Amanitin-Roulette

Boris, (vor 9826 Tagen)

Hi, zusammen. Eine Frage an alle Toxinspezialisten, insbesondere Georg betreffend Amanitin und Knollis:

In neueren Buechern steht bei den toedlich giftigen Amaniten immer der Vermerk "Geschmack mild, aber auf keinen Fall probieren." In einigen Buechern, z.B. Rinaldi, steht dass eine Geschmacksprobe ungefaehrlich ist, wenn man nur ein kleines Stueck auf die Zunge legt, dieses nicht zerkaut sondern sofort alles wieder ausspuckt.

Wuerde eine Geschmacksprobe auf diese Art wirklich Gefahr der Aufnahme einer wirksamen Giftmenge bergen? Oder sind die Hinweise in den neueren Buechern auch wieder nur eine Vorsichtsmassnahme? Ich habe nicht vor es zu probieren, auch wenn der gruene Knolli angeblich hervorragend schmecken soll! 8-)

Gruss, Boris

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Re: Amanitin-Roulette?

Renato, (vor 9826 Tagen) @ Boris

Hallo!

Geschmacksproben vom grünen Knollenblätterpilz sind kein Roulette.
Nachdem der Leiter unserer Pilzexkursionen in den letzten Jahren stets
eine Geschmacksprobe vordemonstriert hatte und dabei und auch danach zuversichtlich
aus der Wäsche guckte, probierte ich es auch aus. Mild im Geschmack und ohne jegliche
Folgen für die Gesundheit!Ich möchte dabei niemanden dazu animieren, denn Vorsicht ist
dennoch am Platz, denn runter gehen darf nichts ... ansonsten das Roulette beginnen bzw.
schon bald zu Ende sein würde.

Grüsse aus der Schweiz

Renato

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Re: Amanitin-Roulette? Ich wuerde vermuten, auf lange Sicht verlierst Du ....

MUFTI, (vor 9824 Tagen) @ Renato

Geschmacksproben vom grünen Knollenblätterpilz sind kein Roulette.
Nachdem der Leiter unserer Pilzexkursionen in den letzten Jahren stets
eine Geschmacksprobe vordemonstriert hatte und dabei und auch danach zuversichtlich
aus der Wäsche guckte

Aber wie schaut seine Leber aus ?
Oder andersrum gefragt:

Wieviel Amanitin nimmt man bei so
einer Geschmacksprobe auf und
wieviel von dem Zeug braucht es,
bis die Leber vollens zerstoert ist ?

Da Amanitin leberschaedigend wirkt,
waere ich mit solchen Versuchen
sehr vorsichtig....

probierte ich es auch aus. Mild im Geschmack und ohne jegliche

Folgen für die Gesundheit!Ich möchte dabei niemanden dazu animieren, denn Vorsicht ist
dennoch am Platz, denn runter gehen darf nichts ... ansonsten das Roulette beginnen bzw.
schon bald zu Ende sein würde.

Grüsse aus der Schweiz
Renato

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Amanitin - ein fast unzerstoerbares Teufelszeug!

Boris, (vor 9824 Tagen) @ MUFTI

Geschmacksproben vom grünen Knollenblätterpilz sind kein Roulette.
Nachdem der Leiter unserer Pilzexkursionen in den letzten Jahren stets
eine Geschmacksprobe vordemonstriert hatte und dabei und auch danach zuversichtlich
aus der Wäsche guckte

Aber wie schaut seine Leber aus ?
Oder andersrum gefragt:
Wieviel Amanitin nimmt man bei so
einer Geschmacksprobe auf und
wieviel von dem Zeug braucht es,
bis die Leber vollens zerstoert ist ?
Da Amanitin leberschaedigend wirkt,
waere ich mit solchen Versuchen
sehr vorsichtig....

Die zweite Frage ist, wie lang dauert es bis sich die Leber erneuert hat? Zum Glueck ist die Leber das Organ mit der besten Regenerationsrate, was ja bei der Trinkerentwoehnung einem zugute kommt. Oder auch bei Verzehr der Fruehjahrslorchel, wenn mehr Gift hinzugefuehrt wird als die Leber neutralisieren kann: Daumen runter!

Das eigentliche Problem ist bei Amanitin die unerhoert stabile Struktur. Schon kleinste Mengen verbleiben im Blutkreislauf, schaedigen die Leber wiederholt und werden fast nicht abgebaut, da der Koerper kein Enzym hat mit dem er die ringfoermigen Molekuele knacken kann, daher sind hier bereits kleinste Mengen toedlich! Gyromitrin, Alkohol, Methanol und aehnliche kleinmolekuelige Zellgifte koennen hingegen von der Leber abgebaut werden, wenn auch nur langsam.

