Pilzberatung im Internet (ZfM)

Huperzia ⌂, (vor 8347 Tagen)

Hallo,

Heute war als Weihnachtsgeschenk die ZfM im Briefkasten, in der Peter Reil seine Sicht auf einen Disput im Pilzepilze-Forum darstellt. Das möchte ich nicht ganz unerwidert lassen, weil er vor allem mich zu meinen scheint.

Ich zitiere:
"Kürzlich eine Anfrage bezüglich des Perlpilzes: "Habe ich da einen Perlpilz erwischt?" Gezeigt werden 3 unscharfe, farbverschobene Bilder von Fruchtkörperteilen,die in Ermangelung einer Kamera mit dem Scanner (!) "aufgenommen" worden waren. Selbstverständlich finden sich auch hier "Experten", die wissend die Vermutung mit bestechender Gewissheit bestätigen können. Der Einwurf, daß die Lamellen gar nicht weiß aussehen, sondern fast braun, wird mit dem Hinweis auf Farbverschiebungen vom Scannen vom Tisch gewischt -und dies nicht von dem,der die Bilder gemacht hat, sondern von einem wissenden Betrachter (!)."
Beitrag 55644

(Die Bilder auf der seite des Stuttgarter Pilzvereins (und vieler anderer Seiten) sind Scannerbilder - eben weil deren Qualität oft einfach unschlagbar ist, wenn man nicht gerade profimäßig fotografiert. Farbverschiebungen entstehen oft durch unterschiedliche Bildschirme und ich weiß,daß meiner sehr realitätsnah.)
Aber egal, ich bin weiterhin 100% sicher und 3 würde diesen Pilz auch meinen Kindern vorsetzen. Auf den Bildern war deutlich die geriefte Manschette erkennbar und das Röten und jeder infrage kommende Giftpilz kann ausgeschlossen werden. Wenn ich als Pilzberater nicht mal das freigeben darf, wo ich sicher bin und was ich selber essen würde, nur weil das Medium Internet ebenso wie Telefon eben "verboten" ist, komme ich doch etwas ins Grübeln. Bei der Beratung vor Ort bin ich also in der Lage, die Verantwortung einzuschätzen, im Internet nicht? Mir ist bewußt, daß man per Internet eine Menge Abstriche machen muß, ebenso wie man Abstriche machen muß,wenn die Pilze halbiert, geputzt oder aus dem Urlaub mitgebracht sind.
Keine Angst Peter, ich schreib mir den DGfM-Berater weder ans Klingelschild noch in mein Forumsprofil, damit ich ja dem guten Ruf des DGfM-Beraters nicht schädige.

Den zweiten Teil,der sich auf mich bezieht finde ich lächerlich und beleidigend zugleich:
"Einige Tage später werden im selben Forum - diesmal ordentlich und kenntlich fotografiert -Bilder von küchenfertig geputzten Röhrlingen gezeigt. Der Einsteller bemerkte, daß sie einen sauren Geschmack hätten und das Fleisch relativ zäh sei.Er habe sie gegessen und eine schnelleVerdauung gehabt.Nun wolle er gern wissen,was er denn gegessen habe.der "Perlpilzexperte" von weiter oben wartet sofort mit der Bestimmung "alte Butterpilze" auf,und daß die eben nicht jeder verträgt. Daßn die dargestellten Pilze sämtlich keinen Ring aufweisen,scheint für ihn keine Bedeutung zu haben. Nach weiteren vermutungen anderer Teilnehmer (Körnchenröhrling, Goldröhrling) fällt die Entscheidung zugunsten des Ringlosen Butterpilzes (was auch richtig sein dürfte)."
Beitrag 56044

Der Ringlose Butterpilz ist noch gar nicht so lange beschrieben und war voher doch auch ein Butterpilz. Also waren die alten Mykologen auch allesamt solche "Bestimmungsversager" wie ich?
Der Ringlose Butterpilz ist hier auf Muschelkalk, wo ich wohne, sehr häufig - den Butterpilz gibt es gar nicht. Da sagt man dann auch schon mal zum Ringlosen Butterpilz Butterpilz - aber vielleicht wäre es auch unverantwortlich, wenn ein Pilzberater zum Sommersteinpilz Steinpilz sagt, wo vielleicht jeder den Fichtensteinpilz erwartet? Die "Wirkung" von den zwei Butterpilzen ist auch nicht unterschiedlicher als die der Steinpilze.
Ich möchte mich jetzt nicht rechtfertigen (weil auch dem Pilzberater vor Ort harmlose Fehler erlaubt sein sollten),aber ich dachte vielleicht an den Ringlosen, weil ich kurz zuvor eine mündliche Beratung (Pilz beschrieben und ich durfte dann erraten, woran sie sich vergiftet hatte ;-)) vor Ort den Ringlosen als Verdauungsproblemursache vom letzten Herbst erbrachte.

Ich finde es auch ärgerlich, wie man sich hier über die Internetforen lustig macht, die doch schon vielen zu den Pilzen verholfen haben - ich wäre vielleicht auch nicht wieder in die Pilze eingestiegen, wenn Andreas nicht vor gut 2 Jahren meine Pseudobaeospora anhand einer kurzen Internetbeschreibung bestimmt hätte - selbstverständlich nicht sicher formuliert, aber es hat sich als wahr herausgestellt.
Manche Bestimmungen sind per Internet einfach möglich und ich fände es schade, wenn man diese Möglichkeit, Leute zu den Pilzen zu bringen nicht nutzen würde. Warum soll man etwas unterlassen, was möglich ist?
Ich lasse den abgeschnittenen Champignon in der Pilzberatung doch auch durchgehen -auch wenn eine mögliche Knolle abgeschnitten ist? Die Art Merkmale zu betrachten und zusammenzuführen zu einem Gesamtbild ist bei den einzelnen Beratern- und Nichtberatern eben völlig unterschiedlich - und daß die einen dabei die anderen oft nicht verstehen, muß eben akzeptiert werden. Und weil man eben nicht drin steckt sollte man den anderen soweit respektieren, daß man ihn selbst entscheiden läßt, was er verantworten kann und was nicht.

Viele Grüße,

Tanja (Pilzsachverständige der ThAM ;-))

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Wolfgang Hartwig, (vor 8347 Tagen) @ Huperzia

Auf diese Diskussion bin ich gespannt!
Ich werde mich zu gegebener Zeit, also nach Weihnachten, mal melden. Die Weihnachtsfeiertage sollen ja besinnlich bleiben, oder nicht?
Ich wünsche allen Forumsteilnehmern Frohe Weihnachten und ein pilzreiches 2004,
Grüße Wolfgang Hartwig

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Christophe, (vor 8347 Tagen) @ Huperzia

Hi Tanja,

kannst Du mir mal eben auf die Sprünge helfen?
Was meinst Du mit 'ZfM'? Ich habe gerade Google angeworfen, aber die Ergebnisse helfen mir nicht so recht weiter, Zeitschrift für Management, Zentrum für Mathematik, Zentrum für Mikrotechnologien, Zentrum für Management- und Personalberatung, Zentrum für "Festkörperchemie und Neue Materialien" usw.

Welches von denen ist das? Oder doch ein anderes ZfM? :-)

Christophe *sich mal als ahnungsloser outen*

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@Christope

bleem, (vor 8347 Tagen) @ Christophe

Was meinst Du mit 'ZfM'?

Hi

Es ist die Zeitschrift für Mykologie (ZfM).

Ciao bleem

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Re:Danke:-) *oT*

Christophe, (vor 8347 Tagen) @ bleem

- kein Text -

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Zeitschrift für Mykologie der Deu. Gesell. für M. *oT*

Huperzia ⌂, (vor 8347 Tagen) @ Christophe

- kein Text -

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Oktober, (vor 8347 Tagen) @ Christoph

Hallo Christoph,

ich möchte mich Deinem Fazit

Zitat:

... "Und zu guter Letzt hoffe ich, dass der Inhalt von Reil's Artikel in den Gelben Seiten auch von Anderen so aufgefasst wird, wie er vermutlich gemeint war: Kritik an einer bestimmten Praxis, nicht Kritik am Internet an sich und Pilzforen an sich. Dass nur Fälle aus einem einzigen, wohl bekannten Forum zitiert wurden, mag unglücklich erscheinen, rührt aber wohl daher, dass dort besonders viel anhand von Bildern bestimmt wird."

anschließen.

Gruß
Oktober

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Hat mich auch geärgert

Georg, (vor 8347 Tagen) @ Huperzia

Hi Tanja,
ich habe den Artikel auch mit Verwunderung und etwas Verärgerung gelesen.
Ein Pilz-Forum ist dazu da, um über Pilze zu diskutieren, sei es mit
Worten oder Bildern. Und wenn ich da einen eindeutigen Pilz vorgesetzt
bekomme, dann sage ich, was ich dazu meine.
Wir hatten das Thema ja schonmal, als ich per Email nach der Unbedenklichkeit
eines von einem Kleinkind verzehrten Pilzes gefragt wurde. Hier der Thread:

Beitrag 27151

Ich würde heute wieder so handeln.

Ich denke der Grund hinter dieser allgemeinen übertriebenen Panikmache, sobald Pilze
irgendwie im Spiel sind, ist in einer unterschwelligen Mykophobie der Bevölkerung
zu suchen, die in Pilzen unbewusst erstmal etwas Gefährliches, Unheimliches
sieht.
Dies zeigt sich (interessanterweise auch bei einigen Pilzexperten) immer wieder in dem
geradezu irrationalen Aufruhr, der wegen der entfernten Möglichkeit einer
Pilzvergiftung mit irgendwelchen dubiosen Giftpilzen gemacht wird.
Reale Gefahren viel größerer Wahrscheinlichkeit werden ignoriert,
Pilze überproportional dämonisiert.

Im neuen Tintling ist zu dem Thema ein Streitgespräch mit Harry Andersson abgedruckt.
Ich stehe da uneingeschränkt auf der Seite von Karin Montag (der Herausgeberin des Tintlings).

