Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

Georg Müller, (vor 9726 Tagen)

Hallo,
soeben habe ich auf dem Karlsruher Unigelände einige Anemonenbecherlinge
(Sclerotinia tuberosa) gefunden. In unmittelbarer Nähe stand aber nur
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria). Die nächsten Buschwindröschen (Anemone
nemorosa) waren ca. 1.5 m entfernt. 2 Möglichkeiten:

1. S. tuberosa kommt auch an Scharbockskraut vor (in R. Phillips, Kosmosbuch
der Pilze ist es auch an einem solchen abgebildet, wenn auch in der deutschen
Übersetzung der Hinweis darauf gestrichen wurde)

2. Die Becherlinge wachsen auch auf nicht oberirdische Organe ausbildenden
Rhizomen von A. nemorosa.

Hat jemand schon mal Anemonenbecherlinge bei Scharbockskraut gefunden?

Georg

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

Bruno, (vor 9726 Tagen) @ Georg Müller

hallo Georg,
ich habe mir einmal die Mühe gemacht nachzugraben, nachdem ich vor der gleichen Frage stand:
da wars ein Stück Wurzelstrunk, das ich dem Buschwindröschen zuordnete.
Das mit der Abb im Kosmos versteh ich auch nicht.
Dieses Jahr fand ich aus Zeitmangel noch keine. Aber ich werde nächstes Wochenende mal darauf achten.
Bruno

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

bleem, (vor 9726 Tagen) @ Georg Müller

Hallo Georg!
Habe Literatur gewälzt und dort wird der beschriebene Pilz nur in Verbindung mit dem Buschwindröschen gebracht. Ich denke in Deinem Falle werden die Wurzeln des Buschwindröschens weitreichend gewesen sein insbesondere deswegen weil diese in unmittelbarer Nähe vorhanden waren.
Best Regards bleem

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

hanna, (vor 9725 Tagen) @ Georg Müller

Hallo,
soeben habe ich auf dem Karlsruher Unigelände einige Anemonenbecherlinge
(Sclerotinia tuberosa) gefunden. In unmittelbarer Nähe stand aber nur
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria). Die nächsten Buschwindröschen (Anemone
nemorosa) waren ca. 1.5 m entfernt. 2 Möglichkeiten: 1. S. tuberosa kommt
auch an Scharbockskraut vor (in R. Phillips, Kosmosbuch
der Pilze ist es auch an einem solchen abgebildet, wenn auch in der deutschen
Übersetzung der Hinweis darauf gestrichen wurde)
2. Die Becherlinge wachsen auch auf nicht oberirdische Organe ausbildenden
Rhizomen von A. nemorosa.
Hat jemand schon mal Anemonenbecherlinge bei Scharbockskraut gefunden?
Georg

hallo georg,
bin zufällig auf einen leserbrief im 'tintling' 2/1997, Seite 5 gestoßen, wio Herr Willi Marchina bestätigt, dass der Anemonenbecherling an Scharbockskraut fruktifizieren würde.
grüße hanna

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

Georg Müller, (vor 9725 Tagen) @ hanna

hallo georg,
bin zufällig auf einen leserbrief im 'tintling' 2/1997, Seite 5 gestoßen, wio
Herr Willi Marchina bestätigt, dass der Anemonenbecherling an
Scharbockskraut fruktifizieren würde.
grüße hanna

Hallo Hanna,
ich habe den Tintling erst ab Ausgabe 03/1997 :-(
Wie gesagt schreibt ja auch R. Phillips, dass dem so wäre. Und dort zeigt sogar die
Abbildung den Pilz nicht, wie es eigentlich sein sollte an Buschwindröschen,
sondern an Scharbockskraut. Unverständlicherweise steht davon aber im begleitenden Text
der deutschen Ausgabe nichts (in der englischen steht glaube ich 'very rare' an
Ranunculus ficaria).