Das fuehrt mich nun zu einer Frage aus dem Bereich der Biotechnik: Es ist doch heute moeglich, Enzyme masszuschneidern. Koennte man nicht ein Enzym synthetisieren, dass einen Amanitin-Ring aufbrechen koennte und es nutzen um eine Vergiftung zu neutralisieren? Manche Tiere verfuegen ja sogar bereits ueber amanitinspaltende Enzyme. Oder wuerde der Koerper ein solches Enzym schneller abbauen, als es das Amanitin abbauen koennte?? :-o

Boris

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Re: Amanitin - ein fast unzerstoerbares Teufelszeug!

Holger, (vor 9823 Tagen) @ Boris

Geschmacksproben vom grünen Knollenblätterpilz sind kein Roulette.
Nachdem der Leiter unserer Pilzexkursionen in den letzten Jahren stets
eine Geschmacksprobe vordemonstriert hatte und dabei und auch danach zuversichtlich
aus der Wäsche guckte

Aber wie schaut seine Leber aus ?
Oder andersrum gefragt:
Wieviel Amanitin nimmt man bei so
einer Geschmacksprobe auf und
wieviel von dem Zeug braucht es,
bis die Leber vollens zerstoert ist ?
Da Amanitin leberschaedigend wirkt,
waere ich mit solchen Versuchen
sehr vorsichtig....

Die zweite Frage ist, wie lang dauert es bis sich die Leber erneuert hat? Zum Glueck ist die Leber das Organ mit der besten Regenerationsrate, was ja bei der Trinkerentwoehnung einem zugute kommt. Oder auch bei Verzehr der Fruehjahrslorchel, wenn mehr Gift hinzugefuehrt wird als die Leber neutralisieren kann: Daumen runter!
Das eigentliche Problem ist bei Amanitin die unerhoert stabile Struktur. Schon kleinste Mengen verbleiben im Blutkreislauf, schaedigen die Leber wiederholt und werden fast nicht abgebaut, da der Koerper kein Enzym hat mit dem er die ringfoermigen Molekuele knacken kann, daher sind hier bereits kleinste Mengen toedlich! Gyromitrin, Alkohol, Methanol und aehnliche kleinmolekuelige Zellgifte koennen hingegen von der Leber abgebaut werden, wenn auch nur langsam.
Das fuehrt mich nun zu einer Frage aus dem Bereich der Biotechnik: Es ist doch heute moeglich, Enzyme masszuschneidern. Koennte man nicht ein Enzym synthetisieren, dass einen Amanitin-Ring aufbrechen koennte und es nutzen um eine Vergiftung zu neutralisieren? Manche Tiere verfuegen ja sogar bereits ueber amanitinspaltende Enzyme. Oder wuerde der Koerper ein solches Enzym schneller abbauen, als es das Amanitin abbauen koennte?? :-o
Boris

Also, über beschleunigten Abbau weiß ich leider nichts. Aber der Schutz der Leber durch Syllimanin (oder so ähnlich, kommt in der Mariendistel vor) ist eventuell möglich. Jedenfalls wird's auch in der Therapie der Vergiftung angewendet. Jedenfalls wäre ein Salat aus Mariendistelsamen mit Knollis für Mutige ein nettes toxikologisches Roulette - abgesehen vom Einsatz.

;-| Holger

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Re: Amanitin - ein fast unzerstoerbares Teufelszeug!

Tom, (vor 9823 Tagen) @ Boris

Das fuehrt mich nun zu einer Frage aus dem Bereich der Biotechnik: Es ist doch heute moeglich, Enzyme masszuschneidern. Koennte man nicht ein Enzym synthetisieren, dass einen Amanitin-Ring aufbrechen koennte und es nutzen um eine Vergiftung zu neutralisieren? Manche Tiere verfuegen ja sogar bereits ueber amanitinspaltende Enzyme. Oder wuerde der Koerper ein solches Enzym schneller abbauen, als es das Amanitin abbauen koennte?? :-o

Hallo,

ich habe mal gehört (weiß grade nicht wo), nicht das Amanitin wäre der Leberschuldige, sondern die/das Abbauprodukt(e), welches durch den menschlichen Stoffwechsel in der Leber erst entstehen. So würde auch die Wirkung von "Lagalon SIL" bei der Amanitinbehandlung erklärt: der Eintritt des Amanitin in die Leberzellen würde verhindert.

Dann müßte man nicht nur nach einem "Amanilysin" (oder so) suchen, sondern hätte auch eine zweite Möglichkeit über die Edukte der Leberzellen.

Grüße, Tom

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Re: Amanitin-Roulette?

Tom, (vor 9823 Tagen) @ MUFTI

Aber wie schaut seine Leber aus ?
Da Amanitin leberschaedigend wirkt,
waere ich mit solchen Versuchen
sehr vorsichtig....

