Hinweise zur mikroskopischen Holzbestimmung

Werner2, (vor 7980 Tagen)

Hallo Holzpilzfreunde
.
In einigen der letzten Beträge wurde über die mikroskopische Bestimmung von Holz
diskutiert. Hier ein paar Hinweise dazu.
.
Mikroskopische Holzbestimmung ist zwar nicht ganz einfach und kostet beim Einstieg viele Deckplättchen oder Objektträger, aber mit der passenden Literatur doch einigermaßen erlernbar. Im Gegensatz zu Pilzen hat man den großen Vorteil, dass man die Techniken und das Erkennen der Arten trainieren kann, da die meisten heimischen Hölzer auch makroskopisch gut bestimmbar sind.
.
Man besorgt sich also ein sicher erkanntes Ästchen von Eiche, Birke, Buche usw. und fertigt mit der Rasierklinge verschiedene Schnitte an. Ich besitze außerdem eine Holzvergleichssammlung von ca. 20 verschiedenen heimischen Bauarten, die ich hin und wieder zu Rate ziehe.
.
Hier die wichtigsten Merkmale und Bestimmungstipps im Zeitraffertempo.
.
1. Holz besitzt ein ausgiebiges Wasserleitungs- und Speichersystem (Gefäßzellen). Diese verlaufen längs und quer, haben verschiedene Breiten, Größen und Bündelungen.
Längszellen nennt man Tracheiden und Parenchymzellen; die quer verlaufende Zellen Holzstrahlen und ebenfalls Parenchymzellen. Beim Nadelholz gibt es darüber hinaus noch Harzkanäle.

2. Um diese Zellen zu sehen und einzuordnen, benötigt man verschiedene Schnitte mit der Rasierklinge (ein Mikrotom wird wohl keiner besitzen).
Der erste Einstiegsschnitt ist immer der Querschnitt. Als Ergebnis braucht man eine gerade nicht verquetschte Stelle des Holzes. Hier wird ein feiner Schnitt mit der Rasierklinge drübergezogen. Ein gerade durchgebrochenes Ästchen ist im Prinzip bereits ein Hilfsquerschnitt und mit der Lupe kann man die Öffnungen der Längsgefäße bereits gut erkennen.

3. Die Längsgefäße bei Laub- und Nadelholz
Nadelholz besteht (in Längsrichtung) fast nur aus kleinen Längstracheiden und ist daher sehr gleichmäßig und fein angeordnet. Zerstreute einzelne größere Öffnungen sind Harzkanäle und keine Gefäße wie beim Laubholz.
Laubholz besitzt dagegen deutliche und große Gefäße (die sieht man als Öffnungen im Querschnitt). Je nach Holzart sind diese unterschiedlich groß, gebündelt oder zerstreut. Man unterscheidet hier zwischen ringporig (z.B. Eiche und Esche), halbringporig (z.B. Walnuss) oder zerstreutporig (die schwierigste und größte Gruppe: z.B. Erle, Birke, Buche, Weide usw.).
Am einfachsten zuzuordnen sind die ringporigen Laubhölzer. Hier sind die Frühholzgefäße, als die ersten des Jahres, deutlich größer als der hinzugewachsene Rest. Im Querschnitt sieht man auch, ob das Holz Holzstrahlen besitzt – am deutlichsten ausgeprägt, bei Buche und Eiche. Einfach mal eine quer durchgebrochenes, trockenes Eichenästchen durch die Lupe betrachten und jeder weis, was ich meine.
Um die Gefäße im Querschnitt richtig zu erkennen und auszumessen benötigt man dann allerdings sehr feine Schnitte, die man dann mit 400facher Vergrößerung mikroskopieren muss.

4. Die weiteren, oft notwendigen Schnitte sind dann die Radial- und Tangentialschnitte. Für die Bestimmung von Nadelholz sind z.B. Radialschnitte wichtig. So kann man die Struktur der quer verlaufenden Holzstrahlen und die Form ihrer Innenwände erkennen (bei Kiefer z.B. gezähnelt). Auf die Tüpfel, dass sind die Verbindungsöffnungen zwischen den Zellen, will ich hier jetzt nicht eingehen.
Beim Tangentialschnitt sieht man dagegen die Anzahl und die Bündelung der quer verlaufenden Holzstrahlen. Bei halbringporigen und zerstreutporigen Laubhölzern ein absolutes „Muss“.

5. Völlig vergammeltes oder durch Pilzmycelien zersetztes Holz kann man übrigens so gut wie nicht mehr sicher bestimmen. Hier lösen sich fast alle Strukturen auf. Die Unterscheidung Laub- und Nadelholz mag vielleicht noch gelingen.

6. Wurzelholz ist mit den von mir beschriebenen Methoden und Merkmalen übrigens nicht bestimmbar. Es besteht aus sogenannten Steinzellen und besitzt eine andere Systematik.

Literatur zu dieser Thematik gibt es schon. Ich arbeite mit einer Arbeit von Hans-Rolf Höster (keine Ahnung wo das mal erschienen ist) und mit einem weiteren mikrophotografischen Lehratlas von Dietger Grosser: „Die Hölzer Mitteleuropas“. Erschienen 1977 im Springer-Verlag Berlin.

Das war natürlich absolut nicht vollständig, sondern nur ein Schnelldurchlauf.
Ich hoffe trotzdem, euch ein paar hilfreiche Hinweise gegeben zu haben.
.
Holzanatomische Weihnachtsgrüße von Werner 2

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Hinweise zur mikroskopischen Holzbestimmung

42, (vor 7980 Tagen) @ Werner2

Hallo Werner,

danke für die interessanten Informationen.

weiteren mikrophotografischen Lehratlas von Dietger Grosser: „Die Hölzer
Mitteleuropas“. Erschienen 1977 im Springer-Verlag Berlin.

Habe eben mal gegoogelt und bin bei Lehmanns fündig geworden:

Grosser, Dietger;
Die Hölzer Mitteleuropas
Ein mikrophotographischer Lehratlas
Preis: 35.00 Euro (Ladenpreis)

2003, 2., Aufl. 217 S. 87 AbbildungenFalttaf. z. Bestimmung d. Holzarten Pb 170x220 mm 380 gr
Kessel, N
ISBN 3-935638-22-1

Gruß
Thomas (der das Thema sehr interessant findet)

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Weiterer Literaturhinweis

Werner2, (vor 7980 Tagen) @ Werner2

Bei Walter Pätzold gibt es noch das Buch von Schweingruber: "Pilzmikroskopie".
Hier der Link.
http://www.pilzzentrum.de/buecher.html
.
Gruss Werner2

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

d.h. natürlich "Holzmikroskopie" !!! *oT*

Werner2, (vor 7980 Tagen) @ Werner2

- kein Text -

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Hinweise zur mikroskopischen Holzbestimmung

Karl Keck ⌂, (vor 7975 Tagen) @ Werner2

Vielen Dank, Werner, für diese wertvollen Tipps. Ich habe sie mir gleich ausgedruckt!
Guten Rutsch ins Neue Jahr!
Karl