Georg

PilzsachverständigerPilzePilze ;-)

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Re: Hat mich auch geärgert

Huperzia ⌂, (vor 8347 Tagen) @ Georg

Ich denke der Grund hinter dieser allgemeinen übertriebenen Panikmache,
sobald Pilze
irgendwie im Spiel sind, ist in einer unterschwelligen Mykophobie der
Bevölkerung
zu suchen, die in Pilzen unbewusst erstmal etwas Gefährliches, Unheimliches
sieht.
Dies zeigt sich (interessanterweise auch bei einigen Pilzexperten) immer
wieder in dem
geradezu irrationalen Aufruhr, der wegen der entfernten Möglichkeit einer
Pilzvergiftung mit irgendwelchen dubiosen Giftpilzen gemacht wird.
Reale Gefahren viel größerer Wahrscheinlichkeit werden ignoriert,
Pilze überproportional dämonisiert.

Hallo Georg,

Vielleicht nicht nur da: Eine gewisse Phobie gibt es sicher auch vor neuen Medien und deren Möglichkeiten werden eben erst einmal etwas auch abgelehnt.
(Hab mich ja selbst erst vor drei jahren an einen Computer getraut,weil ich dachte dassei Teufelszeug und führe nur zur Vereinsamung....weit gefehlt ;-).)

Aber die übertriebene Panikmache bei Pilzen ist sicher auch etwas, was gerade Pilzsachverständige gern kultivieren, weil sie so doch etwas dem allwissendem Medizinmann näher kommen.

Im neuen Tintling ist zu dem Thema ein Streitgespräch mit Harry Andersson
abgedruckt.
Ich stehe da uneingeschränkt auf der Seite von Karin Montag (der
Herausgeberin des Tintlings).

....da ist mirdoch glatt noch wasentgangen *gleichmallesengeh*

Viele Grüße,

Tanja

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ich bewundere Euch Pilzkontrolleure !

Hans hurter, (vor 8347 Tagen) @ Georg

lieber Georg, wie gesagt ich bewundere alle Pilzexperten!Einige Beispiele aus meinem Pilzleben.Schwanden Berner Oberland 1985,Pilzpirsch am Samstag nach einer anstrengenden Arbeitswoche ,einige schöne Steinis direkt neben Pantera und Amanitas (10cm) geerntet.Ca .18h in der Küche mit Freunden reichlich Aperitif eingenommen und Pilze gerüstet. Pilzessen mit Steaks und Salat und Wein und Schnaps!! In der Nacht Schweissaubrüche aber kein Magenweh oder Erbrechen Angst einen Satan erwischt zu haben !Am Morgen alles ok!Lehre Pilze beim ernten genau kontrollieren ,wenig Pilze essen,wenig oder gar kein Alkohol!Nicht sichere Pilze, einen nehmen und kontrollieren lassen,dann Rest wenn noch vorhanden holen sofern noch da?Das kennt Ihr Experten alles aber jetzt komme ich zur Sache wegen dem Rat an die besorgte Mutter!
Ein Freund ,Pilzkontrolleur leider verstorben hatte vor Jahren folgendes erlebt.Ein Pilzler brachte ihm Wiesenchampignons (Egerlinge)zur Kontrolle Befund alles ok! In der Nacht bekam mein Freund ein Tel.von der Kantonpolizei er solle sich bei Ihnen melden!Kurzgefasst ,dem Pilzler wurde der Magen Im Spital ausgepumpt mit Verdacht auf Vergiftung!
Analyse ergab Mutterkornresten !Pilzler hatte nicht gesagt,dass er die Egerlinge am Rande eines Kornfeldes geerntet hatte!(oder dem aus Unwissenheit keine Beachtung geschenkt?Schlussfolgerung ,dass ganze Leben besteht aus Risiko leider nicht immer kalkulierbar.
Deswegen verstehe ich die Diskusionen nicht über essbar nicht essbar Grünlinge Fliegenpilzstimulanz etc.bei Laien unter Experten ja ! Ich ziehe meinen Hut !! Ich liebe dieses Pilzforum ,herzlichen Dank für Alles und frohe Weihnachten Hans der Röhrlingsjäger

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Die Kirche im Dorf lassen ...

Rainer_aus_AC, (vor 8347 Tagen) @ Huperzia

Ich habe zwar den Originalbeitrag in der ZfM nicht gelesen, möchte aber meine
Meinung, losgelöst vom Einzelfall, zu "Pilzbestimmungen im Internet" einfach
mal kund tun:

Ich selbst habe es absolut hilfreich gefunden (und finde es immer noch!) ,dass
in einem Forum wie diesem immer wieder Pilzbilder gezeigt und Bestimmungstipps
gegeben werden. Ich selbst habe dadurch sehr viel gelernt. Ohne das Forum würde
ich heute vermutlich immer noch Steinpilze, Maronen und Pfifferlinge sammeln
und garnicht entdeckt haben, wie faszinierend die Welt der Pilze - auch jenseits
der Speisepilze - ist.

Dass Bestimmungen nach Bildern mit einem gewissen Rest-Unsicherheitsfaktor
verbunden sind, sollte eigentlich jedem klar sein. Und dass man die
Verantwortung dafür, wie man mit Bestimmungshilfen im Forum umgeht ("essen oder
nicht essen" ...), nicht einfach an jemand anders abgeben kann, ist ebenso klar.(*)

Das zweite gilt meiner Meinung nach übrigens nicht nur für Bestimmungen nach
Bildern, sondern auch bei Live-Pilzen, auch wenn es da sicher weniger Fehler-
möglichkeiten gibt.

Also mein Fazit: Ich finde das Ganze nicht so dramatisch; vielleicht ist es
sinnvoll, Bestimmungen öfter mal im Konjunktiv zu formulieren (wie es viele
standardmaessig machen), aber das wär's auch schon.

Viele Grüße,
Rainer.

(*) Nur mal als Idee:

Da es ziemlich langweilig wäre, wenn jeder das so oder ähnlich (als Disclaimer)
immer wieder in jede seiner Mails schreibt, in der er/sie mal einen Tipp
oder eine Fernbestimmung abgibt - was haltet Ihr davon:

Irgendwo auf PilzePilze gibt's eine Disclaimer-Seite ("Bestimmungen nach
Bildern ... blabla ... etc. pp. ..."), auf die man einfach einen Link setzen
kann, wenn man sich dazu hinreissen lässt, einen Steinpilz nur nach Bild
zu bestimmen

(OK, ich geb's zu, das war jetzt ein kleines bisschen polemisch, ist aber nicht
bös gemeint).

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Panikmache bei Pilzen ... wirklich sooo schlimm?

Rainer_aus_AC, (vor 8346 Tagen) @ Huperzia

...
Aber die übertriebene Panikmache bei Pilzen ...
...

Mal eine Bemerkung am Rande:

Auch ich finde, dass im Vergleich zu den vielen anderen Risiken des täglichen Lebens Pilze
unverhältnissmässig schlecht weg kommen.

Aber anderherum betrachtet: Ist der "schlechte Ruf" der Pilze eigentlich so schlimm?

Man stelle sich nur mal vor, dass in einem so dicht bevölkerten Land wie Deutschland
Wildpilze bei der breiten Bevölkerung beliebt und geschätzt wären, und im Herbst dann
jeder zweite in den Wald zieht ... (oh graus!)

Vermutlich wäre es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis wir eine ähnliche Situation
wie in den Niederlanden hättem, wo (meines Wissens) Pilze Sammeln grundsätzlich verboten
ist (nochmal oh graus!).

Also - ich für meinen Teil finde es ganz o.k., dass Pilzen mit grossem Respekt begegnet wird,
auch wenn's oft ziemlich übertrieben ist.

Wie seht ihr das?

Schöne Grüße,
Rainer.

Nachtrag:
Wenn man den Gedanken weiterspinnt, stellt sich natürlich auch die Frage, ob viele
öffentlichkeitswirksame Aktionen von Pilzvereinen überhaupt im langfristigen Interesse der
Pilzfreunde selbst liegen ...

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Re: Panikmache bei Pilzen ... wirklich sooo schlim

Andreas ⌂, (vor 8346 Tagen) @ Rainer_aus_AC

Hallo Rainer

Man stelle sich nur mal vor, dass in einem so dicht bevölkerten Land wie
Deutschland
Wildpilze bei der breiten Bevölkerung beliebt und geschätzt wären, und im
Herbst dann
jeder zweite in den Wald zieht ... (oh graus!)

In Ländern des Ostblocks wird sehr vielmehr gesammelt wie hier - auch in den dichter besiedelten Gebieten wie Schlesien oder so.
Und trotzdem gibt's dort Pilze .....

Vermutlich wäre es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis wir eine ähnliche
Situation
wie in den Niederlanden hättem, wo (meines Wissens) Pilze Sammeln
grundsätzlich verboten ist

Die Pilzknappheit in Holland ist auf andere Einflüsse aöls das Sammeln zurückzuführen, vor allem auf übermäßige Nitrifizierung jedes Eckchen Landes durch die intensive Landwirtschaft.

Also - ich für meinen Teil finde es ganz o.k., dass Pilzen mit grossem
Respekt begegnet wird, auch wenn's oft ziemlich übertrieben ist.

Respekt ja, aber überzogene Panikmache mit dem (von mir unterstellten) Zweck, den eigenen Status "Pilzberater" entsprechend wichtig erscheinen zu lassen, findet bei mir kein Verständnis.

Nachtrag: Wenn man den Gedanken weiterspinnt, stellt sich natürlich auch die
Frage, ob viele öffentlichkeitswirksame Aktionen von Pilzvereinen überhaupt im langfristigen Interesse der Pilzfreunde selbst liegen ...

Wenn Du das Interesse von Pilzfreunden dahingehend definierst, ein möglichst großes Revier möglichst alleine von möglichst vielen Speisepilzen zu befreien, dann gibt es sicherlich keinen Grund, öffentlichkeitswirksam zu agieren.
Ich persönlich möchte aber nicht der einzige Pilzfreund auf der Welt sein .....

Beste grüße,
Andreas

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Re: Panikmache bei Pilzen ... wirklich sooo schlim

Rainer_aus_AC, (vor 8346 Tagen) @ Andreas

Hallo Rainer
In Ländern des Ostblocks wird sehr vielmehr gesammelt wie hier - auch in den
dichter besiedelten Gebieten wie Schlesien oder so.
Und trotzdem gibt's dort Pilze .....

Komm mal im September in die Eifel, und schau Dir an, was da am Wochenende
auf den Waldparkplätzen los ist ...

