr!
Liebe Leser! Seien wir doch alle froh und stolz, dass wir geschulten und vereinsorientierten Pilzkundler nur selten von diesen hinterlistigen, heimtückischen Methoden Gebrauch machen müssen. Sollte ich mich aber irren, so mögen es mir die vereinzelten schwarzen Schafe doch verzeihen.

Ein Schwarzes Schaf im Wolfspelz[/b]

Viel Erfolg beim Ausprobieren! *g*

Herzliche Morchelgrüsse
Sepp

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raffiniert, diese Schweizer! *oT*

Karl Keck ⌂, (vor 8616 Tagen) @ Boletus

- kein Text -

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nicht nur die!!!

Harald Andres Schmid, (vor 8616 Tagen) @ Karl Keck

hallo,
Das Problem, das sich stellt, wenn man einer Tätigkeit nachgeht, die derart archaische Instinkte (Jäger- und Sammlertrieb) angspricht wie das Pilzesammeln, ist oft "der Andere", der einen die Jagdgründe streitig macht.
Nicht nur die Schweizer sind raffiniert in Abwehrmethoden, wie Ausschnitte aus einem Beitrag des poetischen mykologischen Spötters Michael Rudolf zeigen:

"Der Sammelkonkurrent ist beileibe nicht beliebt. Nicht bei uns. Nicht nur bei uns. Bei keinem Sammler. Schimpfnamen gehen uns da spielend leicht von der Zunge. Warum auch nicht? Was hat er dort verloren, worauf allein wir ein ehernes Anrecht durch tausendmalige Pilzkollekten uns erworben haben? ... ...Schliesslich hat der null Ahnung von der Magie der Pilzstelle...
..haben wir komplexe Ablenkunsmanöver ausgetüftelt: Betont unwaldliche Kleidung tragen, Umwege zu unserem Stammwald fahren und ständig nach Verfolgern spähen. Im Wald notfalls Zickzack fahren oder bei der nächsten Weggabelung links die Hand raushalten und rechts abbiegen, Gräben um den ganzen Wald ziehen, Zäune aufrichten, Fallgruben und Fusseisen aufstellen, in der Dangerzone Selbstschussanlagen alle zehn Meter...
... da hat wieder einer vor uns gewildert! Sollte seinen Gnadenort auch ordentlicher verlassen, der Strolch! An der nächsten Stelle das gleiche, an der übernächsten dito. Da streift also einer auf der gleichen Fährte durch den Grund, wie wir. Wie ist das möglich? Das Schwein! Entschuldigung! Aber ein bischen tut das weh. Das Pilzherz blutet. Bisher hat man an seine eigene Singularität geglaubt, den Garanten unzähliger Pilzausbeuten, hat auf eine innige Beziehung mit dem Wald gesetzt. Eifersucht keimt auf. Wie achtlos er die wurmstichigen Steinpilze zerschnitten und verstreut hat, die Putzreste mutwillig verteilt. Dreht er nun heraus oder schneidet er ab? Aha, er schneidet. Vorher hat er herausgedreht. Die zurückgelassenen Rümpfe sind immer doppelt so breit wie unsere. Hängt er sich die grossen in den Korb, und die kleinen lässt er für uns laufen? Unsinn, wir spekulieren ja nie auf Menge..."

Soweit die Ausschnitte. Ihr seht, es sind nicht nur die Schweizer..
Gruss, Harald Andres