Giftigkeit des Hallimaschs

Boris, (vor 9943 Tagen)

Tagchen!
Nachdem ich schon mehrfach Gerüchte über die Giftigkeit des Hallimaschs bei Tieren gehört habe würde mich interessieren was an der Sache dran ist. Stimmt es, daß der Speisepilz Hallimasch (Armillaria mellea agg.) der beim Menschen allenfalls Magenbeschwerden auslöst, für Schweine tödlich giftig ist, gewissermassen also ein "Knollenblätterpilz verkehrtherum". Oder ist dies übertrieben. Hat jemand einen Literaturhinweis dazu?

Es wuerde mich auch interessieren welche Pilze von Wild aufgenommen werden und welche nicht. Steinpilze sollen angeblich ja sowohl von Schweinen als auch von Rehen gefressen werden. Die Versessenheit von Schweinen auf Trueffeln ist ja altbekannt wobei ja auch gewisse Duftlockstoffe eine Rolle spielen sollen. Den Hallimasch hingegen lassen sie nach den Worten eines Försters jedoch stehen und ich glaube ich weiss jetzt auch warum! Weidevieh hingegen scheint den schönsten Champignons gegenüber recht uninteressiert zu sein...

Schoene Gruesse, Boris

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Re: Giftigkeit des Hallimaschs

Werner Funk, (vor 9942 Tagen) @ Boris

Tagchen!
Nachdem ich schon mehrfach Gerüchte über die Giftigkeit des Hallimaschs bei Tieren gehört habe würde mich interessieren was an der Sache dran ist. Stimmt es, daß der Speisepilz Hallimasch (Armillaria mellea agg.) der beim Menschen allenfalls Magenbeschwerden auslöst, für Schweine tödlich giftig ist, gewissermassen also ein "Knollenblätterpilz verkehrtherum". Oder ist dies übertrieben. Hat jemand einen Literaturhinweis dazu?
Es wuerde mich auch interessieren welche Pilze von Wild aufgenommen werden und welche nicht. Steinpilze sollen angeblich ja sowohl von Schweinen als auch von Rehen gefressen werden. Die Versessenheit von Schweinen auf Trueffeln ist ja altbekannt wobei ja auch gewisse Duftlockstoffe eine Rolle spielen sollen. Den Hallimasch hingegen lassen sie nach den Worten eines Försters jedoch stehen und ich glaube ich weiss jetzt auch warum! Weidevieh hingegen scheint den schönsten Champignons gegenüber recht uninteressiert zu sein...
Schoene Gruesse, Boris

Hallo Boris,
zu dem Verhalten der Tiere weiß ich nichts.
Aber Fr.Dagmar Nierhaus-Wunderwald,Fr.Helga
Marxmüller(München) und H.Kohonen(Finnland)
haben im Zuge eines EU-Forschungsprojektes
1000de Labor und Kreuzungsversuche unternom-
men und die Arten 1994 neu bestimmt.
Fr.D.Nierh.-Wund.schreibt in einer Veröffent-
ichung,daß sicher sei,daß der Honiggelbe Halli-
masch(Arm.mellea)roh und gekocht giftig sei,
alle anderen Arten nach blanchieren(Wasser weg-
schütten)oder getrocknet eßbar sind.
Ciao
Werner

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Grenzziehung giftig/essbar

Boris, (vor 9941 Tagen) @ Werner Funk

Kann ich zumindest anhand meiner eigenen Disposition nicht nachvollziehen. Im "Selbstversuch habe ich schon mehrfach sowohl A. mellea sensu stricto als auch A. polymyces verspeist und keinen Unterschied in Geschmack oder Bekoemmlichkeit zwischen beiden Varietaeten feststellen koennen.

Irgendwie erinnert mich die Sache an die Diskussion um den Netzstieligen Hexenroehrling und den Satanspilz. Roh oder ungenuegend erhitzt erzeugt der Netzstielige Hexenpilz das gleiche heftige stundenlang anhaltende Erbrechen wie der Satanspilz. Auch gekocht ist er nicht immer zutraeglich und es gibt Autoren die ihn gern als Giftpilz sperren lassen wuerden, andere bezeichnen ihn als hervorragenden Speisepilz. Die Vermutung dass hier das gleiche Gift am Wirken ist scheint wohl mehr als begruendet zu sein, da Hexen- und Satanspilze aber nicht zu den toedlich giftigen Arten gehoeren hat sich wohl noch niemand die Muehe gemacht dass nachzupruefen. Laut Daencke und Henning/Kreisel wird der Satanspilz in Gegenden in denen er haeufig ist durchaus im jungen, geruchslosen Zustand als Speisepilz benutzt.

