Re: Bitte nicht abschneiden...
Hallo ajuga,
ich bringe bei solchen Fällen gerne den Vergleich mit einem Apfelbaum...
Wer Pflanzen mit Pilzen vergleicht, macht schon den ersten großen Fehler!!
Man
kann den Apfel "brutal" vom Baum rupfen. Dabei werden sicherlich
ein oder zwei Blätter mitkommen und vielleicht ein Ästchen mit abreißen.
Dem Baum ist das völlig wurscht.
Man kann eine Nagelschere nehmen und vorsichtig jeden Fruchtstiel
durchschneiden. Nich umsonst würde man belächelt werden.
Man kann auch ne Säge nehmen und die Hauptäste absägen. Das wäre Frevel.
Zum Pilz. Abschneiden ist Fall Nagelschere. Wer's mag... hat aber riesige
Nachteile. Dazu gleich.
Rausdrehen entspricht dem Abrupfen vom Baum.
Meinst Du! Das haben dir wohl die Pilze erzählt...
)
Säge wäre mit nem Spaten zu vergleichen (und selbst das habe ich schon getan,
da ich an die Mykorrhiza kommen will - gut, kein Spaten, aber ein langes
Messer).
Warum nicht abschneiden? Wie Andreas es schon schrieb, fehlen beim Schneiden
oft Bestimmungsmerkmale.
Eher selten fehlen beim Abschneiden die wichtigen Merkmale, um einen bekannten Speisepilz zu identifizieren. Die wenigsten wollen das Pilzmaterial aufbewahren (herbarisieren) oder unter das Mikroskop packen. Also bitte realistisch bleiben. Mir geht es um den normalen Sammler der gerne eine kleine Pilzmahlzeit haben will!!
Ganz einfach. Dem Pilz ists nämlich völlig
wurscht.
Der Beweis fehlt.
Will man eine Art herbarisieren, also einen Beleg anlegen, so ist am besten
auch etwas Boden aktiv mitzunehmen, da die Rhizomorphen (die Mycelstränge)
sehr merkmalsreich sind und für viele Gattungen höchst wichtig sind!!!).
Traurig, wenn da die Hälfte fehlt.
Das ist den meisten Pilzessern völlig wurscht und nur für Fanatiker traurig!
Manche putzen die Fruchtkörper an der
Stielbasis sogar - grusel. Man kann auch bei Risspilzen die Stielcystiden
mutwillig zerstöten, wer mag. Aber für die Bestimmung wenig hilfreich.
Ähhm. Ich bestimme die Pilze meist vor dem Putzen. Solltest du vielleicht auch mal probieren, da hast du es dann einfacher...
))
Zu den Schäden am Mycel...
Was du schreibst klingt vernünftig, lässt sich aber widerlegen.
Nicht ganz...
Erstens: leicht zerstörtes Mycel regt den Pilz zum Wachstum an. In der Natur
gibts immer Störungen (Kuhtritt, Rehtritt etc.). Der Pilz muss kleine
Verletzungen überlebenb. Tut er auch. Der Obstbaum auch. Und auch den
schneidet man zurück.
Trüffeln werden ausgegraben, klar. Drum ists da am extremsten. Das Mycel soll
zerissen, zerstört werden etc. Nur dann wächst es aktiv weiter und hat ne
Chance.
Normale Arten bringt ein kleiner "Ruck" meist auch was.
Ich habe schon viele Mykorrhizen ausgegraben, also an einem Punkt richtig
gefuhrwerkt. Bislang hat das noch nie geschadet. Im nächsten Jahr waren
grad da oft Fruchtkörper zu finden. Einer seltenen Art habe ich so über
mehrere Jahre zu besonders reichhaltigen Fruktifikationen bringen können.
Ergo: Leichte Störungen und Verletzungen regen positiv das Wachstum an!
Der Pilz reagiert auf den starken Stress, in dem er alle Energie in die Bildung von Fruchtkörpern steckt! Du denkst deshalb, du hättest ihm geholfen, weil an der Verletzungsstelle ein paar mehr Fruchtkörper auftreten. Traurig!
Wenn er dann vermehrt Sporen an dieser Stelle freigesetzt hat, wird er mit höherer Wahrscheinlichkeit den verletzenden Eingriff überleben.
So
kann man zudem alle Merkmale am Pilz haben und Wissenschaftler, die
vielleicht später mal den Beleg in die Hände bekommen, freuen sich auch
über komplette Merkamle inkl. Rhizos.
Wie gesagt: Wer macht das schon...?
Also mein "Aufruf": grabt ruhig ein wenig aus, nehmt ein bisserl
Boden mit. Dem Pilz schadet es nicht.
Mein Aufruf: In die Natur sollte generell so wenig wie möglich eingegriffen werden!
Wenn man hingegen den Pilz kennt und essen will, dann erspart abschneiden
einiges an Putzarbeit.
Ahh! Genau so gehen die meisten vor...
Aber schon wer Champignons sammelt, sollte das Gilben der Stielbasis der
giftigen Arten kennen...
Also, als Biostudent oder Pilzfreund oder Experte oder Laie... glaubt nicht
den Schmarrn, dass das rausdrehen schädlich ist... Das ist nämlich reiner
Aberglaube. Legendenbildung wird es von Völkerkundlern genannt.
Es ist reiner Aberglaube, dass es wehtuen würde, wenn ich Christoph jetzt das linke Bein ausreiße.... Das wächst locker wieder nach! Nicht nur das! Es werden gleich drei Beine neu herauswachsen! Dann kann er besser laufen. Dann haben wir ihm geholfen! Also lasst und auch noch sein rechtes Bein und die Arme ausreißen!! Und den Kopf! Dann wachsen ihm drei oder mehr neu und er kann auch besser denken...
Grüße
Christoph
ajuga