Die Pilzknappheit in Holland ist auf andere Einflüsse aöls das Sammeln
zurückzuführen, vor allem auf übermäßige Nitrifizierung jedes Eckchen
Landes durch die intensive Landwirtschaft.

Kann ich mir gut vorstellen. Weiss eigentlich jemand, wann und mit welcher
offiziellen Begründung das Pilzsammelverbot in Holland eingeführt wurde?
Würde mich mal interessieren.

Respekt ja, aber überzogene Panikmache mit dem (von mir unterstellten) Zweck,
den eigenen Status "Pilzberater" entsprechend wichtig erscheinen
zu lassen, findet bei mir kein Verständnis.
Wenn Du das Interesse von Pilzfreunden dahingehend definierst, ein möglichst
großes Revier möglichst alleine von möglichst vielen Speisepilzen zu
befreien, dann gibt es sicherlich keinen Grund, öffentlichkeitswirksam zu
agieren.

Mist, durchschaut ... ;-)

Ich persönlich möchte aber nicht der einzige Pilzfreund auf der Welt sein
.....
Beste grüße,
Andreas

Mal ohne Spass: Natürlich möchte ich auch nicht der einzige Pilzfreund auf der
Welt sein. Ich selbst nehme ja auch gerne meine Tochter oder gute Freunde von
uns mit auf die Pirsch und freue mich, wenn sich andere (gerade Kinder) auch
von Pilzen faszinieren und begeistern lassen. Und ich finde es klasse, dass
es zum Beispiel Leute wie Euch im Forum gibt, von denen man viel lernen und
mit denen man sich austauschen und vielleicht irgendwann auch mal treffen
kann.

Das Dilemma aber bleibt. Im Prinzip ist es doch das gleiche wie beim Reisen. Was
vor zwanzig Jahren vielleicht noch ein Geheimtipp unter Rucksackreisenden war,
ist heute oftmals schon "touristisch erschlossen", mit allen Folgen, die daraus
resultieren (Betonburgen, Pseudofolklore,...). Und womit hat das angefangen -
vermutlich mit ein paar begeisterten Artikeln im Outdoor-Magazin oder im
Handbuch für den Low-Budget-Traveller.

Was ich damit sagen will: Manche Dinge kann und sollte man ruhig in kleineren
Kreisen belassen.

Aber das wird jetzt immer mehr off-topic.

Viele Grüße,
Rainer.

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Freie Meinungsäußerung

Karin_2, (vor 8346 Tagen) @ Georg

Im neuen Tintling ist zu dem Thema ein Streitgespräch mit Harry Andersson
abgedruckt.
Ich stehe da uneingeschränkt auf der Seite von Karin Montag (der
Herausgeberin des Tintlings).

Danke Georg, das freut mich. Es ist nun mal so, dass selbst harmloseste Pilzvergiftungen Eingang in die gesamte Tagespresse finden und dort lang und satt bis hin zur Konsistenz des Stuhlganges breitgetreten werden. Wenn man aber in den gleichen Medien von gegenteiligen Erfahrungen berichtet, wird man sofort zur Ordnung gerufen, manchmal selbst von Pilzkennern, die es eigentlich besser wissen müssten. Da mir das arg einseitig ist, nehme ich mir das Recht gelegentlich entsprechend Stellung zu beziehen.

Huperzias Satz von der übertriebenen Panikmache bei Pilzen spricht mir aus der Seele.

Zu der Vermutung einer ebtunell sogar gewollten Panikmache zur Steuerung eines begrenzten Pilzsucheraufkommens gibt es genau so viele Argumente wie Gegenargumente. Viele davon scheinen mir polemisch und/oder hypothetisch zu sein, manche sogar ausgesprochen schädlich.

Georg
Pilzsachverständiger PilzePilze ;-)

Karin
Sachverstand oder nicht, jedenfalls ohne Greencard ;-)

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Re: Panikmache bei Pilzen ... wirklich sooo schlim

amanita, (vor 8346 Tagen) @ Rainer_aus_AC

Mal eine Bemerkung am Rande: Auch ich finde, dass im Vergleich zu den vielen
anderen Risiken des täglichen Lebens Pilze
unverhältnissmässig schlecht weg kommen.
Aber anderherum betrachtet: Ist der "schlechte Ruf" der Pilze
eigentlich so schlimm?
Man stelle sich nur mal vor, dass in einem so dicht bevölkerten Land wie
Deutschland
Wildpilze bei der breiten Bevölkerung beliebt und geschätzt wären, und im
Herbst dann
jeder zweite in den Wald zieht ... (oh graus!)
Vermutlich wäre es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis wir eine ähnliche
Situation
wie in den Niederlanden hättem, wo (meines Wissens) Pilze Sammeln
grundsätzlich verboten
ist (nochmal oh graus!).
Also - ich für meinen Teil finde es ganz o.k., dass Pilzen mit grossem
Respekt begegnet wird,
auch wenn's oft ziemlich übertrieben ist.
Wie seht ihr das?

hallo Rainer. Panikmache finde ich gar nicht so schlimm! So werden unsere Lieblinge von vielen verschont!!Das ist Naturschutz auf einfache weiße* Lass den Pilzen ruhig ihren schlechten Ruf hihih

Schöne Weihnachten
Amanita

Nachtrag: Wenn man den Gedanken weiterspinnt, stellt sich natürlich auch die
Frage, ob viele
öffentlichkeitswirksame Aktionen von Pilzvereinen überhaupt im langfristigen
Interesse der
Pilzfreunde selbst liegen ...

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Panikmache?

Birgit, (vor 8346 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

ich antworte mal auf deinen Beitrag speziell, weil ich dazu ganz direkt was anzumerken habe.

Außerdem fühle ich mich auch angesprochen, weil ich mich in einem der von Peter zitierten Threads auch direkt beteiligt hatte.

Zuerst einmal kann ich Hupis Verärgerung gut verstehen, auch weil ich persönlich die angesprochenen Beispiele des Körnchenröhrlings/ringloser Butterpilz/.... und auch die des Perlpilzes nicht als so gravierend empfunden habe. Es war sicher auch unglücklich diese Beispiele in der doch ziemlich persönlich angreifenden Art und Weise in der ZfM darzustellen.

Die zitierten Beispiele bzgl. der Champignons und auch des Egerlingschirmlings hingegen fand ich sehr zutreffend. Dabei von Panikmache bezgl. der Gefahren von Pilzen zu sprechen, ist überzogen und unzutreffend. Hier geht es schließlich nicht darum, wie dick man Pilze schneiden soll, die man trocknen will, sondern darum, daß ein Schreiber dieses Forums Angst um zumindestens die Gesundheit eines Ratsuchenden hat. Jeder, der eine solche Befürchtung hegt, sollte dies auch öffentlich hier sagen, und ich hoffe und erwarte auch von jedem, daß er dies tut und zwar ohne, daß er von anderen Leuten eine vor den Latz geknallt bekommt. Mir ist auch klar und das sollte eigentlich jedem klar sein, daß hier jeder seine persönlichen Grenzen hat und möglichst die des anderen respektieren sollte. Ich für meinen Teil habe zum Beispiel sehr schlechte Erfahrungen mit telefonischer Beratung (aber nicht Pilzberatung) gemacht und werde daher mit SIcherheit niemals eine telefonische Beratung durchführen und ich werde auch jedem dringend davon abraten, auch hier im Forum. Genausowenig würde ich z.B. abgeschnittene Champignons freigeben (ich hab einfach zuviele Karbolchampis im Garten, die sich nicht nach Lehrbuch benehmen) oder Riesenschirmlinge von gutgedüngten Standorten (meine Eltern haben so mal ihre Nachbarn ins Krankenhaus "beraten"). Und wenn ich hier davor warnen würde, dann wäre das KEINE übertrieben Panikmache und die Folgerung von dir Andreas, daß wir "Pilzberater" von denen du ja auch einer bist uns nur wichtig und bedeutend machen wollen, finde ich abenteuerlich und beleidigend. Anscheinend ist dir die Vorstellung, daß es den "Warnern" wirklich um die Gesundheit der Leute gehen könnte, vollkommen fremd. Ich frage mich, wie du zu einem solchen Menschenbild kommst?

Du hast weiter noch geschrieben, daß die Fragesteller sich hier die Infos ja auch aus Büchern suchen könnten und dann noch schlechter dran sein könnten als hier im Forum. Die Frage ist aber, wer hier im Forum die Antwort gibt und es gab eben schon einige falsche Antworten (die aber mit absoluter SIcherheit vorgetragen wurden) hier bei diesen Bestimmungsfragen, wobei du ja weißt, daß ich damit ganz sicher nicht dich meine ;-).

herzliche Grüße

Birgit
herzliche Grüße

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Auch meine Gedanken..... *oT*

Karl-Heinz ⌂, (vor 8346 Tagen) @ Birgit

- kein Text -

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Hans aus ED, (vor 8345 Tagen) @ Huperzia

Hallo,
Ich will mich ja da ned unbedingt einmischen weil ich mich eh ned so gut auskenn, aber beim durchlesen von den ganzen beiträgen ist mit doch eins aufgefallen was ich zumindest ein bisserl merkwürdig finde:

ZITAT:
"Vielleicht hat er ja auch drei Perlpilze fotografiert und der eine Pantherpilz sah zu "unschön" aus (z.B. Ring nur noch in Fragmenten vorhanden), dass gerade der nicht fotografiert wurde. Aus diesem Grund sind Bestimmungen per Bild für Speisezwecke sicherlich gefährlich."

Also - irgendwo hab ich mal gelesen - verbesserts mich wenn ich falsch liege -
das man auch zu einer "normalen" pilzberatung nur einige wenige schwammerl von
der sorte von der man wissen möchte was des ist, mitbringen sollte.
- da nimmt man ja mit sicherheit auch nur den oder die schwammerl mit hin
die ned zu "unschön" sind - oder ?

Wenn also "Pilzbestimmungen anhand von Bilder sicherlich gefährlich sind"
- was sind dann bestimmungen anhand der schönsten mitgebrachten schwammerln in
der pilzberatungsstelle ?

Meine Meinung - machts weiter wie bisher daherinnen in den forum und
ärgerts euch nicht über kritik - alles zu 100% richtig machen kann eh keiner.

wobei ich mich auch schon über kritik ärgere - besonders wenns indirekt kommt-
aber es gibt halt leute....

gruß hans

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Re: Panikmache?