Ein anderer kontroverser Pilz ist der Safranschirmling der von vielen gesammelt wird, aber gelegentlich nicht vertragen wird. Insbesondere die Gartenform var. hortensis ist umstritten. Ich habe den Pilz bei mir im Garten und werde wenn er mal wieder erscheint einen Selbstversuch machen. Laut Bon ist die Gartenform nicht giftiger als die Typusform auch, d.h. bestenfalls individuell unvertraeglich. Vergiftungen gehen auf Verwechslung des Safranschirmlings mit dem Gift-Riesenschirmling (Macrolepiota venenata) zurueck. Ich habe den Pilz schon mal auf Superfettem Bruchwaldboden gefunden. Er hat eine kleinere Knolle als M. rhacodes var. hortensis, eine braune radial zerschlitzte Kappe und eine eine andere Fleischverfaerbung. M. rh. v. hort. wird bei Schnitt sehr schnell safrangelb und geht dann ueber Orange nach rot ueber. M. venenata reagiert nur langsam und geht von weiss ueber rosa nach rot ueber.

Alles klar?

Euer "Was-einen-nicht-sofort-umbringt-macht-einen-nur-haerter" Pilzfreund
Boris

Tod den Mythen! ;-)

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Re: Grenzziehung giftig/essbar

Leonie, (vor 9941 Tagen) @ Boris

Joh! Boris! Stimme Dir zu! In manchen Pilzbückern sind ja sogar der Flocki und Perlpilzegiftig!

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Re: Grenzziehung giftig/essbar

Leonie, (vor 9940 Tagen) @ Leonie

Ich finde manche Pilzbücher sind in ihren Deklarationen richtig histerisch. Auch wenn unser Boris ja ein richtiger Pilzdesperado ist, dem die größten Schrecken keine Angst einjagen können.

GRUNDSÄTZLICH sollte man mit ganz wenigen Außnahmen keine Pilze roh essen! Und ich kenne ein Pilzbuch, in dem neben den Flockenstieligen Hexenröhrling (mjam!) und dem Perlpilz(mjam!) dicke Totenschädel prangen!

Ich hatte mal gelesen, das Hallimasche, die auf Laubholz wachsen giftig seien, die auf Nadelholz dagegen bekömmlich. Ich habe mal mangels anderer Funde im Spätherbst eine große Zahl Buchenhallimasche mit nach Hause gebracht: Allen haben sie geschmeckt und sind auch gut bekommen!

Und inzwischen wird ja vor vielen ungenießbaren Pilzen auch als hochgiftig gewarnt, zum Beispiel bei Gallenröhrling und Speitäubling. Ja wer wird die denn essen? Brrr! Die Gefahr ist wohl gleich null! Bzw. Wer hat die denn mal getestet?

Und dann wird ja noch ziemlich häufig behauptet, daß die Herbstlochel ähnlich giftig ist wie die "Speiselorchel" ? Stimmt das, Ihr Experten?

Auch vor dem falschen Pfifferling wir immer gewarnt! Ich habe ihn noch nie gekostet, aber ich glaube , wenn er wirklich giftig wäre, müßte er ob seine großen Ähnlichkeit mit dem beliebtesten Speisepilz überhaupt, massenhaft Vergiftungen verursachen!

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Re: Grenzziehung giftig/essbar

Boris, (vor 9940 Tagen) @ Leonie

Ich finde manche Pilzbücher sind in ihren Deklarationen richtig histerisch. Auch wenn unser Boris ja ein richtiger Pilzdesperado ist, dem die größten Schrecken keine Angst einjagen können.

Ganz verrueckt bin ich auch nicht. An Fruehjahrslorcheln zB habe ich mich noch nie rangewagt (aus gutem Grund) obwohl sie getrocknet und mehrere Monate abgelagert recht harmlos sein soll. Generell gibt es einen grossen Unterschied zwischen giftigen und tödlich giftigen Pilzen. Pilzdesperados sind in meiner Meinung Leute wie Dr. Bastien die in Selbstversuchen die Ungiftigkeit des Grünen Knollenblätterpilzes in Verbindung mit seiner Vitaminbehandlung nachweisen wollten. Was ist eigentlich aus diesem Typ geworden? Ist er noch am Leben?? ;-)

Und inzwischen wird ja vor vielen ungenießbaren Pilzen auch als hochgiftig gewarnt, zum Beispiel bei Gallenröhrling und Speitäubling. Ja wer wird die denn essen? Brrr! Die Gefahr ist wohl gleich null! Bzw. Wer hat die denn mal getestet?