In meinem Falle ist aber eine Verbindung mit den in einigem Abstand stehenden
Anemonen nicht ausgeschlossen. Muss wohl mal nachgraben um Klarheit zu bekommen.

Georg

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

hanna, (vor 9725 Tagen) @ Georg Müller

Hallo Hanna,
ich habe den Tintling erst ab Ausgabe 03/1997 :-(
Wie gesagt schreibt ja auch R. Phillips, dass dem so wäre. Und dort zeigt
sogar die
Abbildung den Pilz nicht, wie es eigentlich sein sollte an Buschwindröschen,
sondern an Scharbockskraut. Unverständlicherweise steht davon aber im
begleitenden Text
der deutschen Ausgabe nichts (in der englischen steht glaube ich 'very rare'
an
Ranunculus ficaria).
In meinem Falle ist aber eine Verbindung mit den in einigem Abstand stehenden
Anemonen nicht ausgeschlossen. Muss wohl mal nachgraben um Klarheit zu
bekommen.
Georg

hallo Georg,
Herr Marchina aus Schiffweiler schreibt in besagtem Tintling folgendes:
"Nach sehr intensivem und langem suchen kann ich bestätigen, daß der Anemonenbecherling, Dumontinia (Sclerotinia)tuberosa, an Scharbockskraut, Ranunculus ficaria, fruktifiziert, und zwar an vier Fundstellen, die kilometerweit auseinanderlagen. Trotz gezielter Suche konnte keine Wald-Anemone festgestellt werden. Erstaunlicherweise war festzustellen, daß dort, wo Scharbockskraut und Anemonen vergesellschaftet waren, kein einziger Becherling an Scharbockskraut gefunden werden konnte".

gruß hanna

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

Harry, (vor 9725 Tagen) @ Georg Müller

Hallo Hanna,
ich habe den Tintling erst ab Ausgabe 03/1997 :-(
Wie gesagt schreibt ja auch R. Phillips, dass dem so wäre. Und dort zeigt
sogar die
Abbildung den Pilz nicht, wie es eigentlich sein sollte an Buschwindröschen,
sondern an Scharbockskraut. Unverständlicherweise steht davon aber im
begleitenden Text
der deutschen Ausgabe nichts (in der englischen steht glaube ich 'very rare'
an
Ranunculus ficaria).
In meinem Falle ist aber eine Verbindung mit den in einigem Abstand stehenden
Anemonen nicht ausgeschlossen. Muss wohl mal nachgraben um Klarheit zu
bekommen.
Georg

Hi Georg,

Bei unseren Exkursionen im Frühling finden wir hin und wieder Dumontinia
tuberosa = Sclerotinia tuberosa an Scharbockskraut. Unser Vereinsmitglied
W.Marchina findet ihn sogar regelmäßig bei Scharbockskraut.Nach seinen Schilderungen ist dort weit und breit kein Buschwindröschen anzutreffen.Wenn ich mich nicht irre, ist er sogar in Besitz einiger guter Fotos von diesem Standort.

Ciao Harry

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

Andreas ⌂, (vor 9723 Tagen) @ Georg Müller

Hallo,
soeben habe ich auf dem Karlsruher Unigelände einige Anemonenbecherlinge
(Sclerotinia tuberosa) gefunden. In unmittelbarer Nähe stand aber nur
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria). Die nächsten Buschwindröschen (Anemone
nemorosa) waren ca. 1.5 m entfernt. 2 Möglichkeiten: 1. S. tuberosa kommt
auch an Scharbockskraut vor (in R. Phillips, Kosmosbuch
der Pilze ist es auch an einem solchen abgebildet, wenn auch in der deutschen
Übersetzung der Hinweis darauf gestrichen wurde)
2. Die Becherlinge wachsen auch auf nicht oberirdische Organe ausbildenden
Rhizomen von A. nemorosa.
Hat jemand schon mal Anemonenbecherlinge bei Scharbockskraut gefunden?
Georg