Karin_2, (vor 8345 Tagen) @ Birgit

Liebe Birgit,

vielleicht sollte man hier einige Dinge im Zusammenhang betrachten. Die Argumentionskette von Andreas ist ja vor dem Hintergrund zu sehen, dass hier verschiedene Medien unglücklich miteinander verflochten wurden, und dass die Angegriffenen außer in diesem Forum hier kaum Möglichkeit haben sich direkt zu wehren. Im entsprechendem Papiermedium käme eine etwaige Gegenwehr allenfalls mit einem halben Jahr Verspätung. Ich kenne den Artikel nicht und kann daher nichts dazu sagen.

Eine andere Sache ist die Pilzberatung selbst. Ich gebe Dir uneingeschränkt Recht, dass telefonische Beratungen im Sinne von Pilzbestimmung völlig sinnlos sind. Verantwortungsvolle Pilzberatung von Angesicht zu Angesicht ist zweifellos die optimale Methode, aber da liegt ja einiges im Argen. Das möchte ich jetzt nicht als Kritik verstanden wissen, sondern eher als Hinweis auf die Grundproblematik, denn Pilzberatungsstellen wollen unterhalten und finanziert sein. Das ist kaum oder viel zu wenig der Fall (was nutzt eine Pilzberatungsstelle, die nur donnerstags und in 50 km Entfernung geöffnet hat, wenn man vom Wochenendausflug Pilze mitbringt..).
Also suchen die Leute nach Alternativen. Entweder haben sie Pilze gefunden und möchten wissen, ob die essbar sind, oder sie haben welche gegessen haben und werden anschließend von Zweifeln an der Essbarkeit geplagt. In beiden Fällen ist ein Forum wie dieses tatsächlich eine ausgezeichnete Alternative, das rasche Hilfe bieten kann. Diejenigen, die antworten, tun dies aus freien Stücken und mit Freude an der Sache. Sie werden von niemandem gegängelt und von niemandem nach ihrer Qualifikation gefragt. (Georg, kannst Du nicht mal Bescheinigungen ausstellen?). Sollte tatsächlich mal jemandem ein Lapsus unterlaufen (was ja auch in Pilzbüchern und in Pilzberatungsstellen nicht auszuschließen ist), dann ist meistens sofort jemand zur Stelle, der korrigierend eingreift. Insofern bedarf ein so gut funktionierendes, perfekt moderiertes und lebendiges Forum wie dieses hier keiner Erziehung von außen.
Das Wichtiggetue und die Panikmache, die Andreas und Huperzia meinen, ist hier nicht vorhanden, aber in manchen Pilzberatungsstellen und in manchen Ausstellungen (und bei manchen Telefonpartnern) hingegen kaum zu ertragen. Ich selbst kenne einige Leute, die geradezu darauf lauern, dass sie mal wichtig sind, dass sie endlich in Aktion treten dürfen, weil z.B. ein Kind in einen Heudüngerling gebissen hat. (Zitat: "ich habe mich auf Pilzvergiftungen bei Kleinkindern spezialisiert...." Nur als Beispiel, es gibt viele davon.
Das ist das, was gemeint ist, mit "Panikmache kultivieren". Ohne diese jahrelang gepflegte und flächendeckende Vorarbeit würde manches quersteckende Bäuerchen nach einer Pilzmahlzeit vielleicht nicht einmal Gedanken an eine Pilzvergiftung nach sich ziehen.

Dass es auch wirklich üble Probleme geben kann ist unbestritten, bitte mich also nicht falsch zu verstehen. Aber die Anzahl der von Pilzen Getöteten steht in einem krassen Missverhältnis zu den allgegenwärtigen Warnungen vor den bösen bösen Pilzen....

Es ist mir bewußt, dass sich schon wieder einige angegriffen fühlen könnten... Das ist nicht beabsichtigt.

Ich wünsche allen schöne Feiertage, einen ruhig-zufriedenen Jahreswechsel und in 2004 mehr Pilze als im abgelaufenen Jahr.
Karin

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Re: Panikmache?

Christoph ⌂, (vor 8345 Tagen) @ Karin_2

Liebe Karin,

der Grundtenor deiner Aussagen (auch im Tintling) scheint zu sein:

Aber die Anzahl der von Pilzen Getöteten steht in einem krassen Missverhältnis zu den allgegenwärtigen Warnungen vor den bösen bösen Pilzen....

Kann man es nicht auch andersrum sehen:
Weil eben Aufklärung betrieben wird und die Leute gewarnt sind, gibt es so wenige Vergiftungen.
Da es also nur noch wenige Vergiftungen gibt, muss ja nicht mehr aufgeklärt werden???

Das klingt ähnlich wie der Prinzipienstreit bei Schgutzimpfungen. Da fast alle gegen Polio geimpft sind, ist die Krankheit fast kein Thema mehr bei uns.
Da es aber fast kein Polio mehr gibt, propagieren einige, man solle nicht mehr impfen, da Impfungen ja auch ein Stress für den Körper sind. Wenn man flächendeckend damit aufhören würde, wäre Polio sehr schnell wieder präsent.

Bei uns gibt es zum Glück keine Massenvergiftungen mehr. Bei Parma gab es mal vor ein paar Jahren eine Vergiftungswelle mit Riesenrötlingen (als Nebelkappen gesammelt). Ich war damals unten in der Region und die ansässigen Mykologen haben davon berichtet. Unnötig wie ein Kropf, da die beiden Arten gut auseinanderzuhalten sind. Aufklärung hätte geholfen.

Deine Aussage im Tintling, dass man, wenn man die wichtigsten Giftpilze kenne, ruhig sich durchfuttern könne, da nix schlimmes passieren kann, ist gefährlich und beruht auf einem inkorrekten Umkehrschluss.
Man kennt dann alle bekannten (!) Giftpilze. Dass dann alle anderen essbar seine, das ist hahnebüchen. Und wie kannst du wissen, dass nicht irgendeine imj Speisewert noch unbekannte Art nicht auch hochgiftig sein kann?

Pilzberatung tut Not. Schau dor mal de Symptome des Acromelalga-Syndroms an. Das ist das grausamste, was ich bisher gelesen habe. ASuch nur ein Fall wäre zu viel. Und die Art kommt möglicherweise bald bei uns vor, wenn die Klimaänderung fortschreitet. Ohne Aufklärung und Pilzberater würd eman viele ins offene Messer laufen lassen.

Ich frage mich nur wozu? Aus ideologischer Sichtweise, weil man aus Prinzip kein Panikmacher sein will? Weil es Sport ist, alles, was einen nicht umbringt auch zu essen?

Ich für mich (und ich bin auch sehr experimentierfreudig, was Pilzeessen angeht) kenne viele unprobelmatische und essbare Arten. Ich für mich esse nur, was ich kenne (dann kann nämlich gar nischt passieren). Und dieser Leitssatz - iss nur, was du kennst (und essbar ist), ist mein Rat an alle Einsteiger und Fortgeschrittene.
Niemand hat es nötig, Kremplnge oder Lorcheln zu essen. Es gibt so viele sichere Arten.
Schade, dass du, Karin, den Tintling dazuu verwendest, für den Krempling, Lorcheln etc. zu werben. Dass gerade dein Heft von vielen Mykophagen gelesen wird, gerade die Zielgruppe, die auf solche Ausagen abfährt, vergisst du. Deine eigene Meinung in Ehren, aber wo bleibt deine Verantwortung?

Vielleicht sollen ab dem neuen Jahr alle wieder Kremplinge essen. Ich möchte aber dein Gewissen nicht haben, wenn plötzlich (bzw. nach ein paar Jahren) diverse Tintlingsabonnenten sterben oder Organschäden haben. Die luete hätten dir vertraut, dass du als Herausgeberin einer weit verbreiteten Zeitschrift alle Warner als Panikmacher titulierst.

Übrigens, und das habe ich dir, meine ich, schonmal geschrieben... die letzten Kremplingsfälle gab es noch in den 90er Jahren.

Wer Fliegenpilze, Kremplinge und Giftlorcheln essen will - bitte. In letzteren beiden Fällen aber bitte pivat versichern, damit nicht die Allgemeinheit für diese Torheiten zahlen muss.

Wer meine Ansicht als paranoid betrachtet - bitte, habe kein Problem damit. Ich habe mir jedenfalls noch keine Vergiftung zugezogen und werde es auch nicht.

Mit weihnachtlichen Grüßen
Christoph

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P.S.: Berichterstattung bei Pilzvergiftungen

Birgit, (vor 8345 Tagen) @ Birgit

Leider hab ich erstmal keine Zeit näher auf die Antwortbeiträge einzugehen, aber ich wollte noch was anfügen, was ich gestern vergessen hatte.

Die überproportionale Berichterstattung über Pilzvergiftungen hängst sicher auch damit zusammen, daß viel weniger Leute Pflanzen zum Essen sammeln als Pilze. Wer sammelt schon Tollkirschen, SChierling oder Eisenhut, die sicher sehr starke , teils stärkere Gifte als Pilze enthalten, zum Verzehr? Im Frühjahr hingegen, wenn wies ja jetzt Mode ist, Bärlauch/Herbstzeitlose/Maiglöckchen als Salat gesammelt werden, gibt es sehr wohl tödliche Vergiftungen und auch die betreffende Berichterstattung in den Medien. Auch bei Vergiftungen von Kindern mit Pflanzenteilen herrscht sicher eine zum Teil große Verunsicherung bei den Eltern, die da genauso verängstigt reagieren wie beim Verschlucken eines Pilzes. Die Pflanzen kennt man bloß oft besser und sie lassen sich auch meist leichter bestimmen als die little brown mushrooms.

Gruß

Birgit

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Re: Panikmache?

Huperzia ⌂, (vor 8345 Tagen) @ Christoph

Hallo Christoph,

Ich sehe das einfach anders.

Kann man es nicht auch andersrum sehen: Weil eben Aufklärung betrieben wird
und die Leute gewarnt sind, gibt es so wenige Vergiftungen.
Da es also nur noch wenige Vergiftungen gibt, muss ja nicht mehr aufgeklärt
werden???
Das klingt ähnlich wie der Prinzipienstreit bei Schgutzimpfungen. Da fast
alle gegen Polio geimpft sind, ist die Krankheit fast kein Thema mehr bei
uns.
Da es aber fast kein Polio mehr gibt, propagieren einige, man solle nicht
mehr impfen, da Impfungen ja auch ein Stress für den Körper sind. Wenn man
flächendeckend damit aufhören würde, wäre Polio sehr schnell wieder
präsent.