An den Schönfußröhrling habe ich mich mal rangetraut nachdem ich gelesen habe dass er nach zweimaligem Abkochen gelegentlich gegessen wird. Kann nur davon abraten; die Geschmacksknospen hinten im Rachen sind sehr empfindlich und obwohl mir nicht von dem Pilz übel wurde war er doch alles andere als ein Genuss. Ähnlich erging es mir mit dem Birkenporling, meine gesammelten Exemplare waren durchweg bitter. Ungeniessbar bleibt ungeniessbar! (wobei allerdings bei manchen Arten die Bitterkeit örtlich schwankt)

Auch vor dem falschen Pfifferling wir immer gewarnt! Ich habe ihn noch nie gekostet, aber ich glaube , wenn er wirklich giftig wäre, müßte er ob seine großen Ähnlichkeit mit dem beliebtesten Speisepilz überhaupt, massenhaft Vergiftungen verursachen!

Den Pilz habe ich schon seit meiner frühen Kindheit als Mischpilz gesammelt da in meinen Heimatwäldern keine echten Pfifferlinge wachsen. Ich würde ihn als harm- aber auch geschmackslos betrachten, individuelle Unverträglichkeiten sind immer möglich.

Cheers, Boris

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Re: Grenzziehung giftig/essbar

MUFTI, (vor 9935 Tagen) @ Boris

Pilzdesperados sind in meiner Meinung Leute wie Dr. Bastien die in Selbstversuchen die Ungiftigkeit des Grünen Knollenblätterpilzes in Verbindung mit seiner Vitaminbehandlung nachweisen wollten. Was ist eigentlich aus diesem Typ geworden? Ist er noch am Leben?? ;-)

Ich habe mal von einem Experiment gehoert,
bei dem sich ein Arzt ein Mahlzeit aus einer
groesseren Menge gruenen Knollenblaetterpilzen
gemacht hat und sie vor Reportern gegessen hat.

So weit ich gehoert habe, hat der Leberschaeden
davongetragen...

Trotzdem wuerde ich ihn nicht als Pilzdesperado
bezeichnen. Nach dem, was in der Zeitung stand,
wollte er ja nicht beweisen, dass man gruene
Knollenblaetter essen kann, sondern sah in diesem
Selbstversuch das letzte Mittel, Pharmafirmen
(mit anderen Worten: die etablierte medizinische
Forschung) mit Hilfe des Medienrummels davon zu
ueberzeigen, dass seine Therapie wirksam ist.

Selbstversuche dieser Art haben aber in der Medizin
eine gewisse Tradition. Die Entdecker/Erfinder
der Insulin-therapie haben z.B. auch ihr Medikament
zuallerest an sich selber ausprobiert...

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Pilzdesperados?

Boris, (vor 9929 Tagen) @ MUFTI

Trotzdem wuerde ich ihn nicht als Pilzdesperado
bezeichnen. Nach dem, was in der Zeitung stand,
wollte er ja nicht beweisen, dass man gruene
Knollenblaetter essen kann, sondern sah in diesem
Selbstversuch das letzte Mittel, Pharmafirmen
(mit anderen Worten: die etablierte medizinische
Forschung) mit Hilfe des Medienrummels davon zu
ueberzeigen, dass seine Therapie wirksam ist.

Ich halte es schon für sehr desperat eines der tödlichsten Gifte überhaupt
zu konsumieren aus welchen Motiven auch immer. Offenbar war auch Bastiens
Therapie nicht ganz so wirksam wie erwünscht. Ein neues Medikament testen
ist eine Sache, schwach giftige Pilze auf Bekömmlichkeit zu testen eine
andere, aber mit Grünen Knollenblätterpilzen seine Gesundheit aufs Spiel zu
setzen für irgendwelchen obskuren Entdeckerruhm benötigt schon ein
gerüttelt Mass an Fatalismus. Nur weil diese Effekthascherei im Namen der
Wissenschaft geschieht sehe ich keinen Unterschied zwischen Leuten die
frische Frühjahrslorcheln für Speisezwecke nutzen. Im Endeffekt hat Dr.
Bastien ja auch die Quittung dafür erhalten und ich hoffe dass er mit
seiner angeschlagenen Gesundheit auch weiterhin glücklich bleibt.

Ciao, Boris