Erdsternchen, von Kazuya (636 KB) *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 8512 Tagen)

Hallihallo,
es sollte eigentlich nur ein Besuch bei einem Schulfreund sein, doch es kam anders. Beim Fußballspielen (wie es immer so ist, kommen Funde von seltenen Pilzen dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet) fiel mir zunächst ein völlig deformierter Fruchtkörper auf, der von letzem Jahr zu sein schien, jedoch durchaus wie ein Erdstern aussah (auch wenn ihm die Staubkugel fehlte *gg*). Mit einem solchen Fund war ich natürlich nicht zufrieden, und es wurde weitergesucht. Kaum zu glauben, aber weitere Fruchtkörper konnte man erst nach genauem Hinschauen erkennen. Es waren mindestens 20, und sie wurden zunächst alle übersehen (!). Drei jüngere Fruchtkörper waren z.T. zur Hälfte im Erdboden eingesenkt, der Rest bereits völlig ausgereift.
Wie es immer so ist, hatte ich natürlich meine DigiKam nicht dabei *grunz*. Also entschloss ich mich, am nächsten Tag mit dem Rad zu meinem Freund zu fahren, um die Erdsterne mal ins Bild zu bekommen. Gesagt, getan, hier sind sie:
Junger Fruchtkörper, z.T. im Erdboden eingesenkt:
[image]
Zwei alte Fruchtkörper (Seitenansicht):
[image]
Hier habe ich sämtliche Fruchtkörper zu einem Gruppenfoto zusammenbekommen. Sie ließen es sich gefallen, wie man sieht:
[image]
Hier noch zwei junge Erdsterne:
[image]
An den Fotos ist es sicher zu erkennen, dass mindestens 3 Merkmale auffallen. Die Bestimmung fiel nicht sonderlich schwer, obwohl mindestens drei Arten in Frage kamen. Die Merkmalskombination jedoch führte eindeutig zu Geastrum pectinatum, dem Kamm-Erdstern.
Beschreibung:
Fruchtkörper 2 - 6 (8) cm breit, anfangs kugelig bis zwiebelförmig, bis zu 80% im Erdboden eingesenkt, später in 6 - 10 Lappen aufreißend, die zunächst waagerecht dem Erdboden aufliegen und sich erst im Alter nach unten krümmen, womit die zentrale Staubkugel in die Höhe geht. Der Fruchtkörper "steht" also auf diesen Lappen, die bis etwa 4 cm lang werden und z.T. recht breit sind. Sie sind im jungen Zustand hellbräunlich bis fast cremefarben, färben sich im Alter jedoch in ein schmutziges dunkel Schwarzbraun um. Die Oberfläche ist glatt bis fein rissig bzw. rau. Die Staubkugel selbst befindet sich auf einem graubraunen, bis 10 mm langem "Stiel", der in ein kragenähnliches Gebilde unterhalb der Staubkugel mündet. Die Staubkugel wird bis 2 cm breit und ist zunächst hellbräunlich und kugelig bis leicht flachgedrückt. Später ist sie dunkelbraun bis fast schwarz und flach. Zentral (bzw. apikal) befindet sich ein recht spitzes und fein gestreiftes Peristom, aus welchem die Sporen entweichen. Rund um das Peristom ist ein kleiner "Graben bzw. eine Vertiefung deutlich erkennbar. Der Kamm-Erdstern (G. pectinatum) bevorzugt offenbar trockenere, jedoch schattige Stellen unter Koniferen wie Tannen und Fichten. Ich fand den Pilz am Rande einer Wiese zwischen den einzelnen Wurzeln einer Fichte (P. abies). Die meisten Fruchtkörper versteckten sich hinter einem größeren Brett (sone Gemeinheit aber auch *ggrr*), wo es sehr schattig und wohl auch kühl war. Die Fruchtkörper saßen direkt der Nadelstreu auf.
Wie auch seine Gattungsverwandten ist der Kamm-Erdstern in ME recht selten anzutreffen. Die Art mag zwar gut verbreitet sein, ist jedoch meines Wissens nirgends häufig und fehlt in gewissen Gegenden völlig.
Nach den Funden 1994 (nicht belegt und nicht fotografiert) und 25.08.2002 kann ich nun meinen dritten Erdstern-Fund in meiner doch recht kleinen Umgebung begrüßen.
Hier noch mal der Fund vom 25.08. 2002: Geastrum rufescens, Rötender Erdstern:
[image]

Viele Grüße,
Kazuya

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

zusätzliche Infos zu Erdsternen

Christoph ⌂, (vor 8512 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya,

schöne Bilder! Nur zur Info: Erdsterne sind Mykorrhizapilze, daher stanbdorttreu. Vermutlich wirst du jedes Jahr an derselben Stelle fündig werden...
Die Verwandtschaft ist so der Großbereich der Gomphales (also Korallen, Schweinsohren, Stinkmorcheln etc.). Ob man die Ordnung Gomphales oder Phallales nennen mag, ist egal ;-)