Servus,

nach einer durchstandenen Malaria und daraus resultierendem brauchbarem (nach 1/2 Jahr durch Leberdiät durchstandenem) Leberschaden kann ich aus eigener Erfahrung sprechen: Ich denke, das Ausmaß der Leberschädigung ist primär abhängig von der Summe der schädigenden Substanzen. Hält man die Kostproben im Rahmen, ebenso die sonstige alltägliche Giftaufnahme, sollte die Leber ob ihrer guten Regenerationsfähigkeit durchaus imstande sein, gesund zu bleiben. Aber wer kennt schon die alltägliche Giftaufnahme?). Sprich: ein gesunder Mensch kann (meiner Meinung nach) schon mal probieren, ob´s sich aber lohnt(nussig schmeckt vieles)...weiß ich nicht.

Grüße, Tom

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Re: Amanitin-Roulette

Jens Hoffmann, (vor 9825 Tagen) @ Boris

Hi, zusammen. Eine Frage an alle Toxinspezialisten, insbesondere Georg betreffend Amanitin und Knollis:
In neueren Buechern steht bei den toedlich giftigen Amaniten immer der Vermerk "Geschmack mild, aber auf keinen Fall probieren." In einigen Buechern, z.B. Rinaldi, steht dass eine Geschmacksprobe ungefaehrlich ist, wenn man nur ein kleines Stueck auf die Zunge legt, dieses nicht zerkaut sondern sofort alles wieder ausspuckt.
Wuerde eine Geschmacksprobe auf diese Art wirklich Gefahr der Aufnahme einer wirksamen Giftmenge bergen? Oder sind die Hinweise in den neueren Buechern auch wieder nur eine Vorsichtsmassnahme? Ich habe nicht vor es zu probieren, auch wenn der gruene Knolli angeblich hervorragend schmecken soll! 8-)
Gruss, Boris

Hallo, zusammen

ich bin der gleichen Meinung wie Renato, möchte in diesem Zusammenhang
aber etwas Grundsätzliches ergänzen.
Sollten auf Euren Exkursionen kleine Kinder teilnehmen, so etwa zwischen 2 und 6 Jahren
dann sollten Kostproben egal welcher Pilzart vor den Augen der Kinder unterbleiben, weil der
Nachahmungstrieb möglicherweise fatale Folgen haben könnte.
Da wird vielleicht ein Pilz in einem unbeobachtetem Moment ganz aufgegessen!!

Gruß Jens

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Re: Amanitin-Roulette

Markus H., (vor 9825 Tagen) @ Boris

Hallo Boris !

Leider kan ich Dir Deine Frage auch nicht beantworten; möchte aber trotzdem etwas erzählen:

In (grauer) Vorzeit, als ich noch Probleme hatte, den Apfeltäubling auf den ersten Blick als solchen zu identifizieren, war die Geschmacksprobe an der Tagesordnung - das bedeutete um wirklich sicher zu gehen: alle roten Täublinge im Wald kosten:
Bei den meisten Ausflügen waren die gekosteten Täublinge mild - einmal jedoch waren außerordentlich viele scharfe dabei (wahrscheinlich Kiefernspeitäublinge). Etwa 4 Stunden nach der großen Kosterei bekam ich dann Hitzewallungen und dann .....wüüüüüaaarghh!!

Vielleicht waren es 20, vielleicht auch 30 Täublinge, die ich gekostet habe; dabei aber jedesmal alles wieder ausgespuckt (wer soll denn so was scharfes essen).

Ich bin mir fast sicher, daß es sich hierbei um eine Pilzvergiftung gehandelt hat.

Trotzdem wird fleißig weitergekostet :-)).

Beste Grüße
Markus H.

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Re: Amanitin-Roulette

Bruno, (vor 9824 Tagen) @ Boris

Hi, zusammen. Eine Frage an alle Toxinspezialisten, insbesondere Georg betreffend Amanitin und Knollis:
In neueren Buechern steht bei den toedlich giftigen Amaniten immer der Vermerk "Geschmack mild, aber auf keinen Fall probieren." In einigen Buechern, z.B. Rinaldi, steht dass eine Geschmacksprobe ungefaehrlich ist, wenn man nur ein kleines Stueck auf die Zunge legt, dieses nicht zerkaut sondern sofort alles wieder ausspuckt.
Wuerde eine Geschmacksprobe auf diese Art wirklich Gefahr der Aufnahme einer wirksamen Giftmenge bergen? Oder sind die Hinweise in den neueren Buechern auch wieder nur eine Vorsichtsmassnahme? Ich habe nicht vor es zu probieren, auch wenn der gruene Knolli angeblich hervorragend schmecken soll! 8-)
Gruss, Boris

Hallo Boris,
es sollte ja, wenns ein Glückspiel ist, auch was zu gewinnen geben: Und zwar mehr als der Einsatz :
(- das Leben, - die nächsten 3 Tage ohne Kotzerei,- etc) plus x.
Ich frage mich, was das x ist und verzichte auf "den angenehmen Nussgeschmack".

Bruno

http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/g-knolle.html