Marasmius, Inocybe und 2 Unbekannte *PIC*

Werner, (vor 8175 Tagen)

Hallo,

wieder einmal war ich im Wald unterwegs und habe so einiges Interessante gefunden. Darunter war z.B. Psilocybe inquilinus var. crobula. Mit Bildern möchte ich die folgenden Pilze vorstellen bzw. Fragen dazu stellen:

Erst einmal Inocybe nitidiuscula - dieses mal ohne den typischen Buckel in Hutmitte. Diese Art finde ich z. Zt. sehr oft und sie läßt sich mikroskopisch auch recht gut verifizieren. Apikal beschopfte Pleuro-, Cheilo- und Kaulozystiden (nur im oberen Stieldrittel und nur da!). Außerdem fällt der leicht rosaliche Stiel meist schon auf und man kann I. nitidiuscula alias I. friesii alias Früher Rißpilz schon mal im Feld als Möglichkeit annehmen.

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Dann wäre da der z. Zt. sehr häufige Marasmius bulliardii - das Käsepilzchen. Erkennbar an der Größe, dem Kollar (Halsband um den Stiel herum)und dem schwarzbraunen Nabel in der abgeflachten Hutmitte.

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So - und jetzt kommen meine Problempilze. Der erste kostete mich wieder ein paar graue Haare, da ich am Anfang noch nicht einmal in der Gattung sicher war. Inzwischen denke ich aber schon, daß es eine Psathyrella ist. Die wuchs recht häufig in einem Mischwald auf der Laub- und Nadelstreu. Der Stiel zerfaserte allerdings nicht typisch sternförmig, sondern brach mehr in Stücke. Die Cheilocystiden waren größtenteils keulig, aber auch teilweise flaschenförmig - utriform. Jedoch ohne apikale Inkrustationen. Die Pleurocystiden waren ebenfalls keulig. Die Sporen waren glatt, dunkelbraun und dickwandig und maßen 10x5,5 im Mittel. Hauptsächlich konnte ich 4-sporige Basidien finden, aber definitiv auch 2-sporige. Das erklärt auch 2 recht unterschiedliche Sporengrößen, die das o.g. Mittel ergaben. Die großen Sporen waren seltener (ca. 10-20%) und um die 12x6,8, die kleineren um die 9-10x4,5-6. Vielleicht kann ja jemand zu dieser merkwürdigen "Psathyrella" was sagen - auffällig waren auch die Ringreste am Stiel.

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Und jetzt noch ein Versäumnispilz - weil ich zu doof war, ihn rechtzeitig zu mikroskopieren. Ein Coprinus, der an Laubholz wuchs. Ich dachte erst, es wird wohl der Gesäte Tintling - Coprinus disseminatus sein. Diese Vermutung hatte ich, weil ich keine zerflossenen Exemplare fand und die Größe auch paßte. Ich wollte das noch zuhause verifizieren, aber als die dann endlich dran waren, waren sie zerflossen - grrr - also doch kein disseminatus. Aber vielleicht erkennt den ja doch jemand noch ohne Mikro?

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Schon mal vorab vielen Dank für alle Tips,

Gruß, Werner

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Re: Marasmius, Inocybe und 2 Unbekannte

Huperzia ⌂, (vor 8175 Tagen) @ Werner

So - und jetzt kommen meine Problempilze. Der erste kostete mich wieder ein
paar graue Haare, da ich am Anfang noch nicht einmal in der Gattung sicher
war. Inzwischen denke ich aber schon, daß es eine Psathyrella ist. Die
wuchs recht häufig in einem Mischwald auf der Laub- und Nadelstreu. Der
Stiel zerfaserte allerdings nicht typisch sternförmig, sondern brach mehr
in Stücke. Die Cheilocystiden waren größtenteils keulig, aber auch
teilweise flaschenförmig - utriform. Jedoch ohne apikale Inkrustationen.
Die Pleurocystiden waren ebenfalls keulig. Die Sporen waren glatt,
dunkelbraun und dickwandig und maßen 10x5,5 im Mittel. Hauptsächlich
konnte ich 4-sporige Basidien finden, aber definitiv auch 2-sporige. Das
erklärt auch 2 recht unterschiedliche Sporengrößen, die das o.g. Mittel
ergaben. Die großen Sporen waren seltener (ca. 10-20%) und um die 12x6,8,
die kleineren um die 9-10x4,5-6. Vielleicht kann ja jemand zu dieser
merkwürdigen "Psathyrella" was sagen - auffällig waren auch die
Ringreste am Stiel.