Grüße
Christoph

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Geastrum = Mykorrhizapilze

Karl Keck ⌂, (vor 8511 Tagen) @ Christoph

Erdsterne sind Mykorrhizapilze, daher
standorttreu. Vermutlich wirst du jedes Jahr an derselben Stelle fündig
werden...
Die Verwandtschaft ist so der Großbereich der Gomphales (also Korallen,
Schweinsohren, Stinkmorcheln etc.). Ob man die Ordnung Gomphales oder
Phallales nennen mag, ist egal ;-)

Dann muss der Satz von Prof. Winterhoff in "Die Großpilze Baden-Württembergs", Band 2, Seite 106 rechts oben (2000): "Alle Arten leben saprotroph." gestrichen werden! Wusste man das vor drei Jahren noch nicht?

Grüße, Karl

Eintrag gesperrt
19 Aufrufe

Re: Erdsternchen, von Kazuya - Zweifel

Piwo, (vor 8511 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya,

Die Staubkugel selbst befindet sich auf einem
graubraunen, bis 10 mm langem "Stiel", der in ein
KRAGENÄHNLICHES Gebilde unterhalb der Staubkugel mündet. Die Staubkugel
wird bis 2 cm breit und ist zunächst hellbräunlich und kugelig bis leicht
flachgedrückt. Später ist sie dunkelbraun bis fast schwarz und flach.
Zentral (bzw. apikal) befindet sich ein recht spitzes und fein gestreiftes
Peristom, aus welchem die Sporen entweichen. Rund um das Peristom ist ein
kleiner "Graben bzw. eine Vertiefung deutlich erkennbar.

Zu deiner Bestimmung möchte ich Zweifel anmelden. In deiner Beschreibung schreibst du von einem kragenähnlichen Gebilde unterhalb der Staubkugel. Nach Dörfelt: Die Erdsterne (Neue Brehmbücherei) hat die Endoperidie von G. pectinatum "niemals ein Collar wie Geastrum striatum". Auf drei deiner Bilder ist das Collar deutlich zu sehen, so daß meine Fern-Artdiagnose Geastrum striatum lautet.

Herzliche Grüße Piwo

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Geastrum = Mykorrhizapilze

Christoph ⌂, (vor 8511 Tagen) @ Karl Keck

Hallo Karl,

ja, der Satz kann gestrichen werden. Die Mykorrhiza bei Geatsrum wurde, wenn ich mich recht entsinne, 1995 beschrieben. Kann also passieren, dass man das nicht mitbekommt. Mann muss aber immer bei "ökologischen" Angaben vorsichtig sein. So wird bei Pilze Baden-Württembergs auch Tylospora als saprob bezeichnet (macht aber Ektomykorrhizen), bei Piloderma stehts schon dabei, man wollte isch aber (warum?) nicht so recht von "saprob" lösen. Drum steht hier "saprob auf Holz, aber auch Ektomykorrhiza bildend"... das Holz wird aber nur als Substrat zum Fruktifizieren genutzt. Ist ein "echter" Mykorrhizapilz...

In der Roten Liste Bayerns oder Deutschlands (oder beiden, muss mal nachsehen), werden die Thelephorales (Thelephora, Tomentella, Phellodon, Hydnellum etc. pp.) als "saprob" bezeichnet. Grusel. Dabei ist das schon eiwg bekannt. Insbesondere Tomentella - bilden bis zu 80% der Mykorrhizamengen in heimeischen Nadelwäldern...

Anderes Beispiel: Gomphidius plus Suillus. In der BW-Flora steht, man wisse nich gar nichts darüber, warum die Arten vergesellschaftet sind. Es ist aber seit gut 20 Jahren untersucht, publiziert etc. (Agerer). Es wird bei Öko-Angaben zu schnell abgeschrieben und zu selten in neuerer Literatur recherchiert. Das ist das selbe Problem bei Lehrbüchern. Bis sich da was ändert, duaert es manchmal 30 Jahre... Bei "ökologischen" Bearbeitungen wie Pilze BWs hätte man sich aber, denke ich, schon die Mühe machen können, bei Spezialisten nachzufragen. Letztenendes ist es natürlich nicht tragisch, aber so halten sich manche Dinge hartnäckig, weil ja "Referenzwerke" wie Pilze BWs immer zitiert werden. Und da ist Schlampigkeit manchmal sehr schade, weil teils auch unnötig.

