Achtung Tiefflieger!
Mann flogen Morcheln um die Ohren
Beim Rasenmähen hat ein Widnauer einen
seltenen Fund gemacht
Ein Mann aus Widnau wird diese Pilzsaison wohl
nie vergessen: Beim Rasenmähen flogen ihm auf
einmal Morcheln um die Ohren.
GERT BRUDERER
WIDNAU. Wer den Fund gemacht hat, sagt
Pilzkontrolleur Fritz Matzer aus Rheineck dem
«Rheintaler» nicht. Ebenso wenig würde er jemals die
ihm bekannten Morchel-Fundorte verraten. Nur soviel:
Morcheln wachsen manchmal an den «unmöglichsten
Orten». In Altstätten beispielsweise ist dieser Pilz
auch schon auf dem Areal der Post gefunden worden.
Ähnliche Lorchel ist giftig
Von dem verblüffenden Widnauer Fund hat Matzer
erfahren, weil der Eigentümer der Pilze sich
vorsichtshalber an ihn, den Fachmann, wandte. Das
sei auch allen anderen Laien empfohlen, denn zur
stattlichen Zahl giftiger Pilze gehört die der Morchel
sehr ähnlich sehende Frühlingslorchel. Perfiderweise
wächst sie zur gleichen Zeit und an den gleichen Orten
wie die Morchel.
Morcheln dank Mulch
Der Finder aus Widnau hatte Glück: Die Pilze, welche
er beim Rasenmähen in der Wiese fand, waren
allesamt Morcheln und somit geniessbar. Insgesamt
rund hundert Exemplare dürften es gewesen sein. Fritz
Matzer spricht allerdings von einem «einmaligen
Phänomen». Zu verdanken hat es der unbekannte
Widnauer einem im letzten Herbst verwendeten
Rindenmulch. In dieser Bodenschicht «muss irgend
etwas drin gewesen sein», das die Morcheln
hervorgebracht hat. Was man sonst noch weiss, ist
wenig: Wiederholen wird das Phänomen sich sicher
nicht.
Saison bald vorbei
Während die Steinpilz- und Eierschwammsaison erst
im August beginnt, ist die Morchelzeit in etwa einer
Woche bereits wieder vorbei. Wie in den letzten
Jahren war die Zahl der Morcheln recht bescheiden.
Wo man sie am ehesten findet, verrät das Lexikon:
«Auf humus- und kalkreichen Böden unter Eschen und
Pappeln.» Fritz Matzer, der sowohl für das gesamte
Unterrheintal als auch für das Appenzeller Vorderland
als Pilzkontrolleur tätig ist, fügt an, die Morchelmöge
feuchte Gräben. Manche Plätze, die er kennt, befinden
sich im Riet. In höheren Lagen dauert die
Morchelsaison zwar bis im Juni, doch ist hier die
Chance, fündig zu werden, besonders gering.
Aus dem Tagblatt vom 27.4.2000 © St. Galler Tagblatt AG