off topic: Lyrisches zum Monat August

Harald Andres Schmid, (vor 8125 Tagen)

Hallo, zusammen,

Hier das Kästner-Gedicht zum Monat August.
(Ich hatte Euch versprochen, die Monats-Gedichte des Lyrikers jeweils zum Ersten zu posten – bin wieder mal in Verzug...)

Das August-Gedicht ist für mich eines der schönsten des ganzen Zyklus (und für mich etwas vom schönsten, was uns in deutscher Sprache je geschenkt wurde).
Es ist sinnlos, wenn ich versuchen würde, Euch zu erklären, was das Gedicht für mich in meinem Leben bedeutet.
Es spricht für sich selber:

Der August

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
Und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
In ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten die? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten die? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
An ihnen abschiedssüss vorüber wehte?

In Büchern liest man gross und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, -
Das Unverständliche bleibt unverständlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riechts nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie gross und grenzenlos ist die Idylle...

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Nirgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Bei einem anderen seiner Gedichte hatte Kästner die Nachbemerkung angebracht:
„Über diesem Gedicht musste Lisa beinahe weinen.“
Der Satz fällt mir immer ein, wenn ich dieses Gedicht lese...

Lieben Gruss, Harald Andres

Hier die bisherigen Gedichte:

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Re: off topic: Lyrisches zum Monat August

Monika, (vor 8125 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo, zusammen,
Hier das Kästner-Gedicht zum Monat August.
(Ich hatte Euch versprochen, die Monats-Gedichte des Lyrikers jeweils zum
Ersten zu posten – bin wieder mal in Verzug...)
Das August-Gedicht ist für mich eines der schönsten des ganzen Zyklus (und
für mich etwas vom schönsten, was uns in deutscher Sprache je geschenkt
wurde).
Es ist sinnlos, wenn ich versuchen würde, Euch zu erklären, was das Gedicht
für mich in meinem Leben bedeutet.
Es spricht für sich selber: Der August
Nun hebt das Jahr die Sense hoch
Und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Stockrosen stehen hinterm Zaun
In ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.
Wann reisten die? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten die? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
An ihnen abschiedssüss vorüber wehte?
In Büchern liest man gross und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, -
Das Unverständliche bleibt unverständlich.
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riechts nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie gross und grenzenlos ist die Idylle...
Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Nirgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Bei einem anderen seiner Gedichte hatte Kästner die Nachbemerkung angebracht:
„Über diesem Gedicht musste Lisa beinahe weinen.“
Der Satz fällt mir immer ein, wenn ich dieses Gedicht lese...
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Hallo Haral
Wirklich wieder treffend und schön.
Nur weiter so.
Grüessli Monika

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Anmerkung von mir Hans der Yukonplauderer

Hans hurter, (vor 8124 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Niemals würde ich es mir erlauben einem Dichter nachzueifern doch vielleicht erlaubt Ihr einem alten Kämpen einige Bemerkungen?
Um Mitteilungen in xbeliebiger Form erleben zu können ,braucht es Herz
es braucht viel Glück wenn man es nicht von zu Hause mitbekommen hat es zu finden!Hat man Herz kann man weinen,lachen,lieben ,mitfühlen,
trauern!Manchmal zerstört ein Wort,Laune,Regung,Unbeherrschtheit fast das Erarbeitete.Da braucht es Nerven Beherrschung und Willen es nicht soweit kommen zu lassen.Mein Ziel und mein Glück wäre es, das gefundene Herz und die Gefühle sowie den Rest Nerven bis zum unabweichlichen Lebensendtermin zu erhalten!Zu ernten, das was ich probiert habe in den letzten Jahren zu sähen!
Ich habe beim lesen dieses Gedichtes geweint und schäme mich nicht.
Herzliche Grüsse Hans

Hallo, zusammen,

Hier das Kästner-Gedicht zum Monat August.
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Ersten zu posten – bin wieder mal in Verzug...)
Das August-Gedicht ist für mich eines der schönsten des ganzen Zyklus (und
für mich etwas vom schönsten, was uns in deutscher Sprache je geschenkt
wurde).
Es ist sinnlos, wenn ich versuchen würde, Euch zu erklären, was das Gedicht
für mich in meinem Leben bedeutet.
Es spricht für sich selber: Der August
Nun hebt das Jahr die Sense hoch
Und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Stockrosen stehen hinterm Zaun
In ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.
Wann reisten die? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten die? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
An ihnen abschiedssüss vorüber wehte?
In Büchern liest man gross und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, -
Das Unverständliche bleibt unverständlich.
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riechts nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie gross und grenzenlos ist die Idylle...
Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Nirgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Bei einem anderen seiner Gedichte hatte Kästner die Nachbemerkung angebracht:
„Über diesem Gedicht musste Lisa beinahe weinen.“
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Das ist total schön und verursacht bei...