Kann man auch alles anders sehen. Paßt vielleicht nicht ins Forum, aber gerade bei Impfungen wird eine dermaßen aggressive Panikmachebetrieben und jeder der eigenverantwortlich handelt von den "Wissenden" übelst bevormundet und von absolut "unterbelichtet" bis hin zum Mörder beschimpft, daß ich mir gerade das für die Pilze nicht wünsche. Danach gäb es wirklich bald nur noch eine richtige Meinung und alle würden nur noch das eine tun und denken (dürfen).
Warum darf nicht auch jemand, der Pilzwissender ist, seine Meinung/Überzeugung/Wissen kundtun, daß Frühjahrslorcheln eben auch eßbar sind?
(Ich bin jedenfalls sehr froh, daß esauch Ärzte gibt, die bei der Impfhysterie nicht mitmachen und uns auch undurchgeimpft behandeln, wenn es mal nottut.)
Es ist nunmal umstritten. Ebenso wie auch die Tödlichkeit von Autobahnfahrten umstritten ist ....dürften da nicht eigentlich auch nur noch theoretisch denkende Statistiker entscheiden, wie gefährlich eine Fahrt für mich ist? Warum gesteht man hier den Fahrenden Eigenverantwortung zu und bei Dingen, die doch viel persönlicher sind wie Speisepilzverzehr, weiß das ein anderer besser?

Ich jedenfalls würdemir vielmehr Menschen wünschen, die selbst denken und Verantwortung tragen und eben nicht nur stur irgendwelchen Vorschriften gehorchen. Dadurch daß man eine abweichende Meinung, die man eben hat, kundtut (und über die Strittigkeit aufklärt!) zwingt man mehr Leute zum Selbstdenken.

Viele Grüße,

Tanja

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Re: Panikmache? *PIC*

Karin_2, (vor 8345 Tagen) @ Christoph

Christoph schrieb: ...

...Das klingt ähnlich wie der Prinzipienstreit bei Schgutzimpfungen. Da fast alle gegen Polio geimpft sind, ist die Krankheit fast kein Thema mehr bei uns. Da es aber fast kein Polio mehr gibt, propagieren einige, man solle nicht mehr impfen, da Impfungen ja auch ein Stress für den Körper sind. Wenn man flächendeckend damit aufhören würde, wäre Polio sehr schnell wieder präsent.

Lieber Christoph,

zum Thema Impfen nur diesen Link. Oder gezielt suchen. Muss sich jeder selber sein Bild machen. Nicht immer muss der Mainstream der richtige Weg sein. Kann, muss aber nicht.

Bei uns gibt es zum Glück keine Massenvergiftungen mehr.

Dein Wort in Gottes Ohr....

Bei Parma gab es mal vor ein paar Jahren eine Vergiftungswelle mit Riesenrötlingen (als Nebelkappen gesammelt). Ich war damals unten in der Region und die ansässigen Mykologen haben davon berichtet. Unnötig wie ein Kropf, da die beiden Arten gut auseinanderzuhalten sind. Aufklärung hätte geholfen.

Aufklärung also dahingehend, dass man die Nebelkappen hätte nehmen können? So versteh ich den Satz jedenfalls. Sind die denn nicht auch schon alle giftig? Abgesehen davon:Der Riesenrötling ist sooo dramatisch ja nicht. Der ist doch schneller wieder draußen wie drin. Todesfälle: Keine bekannt, Langzeitschäden:Kenn ich auch keine. Gastrointestinales Syndrom, nicht mehr. Don´t panic.

Deine Aussage im Tintling, dass man, wenn man die wichtigsten Giftpilze kenne, ruhig sich durchfuttern könne, da nix schlimmes passieren kann, ist gefährlich und beruht auf einem inkorrekten Umkehrschluss. Man kennt dann alle bekannten (!) Giftpilze. Dass dann alle anderen essbar seine, das ist hahnebüchen. Und wie kannst du wissen, dass nicht irgendeine imj Speisewert noch unbekannte Art nicht auch hochgiftig sein kann?

Es gilt der derzeitige Kenntnisstand, logisch, was sonst. Und ich habe
auch nicht gesagt, dass dann alle anderen essbar seien. Lies noch mal genauer.

Pilzberatung tut Not. Schau dor mal de Symptome des Acromelalga-Syndroms an. Das ist das grausamste, was ich bisher gelesen habe. ASuch nur ein Fall wäre zu viel. Und die Art kommt möglicherweise bald bei uns vor, wenn die Klimaänderung fortschreitet. Ohne Aufklärung und Pilzberater würd eman viele ins offene Messer laufen lassen.

Dann bereiten wir uns mal auf die große Stunde vor...

Dazu - mit Smiley natürlich [image]-
die ersten Zeilen eines Gedichtes von Kurt Oestreich (1093-1988)

Ihr Dasein verdanken die Lebendigen
doch nur den Pilzsachverständigen.
Uns hätt mit gift´gem Pilzesaft
der Tad schon längst hinweggerafft,
hätt nicht beständig wie ein Vater
getreu gesorgt der Pilzberater.

Ich für mich (und ich bin auch sehr experimentierfreudig, was Pilzeessen angeht) kenne viele unprobelmatische und essbare Arten. Ich für mich esse nur, was ich kenne (dann kann nämlich gar nischt passieren).

Bist Du da sicher?

Schade, dass du, Karin, den Tintling dazuu verwendest, für den Krempling, Lorcheln etc. zu werben. Dass gerade dein Heft von vielen Mykophagen gelesen wird, gerade die Zielgruppe, die auf solche Ausagen abfährt, vergisst du. Deine eigene Meinung in Ehren, aber wo bleibt deine Verantwortung?

Das war ein Streitgespräch, kein Monolog. Eine Meinung gegen eine andere,
im selben Text. Meine Zielgruppe sind auch nicht die Mykophagen, sondern Pilzfreunde. Wenn es auf den Dialog Reaktionen geben sollte, werden die - soweit publikationsfähig - gedruckt, ganz egal welcher der Meinungen die angehören. Schreib doch einen Leserbrief, wenn Du möchtest.

Vielleicht sollen ab dem neuen Jahr alle wieder Kremplinge essen. Ich möchte aber dein Gewissen nicht haben, wenn plötzlich (bzw. nach ein paar Jahren) diverse Tintlingsabonnenten sterben oder Organschäden haben. Die luete hätten dir vertraut, dass du als Herausgeberin einer weit verbreiteten Zeitschrift alle Warner als Panikmacher titulierst.

Ich habe nicht alle Warner als Panikmacher tituliert und ich habe nicht
gesagt, dass nun alle Kremplinge essen sollen. Lies auch diese Stellen noch mal
genauer. Was den Tintling betrifft, so war es ja ein Streitgespräch, damit sich
die Leute ihre Meinung frei bilden können und nicht meine übernehmen sollen.

Übrigens, und das habe ich dir, meine ich, schonmal geschrieben... die letzten Kremplingsfälle gab es noch in den 90er Jahren.

Ich weiß noch in welchem Maildialog das war. Das war, als ich von Deinem Chef die Absage gekriegt habe, trotz der Ersparnis von den 4000.-p.a.. Wenn Du möchtest, kann ich die Mail hier reinstellen. In der hast Du nämlich auch geschrieben, dass Du nach Todesfällen in Folge von Paxillus-Vergiftungen suchst und nicht fündig wirst. Den Beweis, dass es sich bei den Fällen in den 90er Jahren tatsächlich um von Kremplingen ausgelöste Allergien handelte, habe ich bis heute nicht gesehen. Wohl wurden die Bluttransfusionen durchgeführt, das bezweifle ich nicht... So wie es eben im Tintling dargestellt ist. Unbewiesene Behauptungen oder ungenau dokumentierte Fälle werden nicht wahrer, wenn sie 1000fach wiederholt werden...

Wer Fliegenpilze, Kremplinge und Giftlorcheln essen will - bitte. In letzteren beiden Fällen aber bitte pivat versichern, damit nicht die Allgemeinheit für diese Torheiten zahlen muss.

Andersrum. Du wirst es nicht glauben, ich bin gar nicht krankenversichert, weil ich nämlich nicht bereit bin, die Torheiten unseres "Gesundheitssystems" zu bezahlen. Glaub mir, ich habe viel recherchiert und lange über die möglichen Konsequenzen und über Alternativen nachgedacht. Leicht habe ich mir diesen Schritt damals, vor 12 Jahren, nicht leicht gemacht. Privat, nur meine Meinung...

Wer meine Ansicht als paranoid betrachtet - bitte, habe kein Problem damit. Ich habe mir jedenfalls noch keine Vergiftung zugezogen und werde es auch nicht.

Du musst wohl Hellseher sein ;-)>

Noch einen Nachsatz zum Thema Pilzberatung: Es soll nicht der Eindruck
entstehen, dass ich verantwortungsvolle Pilzberatung ablehne. Das Gegenteil ist
sogar der Fall. Aber wir haben derzeit eine m.A.n. unbefriedigende Situation an
allen Eckpunkten und ich finde, dass es legitim ist, nach Alternativen zu
suchen. Dieses Forum würde eine gute Plattform dafür bilden, sowohl was
mögliche Ideen einer grundsätzlichen Durchführbarkeit anbelangt als auch, um
Methoden zu erarbeiten, um Ratsuchenden praktikable und dennoch sichere
Ratschläge erteilen zu können. Das war ja auch der Ausgangspunkt.

Meine private Meinung zur Gefährlichkeit von Pilzen ist im Sinne von
offizieller Pilzberatung und Vergiftungsprävention hingegen nicht übertragbar.
Ich bin ja auch keine Pilzberaterin oder Pilzsachverständige, sondern halte -
wie Georg hier - ein meinungsbildendes Medium vor. Nicht mehr und nicht weniger.
Die Meinung meines Streitpartners Harry Andersson und seine Handlungsweise ist -
vor dem Hintergrund seiner im Interview dargestellten Aufgaben und seiner Ziele
- selbstverständlich die einzig Richtige.