Als neueste Ergebnisse: Sebacina epigaea bildet auch Ektomykorrhiza (und zudem Mykorrhiza mit Neottia). Die Wachskrusten sind also zumindets zum Teil auch die Ernährer der Nestwurz.
Eine Art von Sistotrema bildet auch Ektomykorrhiza aus (habe ich in Oslo in einem Vortrag gehört). Das ist doppelt interessant, da Sistotrema anscheinend mit den Pfifferlingen verwandt ist. Somit bilden die meisten Cantharellales s.str. (!) Mykorrhiza...

das aber nur am Rande ;-)

Ach ja, Rhodocollybia bildet Ektomykorrhiza (eigentlich auch seit den 70er Jahren bekannt, aber in der Literatur verschütt gegangen - inzwischen auch in natura entdeckt - damals wars in Kultur). Meist werden die Butterrüblinge (leider) immer noch als "Collybia" und saprob eingeteilt. Sie sind aber auch ökologisch eigenständig, weil Mykorrhizabildner.
Das ist in der Flora BW auch "falsch", aber damals war das Wissen um die Mykorrhiza bei Butter- und Gefleckten Rüblingen so neu, dass man es einfach nicht wissen konnte.

Nicht, dass ich zu sehr als Nörgler rüberkomme... wer viel macht, der macht auch Fehler. Ganz klar. Manches kann man auch einfach nicht wissen. Schade finde ich es nur, wenn man die Möglichkeit hätte, sich Informationen zu holen, diese aber nicht genutzt wird.
Bei den Pilzen BWs war meines Wissens das große Problem, dass die ersten Bände unter großem Zeitdruck entstanden, weil der Geldgeber sonst wohl nicht mitgemacht hätte.
Man sollte Fehlerchen also nicht überbewerten. Andererseits sollte man als Leser generell viele Aussagen hinterfragen und nicht alles kritiklos übernehmen.

Grüße
Christoph

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Erdsternchen, von Kazuya - Zweifel

Kazuya, (vor 8510 Tagen) @ Piwo

Sorry, aber ich schreibe zurZeit eine "Arbeit" über Erdsterne und begrüße daher jedwege Infrmation über diese sehr interessante Gattung, aber der Collar sollte eigentlich eine Apophyse sein, unterhalb der Sporenkugel. Ich möchte dies hier berichtigen. Die Beschreibung passt also voll und ganz zu G. pectinatum.
Viele Grüße,
Kazuya

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Geastrum pectinatum/striatum - Kragen *PIC*

Huperzia ⌂, (vor 8510 Tagen) @ Piwo

Hallo Kazuya,
Zu deiner Bestimmung möchte ich Zweifel anmelden. In deiner Beschreibung
schreibst du von einem kragenähnlichen Gebilde unterhalb der Staubkugel.
Nach Dörfelt: Die Erdsterne (Neue Brehmbücherei) hat die Endoperidie von
G. pectinatum "niemals ein Collar wie Geastrum striatum". Auf
drei deiner Bilder ist das Collar deutlich zu sehen, so daß meine
Fern-Artdiagnose Geastrum striatum lautet.
Herzliche Grüße Piwo

Hallo Kazuya und Piwo,

Ich schließe mich Piwo an,daß es sich bei deinem Fund um Geastrum striatum handelt.
Ich hab mal die Seite aus Dörfelts Erdsternen herausgescannt, wo das Unterscheidungsmerkmal der beiden gut zu sehen ist:
[image]
Bild 4 zeigt Geastrum striatum mit dem Kragen und Bild 6 G. pectinatum mit basaler Riefung.

Viele Grüße,

Tanja

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Erdsternchen, von Kazuya - Zweifel

Piwo, (vor 8510 Tagen) @ Kazuya

Sorry, aber ich schreibe zurZeit eine "Arbeit" über Erdsterne und
begrüße daher jedwege Infrmation über diese sehr interessante Gattung,
aber der Collar sollte eigentlich eine Apophyse sein, unterhalb der
Sporenkugel. Ich möchte dies hier berichtigen. Die Beschreibung passt also
voll und ganz zu G. pectinatum.
Viele Grüße,
Kazuya

Hallo Kazuya,

hast du dich in der letzten Zeile verschrieben oder meinst du tatsächlich es sei G. pectinatum? In deinen Beschreibungen vermisse ich jeglichen Hinweis auf den namengebenden Kamm. Er befindet sich mehr oder weniger ausgeprägt als radiale Furchung vom Stielansatz her an der Basis der Endoperidie. Nach Dörfelt kann er mitunter fehlen. Bei soviel Fruchtkörpern müßtest du aber eigentlich einen "Kamm" gesehen und dann auch beschrieben haben. Beim Vergleich der Zeichnungen, die Huperzia eingestellt hat, wird eigentlich alles klar: es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit G. striatum. Falls du möchtest, stelle ich ein paar Bilder von G. striatum ins Forum.

Herzliche Grüße vom hartnäckigen Piwo