Hallo Werner,

An Psathyrella kann ich nicht glauben. Vielleicht ist´s ne Pholiotina?

Viele Grüße,

Tanja

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Re: Marasmius, Inocybe und 2 Unbekannte

Markus Wilhelm ⌂, (vor 8174 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

bei dem unbekannten Pilz handelt es sich wahrscheinlich um den voreilenden Ackerling. Der ist sehr veränderlich und täuscht immer mal was anderes vor, zudem sind Deine Pilze doch schon recht gammlig! Aber der häutige Ring ist da, der Stiel stimmt, und die Mikromerkmale passen auch nicht schlecht. 2-sporige Basidien können immer mal vorkommen, vor allem überalterte oder lange im Kühlschrank gelagerte Pilze bilden oft unübliche 2-sporigkeit!
Beim Tintling kann ich Dir nicht helfen, ich hätte dies auch als den gesäten Tintling angesprochen.

Alles Gute, Markus

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Re: Marasmius, Inocybe und 2 Unbekannte

zuehli ⌂, (vor 8174 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Werner,

die Psathyrella würde ich auch eher für angegammelten Ackerling halten. Die sind mir letztens recht ähnlich untergekommen.
Gruß Harald

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Re: Marasmius, Inocybe und 2 Unbekannte

Werner, (vor 8174 Tagen) @ zuehli

Hallo Tanja, Markus und Harald,

die Psathyrella würde ich auch eher für angegammelten Ackerling halten. Die
sind mir letztens recht ähnlich untergekommen.

Pholiotina möchte ich schon aufgrund der Größe (Durchmesser der kleineren Exemplare ca. 5 cm) ausschließen.

Agrocybe kann schon sein. Nur - A. praecox paßt von den Zystiden eigentlich gar nicht, wenn man BK hernimmt. Meine waren überwiegend zylindrisch-keulig, teils flaschenförmig bis utriform, praktisch aber nie bauchig-spindelig. Und lt. BK und auch Ludwig sollten die doch größtenteils sehr bauchig sein??! Aber - dann ist da im Ludwig noch die Bemerkung, daß die Zystidenform altersabhängig wäre ... interessant. Das ist mir bis jetzt auch noch nicht untergekommen - daß die Zystidenform (in diesem Fall auch die -häufigkeit) sich mit dem Alter ändert. Der Hut war hygrophan, ins Ockerliche ausblassend - das würde ebenfalls zu praecox passen.

Interessant ist auch im Ludwig die Anmerkung, daß die Basidien meist(!) 4-sporig sind, d.h. daß es auch 2-sporige gibt. Die Geschichte mit dem Kühlschrank fällt aus, da ich die Pilze kurz nach der Rückkehr aus dem Wald ungekühlt mikroskopiert habe - alte Schlappen bleiben es trotzdem. Scheinbar bilden sich im Alter mehr 2-sporige Basidien und damit auch ein Anteil großer Sporen.

Also, nach Ludwig-Lektüre glaube ich nun, daß ihr recht habt und das alte A. praecox sind. Habe nur noch nie so alte praecox im Mischwald genau betrachtet.

Bleibt noch der merkwürdige zerfließende "Gesäte Tintling".

Vielen Dank Euch allen erstmal,

Werner, der nun dazugelernt hat, daß selbst die Zystidenform sich mit dem Alter ändern kann ... oje, das kompliziert wieder einiges noch mehr ...

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Re: Marasmius, zwei (?) Inocyben ...

Helmut, (vor 8174 Tagen) @ Werner

Servus Werner,

auf dem Bild sind m. E. zwei verschiedene Risspilze abgebildet. Während der linke, braunhütige Fruchtkörper noch als I. nitidiuscula durchgehen könnte, sind die anderen dafür schon extrem untypisch. Könntest Du davon Mikrofotos oder -zeichnungen posten? Zumindest von Sporen und Hymenialzystiden.