Mit weihnachtlichen Grüßen Christoph

Ebenso, Karin

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Volle Zustimmung *oT*

Piwo, (vor 8345 Tagen) @ Christoph

- kein Text -

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Piwo, (vor 8345 Tagen) @ Hans aus ED

Hallo Hans,

Hallo,

Ich will mich ja da ned unbedingt einmischen weil ich mich eh ned so gut
auskenn, aber beim durchlesen von den ganzen beiträgen ist mit doch eins
aufgefallen was ich zumindest ein bisserl merkwürdig finde: ZITAT:
"Vielleicht hat er ja auch drei Perlpilze fotografiert und der eine
Pantherpilz sah zu "unschön" aus (z.B. Ring nur noch in
Fragmenten vorhanden), dass gerade der nicht fotografiert wurde. Aus
diesem Grund sind Bestimmungen per Bild für Speisezwecke sicherlich
gefährlich."
Also - irgendwo hab ich mal gelesen - verbesserts mich wenn ich falsch liege
-
das man auch zu einer "normalen" pilzberatung nur einige wenige
schwammerl von
der sorte von der man wissen möchte was des ist, mitbringen sollte.

Jeder Berater kann dir nur die VORGELEGTEN Pilze bestimmen. Für die, die du noch zuhause hast, kann er keine Verantwortung übernehmen.

- da nimmt man ja mit sicherheit auch nur den oder die schwammerl mit hin
die ned zu "unschön" sind - oder ?
Wenn also "Pilzbestimmungen anhand von Bilder sicherlich gefährlich
sind"
- was sind dann bestimmungen anhand der schönsten mitgebrachten schwammerln
in
der pilzberatungsstelle ?

Ein verantwortungsbewußter Berater bestimmt dir deine Pilze halt nicht anhand von Bildern. Er zieht die ihm vorhandene Literatur, die Mikroskopierergebnisse und seine Erfahrung zu rate.

Meine Meinung - machts weiter wie bisher daherinnen in den forum und
ärgerts euch nicht über kritik - alles zu 100% richtig machen kann eh keiner.
wobei ich mich auch schon über kritik ärgere - besonders wenns indirekt
kommt-
aber es gibt halt leute....
gruß hans

Frohe Weihnachten
Piwo

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Eine Frage des Publikums

Werner, (vor 8345 Tagen) @ Huperzia

Hallo, alle miteinander,

Ich sehe das einfach anders.

Genau. Und weil wir alle Menschen sind, sehe ich das noch mal anders :-)

Danach gäb

es wirklich bald nur noch eine richtige Meinung und alle würden nur noch
das eine tun und denken (dürfen).

Da stimme ich voll zu und das darf auch nie sein.

Warum darf nicht auch jemand, der Pilzwissender ist, seine
Meinung/Überzeugung/Wissen kundtun, daß Frühjahrslorcheln eben auch eßbar
sind?

Darf er. Nur die Empfehlung in einem Forum dafür auszugeben, hielte ich persönlich für doch zumindest gefährlich. Grad bei Frühjahrslorcheln weiß man ja, daß die wirklich sehr unschöne Vergiftungen auslösen. Klar, liegt an der Zubereitung. Aber trotzdem, kann man denn sichergehen, daß das alle richtigmachen, die das lesen? Ich würde es so formulieren: man darf sehr wohl darüber diskutieren, man sollte aber beispielsweise wirklich bei so "fragwürdigen" Pilzen einen "Disclaimer" in irgendeiner Form anhängen. Aber ich gebe Dir recht, Meinungen darf jeder kundtun und dafür sollte er nicht abgestraft werden.

Viel wichtiger ist aber m.E. die Frage nach dem "Publikum". Wenn ich mit Euch auf Pilzwanderung gehe, dann darf wohl auch die Frage "unter uns" erlaubt sein, ob es wirklich schädlich sein kann, vom Grünen Knolli lediglich abzubeißen und wieder auszuspucken - um mal ein Extrembeispiel herzunehmen. Die gleiche Frage hier zu stellen, ist zumindest sehr fragwürdig. Denn - ergäben sich hier zufälligerweise Mehrheiten, die das Probieren für akzeptabel halten, könnte das schnell zu "wilden Versuchen" nach dem Motto: "ist ja alles nicht so schlimm" führen.

Ein anderes gutes Beispiel sind die Psilos. Hier ist das Publikum m.E. sehr, sehr wichtig. Es handelt sich fast durchweg um Leute, die einen Fliegenpilz mit Ach und Krach von einem Steinpilz unterscheiden können, viel mehr aber nicht. Da darf man nicht einfach sagen, "geh mal auf die Wiese und pflück die kleinen mit den spitzkegligen Hütchen, das schlechte Bild liefere ich gleich noch mit". Darunter fallen dann halt auch so Sachen wie C. rubellus - sind ja auch klein und spitzkeglig und annähernd braun für den Anfänger.

Es ist nunmal umstritten. Ebenso wie auch die Tödlichkeit von Autobahnfahrten
umstritten ist ....dürften da nicht eigentlich auch nur noch theoretisch
denkende Statistiker entscheiden, wie gefährlich eine Fahrt für mich ist?
Warum gesteht man hier den Fahrenden Eigenverantwortung zu und bei Dingen,
die doch viel persönlicher sind wie Speisepilzverzehr, weiß das ein
anderer besser?

Im Prinzip sehe ich das auch so. Die Eigenverantwortung sollte wirklich viel größer geschrieben werden. Die Problematik an solchen Foren wie hier ist lediglich, daß da gegebenenfalls auch Minderjährige oder gar Kinder mitlesen, deren Eigenverantwortung nicht genauso beurteilt werden kann, wie die von Erwachsenen.

Ich sehe es aber auch so, daß die Gefährlichkeit von Autofahren, Sport (z.B. Skifahren) um ein Vielfaches höher ist, als vernünftig Pilze zu sammeln. Und deswegen gibt es auch nicht tausend obligatorische Disclaimer bei jedem Schlüsselumdrehen im Kfz ("Sie dürfen nicht fahren, wenn Sie alkoholisiert sind, Drogen eingenommen haben, unter Streß stehen, Medikamente .... usw.).

Ich jedenfalls würdemir vielmehr Menschen wünschen, die selbst denken und
Verantwortung tragen und eben nicht nur stur irgendwelchen Vorschriften
gehorchen. Dadurch daß man eine abweichende Meinung, die man eben hat,
kundtut (und über die Strittigkeit aufklärt!) zwingt man mehr Leute zum
Selbstdenken.

Dem kann ich mich wieder voll anschließen. Zuletzt noch mein Fazit: wichtig ist m.E. immer das Gegenüber bei Äußerungen und als Pilzberater sollte man dieses richtig einschätzen können. Womit sich automatisch das Problem "Internetforum" ergibt. Da besteht das Gegenüber natürlich aus Leuten mit einem Wissensstand, der von Andreas bis zum Psilofreak ("Da hab ich so 'nen Braunen, törnt der?") reicht.

Deshalb kann ich schon verstehen, daß man gewisse Probleme mit manchen Diagnosen hier bekommen kann ... allerdings ist es halt auch wieder so, daß die in aller Regel sofort kontrolliert und korrigiert werden. Deshalb: weiter so wie bisher, nehmt die Schärfe aus der Diskussion und setzt Euch weihnachtlich-friedlich zusammen. Einige der Streitenden kenne ich ja persönlich, andere kenne ich immerhin durch hunderte von Statements hier. Und ich halte alle eigentlich für vernünftige Leute, auch wenn jedem mal kurz der Hut hoch geht,

Werner - auch einer, dem manchmal der Kragen schwillt :-)

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Wolfgang Hartwig, (vor 8343 Tagen) @ Wolfgang Hartwig

Auf diese Diskussion bin ich gespannt!
Ich werde mich zu gegebener Zeit, also nach Weihnachten, mal melden. Die
Weihnachtsfeiertage sollen ja besinnlich bleiben, oder nicht?
Ich wünsche allen Forumsteilnehmern Frohe Weihnachten und ein pilzreiches
2004,
Grüße Wolfgang Hartwig

Ich möchte jetzt doch noch ein paar Gedanken zur "Pilzberatung" im Internet (andere Medien eingeschlossen) darlegen.
Die Stellungnahme von Peter Reil in den gelben Seiten der DGfM kenne ich nicht und kann deshalb zu diesem Thema keinen Beitrag leisten - möchte ich auch nicht, weil mir die ganze Diskussion hier schon zu persönlich geworden ist.
Aber zum damaligen Thema "Perlpilz" und das Bestimmen desselben möchte ich schon noch einen Beitrag bringen - hoffe, dass ich damit niemand auf den Schlips trete.
Damals lagen drei Bilder vor, eingescant und nicht ganz farbtreu.
Alle drei Bilder zeigen wahrscheinlich, und das betone ich ausdrücklich, wahrscheinlich den gleichen Pilz. Klaus wollte den ja bestimmen lassen.
Eine Pilzberatung kann dann aber nicht stattfinden, wenn der Stiel abgeschnitten ist, die Mannschette entfernt ist und der Pilz nicht im Ganzen zu sehen ist.
In jedem Pilzverein wird kein einziger Pilz besprochen, der abgeschnitten wurde.
Aber hier im Forum wird er bestimmt und zwar so eindeutig, dass man ihn sogar seinen Kindern vorsetzen würde.
Für eine Pilzbestimmung muss der Pilz als Ganzes vorliegen!
Dann kann eine Geruchsprobe, Geschmacks- und Kostprobe, eine Schnittprobe, Bruch- und Druckprobe, Reib- und Hutabziehprobe durchgeführt werden.
Nachdem ich noch Anfänger bin, wäre ich hier für eine Aufklärung sehr dankbar, ob ich mit meiner Meinung richtig liege! Man lernt ja nie aus!
Mir ist auch klar, dass etliche Pilze auch im Internet leichter und eindeutiger zu bestimmen sind, andere gar nicht. Und dazwischen gibt es alle Möglichkeiten.
Nur möchte ich nicht, dass wenn man Bedenken anmeldet, dies als Panikmache herausgestellt wird.
Niemand möchte irgend jemand schaden und bevor man halt nicht sicher ist, muss man schon seine Bedenken laut äußern dürfen. Wenn nicht sogar müssen! Und als Pilzberater sowieso!
Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob nicht doch mal jemand per Gericht entscheiden lässt, dass eine Beratung im Internet (oder andere Medien) auch dementsprechende Folgen hat, es mischen ja zahlreiche Pilzsachverständige hier im Forum mit. Denken könnte ich mir das schon, dass dies eines Tages soweit kommt. Wie der heutige Rechtsstand ist, kann ich nicht sagen, muss aber ein Pilzsachverständiger ja eh besser wissen.
So jetzt kann die Diskussion weitergehen,
schönen Abend noch und bis zum nächsten mal,
Grüße an alle Forumsteilnehmer,
Wolfgang Hartwig.