Hallo,

wir haben hier auch schon mehrmals gedacht, Anmeonen-Becherlinge ohne Anemonen gefunden zu haben. Beim Nachgraben (die Rhizomen sind immer unterirdisch!) stellten sich dann aber stets sklerotisierte Anemonen-Rhizome ein, auch wenn die nächsten sichtbaren Pflanzen meterweit weg standen. Die Becherlinge kommen sowieso stets an Stellen, an denen der Anemonen-Bestand lückig ist oder an dessen Rand. Es ist also nicht erstaunlich, dass manchmal Anemonen-Becherlinge scheinbar eher bei Scharbockskraut oder was da auch immer wächst vorkommt.
Nachgraben hat bei uns jedenfalls immer den Beweis erbracht, dass er nur auf Anemonen vorkommt.
Allerdings berichtet Häffner und andere im Rheinland-Pfälzisches Pilzjournal auch von Vorkommen bei Scharbockskraut, mit Beschreibung und Zeichnungen.
Mir sind die Scharbockskraut-Anemonenbecherlinge jedenfalls nie untergekommen, obwohl ich gezielt darauf achte und wir hier sehr viele bachbegleitenden Kleebwälder und andere Edelholz-Laubwaldgesellschaften haben, in denen Scharbockskraut Massenbestände bildet und in denen der Anemonenbecherling häufig ist.

Gruß, Andreas

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

wolfgang, (vor 9719 Tagen) @ Georg Müller

Hallo,
soeben habe ich auf dem Karlsruher Unigelände einige Anemonenbecherlinge
(Sclerotinia tuberosa) gefunden. In unmittelbarer Nähe stand aber nur
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria). Die nächsten Buschwindröschen (Anemone
nemorosa) waren ca. 1.5 m entfernt. 2 Möglichkeiten: 1. S. tuberosa kommt
auch an Scharbockskraut vor (in R. Phillips, Kosmosbuch
der Pilze ist es auch an einem solchen abgebildet, wenn auch in der deutschen
Übersetzung der Hinweis darauf gestrichen wurde)
2. Die Becherlinge wachsen auch auf nicht oberirdische Organe ausbildenden
Rhizomen von A. nemorosa.
Hat jemand schon mal Anemonenbecherlinge bei Scharbockskraut gefunden?
Georg

Hallo Georg,

der 'Anemonenbecherling an Scharbockskraut', der immer wieder durch die Literatur geistert, ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verwechslung mit dem gemeinen Sclerotienbecherling (Scletotinia sclerotiorum), einem der häufigsten und Wirts-unspezifischsten Schmarotzerbecherlinge. Ich habe ihn z.B. im Garten an Sumpfdotterblume, aber er geht auch an Kartoffeln und Bananen und viele andere und ist daher weltweit ein gefürchteter Schädling, bildet aber nur sehr selten Fruchtkörper.

Leider ist der Fruchtkörper makroskopisch nicht vom Anemonenbecherling zu unterscheiden und auch Sporen, Asci und Paraphysen sind identisch. Die Unterscheidung per Gen-Test ist laut L. Kohn (1979) einfach und unzweideutig, und alle so gesicherten Dumontinia-Funde sind an Anemonen. Auch der Pilz von Karin Montag, über den im Tintling (1997 ??) berichtet wird, habe ich von Frau Dr. Kohn (heute Professorin in Toronto) als Sclerotinia bestimmen lassen.

Laß Dich nicht vom Bild in 'Pilze der Schweiz' irritieren, ich weiß nicht, welcher Pilz dort als Sclerotinia sclerotiorum abgebildet ist, aber mit meinen Funden hat das Bild nichts gemein.

Die zwei einzigen mikroskopischen Unterschiede, die ich kenne, sind:

1. die Gattung Dumontinia (einzige Art: D. tuberosa) hat an der äußeren Becher-Oberfläche gelatisierte, längliche Hyphen, während Sclerotinia runde oder prismatische, nicht gelatinierte Zellen hat.