Christoph G, (vor 8124 Tagen) @ Harald Andres Schmid

... mir Gänsehaut, sowie die beiden im Juni und Juli. freu mich auf die nächsten, wenn ichs mir verkkneifen kann sie vorher zu "holen".
Hab da auch so Gedichte, die mir ganz nah gehen und ich denk ich versteh was du meinst harald andreas.. :-))

Hallo, zusammen,
Hier das Kästner-Gedicht zum Monat August.
(Ich hatte Euch versprochen, die Monats-Gedichte des Lyrikers jeweils zum
Ersten zu posten – bin wieder mal in Verzug...)
Das August-Gedicht ist für mich eines der schönsten des ganzen Zyklus (und
für mich etwas vom schönsten, was uns in deutscher Sprache je geschenkt
wurde).
Es ist sinnlos, wenn ich versuchen würde, Euch zu erklären, was das Gedicht
für mich in meinem Leben bedeutet.
Es spricht für sich selber: Der August
Nun hebt das Jahr die Sense hoch
Und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Stockrosen stehen hinterm Zaun
In ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.
Wann reisten die? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten die? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
An ihnen abschiedssüss vorüber wehte?
In Büchern liest man gross und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, -
Das Unverständliche bleibt unverständlich.
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riechts nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie gross und grenzenlos ist die Idylle...
Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Nirgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Bei einem anderen seiner Gedichte hatte Kästner die Nachbemerkung angebracht:
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Und dieses von Kästner ist auch...

Christoph G, (vor 8124 Tagen) @ Harald Andres Schmid

...Kalter schauer,Gänsehaut und tränen verdrücken, weil sooo wahr;-)):

Die Wälder schweigen

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Einfach schöön....

Hallo, zusammen,
Hier das Kästner-Gedicht zum Monat August.
(Ich hatte Euch versprochen, die Monats-Gedichte des Lyrikers jeweils zum
Ersten zu posten – bin wieder mal in Verzug...)
Das August-Gedicht ist für mich eines der schönsten des ganzen Zyklus (und
für mich etwas vom schönsten, was uns in deutscher Sprache je geschenkt
wurde).
Es ist sinnlos, wenn ich versuchen würde, Euch zu erklären, was das Gedicht
für mich in meinem Leben bedeutet.
Es spricht für sich selber: Der August
Nun hebt das Jahr die Sense hoch
Und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss ... säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Stockrosen stehen hinterm Zaun
In ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.
Wann reisten die? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten die? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
An ihnen abschiedssüss vorüber wehte?
In Büchern liest man gross und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, -
Das Unverständliche bleibt unverständlich.
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riechts nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie gross und grenzenlos ist die Idylle...
Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Nirgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Bei einem anderen seiner Gedichte hatte Kästner die Nachbemerkung angebracht:
„Über diesem Gedicht musste Lisa beinahe weinen.“
Der Satz fällt mir immer ein, wenn ich dieses Gedicht lese...
Lieben Gruss, Harald Andres
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Re: off topic: Lyrisches zum Monat August

coco, (vor 8123 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Es ist sinnlos, wenn ich versuchen würde, Euch zu erklären, was das Gedicht für mich in meinem Leben bedeutet.

lieber harald,

sei gewiss, es ist zu verstehn.

die es verstehen, verstehen es schon durch den akt der veröffentlichung.

herzlich

coco

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Assoziationen

DieterB, (vor 8123 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo,

wirklich ein ergreifendes Gedicht. Und eigentümlich: mir fiel dabei sofort Bladerunner ein und der Sterbe-Monolog von Batty.

Viele Grüße
Dieter