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Huperzia ⌂, (vor 8343 Tagen) @ Wolfgang Hartwig

Aber zum damaligen Thema "Perlpilz" und das Bestimmen desselben
möchte ich schon noch einen Beitrag bringen - hoffe, dass ich damit
niemand auf den Schlips trete.
Damals lagen drei Bilder vor, eingescant und nicht ganz farbtreu.
Alle drei Bilder zeigen wahrscheinlich, und das betone ich ausdrücklich,
wahrscheinlich den gleichen Pilz. Klaus wollte den ja bestimmen lassen.
Eine Pilzberatung kann dann aber nicht stattfinden, wenn der Stiel
abgeschnitten ist, die Mannschette entfernt ist und der Pilz nicht im
Ganzen zu sehen ist.

Hallo Wolfgang,

Wenn der Schreiber schreibt, daß es sich um EINEN Pilz handelt, besteht für mich kein Grund das anzuzweifeln.
Es wurde ziemlich gut die Manschette gezeigt und schon allein daran hätte man den Perlpilz schon sicher erkennen können. SO EINE Manschette - und die war perfekt abgebildet - haben eben nur die ungiftigen Wulstlinge und diese Manschette hat zudem noch den Perlpilz-Farbton gehabt.

In jedem Pilzverein wird kein einziger Pilz besprochen, der abgeschnitten
wurde.
Aber hier im Forum wird er bestimmt und zwar so eindeutig, dass man ihn sogar
seinen Kindern vorsetzen würde.
Für eine Pilzbestimmung muss der Pilz als Ganzes vorliegen!

Zu einer Pilzbestimmung liegen oft nur Fragmente vor, Putzreste oder Erbrochenes und die Pilze können noch bestimmt werden mit direkter Folge in der Vergiftungsbehandlung. Das Entscheidende ist dabei einen Überblick über die infrage kommenden Arten zu haben, so daß Verwechslungen eben ausgeschlossen werden können.
Gerade in Pilzvereinen werden besonders gerne alte Pilzleichen besprochen, weil die eben am Strittigsten sind und man so auch einen Blick fürs artwesentliche bekommen kann.
Auch in der öffentlichen Pilzberatung können abgeschnittene Pilze freigegeben werden, wenn denn Giftpilze sicher ausgeschlossen werden können. (Beim Stockschwämmchen sollte der Stiel nicht fehlen u.ä.)

Dann kann eine Geruchsprobe, Geschmacks- und Kostprobe, eine Schnittprobe,
Bruch- und Druckprobe, Reib- und Hutabziehprobe durchgeführt werden.

Das ist sicher sehr hilfreich und oft unerläßlich - aber einen Perlpilz kann man eben doch relativ einfach erkennen, wenn die wichtigsten Merkmale da sind.

Niemand möchte irgend jemand schaden und bevor man halt nicht sicher ist,
muss man schon seine Bedenken laut äußern dürfen. Wenn nicht sogar müssen!
Und als Pilzberater sowieso!

....aber wenn man sicher ist, sollte man das auch äußern - gerade auch Pilzberater, sonst käme auch zu Hause bald niemand mehr. Verschiedene Menschen sind bei unterschiedlichen Arten eben unterschiedlich sicher. Einen Rotporigen Röhrling würde ich mich kaum wagen per Internet eßbar zu bestimmen, weil ich die einfach weniger gut kenne und ohne zusätzliche Hilfsmittel eben nicht sicher sein kann.

Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob nicht doch mal jemand per Gericht
entscheiden lässt, dass eine Beratung im Internet (oder andere Medien)
auch dementsprechende Folgen hat, es mischen ja zahlreiche
Pilzsachverständige hier im Forum mit. Denken könnte ich mir das schon,
dass dies eines Tages soweit kommt. Wie der heutige Rechtsstand ist, kann
ich nicht sagen, muss aber ein Pilzsachverständiger ja eh besser wissen.

Es ist nicht so, würde aber an meiner Aussage bezüglich des Perlpilzes auch nichts ändern.

Viele Grüße,

Tanja

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Christoph ⌂, (vor 8342 Tagen) @ Huperzia

Ach Huperzia,

übertreibst du es nicht ein wenig? Beispiel:

Zu einer Pilzbestimmung liegen oft nur Fragmente vor, Putzreste oder
Erbrochenes und die Pilze können noch bestimmt werden mit direkter Folge
in der Vergiftungsbehandlung. Das Entscheidende ist dabei einen Überblick
über die infrage kommenden Arten zu haben, so daß Verwechslungen eben
ausgeschlossen werden können.

Stimmt natürlich. Aber die werden nicht fotografiert und mit Farbstch ins Internet gestellt. Mach das mal... Erbrochene Pilzreste hier bestimmen zu lassen. Nein, und das solltest du eigentlich wissen, sowas muss man mikroskopieren. Anhand beispielsweise der Sporenfrom etc. kann man Gattungen ausschließen (z.B. weder Knolli noch Gifthäubling etc.). Mit Glück kann man auch was bestimmen. Aber auf Wolfgangs Einwand damit zu kommen, erscheint mir doch sehr seltsam... Oder habe ich dich doch richtig verstanden und du würdest sogar erbrochene Perlpilzreste im Forum per Bild zu 100% richtig ansprechen?!

Wenn der Schreiber schreibt, daß es sich um EINEN Pilz handelt, besteht für
mich kein Grund das anzuzweifeln.

Wenn es aber um das Essen der Pilze geht (und nicht einen Bestimmungsversuch aus Wissensdurst), so sollte man als Rat Gebende schon etwas weiter denken: hat er vielleicht nen ganzen Korb daheim und hat nur einen Pilz als Beispiel fotografiert. Geht er morgen dann sammeln und nimmt alles Perpilzartige mit?

Jatzt kann man sagen, dann sei er selber schuld. Aber sowas ist menschlich. Nicht umsonst fragt man bei einer "richtigen" Pilzberatung sowas auch nach (bzw. sollte man dies tun). Das hat auch was mit Verantwortung zu tun.

Es wurde ziemlich gut die Manschette gezeigt und schon allein daran hätte man
den Perlpilz schon sicher erkennen können. SO EINE Manschette - und die
war perfekt abgebildet - haben eben nur die ungiftigen Wulstlinge und
diese Manschette hat zudem noch den Perlpilz-Farbton gehabt.

Inhaltlich will und kann ich da nichts zu sagen (bis auf die Tatsache, dass es manchmal auch bei Pantherpilzen ne geriefte Manschette geben soll - habe es selber noch nicht gesehen - und bis auf die Tatsache, dass Farbton bei ner Aufnahme mit Farbstich schwer zu bewerten ist).
Aber nicht umsonst wird in vermutlich jedem Pilzverein eine Bestimmung nur nach Bild ungern vorgenommen werden. Diskussion zu Artbestimmung, ja, klar. Angabe von Artnamen, wenn man sich sicher ist, auch klar. Aber jemandem, der "nicht mal nen Perlipz" kennt, die Dinger beruhigt essen lässt, weil man ein farbstichiges Bild sah - sollte es so gewesen sein, fände ich das auch ein wenig daneben. Wenn er was essen will, so kann er die paar Arten auch kennenlernen, finde ich. Oder zu ner Beratungsstelle gehen, wo die Pilze komplett gesehen werden.
Bei manchen Röhrlingen kann natürlih wirklich o gut wie nix passieren (es sein denn, sie schimmeln, was gerade auf dem Bild nicht zu sehen war. Goldschimmel ist giftig. Ganz einfach. Hab ich den Pilz in der Hand, drehe ich ihn, sehe ihn von allen Seiten und alles ist o.k. Auf nem Bild sieht man das net immer. Dann wird auch schnell gesagt "ja, denn kannste ruhiug essen". Mahlzeit.

Für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen Bestimmungshilfe, Pilzeraten und eben Speisepilzdeklaration. Letzteres halte ich meist für fahrlässig.

Wenn du meinst, leichtfertig mit der Gesundheit von Pilzessern umzugehen, die sleber keinerlei Artenkenntnis haben und dir vertrauen, dass du alles richtig machst - o.k., dein Bier. Ich könnte nicht so ruhig schlafen. Ausnahmen mag es geben (eindeutig frische Steinpilze ohne Schimmel, Riesenbovist).

Mich persönlich nervt es aber auch, dass man bei solchen Einwänden meist als Panikmacher verunglimpft wird.

Und juristisch ist es nicht so einfach, da raus zu kommen. Oder bist du, Huoerzia, Juristin? Meines Wissens ist man bei jeglicher Beratung, egal ob per Interner oder sonstwie, haftbar. Wenn du weißt, dass der eine oder andere Pilze essen will, die er per schelchtem Bild (oder Bild allgemein) bestimmen lassen will, und man nennt ihm nen Namen - und am Ende isst er das wirklich und vergiftet sich, so war das Handeln zumindest fahrlässig, vermutlich sogar grob fahrlässig. Letzteres hieße vermutlich Knast (bzw. Bewährung).

Daher auch der Einwand, keine fahrlässigen Pilz"beratungen" (egal ob DGfM oder nicht, der Begriff ist nich geschützt!) zu betreiben.

Vielleicht gehst du inhaltlich auf mein Posting ein, vielleicht reagierst du harsch, vielleicht polemisch. Mach's wie du willst. Ich hoffe nur für dich, dass du mit deiner Haltung nicht doch mal ernsthafte negative Konsequenzen fürchten musst...

Es ist nicht so, würde aber an meiner Aussage bezüglich des Perlpilzes auch
nichts ändern.

Schade. Aber wer mit dem Feuer spielt... nun, den Satz kennst du veilleicht.