2. Dumontinia-Sporen schnüren nie Konidien ab, während Sclerotinia-Sporen dies sehr gerne tun (Pilz 1 Woche feucht und kühl lagern, dann wieder mikroskopieren!).

Gegenfrage: gibt es bei Dir 'echte' Anemonenbecherlinge? Der einzige Fundort von Becherlingen an Anemone, den ich kenne, ist ebenfalls der Gemeine Schmarotzerbecherling (der auch Anemonen nicht verschmäht...) und ich würde die beiden Gattungen gerne mal nebeneinander mikroskopieren und für einen Fundort auch zu Dir kommen. Laut L.Kohn gibt's im Schwetzinger Schloßpark echte Dumontinia.

Grüße aus Mainz,

Wolfgang

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Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?

Georg Müller, (vor 9717 Tagen) @ wolfgang

Hallo Georg,
der 'Anemonenbecherling an Scharbockskraut', der immer wieder durch die
Literatur geistert, ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verwechslung
mit dem gemeinen Sclerotienbecherling (Scletotinia sclerotiorum), einem
der häufigsten und Wirts-unspezifischsten Schmarotzerbecherlinge. Ich habe
ihn z.B. im Garten an Sumpfdotterblume, aber er geht auch an Kartoffeln
und Bananen und viele andere und ist daher weltweit ein gefürchteter
Schädling, bildet aber nur sehr selten Fruchtkörper.
Leider ist der Fruchtkörper makroskopisch nicht vom Anemonenbecherling zu
unterscheiden und auch Sporen, Asci und Paraphysen sind identisch. Die
Unterscheidung per Gen-Test ist laut L. Kohn (1979) einfach und
unzweideutig, und alle so gesicherten Dumontinia-Funde sind an Anemonen.
Auch der Pilz von Karin Montag, über den im Tintling (1997 ??) berichtet
wird, habe ich von Frau Dr. Kohn (heute Professorin in Toronto) als
Sclerotinia bestimmen lassen.
Laß Dich nicht vom Bild in 'Pilze der Schweiz' irritieren, ich weiß nicht,
welcher Pilz dort als Sclerotinia sclerotiorum abgebildet ist, aber mit
meinen Funden hat das Bild nichts gemein.
Die zwei einzigen mikroskopischen Unterschiede, die ich kenne, sind: 1. die
Gattung Dumontinia (einzige Art: D. tuberosa) hat an der äußeren
Becher-Oberfläche gelatisierte, längliche Hyphen, während Sclerotinia
runde oder prismatische, nicht gelatinierte Zellen hat.
2. Dumontinia-Sporen schnüren nie Konidien ab, während Sclerotinia-Sporen
dies sehr gerne tun (Pilz 1 Woche feucht und kühl lagern, dann wieder
mikroskopieren!).
Gegenfrage: gibt es bei Dir 'echte' Anemonenbecherlinge? Der einzige Fundort
von Becherlingen an Anemone, den ich kenne, ist ebenfalls der Gemeine
Schmarotzerbecherling (der auch Anemonen nicht verschmäht...) und ich
würde die beiden Gattungen gerne mal nebeneinander mikroskopieren und für
einen Fundort auch zu Dir kommen. Laut L.Kohn gibt's im Schwetzinger
Schloßpark echte Dumontinia.
Grüße aus Mainz,
Wolfgang

Hallo Wolfgang,
interessant. War mir nicht bekannt.
So tief bin ich in die mikroskopische Bestimmung von Ascomyceten noch nicht
vorgedrungen. Ich kann also nicht sagen, um was es sich genau handelt.

Eine erneute Begehung des Standortes ergab jedoch einige junge Anemone nemorosa
Blätter in direkter Nachbarschaft der Becherlinge. Also doch auf Anemonen!

Georg