Das letzte Bild scheint mir dagegen ein ganz typischer Gesäter Tintling zu sein.

Gruß

Helmut

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Re: Marasmius, zwei (?) Inocyben ...

Werner, (vor 8174 Tagen) @ Helmut

Servus Helmut,

auf dem Bild sind m. E. zwei verschiedene Risspilze abgebildet. Während der
linke, braunhütige Fruchtkörper noch als I. nitidiuscula durchgehen
könnte, sind die anderen dafür schon extrem untypisch. Könntest Du davon
Mikrofotos oder -zeichnungen posten? Zumindest von Sporen und
Hymenialzystiden.

Nun, mikroskopiert habe ich bloß den großen braunen Fk. Aber - ich habe alle Fk direkt nebeneinander gefunden, braune und hellhütige jüngere durcheinander auf ca. 1 qm. Ansonsten habe ich im ganzen Wald keine andere Inocybe mehr gefunden. Und die Übergänge waren von hell bis zur dunklen braunen Form auch alle da. Auch die größeren hellen bräunten zuhause noch nach. Also denke ich schon, daß alles der gleiche Pilz ist. Zeichnungen habe ich keine angefertigt, aber die Zeichnung in BK Bd. 5 zu I. nitidiuscula trifft es haargenau. Gut, die hellen habe ich nicht mikroskopiert - nur wäre es schon sehr erstaunlich, wenn das was anderes wäre, da die tlw. im Abstand von ein paar cm mitten unter den dunklen Exemplaren wuchsen und wie gesagt auch Übergangsformen reichlich vorhanden waren.

Das letzte Bild scheint mir dagegen ein ganz typischer Gesäter Tintling zu
sein.

Das kann aber nicht sein - denn der zerfließt ja bekanntlich nicht. Meine Exemplare taten das aber - auch zu meiner Verblüffung. Deswegen habe ich ja das Mikroskopieren nicht rechtzeitig vorgenommen ...

Gruß,

Werner

Gruß
Helmut

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Re: Marasmius, zwei (?) Inocyben ...

Andreas ⌂, (vor 8174 Tagen) @ Werner

Das kann aber nicht sein - denn der zerfließt ja bekanntlich nicht. Meine
Exemplare taten das aber - auch zu meiner Verblüffung. Deswegen habe ich
ja das Mikroskopieren nicht rechtzeitig vorgenommen ...

Hallo werner,

also, bei warmer Witterung oder gar im Auto sind mir schon ganz andere Pilze zerflossen, sogar Röhrlinge ;-)
Wenn das nicht Coprinus disseminatus ist, dann kann es eigentlich nur Psathyrella pygmaea sein, aber die zerfließt genauso wenig. Für mich spricht nix gegen C. disseminatus.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Marasmius, zwei (?) Inocyben ...

Werner, (vor 8173 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

also, bei warmer Witterung oder gar im Auto sind mir schon ganz andere Pilze
zerflossen, sogar Röhrlinge ;-)

Damit hast Du sicher recht. Nur - a) war es nicht arg warm b) hatte ich den Pilz nicht im heißen Auto liegen.

Wenn das nicht Coprinus disseminatus ist, dann kann es eigentlich nur
Psathyrella pygmaea sein, aber die zerfließt genauso wenig. Für mich
spricht nix gegen C. disseminatus.

Stimmt, rein optisch war ich mir ja auch recht sicher. Nur war halt sehr merkwürdig, daß die Lamellen und die Hüte in den typischen schwarzen Coprinus-Baz (bayrisch für schmierige Masse) zerflossen, während die Stiele recht unbeschadet überblieben. Irgendwie schon komisch, oder? Wenn die Stiele und die in der gleichen Schachtel gelagerten anderen Pilze auch zumindest matschig geworden wären ... nur, da war gar nix. Nicht mal so Winzzeug wie Marasmius bulliardii - die waren fast perfekt erhalten, als die Coprinusmatschpilze schon hutmäßig zerflossen waren.

Und das Ganze gesammelt gegen 17 Uhr, nachts um 21 Uhr bemerkte ich die Misere. Naja, wie auch immer. Vielleicht komme ich ja demnächst noch mal hin und finde den Stamm wieder ...

Gruß,

Werner