Grüße
Christoph

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Re: Pilzberatung im Internet (ZfM)

Huperzia ⌂, (vor 8342 Tagen) @ Christoph

Ach Huperzia,
übertreibst du es nicht ein wenig? Beispiel: Stimmt natürlich. Aber die
werden nicht fotografiert und mit Farbstch ins Internet gestellt. Mach das
mal... Erbrochene Pilzreste hier bestimmen zu lassen. Nein, und das
solltest du eigentlich wissen, sowas muss man mikroskopieren. Anhand
beispielsweise der Sporenfrom etc. kann man Gattungen ausschließen (z.B.
weder Knolli noch Gifthäubling etc.). Mit Glück kann man auch was
bestimmen.
Aber auf Wolfgangs Einwand damit zu kommen, erscheint mir doch
sehr seltsam... Oder habe ich dich doch richtig verstanden und du würdest
sogar erbrochene Perlpilzreste im Forum per Bild zu 100% richtig
ansprechen?!

Hallo Christoph,

Ich wollte damit sagen, daß man oft Pilze auch 100%ig bestimmt, ohne sämtliche Merkmale vorliegen zu haben. Es geht zumindest bei Speisepilzen meist ohne Mikroskopie und bei manchen Pilzen auch ohne alle Teile oder sogar nur mit wenigen Teilen. Bei einem Tintenfischpilz traue ich mir sogar eine Telefonberatung zu. Und manche Pilze kann man eben auch anhand von Bildern bestimmen - und einen Perlpilz auch anhand von Fragmentbildern, wenn es die "richtigen" Fragmente sind.
Dafür lassen sich aber auch keine Richtlinien erstellen, weil eben jeder Berater auf andere Art und Weise herangeht. Ich denke zum Berater gehört auch die Selbsteinschätzung wie man mit eben dem Konkreten Fund (und Medium) umzugehen hat. Ich kenne Perlpilze besser als Röhrlinge, könnte also sicher nicht jeden Röhrling sicher per Bild bestimmen. Deswegen bin ich aber noch lange nicht in der Lage, das generell anderen abzusprechen.

Wenn es aber um das Essen der Pilze geht (und nicht einen Bestimmungsversuch
aus Wissensdurst), so sollte man als Rat Gebende schon etwas weiter
denken: hat er vielleicht nen ganzen Korb daheim und hat nur einen Pilz
als Beispiel fotografiert. Geht er morgen dann sammeln und nimmt alles
Perpilzartige mit?

Wie macht man das in der Beratung? Vielleicht hat er noch einen ganzen Korb im Auto....ist schon oft genug vorgekommen. Auch in der Beratung ist alles situations- und personenabhängig. Wahrscheinlich ist die Schwierigkeit hier, daß mehrere Berater eben unterschiedlich agieren....aber das ist ja eigentlich auch eine zusätzliche Sicherheit.

Jatzt kann man sagen, dann sei er selber schuld. Aber sowas ist menschlich.
Nicht umsonst fragt man bei einer "richtigen" Pilzberatung sowas
auch nach (bzw. sollte man dies tun). Das hat auch was mit Verantwortung
zu tun.

Verantwortung und Verantwortung lassen.....
Ich agiere hier nicht als Pilzberater, kann aber auch meine Aussage verantworten. Die DGfM muß das nicht, weil ich hier privat agiere....

Inhaltlich will und kann ich da nichts zu sagen (bis auf die Tatsache, dass
es manchmal auch bei Pantherpilzen ne geriefte Manschette geben soll -
habe es selber noch nicht gesehen - und bis auf die Tatsache, dass Farbton
bei ner Aufnahme mit Farbstich schwer zu bewerten ist).
Aber nicht umsonst wird in vermutlich jedem Pilzverein eine Bestimmung nur
nach Bild ungern vorgenommen werden. Diskussion zu Artbestimmung, ja,
klar. Angabe von Artnamen, wenn man sich sicher ist, auch klar. Aber
jemandem, der "nicht mal nen Perlipz" kennt, die Dinger beruhigt
essen lässt, weil man ein farbstichiges Bild sah - sollte es so gewesen
sein, fände ich das auch ein wenig daneben. Wenn er was essen will, so
kann er die paar Arten auch kennenlernen, finde ich. Oder zu ner
Beratungsstelle gehen, wo die Pilze komplett gesehen werden.

Ich hab zufällig grad mit Perlpilzen angefangen und diese anhand von Gerhard nach Bild und eben der "gerieften Manschette" bestimmt und gegessen. Eigentlich auch unverantwortlich. Wie kann ich nur nach Bild einen Perlpilz essen? "Gerieft" hätte ein Druckfehler sein können - auf dem Bild hat man das vielleicht gar nicht mal gesehen. Von Pilzberatungsstellen wußte ich schlicht gar nichts, hatte kein Auto und keine Ahnung, wo ich eine hätte finden können - die nächste wäre auch 50km entfernt gewesen und außerdem nichtmal ein DGfM-Berater, also auch nicht darüber erfragbar.
Mit diesem Forum hätte ich mich dann eben zusätzlich versichern können, was eigentlich nicht schlecht gewesen wäre. Vielleicht hätte man mir völlig abgeraten und ich hätt erst gar nicht weitergemacht, so hab ich ihn einfach so gegessen.
Ich denke beim Pilzeessen ist Eigenverantwortung gefragt und sowieso schon nicht zu wenig da (wenn man mal von manchen Psiloessern absieht, die glücklicherweise auch manchmal in diesem Forum anfragen, ob ihre Heudüngerlinge Psilos sind), "dank" der allgemeinen Pilzpanik.

Bei manchen Röhrlingen kann natürlih wirklich o gut wie nix passieren (es
sein denn, sie schimmeln, was gerade auf dem Bild nicht zu sehen war.
Goldschimmel ist giftig. Ganz einfach. Hab ich den Pilz in der Hand, drehe
ich ihn, sehe ihn von allen Seiten und alles ist o.k. Auf nem Bild sieht
man das net immer. Dann wird auch schnell gesagt "ja, denn kannste
ruhiug essen". Mahlzeit.

Naja, im Internet muß man einfach aufpassen, aber man kann nicht sämtliche Antworten kontrollieren. ich bin zum Beispiel jemand, der selbst noch gute Pilze schon aussortieren würde, weil sie mir zu alt vorkommen - vielleicht hätte ich beim Goldschimmelthread eingegriffen und so den Frager auf seine eigene Verantwortung zurückverwiesen?
Niemand futtert doch unreflektiert etwas, wo einer sagt "eßbar" und der andere "giftig". Beim Perlpilz von Klaus hätte ich als erste Antwort auch gegen meine Überzeugung vorsichtiger geantwortet....eben wegen der Gefahr des Nachsammelns etc, die ich aber nach mehreren Giftpilzantworten nicht mehr gegeben sehe.

Für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen Bestimmungshilfe,
Pilzeraten und eben Speisepilzdeklaration. Letzteres halte ich meist für
fahrlässig.
Wenn du meinst, leichtfertig mit der Gesundheit von Pilzessern umzugehen, die
sleber keinerlei Artenkenntnis haben und dir vertrauen, dass du alles
richtig machst - o.k., dein Bier. Ich könnte nicht so ruhig schlafen.
Ausnahmen mag es geben (eindeutig frische Steinpilze ohne Schimmel,
Riesenbovist).

Ich gehe mit niemandes Gesundheit fahrlässig um und wenn könnte ich wohl auch nicht ruhig schlafen.

Mich persönlich nervt es aber auch, dass man bei solchen Einwänden meist als
Panikmacher verunglimpft wird.

Tu ich das?

Und juristisch ist es nicht so einfach, da raus zu kommen. Oder bist du,
Huoerzia, Juristin? Meines Wissens ist man bei jeglicher Beratung, egal ob
per Interner oder sonstwie, haftbar. Wenn du weißt, dass der eine oder
andere Pilze essen will, die er per schelchtem Bild (oder Bild allgemein)
bestimmen lassen will, und man nennt ihm nen Namen - und am Ende isst er
das wirklich und vergiftet sich, so war das Handeln zumindest fahrlässig,
vermutlich sogar grob fahrlässig. Letzteres hieße vermutlich Knast (bzw.
Bewährung).

Das ist eben falsch.
Mein Noch-Ehemann ist Jurist und wir haben zum Heilig-Abend-Essen drüber geschnackert. Selbst wenn dir im Wald jemand Pilze unter die Nase hält und du sagst "kann man essen" und das war dann nicht so, kann dir niemand was. Ausnahme, wenn du offiziell als Pilzberater auftrittst und diese ordnungsgemäß (also nicht per I-net) durchführst und du böswillig oder grob fahrläsig dabei bist.
Aber ganz abgesehen davon, mag ich es auch nicht besonders, wenn man versucht, mir hier meine eigene Verantwortung abzusprechen, um mich zu "beschützen".

Daher auch der Einwand, keine fahrlässigen Pilz"beratungen" (egal
ob DGfM oder nicht, der Begriff ist nich geschützt!) zu betreiben.

Daher? Weil du schlaflose Nächte hast, wenn ich handel? Oder weil du Angst hast, daß ich in den Knast komme? Das ist ja wirklich nett, aber mir fällt es etwas schwer, das SO anzunehmen....

Vielleicht gehst du inhaltlich auf mein Posting ein, vielleicht reagierst du
harsch, vielleicht polemisch. Mach's wie du willst. Ich hoffe nur für
dich, dass du mit deiner Haltung nicht doch mal ernsthafte negative
Konsequenzen fürchten musst...

Und was war´s nun? Inhaltlich, polemisch oder harsch?
Das ist auch eine ehrliche Frage, weil ich einfach manche Adjektive für meine Beiträge nicht wirklich verstehe.

Schade. Aber wer mit dem Feuer spielt... nun, den Satz kennst du veilleicht.

Schade, Angst ist stets ein schlechter Lebensratgeber, aber das weißt du vielleicht noch nicht.
Nur nochmal: Ich spiele NICHT mit dem Feuer - das ist DEINE Interpretation.

(Das geht vielleicht etwas weit vom Thema ab, aber mein Posting etwas weiter oben, legt dir meine Sicht schon hinreichend dar, denke ich und ich würde mich auch über eine Antwort dort freuen - meinetwegen auch privat.)

Viele Grüße,

Tanja